Berlin

Im Lutherjahr erinnern viele Orte an Martin Luther, Orte an denen er gelebt und die er besucht hat. In seiner Geburtsstadt Eisleben kann in der St.-Petri-Paul-Kirche der rekonstruierte Taufstein Luthers besichtigt werden.

Martin Luther: Das größte reformationsgeschichtliche Museum der Welt steht in Wittenberg – das Lutherhaus, in dem Luther lange Jahre lebte. 1504 als Kloster für die Augustinermönche erbaut. Nach seiner Priesterweihe in Erfurt kam Luther 1507 in den neu gegründeten Wittenberger Konvent und wohnte im Augustinerkloster. Er promovierte an der von Kurfürsten Friedrich III. (Der Weise) 1502 gegründeten Universität und übernahm 1512 dort eine Professur. Die Universität wurde zum geistigen Zentrum und Ausgangsort der Reformation. Nach der Reformation überließ der Kurfürst ihm 1524 das Kloster. Hier wohnte Luther mit seiner Familie bis er starb. In den Räumlichkeiten ist die Lutherstube weitgehend im Originalzustand erhalten. Ab 13. Mai 2017 wird im Augusteum die Nationale Sonderausstellung „Luther 95 Schätze – 95 Menschen“ gezeigt. Dazu gehören Luthers Mönchskutte, seine Bibel sowie einige Handschriften. Bereits eröffnet ist das Panorama-Gemälde „Luther 1517“ von Yadegar Asisi. 15 Meter hoch und 75 Meter lang zeigt es Wittenberg zur Zeit der Reformation.

Seit 1514 war die Wittenberger Stadtkirche St. Marien Luthers Predigtstätte und gilt als „Mutterkirche der Reformation“. Hier wurde die Heilige Messe zum ersten Mal in deutscher Sprache gefeiert und erstmals das Abendmahl in Brot und Wein an die Gemeinde ausgegeben. Die Kanzel, von der Luther einst predigte, ist noch erhalten. Der sogenannte Reformations-Altar wurde von Lucas Cranach d. Ä. und seinem Sohn gemalt. Die Mitteltafel zeigt das letzte Abendmahl. Martin Luther ist hier „Junker Jörg“ zu sehen.

Der „Heidelberger Disput“ ging in die Geschichte ein. Hier hatte Luther am 26. April 1518 zum ersten mal Gelegenheit seine Thesen außerhalb von Wittenberg mit Akademikern zu diskutieren. Er fand jedoch bei den beteiligten Professoren keine Zustimmung, jedoch bei den Studenten. Im Reformationsjahr erinnern auch in Baden-Württemberg viele Veranstaltungen an Luther.

Im brandenburgischen Bad Liebenwerda traf sich Luther 1519 mit dem päpstlichen Nuntius Karl von Militz; um ein Stillhalteabkommen mit ihm auszuhandeln. Im gleichen Jahr traf er Luther in Altenburg. 1544 kam er noch einmal nach Liebenwerda, was durch schriftliche Zeugnisse belegt ist.

Auf der Wartburg lebte Martin Luther von Mai 1521 bis März 1522 Zu besichtigen ist hier die Lutherstube, in der er die Bibel übersetzte. Auch der Tintenfleck ist noch da, der entstand, als Luther meinte, den Teufel an der Wand zu sehen und sein Tintenfass nach ihm warf; ebenfalls die Porträts seiner Eltern, gemalt von Lucas Cranach d. Ä. Die Wartburg hat große Bedeutung für die deutsche Geschichte und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Gegründet wurde sie 1067. Kunstschätze aus acht Jahrhunderten können besichtigt werden. 

Martin Luthers Arbeitsplatz in der Burgvogtei der Wartburg

Durch römisch-katholische Intoleranz "vogelfrei" und kurfürstliche Scheingefangennahme "untergetaucht" konnte er auf der Wartburg die Bibel übersetzen.

Erinnerungsort Deutscher Geschichte: Die Wartburg Eisenach. "Wer die Schrift lernen will, der soll sie verstehen. Denn du liest nicht eines Menschen, sondern Gottes, des Allerhöchsten Wort".

Auf seinem Weg zum Reichstag in Worms predigte Luther 1521 im Dom zu Naumburg. Er übernachtete im Haus des Bürgermeisters Am Markt 3. Zwanzig Jahre später (1542) weihte er Nikolaus von Amsdorf im Naumburger Dom zum ersten evangelischen Bischof. Auch in Zeitz führte er ihn in sein Amt ein; die Stadt wurde daraufhin der Residenzort des Bischofs. 1544 kam Luther noch einmal für zehn Tage nach Zeitz. 1610 heiratete Johann Ernst, ein Enkel Luthers, in Zeitz die Bürgermeistertochter Maria Blumstengel.

Erstmals in der Brüderkirche in Altenburg (Thüringen) predigte Luther öffentlich am 22. April 1522; ein Jahr später traute er in st St. Bartholomäuskirche den Prediger Wenzeslaus Link. Es war die erste Ehe eines Geistlichen in Altenburg. Zahlreiche Besuche Luthers folgten.  Für seine Frau Katharina von Bora kaufte Luther des 20 km entfernte Landgut Zölsdorf als Witwensitz, das in der Nähe des Geburtsortes seiner Frau lag.

Zur Zeit der Reformation war Zerbst die größte und bedeutendste Stadt in Anhalt. Luther kam 1522 nach Zerbst und predigte im Augustinerkloster der Stadt, das später ein Hospital wurde. Im Franziskanerkloster befindet sich seit 1532 das älteste protestantische Gymnasium. In der historischen Bibliothek sind bedeutende Reformationsschriften zu besichtigen.

Auch in Herzberg hinterließ Luther seine Spuren. Von 1522 bis 1533 nahm er an Schul- und Kirchenvisitationen teil. Hier legte Luther die Grundlagen der modernen Schule. In der spätgotischen Backsteinkirche ist als Besonderheit die Gewölbemalerei aus dem 15. Jahrhundert sehr gut erhalten, die im Gegensatz zu den Fresken auf trockenem Putz (a secco) ausgeführt wurde.

In Magdeburg (Sachsen-Anhalt) lebte Luther als Schüler von 1498 bis 1501. Im Jahr 1524 predigte er in der Johanniskirche; danach wurde die katholische Messe abgeschafft.

In Sachsen-Anhalt leben noch viele Nachkommen aus der Familie Martin Luthers; weltweit sind 5.200 bekannt. Ein Ururenkel, Johann Friedrich Luther, starb 1677 und wurde in der Brüderkirche in Altenburg beigesetzt. Letzter männlicher Nachfahre war Johann Gottlob Luther; er starb am 3. November 1759 in Dresden.

In der St.-Martini-Kirche in Stolberg (Harz) predigte Martin Luther 1525 gegen den Bauernaufstand, jedoch ohne Erfolg. Der Bauernführer Thomas Müntzer wurde 1489 in Stolberg geboren. Die Münzprägung hatte hier eine lange Tradition. Im Museum „Alte Münze“ kann eine einmalig erhaltene Münzwerkstatt besichtigt werden.

Schloss Hartenfels in Torgau wurde unter der Herrschaft von Kurfürst Friedrich III. (Der Weise) von Sachsen (1463-1525) das politische Zentrum der Reformation. Der Kurfürst nahm Luther vor der Kirchengerichtsbarkeit und dem Vollzug des kaiserlichen Reichsbanns in Schutz und trug wesentlich zur Ausbreitung der reformatorischen Ideen bei. Schon 1519 fand in der Nikolaikirche die erste evangelische Taufe statt. Ein Jahr später wurde hier erstmals eine evangelische Predigt in deutscher Sprache gehalten. Ab 1482 ließ er das Schloss im Stil der Frührenaissance erbauen, dessen Fertigstellung im Jahr 1623 er nicht erlebte. Es ist das größte und am besten erhaltene Schloss aus dieser Zeit. Der auf der Hofseite am Ostflügel befindliche repräsentativ gestaltete Wendelstein, eine fast 20 Meter hohe freitragende steinerne Wendeltreppe ist einmalig und gehört zu den Denkmalen der Weltarchitektur. Die Innenräume wurden durch Lucas Cranach d. Ä. ausgemalt. Die Schlosskirche in Torgau war einer der ersten protestantischen Kirchenneubauten und wurde 1544 von Martin Luther geweiht. Zur Weihe der Schlosskirche finden vom 5. bis 8. Oktober 2017 Festtage in Torgau statt. Luther war nachweisbar vierzig Mal in Torgau, wo 1527 unter seiner Leitung die Grundzüge der protestantischen Visitationsordnung entworfen wurden. Zum Reformationsjubiläum präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ab 19. Mai 2017 im Schloss Hartenfels die Dauerausstellung „Torgau Residenzstadt der Reformation“.

1530 weilte Luther zu einer Kirchenvisitation in Brück im Land Brandenburg, denn die Einführung der neuen Gottesdienstordnung verlief dort nicht ohne Probleme.

Luthers Frau Katharina von Bora bestattet, war nach dem Tod ihres Mannes 1546 mit zwei ihrer Kinder auf der Flucht vor der Pest und verstarb nach einem Unfall mit einem Pferdefuhrwerk. Sie wurde 1552 in Torgau in der Stadtkirche St. Marien bestattet. Die Grabstätte kann besucht werden.

In Torgau sind mehr als 500 Gebäude aus der Zeit der Renaissance erhalten, denn es war einmal durch die Braukunst eine wohlhabende Stadt.

In Zusammenhang mit der Reformation steht auch die Schlacht bei Mühlberg 1547 bei der die protestantischen Truppen des Schmalkaldischen Bundes von dem Heer des Kaisers Karl V. besiegt wurden. Der Schmalkaldische Bund war ein Bündnis protestantischer Fürsten gegen die Religionspolitik des katholischen Kaisers. In der Ausstellung „Zwischen Pfarrhaus und Ratssaal – Die Reformation in Mühlberg“ vom 22. April bis zum 5. November 2017 werden die Veränderungen durch die Reformation nach der Schlacht thematisiert.

Tetzel, Ablass, Fegefeuer: Tetzel in Jüterbog

Pater Anselm O. Prahm - Pfarrer in Jüterbog

Am Rathaus von Jüterbog ist eine Statue des Heiligen Moritz zu sehen, die anzeigte, dass Jüterbog damals zum Machtgebiet des Erzbischofs von Magdeburg gehörte. In dessen Auftrag wurden hier im Frühjahr 1517 die Ablassbriefe verkauft. Originale Ablassbriefe in verschiedenen Ausführungen, je nach Geldbeutel der Käufer, sind heute im Stadtmuseum Jüterbog im Mönchenkloster erhalten und zu sehen.

Jüterbog im Land Brandenburg hat Luther zwar nie besucht, hat aber im Zusammenhang mit der Reformation große Bedeutung durch den Ablassprediger Johann Tetzel erlangt, der hier die beliebten Ablassbriefe verkaufte. In der Kirche St. Nikolai ist noch ein sogenannter Tetzelkasten zu sehen: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“.  Eine Besonderheit der Kirche ist der Himmelfahrts-Jesus, der an diesem Tag in den Himmel fährt. Im Mittelalter kam durch die Kirchendecke der Teufel und wurde von den Gläubigen zerschlagen.

Im Mönchenkloster Jüterbog, einem ehemaligen Franziskaner-Kloster, ist noch ein Ablassbrief im Original zu sehen. Vom 8. September bis 26. November 2017 findet hier die Ausstellung „Tetzel-Ablass-Fegefeuer“ statt.

ReiseTravel Fact: Es gibt in Deutschland viele Orte, an denen Martin Luther weilte und die mit Ausstellungen, Führungen und Lesungen an den Reformator erinnern.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

Edelgard Richter ReiseTravel.euEdelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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