Wroclaw

Die Jahrhunderthalle des deutschen Architekten Max Berg mit der weltgrößten Kuppel aus Stahlbeton wird seit dem 20. Mai 1913 in Breslau - seit 1945: Wroclaw – bewundert!

Jahrhunderthalle: Sie bietet 6.000 Personen Platz und gehört seit 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Anlass des Baus war der 100. Jahrestag des preußischen Befreiungskrieges gegen Napoleon und des Breslauer Aufrufes vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. am 17. März 1813 „An Mein Volk”. Darin wandte er sich an die „Brandenburger, Preußen, Schlesier, Pommern, Litthauer“, um sie auf seinen Krieg gegen Frankreich vorzubereiten, den sein Volk längst begonnen hatte.

Die Stadt Breslau veranstaltete zum Bau der Jahrhunderthalle eine Ausstellung und arrangierte zahlreiche künstlerische und kulturelle Veranstaltungen, die dem Freiheitskrieg gewidmet waren. Das

alles sollte dazu beitragen, wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung für den Bau des Ausstellungs - bzw. des künftigen Messegeländes an der Jahrhunderthalle vom Kaiserhaus in Berlin zu erhalten. Das aber hielt sich wie (zunächst) beim aktiven Widerstand gegen Napoleon zurück.

Die Kosten für das Ensemble aus Jahrhunderthalle, Vier – Kuppel Pavillon und Pergola (Architekt: Hans Poelzig) musste die Stadt vornehmlich mit Steuergeldern tragen. Alleine die Weltwunder-Halle verschlang etwa zwei Millionen Mark.

Immerhin schickte das Kaiserhaus Kronprinz Friedrich Wilhelm zur Teilnahme an Feierlichkeiten nach Breslau. Als Protektor der Jahrhundertausstellung drängte er darauf, Gerhart Hauptmanns Auftragswerk „Festspiel in deutschen Reimen“, das am 31. Mai 1913 in der Jahrhunderthalle uraufgeführt wurde, vom Spielplan zu nehmen. Da darin enthaltene Kriegskritik sei für Kriegerverbände und Monarchie inakzeptabel. Vielleicht bezog er sich auch auf diese nicht ganz unaktuellen Hauptmann - Zeilen: „Allein, ich sehe dämmern fern des Friedens Tag, so sehr die giftige Pestilenz auch heute noch und finstrer Wahnsinn toben in Europas Blut.“

Der britische Historiker Norman Davies ermittelte, dass gegen Ende des Zweiten Weltkrieges beim Kampf um Breslau insgesamt 170.000 Zivilisten, 6.200 deutsche und 13.000 sowjetische Soldaten ihr Leben verloren haben. 21.600 der 30.000 Gebäude lagen in Trümmern, darunter zahlreiche Industriebetriebe, wertvolle Kulturdenkmäler und Krankenhäuser. Epidemien breiteten sich aus.

Jahrhunderthalle: Die Jahrhunderthalle überstand den Zweiten Weltkrieg fast ohne Schaden. Wie durch ein Wunder blieb sie nahezu unbeschädigt. Doch es begann ein unbeschreiblicher Exodus. Dazu äußert sich der 1938 in Breslau geborene Professor Dr. Norbert Conrads. Er lehrte bis 2003 Neuere Geschichte an der Universität Stuttgart, leitete das Projekt „Die Geschichte von Schlesien“ und ist Autor zahlreicher Untersuchungen im Bereich Bildung und Gesellschaftsgeschichte Schlesiens.

Er schreibt: „Breslau wurde mit Kriegsende ein Ort des Abschieds. Heimatverlust bedeutet mehr als nur materielle Enteignung. Es war das Herausreißen aus einem vertrauten Umfeld, aus sozialer Sicherheit, aus dem Netz von Familie und Verwandtschaft, von Häusern und Gräbern... Der städtische Exodus begann Ende Januar 1945, bis dahin hatte ihn die politische Führung nicht zugelassen. Als die Bevölkerung schließlich doch zum Verlassen Breslaus aufgefordert wurde, geschah es überstürzt, planlos und bei tödlicher Kälte. Zehntausende stürmten den Hauptbahnhof beziehungsweise den Odertorbahnhof, um einen der rettenden Züge zu erreichen. Für viele gehören die Stunden, die sie in verzweifelter Not auf überfüllten Bahnhöfen verbrachten, zu den letzten Erinnerungen an Breslau. Die wenigstens ahnten, dass es ein Abschied für immer sein würde und ihnen Breslau nur noch als ein Ort schmerzlicher Erinnerung bleiben würde. Die in der Stadt ausharrten und die Festungszeit überstanden, befanden sich bald in einer fremden Stadt. Ihnen stand die Ausweisung bevor, an deren Ende Breslau eine Stadt ohne Deutsche war.“

Als Breslau 2016 den Status „Europäische Kulturhauptstadt“ erhielt, nutzte Tausende Deutsche die gute Gelegenheit zum Besuch der viertgrößten Metropole des Nachbarlandes. Sie konnten feststellen, dass nicht alle preußisch-deutschen Wurzeln ausgerissen worden sind.

Ein Beitrag von Steffen Bender www.preussen.org

Rafal Dutkiewicz Prezydent Wroclawia - Oberbürgermeister von Breslau

Rafal Dutkiewicz ist seit 2002 der Präsident von Breslau. Er studierte an der Wroclawer Universität und promovierte 1986. Während der Zeit des Kriegsrechts war in den Untergrund der "Solidarność" in Wroclaw tätig. Im Jahr 2010 wurde er für eine dritte Amtszeit mit 72 Prozent der Stimmen gewählt.

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