Ludwigslust

Die ehemalige Residenz Ludwigslust lockt Besucher aus aller Welt

Unweit von Schwerin: Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommern, steht das Schloss Ludwigslust. Hier entstand 1724 das erste Jagdhaus für Herzog Christian Ludwig II. Von Mecklenburg-Schwerin im Dorf Klenow, das 1754 in Ludwigslust umbenannt wurde.

1756 wurde Ludwigslust zu Residenz, erst in den Jahren 1772 bis 1776 wurde das mit Sandsteinblöcken verkleidete viergeschossige Backsteinschloss in Spätbarock hinter dem alten Jagdhaus errichtet, das später abgerissen wurde. Über zwei Stockwerke erstreckt sich der Goldene Saal m Stil des Rokoko, der mit seinen großen Fenstern, den Spiegeln und Kristalllüstern glanzvolle Feste erahnen lässt.

In der ehemaligen Karton-Fabrik der Herzöge in Ludwigslust wurden die mächtigen Marmorsäulen und vergoldeten Dekorationen aus Papiermaschee hergestellt. Damit wurde „Ludwigsluster Carton“ überregional bekannt. Der naturwissenschaftlich gebildete Herzog als Bauherr entwarf Höchstselbst die Figuren der Attika. Er ließ zu den im Barock üblichen Darstellungen von Personen der Künste und der Wissenschaft unter anderem auch die einzigartigen Allegorien der Hydrodynamik und der Feldmesslehre darstellen.

Die ehemaligen Prunkräume wie das Miniaturenkabinett und das Jagdzimmer werden heute als Museum genutzt. Hier gewinnt man einen Einblick in die höfische Kunst und Wohnkultur des 18./19. Jahrhunderts. Kostbare Jagd- und Prunkwaffen, kunstvolle Möbel sowie Werke des französischen Hofmalers Jean Baptiste Qudry sind zu sehen, die wir der Sammelleidenschaft der mecklenburgischen Herzöge zu verdanken haben. Im früheren Jagdsaal der Herzöge befindet sich jetzt das Schlosscafé.

Gegenüber vom Schloss steht die Hofkirche, heute evangelische Stadtkirche. Sie wurde 1765 bis 1770 erbaut und ist damit etwas älter als das Schloss.

Der älteste Teil des Schlossparks stammt aus der Zeit um 1730. Etwa 30 Jahre später wurde der Park mit Wasserspielen, Brücken, einer künstlichen Ruine und dem reetgedeckten Schweizerhaus erweitert. Da in der Gegend Wassermangel herrschte, wurde 1760 für die Wasserspiele ein 28 Kilometer langer Kanal, etwa vier Meter breit und 50 Zentimeter tief, von dem kleinen Fluss Stör bis zur Regnitz angelegt.

Der berühmte Gartenarchitekt Peter Joseph Lenné (1786-1866) legte in den Jahren 1852 bis 1860 dann einen Landschaftspark mit seltenen Gehölzen an. Im Park wurde zusätzlich zur Hofkirche 1808 noch die katholische Kirche St. Helena erbaut. Sie war der erste neogotische Backsteinbau in Mecklenburg.

Eine russisch-orthodoxe Kapelle entstand ebenfalls; sie wurde später das Mausoleum für die Großfürstin Helene Pawlowa. Die Großfürstin war die Tochter von Zar Paul I. Von Russland und heiratete den Erbprinzen Friedrich-Ludwig von Mecklenburg. Sie starb 1803 im Alter von nur 18 Jahren. Später wurden weitere Mitglieder der herzoglichen Familie in dem Mausoleum beigesetzt. Die letzte Beisetzung fand 1922 statt. Außerdem gibt es ein Mausoleum für die Herzogin Luise, das in ägyptischem Stil geschmückt ist. Es wurde 1809 erbaut.

Ferner befinden sich in dem ausgedehnten Park und der Umgebung des Schlosses mehrere Denkmäler. Im Jahre 1837 wurde Schwerin wieder Residenzstadt, nachdem viele Jahre lang Ludwigslust die Hauptresidenz der Herzöge war. Seitdem wurde Schloss Ludwigslust als Jagd- und Sommerresidenz genutzt.

1901 heiratete Herzog Hendrik Wladimir Albert Ernst von Mecklenburg-Schwerin (1876 bis 1934) Königin Wihelmina der Niederlande (1880 bis 1962) nach langwierigen Verhandlungen. Die Ehe wurde jedoch nicht glücklich. Wilhelmina wurde nach dem Tod ihres Vaters mit zehn Jahren Königin. Bis zu ihrer Volljährigkeit übernahm ihre Mutter, Königin Emma, die Regentschaft. Die ehemalige Königin Beatrix ist eine Enkelin von Wihelmina. Schloss Ludwigslust wurde nach der 1918 erfolgten Abdankung des letzten regierenden Großherzogs Friedrich Franz IV. (1882 bis 1945) zum Wohnsitz der Familie. Nach 1945 wurde das Schloss von verschiedenen Verwaltungen genutzt.

Die Stadt Ludwigslust wurde seinerzeit planmäßig angelegt, Schloss und Hofkirche sind Bestandteil der Stadt. Die Hauptstraße der Stadt führt direkt zum Schlossplatz. Die Stadt und das Schloss mit dem großen Park bilden zusammen ein Ensemble, weshalb es oftmals auch als mecklenburgisches Versailles bezeichnet wird. Es ist in Norddeutschland eine einmalige Anlage und kann täglich von 10 bis 18 Uhr besucht werden.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

Edelgard Richter ReiseTravel.euEdelgard Richter berichtet aktuell zum Thema: Berlin & Brandenburg intern

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