Koblenz

Immer mehr Elektroautos rollen auf Deutschlands Straßen. Doch rund ums „Heimladen“ halten sich hartnäckige Missverständnisse

Was stimmt wirklich: Ist die Haushaltssteckdose genauso gut? Bricht das Stromnetz zusammen? Und dürfen Mieter überhaupt eine Wallbox installieren? Die Debeka, eine der größten Versicherungen und Bausparkassen in Deutschland, räumt mit Mythen auf und gibt konkrete Tipps zum Thema Wallbox.

Mythos 1: „Die normale Haushaltssteckdose reicht völlig aus
Das klingt zwar pragmatisch, ist aber gefährlich. Herkömmliche Steckdosen sind für Dauerlasten, wie sie beim Laden eines Elektroautos über viele Stunden hinweg entstehen, schlicht nicht ausgelegt. Die Folge können Überhitzung und im schlimmsten Fall ein Kabelbrand sein. Hinzu kommt: Eine Haushaltssteckdose liefert lediglich rund 2,3 Kilowatt Ladeleistung. Eine Wallbox hingegen kommt je nach Modell auf 11 bis 22 Kilowatt. Praktisch bedeutet das: Was an der Steckdose fast 16 Stunden dauert, erledigt eine 11-kW-Wallbox in rund 5 Stunden, und das mit integriertem Fehlerstromschutz, Überlastschutz und Wetterfestigkeit für den Außeneinsatz. Wer also regelmäßig lädt, kommt an einer Wallbox nicht vorbei.

Mythos 2: „Die Installation bedeutet einen riesigen Bauaufwand
Das Bild von aufgerissenen Wänden und tagelangen Handwerkerbesuchen hält viele Menschen davon ab, überhaupt an eine Wallbox zu denken. In der Realität sieht es allerdings deutlich entspannter aus. In den meisten Fällen genügt ein kleiner Wanddurchbruch, um das Kabel zur Ladestation zu führen. Der eigentliche Aufwand beschränkt sich auf die Verlegung eines zusätzlichen Stromkreises sowie die Anmeldung beim Netzbetreiber, was die Elektrofachkraft in vielen Fällen direkt übernimmt. Wichtig zu wissen: Eine Wallbox mit 22 Kilowatt Ladeleistung muss darüber hinaus vom Netzbetreiber ausdrücklich genehmigt werden – das ist ein zusätzlicher Schritt, der bei der Planung einzukalkulieren ist.

Mythos 3: „Das Stromnetz bricht zusammen, wenn alle gleichzeitig laden
Dieses Szenario klingt dramatisch, ist aber technisch schon längst überholt. Moderne Wallboxen sind nach den seit 2024 geltenden gesetzlichen Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes als sogenannte steuerbare Verbrauchseinrichtungen ausgelegt. Das bedeutet, dass der Netzbetreiber den Ladestrom bei starker Netzauslastung vorübergehend leicht reduzieren kann und im Gegenzug die Netzentgelte für die Nutzerinnen und Nutzer ausgleicht. Intelligentes Lastmanagement sorgt dafür, dass mehrere Wallboxen in einem Gebäude oder einer Straße koordiniert laden, ohne den Hausanschluss zu überlasten.

Mythos 4: „Als Mieter hat man ohnehin keine Chance auf eine Wallbox
Das stimmt so nicht. Seit der Reform des Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetzes im Jahr 2020 haben Mieterinnen und Mieter sowie Wohnungseigentümer einen gesetzlichen Anspruch auf Zustimmung zur Installation einer Ladeeinrichtung. Vermieter dürfen das Vorhaben nicht grundsätzlich verweigern. Die Kosten trägt in der Regel die mietende Partei. Wichtig dabei ist, die Zustimmung der Vermieter vorab schriftlich einzuholen und zu klären, ob bauliche Besonderheiten des Gebäudes berücksichtigt werden müssen.

Mythos 5: „Staatliche Förderung gibt es für Wallboxen nicht mehr
Wer das glaubt, verschenkt bares Geld. Zwar hat der Bund das frühere KfW-Programm 440 für private Einfamilienhäuser nicht verlängert, doch die Förderlandschaft ist damit keineswegs ausgetrocknet. Zahlreiche Bundesländer, Kommunen und Stadtwerke bieten weiterhin eigene Zuschüsse an. Wer seine Wallbox zusätzlich als steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG anmeldet, profitiert je nach Region von bis zu 190 Euro reduziertem Netzentgelt jährlich. Und wer die Wallbox mit einer Photovoltaikanlage kombiniert, kann den selbst erzeugten Solarstrom direkt ins Fahrzeug leiten – das spart langfristig am meisten. Dabei lohnt es sich, bei der Auswahl der Wallbox darauf zu achten, dass Wechselrichter und Ladestation für das sogenannte Überschussladen kompatibel sind. Nicht alle Geräte arbeiten hier reibungslos zusammen, was im Nachhinein zu Mehrkosten für zusätzliche Komponenten führen kann.

Und wenn die Wallbox selbst zu Schaden kommt?
Eine Wallbox kann eine wertvolle Investition sein, die, wie jedes technische Gerät, durch äußere Einflüsse beschädigt werden kann. In der Regel gilt: Fest am Gebäude installierte Ladestationen sind in den meisten Versicherungsbedingungen der Wohngebäudeversicherung als Gebäudebestandteil berücksichtigt. Sie bietet Schutz bei Schäden durch klassische Gefahren wie Feuer, inklusive Blitzschlag und Überspannung durch Blitz, sowie Leitungswasser, Sturm und Hagel. Ob und, in welchem Umfang die eigene Wohngebäudeversicherung eine Wallbox einschließt, lässt sich durch einen Blick in die Versicherungsunterlagen klären.

Debeka Allgemeine Versicherung AG D-56058 Koblenz. www.debeka.de

Von Dr. Gerd Benner und Christian Arns

ReiseTravel Praxistest: E-Auto laden

Shell Projektmanager E-Mobilität Hauke Schaack erläutert den „Ladevorgang“ E-Tanken an einer öffentlichen Tanke:

„Nach ein bis zwei Mal aufladen an der E-Tankstelle läuft es so wie an der normalen „Tanke“, sagt Shell Projektmanager E-Mobilität Hauke Schaack zum „Ladevorgang“ E-Laden Strom „Tanken“.

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