Franz Hartk

Untersterblichkeit bei Unternehmen

Bewährung: Nach all den Horrornachrichten der vergangenen Wochen zeigen die soeben erschienenen Insolvenzstatistiken für das vergangene Jahr ein erfreuliches Bild: Die Zahl der Pleiten ist in der Gesamtwirtschaft um rd. 42 % zurückgegangen und in der Hotellerie und Gastronomie sogar um rd. 45 %. Gerade Letzteres ist doch einigermaßen verwunderlich. Schließlich gehört die Tourismuswirtschaft zu den Hauptbetroffenen der diversen Lockdowns.

Erklärlich ist diese Situation nur durch die umfangreichen staatlichen Interventionen. Die Regeln dafür wurden häufig überarbeitet und angepasst und waren damit selbst für hart gesottene Bürokraten eine Herausforderung. Allerdings haben sie in letzter Konsequenz bewirkt, dass sogar deutlich mehr Unternehmen überlebten als unter normalen Umständen. Während wir also eine Übersterblichkeit bei den Menschen hinnehmen müssen, kam es im vergangenen Jahr zu einer Untersterblichkeit bei den Unternehmen.

Bewährungsprobe kommt

Die wahre Bewährungsprobe kommt wohl erst mit dem heurigen Jahr. Die staatlichen Unterstützungen werden auslaufen und es ist alles andere als sicher, ob nach einer mehr als unglücklich verlaufenen Wintersaison der Saisontourismus im Sommer zumindest wieder das Vorjahresniveau erreichen wird. Bis Städte- und Kongresstourismus wieder zu alter Stärke zurückfinden, wird wohl noch das nächste Jahr ins Land ziehen. Die Fluglinien rechnen damit, dass es bis 2024 dauern wird, bis man wieder das Vor-Pandemie-Niveau erreicht hat. Sie sind vorsorglich daran gegangen ihre Kapazitäten zu reduzieren und Mitarbeiter abzubauen.

Dort wo bei Unternehmen sämtliche Reserven aufgezehrt sind und eine Überschuldung droht, werden auch für Wirtschaftsexperten Fortbestandsprognosen zur echten Herausforderung. Da helfen auch verlängerte Anmeldefristen im Falle von Insolvenzen wenig, wenn das Aufbringen der notwendigen Liquidität für fällige Verbindlichkeiten angesichts leerer Kassen auf Schwierigkeiten stößt.

Liquidität, Liquidität, . . .

Die Planung, Überwachung und Sicherung der Liquidität wird im heurigen Jahr zur zentralen Aufgabe. Wenn eine Kreditausweitung bei der Hausbank auf taube Ohren stößt, ist die vorübergehende Aussetzung der Tilgungen für bestehende Kredite eine Möglichkeit die Liquidität zu entlasten. Weitere Möglichkeiten ergeben sich in neuen Kapitalquellen. Allerdings setzen auch Privatinvestoren oder Crowdfunding-Finanzierungen eines voraus – ein Unternehmen, das berechtigte Chancen aufweist demnächst wieder Tritt zu fassen.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Franz Hartl

Mag. Dr. Franz Hartl (geboren 1952) war jahrzehntelang Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank Ges.m.b. H. und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Tourismusfinanzierung in Österreich. Derzeit ist er Universitätslektor am MCI, Innsbruck und an der IBS Akademie.

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