Antarktis

Eiskaltes Paradies der Extreme in der Natur am Ende der Welt

Eiskalte Schönheit: Die Antarktis ist eine magische Welt aus Schnee und Eis und Schnee, die so groß ist wie Nordamerika. Vor knapp zweihundert Jahren wurde der Kontinent von Schiffen aus gesichtet und erst vor etwa hundert Jahren von Menschen betreten. Selbst im Sommer sind nur zwei Prozent der Antarktis eisfrei. Dafür gibt es kalbende Gletscher und wie von Künstlern gedrechselte Eisberge und eine unglaubliche Tierwelt mit Pinguinen, Seeelefanten, Robben und Seevögeln.

Seetage Richtung Antarktis

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Schneetreiben, Windstärke sieben, vier Meter hohe Wellen, eigentlich ist Frühling auf der Südlichen Halbkugel. Das Expeditionsschiff fährt an unzähligen kleinen Eisbergen vorbei die im Wasser dümpeln, Richtung Antarktis. Beim Abendessen kommt die Durchsage des Kapitäns Arild Harvik: „Eisberg“. Ein gigantisch, langer Tafeleisberg mit einer Länge von etwa 30 Kilometern, liegt im Wasser wie eine Insel. Wenn die Eisberge so groß sind, dass sie vom Satelliten wahrgenommen werden, dann werden sie registriert. Der eisige Koloss hat die Nummer „B 17 A“ vom Oktober 2010. Wenn man bedenkt, dass nur 10 bis 20 Prozent des Eisberges über der Wasseroberfläche zu sehen sind, so muss der Eisberg gigantisch groß sein. Er schwimmt etwa zwei Meilen pro Tag nur angetrieben von der Meeresströmung und dem Wind etwa zwei Meilen Richtung Norden.

Finnwale

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Dann kommt wieder eine Durchsage: „Finnwale Backbord“. Als Erstes sieht man ihre Fontänen und dann die Rückenfinne und hin und wieder die große Schwanzflosse. „Wale Steuerbord“, Backbord, es geht hin und her an Deck. Wale schwimmen im Frühling in die Antarktis um sich satt zu fressen, da es hier ein großes Angebot an Krill gibt. Gruppen von Pinguinen schwimmen in unmittelbarer Nähe eine Weile neben dem Schiff mit. Auch an Seetagen ist es nie langweilig an Bord. Das Expeditionsschiff ist quasi eine schwimmende Universität. Das Angebot an Vorträgen ist enorm. Vor jeder Anlandung wird man in einem Vortrag informiert was einen erwartet und welche Regeln es zu beachten gibt. Es gibt Vorträge und Filme in Englisch und Deutsch über die Falkland Insel, Südgeorgien und die Antarktis, über ihre Entdecker, Walfangzeit, Flora und Fauna. In der Nacht wird der 60. Breitengrad überfahren, das ist die politische Grenze wie im Antarktisvertrag festgelegt.

Die Fahrt geht an den Elephant Islands vorbei. Hier ist Shackleton mit seiner Mannschaft in kleinen Booten gestrandet, nachdem sein Schiff in der Antarktis von der Gewalt des Eises zerbrochen ist. Er holte dann mit einem kleinen Boot Hilfe von Südgeorgien und konnte seine Mannschaft mit einem Schiff abholen. Alle hatten überlebt.

Besuch auf der Brücke: Beim Besuch auf der Brücke erklärt der Kapitän, Arild Harvik: das erste, was ein Seemann lernen muss, sind „Seebeine“ zu entwickeln. Der Seemannsgang ist wichtig, sonst muss man sich an den Geräten festhalten und kann sie nicht bedienen. „Das wichtigste Instrument auf der Brücke ist die Kaffeemaschine“ lacht er. Statt eines großen Steuerrads bestimmen heute Computer und Bildschirme die Brücke. Es gibt verschiedene Kompasse, ein Echolot und einen Autopiloten. Der Kapitän beruhigt, dass das Expeditionsschiff durch 50 cm dickes Eis fahren kann und eine doppelte Außenwand hat, damit so eine Tragödie wie mit der Titanic nicht passieren kann.

Zügelpinguine auf der Halbmondinsel

Anlandung an der Halbmondinsel, die zu den Süd Shetland Inseln gehört. Sie ist zweieinhalb Kilometer lang und ist total in der Hand der Zügelpinguine. Die am Strand ruhenden Robben stören die Pinguine nicht im geringsten. Sie sind genauso schwarz-weiß wie die Eislandschaft. Durch den Streifen unterhalb des Kopfes, den Zügel, durch den sie ihren Namen haben, sehen sie immer aus, als ob sie lachen. Es ist Balzzeit, sie verneigen sich elegant in ihrem Frack, singen und schnäbeln. Andere schleppen Steine zu den höheren Lagen für den Nestbau, da die Sonne oben zuerst den Schnee schmelzen lässt. Wer ein schneefreies Plätzchen hat, der kann schon anfangen zu brüten. Kein Weg ist ihnen zu steil. Abwärts zum Meer rutschen sie damit es schneller geht, auf dem Bauch.

Eselspinguine

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Die Andvordbucht schneidet sich tief in die Küste der antarktischen Halbinsel ein und ist mit Gletschern umgeben. Eisberge dümpeln im Wasser. Am Ende der Bucht geht das Expeditionsschiff vor Anker und die Passagiere werden von den Polar Circle Booten an die kleine Halbinsel Neko Harbour gebracht. Es ist ein erhabenes Gefühl die Antarktis zu betreten. Sie gehört den Eselspinguinen, die sich schwarz-weiß in die Landschaft einpassen. Überall schwimmen Eselspinguine in Gruppen im Wasser, sie kommen an Land, lassen sich von der Sonne trocknen, dann richten sie ihre Federn mit dem Schnabel und gehen zu ihren Nestplätzen zurück. Es wimmelt geradezu von Eselspinguinen – es sind mehrere Tausend. Da die Pinguine im tiefen Schnee nicht so gut gehen können graben sie sich ihre eigene Pinguin Autobahn, um zu den oberen Brutplätzen zu gelangen. Im Wasser dagegen sind sie schnelle Schwimmer. Es lohnt sich eine kleine Wanderung auf einen Schneehügel zu unternehmen. Die Aussicht über die Bucht mit ihren im Wasser liegenden Eisbergen ist gigantisch. Die Gletscherfront gegenüber ist sehr aktiv, hin und wieder hört und sieht man die gewaltige Kraft, wenn Eislawinen abgehen. Da es ein sonniger Tag ist, gehen ein paar hart gesottene Schweden zum Schwimmen ins Polarmeer. Da ist Kajakfahren oder Cruisen in den Polar Circle Booten doch wesentlich gemütlicher. Auf Eisschollen sonnen sich ein paar Robben und lassen sich nicht stören. Dann geht die Fahrt weiter durch den Errerakanal, einer engen Wasserstraße in der Cuverville Island liegt.

Cuverville Insel

Eine zweite Anlandung gibt an der Cuverville Insel mit einer großen Begrüßungsabordnung von Eselspinguinen. Brüten können die meisten noch nicht, da noch zu viel Schnee liegt, dafür wird wie wild gebalzt. Das machen sie sehr elegant, sie verneigen sich und Tröten und Schnäbeln. Fremde Pinguine, die sich in der Kolonie einen Nistplatz suchen, werden sofort weggebissen. Wenn der Schnee geschmolzen ist kommen die Nester vom Vorjahr zutage. Dann sammeln sie Steine, damit die Drainage stimmt, falls es wieder mal schneit und das Ei nicht in der Nässe liegt.

Antarktis – der gefrorene Kontinent.

Minus vier Grad und das im Frühling. Die wärmste Temperatur, die in der Antarktis gemessen wurde, sind elf Grad plus und die kälteste Temperatur 89,6 Grad minus. Vor knapp zweihundert Jahren wurde der Kontinent erst entdeckt und wurde wahrscheinlich erst am 7. Februar 1821 von den Männern des amerikanischen Robbenfängers John Davis betreten, um nach Robben Ausschau zu halten. Selbst im Sommer sind nur zwei Prozent der Antarktis eisfrei. Das Expeditionsschiff kann durch 50 cm dickes Eis fahren und hat eine doppelte Außenwand, damit ein Unglück wie mit der Titanic nicht passieren kann. Eisberge in fantasievollen Formen, wie von Künstler gestaltet schwimmen im Treib- und Packeis. Es gibt nur zwei Pflanzen die das Wetter aushalten. Ein Gras und ein Nelkengewächs, ansonsten gibt es widerstandsfähige Algen, Flechten und Moose.

Speiseplan an Bord

Auf dem Speiseplan an Bord, wie soll es auch anders sein, steht viel Fisch – der kommt natürlich aus Norwegen. Aber auch Steaks aus Argentinien und Ente, Lamm oder Schweinskottelet stehen auf der Speisekarte. Die Weinauswahl ist exzellent, es gibt Weine aus Südamerika, Spanien und Frankreich.

Am Abend ankert das Expeditionsschiff in der Nähe von Port Lockroy und die Polar Circle Boote bringen 18 Mutige mit Zelten und Schlafsäcken an Land, sie wollen in der Antarktis in Zelten übernachten. Der wolkenlose Himmel ist beim Sonnenuntergang in ein kitschiges zartes Rosa getaucht. Ein paar Eisberge dümpeln in der Bucht und erinnern durch die Lichtspiele an Himbeereis.

Port Lockroy

Früh am nächsten Morgen werden die Camper abgeholt. Sie sind ganz stolz, dass sie in Zelten in der Antarktis übernachtet haben, das war Abenteuer pur. Nur schlafen konnten sie nicht so gut, da Pinguine in der nahe gelegenen Kolonie die ganze Nacht gebalzt und lautstark trompetet haben. Dann kommt noch dazu, dass die Sonne geht erst um ca. 23:00 Uhr untergeht und schon um 3:00 Uhr morgens wieder aufgeht. Das Expeditionsschiff lichtet die Anker und steuert Port Lockroy an. Das ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der Antarktis mit einer Forschungsstation, einem Museum, einem Andenkenladen und dem südlichsten Postamt der Erde. 1996 wurde Port Lockroy zum Kulturerbe der von der Antartic Heritage Trust ernannt. Hier war früher eine Walfangstation und im Zweiten Weltkrieg wurde die Station von den Briten zu Militärischen Zwecken genutzt. Heute treffen sich jedes Jahr Eselspinguine zum Brüten. Sie beherrschen die Bucht zu Füßen eisiger Gletscher. Manche nisten ganz schlau unter der Veranda des Museum, da sind sie absolut vor Schneefall geschützt. Auf der Insel werden die Auswirkungen des Tourismus auf das Brutverhalten der Pinguine untersucht. Ein Teil der Insel ist für Besucher zugänglich und der größere Teil bleibt zum Schutz der Pinguine gesperrt. Bisher zeigen die Forschungsergebnisse nur einen kleinen Vorteil für den von Besuchern zugänglichen Teil, weil sich dort die Raubmöwen durch die Menschen gestört fühlen und dort weniger Jagd auf Eier und Jungtiere machen. 

Una’s tits

Der Kurs geht Richtung Lemaire Channel. An der Einfahrt stehen zwei Felsen wie zwei Brüste, die die Seemänner an die Barfrau „una“ in Stanley erinnerten. Sie nannten sie „una’s tits“. Bei der offiziellen Namensgebung der Felsen hat die Barfrau zugestimmt, dass die zwei Bergspitzen so heißen dürfen. Die Fahrrinne wird immer enger und immer mehr Eisberge behindern die Fahrt. Die Druchfahrt durch den Lemaire Channal bricht der Kapitän wegen zu viel Eis in der Fahrrinne ab. Er ändert den Kurs, es geht zurück zum Neumayer Kanal. Die fantasievoll geformten Eisberge in Blautönen von kalbenden Gletschern machen jeder Kunstausstellung Konkurrenz. Am Abend beginnt die Drake Passage, die berüchtigte Passage hält was sie verspricht, sie ist ein echter Schleudergang. Die Crew-Show fällt wegen der Windstärke neun und der acht Meter hohen Wellen aus.

Eistorten und Kap Horn

Am Morgen legt sich der Wind und auch die Wellen werden kleiner. Ganz leicht kommt die Sonne durch und Sturmvögel begleiten wieder das Schiff. Die Crew hält eine Sicherheitsübung ab. Am Abend steigt die Crew-Show. Es gibt ein festliches Menü am letzten Abend auf dem Schiff. Die Rollos werden heruntergelassen und Eistorten mit Wunderkerzen werden in den Speisesaal getragen. Die Nacht an Kap Horn vorbei ist ruhig und wird schlichtweg verschlafen. Der anschließende sturmgeschützte Beagle-Kanal ist sowieso kein Wellenritt mehr bis Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt. In der Zivilisation zurück, vermisst man die kalte schwarz-weiße Welt und die Pinguine kann man sowieso nicht mehr vergessen.

ReiseTravel Fact: Die Antarktis ist eine eiskalte Welt, aber unglaublich schön. Nirgends auf der Welt kann man so viele Wale, Pinguine, Robben und See-Elefanten und verschiedene Seevogelarten beobachten wie in der Antarktis. Und nirgends auf der Welt kommt man der Tierwelt so nahe.

ReiseTravel Service: Anreise mit dem Flugzeug von Frankfurt mit der Lufthansa nach Buenos Aires. Am nächsten Tag Shuttle zur Fram der Hurtigruten-Linie im Hafen. Reise über Falkland Inseln, Südgeorgien und Antaktis bis nach Ushuaia. Flug von Ushuaia nach Buenos Aires und Anschlussflug am nächsten Tag nach Frankfurt. Zeitunterschied minus 4 Stunden.

Hurtigruten GmbH, Burchardstraße 14, D-20095 Hamburg, Tel.: 040-37693-0, www.hurtigruten.com

Reiseführer: Antarktis von Christian Walther. Ein Reise-, Lese- und Informationsbuch über den Kontinent am Südpol. Conrad Stein Verlag, www.conrad-stein-verlag.de, 28,90 Euro.

Bildband: Antarktische Wildnis: Südgeorgien, von Nikolaus Gelpke, Thies Matzen und Kicki Ericson, Mare-online, www.mare.de, 58:00 Euro.

1.500 Kilometer östlich von Kap Hoorn, im kalten Süden unserer Erde, liegt Südgeorgien. Eine Insel, sturmumtost, 160 Kilometer lang und bis auf wenige Forscher menschenleer. Thies Matzen und Kicki Ericson blieben mit ihrem kleinen Segelboot über zwei Jahre lang in der Einsamkeit, umgeben von überwältigender Natur, Hunderttausenden Pinguinen, See-Elefanten und Albatrossen. Dabei entstand eine einmalige fotografische Dokumentation dieser Wildnis.

Südpol – Die Entdeckung

Der Engländer Robert Scott hat Ponys zur Südpol Expedition mitgenommen, die aber der Kälte nicht standhalten konnten und starben. Roald Amundsen träumte schon als Kind den Nordpol zu erreichen, doch der Amerikaner Peary kam ihm zuvor.

Er ist mit einer Mannschaft und 97 Schlittenhunden zum Südpol aufgebrochen und erreicht als Erster am 14. Dezember 1911 den Südpol. Scott erreichte den Südpol am 17. Januar 1912 den geografischen Punkt, der aber schon mit einer norwegischen Flagge markiert war. Scott kam zu spät, er und seine Begleiter sind auf dem Rückweg gestorben.

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Gabi Dräger.

Gabi Dräger ReiseTravel.euUnsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Reise. Ihr Thema sind die Berge. Sie lebt und arbeitet in München. gabi@reisetravel.eu

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