Madrid

Spanischer geht es nicht

Drei Weltkulturstädte im Zentrum Spaniens: Das Zentrum Spaniens vom internationalen Tourismus noch nicht beeinflusst. Mittelalterliche Städte haben keinen Museumscharakter sondern sind lebendig durch die Universitäten mit ihren Studenten.

Alcalá de Henares – Cervantes und Störche

Obwohl Alcalá de Henares nur 30 Kilometer von Madrid entfernt liegt, ist man in einer anderen Welt angekommen. Nach dem hektischen Treiben der Großstadt Madrid fühlt man sich wie in das Mittelalter katapultiert. Eine Mauer umschließt zum Teil die Altstadt und es macht Spaß durch die engen Gassen zu bummeln. Doch der Blick geht immer wieder suchend zu Türmen und Dächern um Störche in ihren Nestern zu entdecken. Hier in Alcalá de Henares wurde Miguel Cervantes, der große spanische Schriftsteller geboren. Obwohl das Museum Casa Natal de Cervantes nicht das tatsächliche Geburtshaus ist, sondern ein Nachbau an der Stelle, an der die Familie Cervantes gelebt haben soll, hier kann man die Zeit nachempfinden. Im Innenhof steht ein alter Ziehbrunnen und im ersten Stock spiegeln Möbel, Kleidungsstücke, Rasierschüssel und Bücher das Leben der Familie Cervantes wider. Beim Gang durch das Museum werden Erinnerungen an Don Quijote wach. Der verschrobene alte Mann, der als Ritter auf seinem Pferd der Rosinante auf der Suche nach Abenteuern in der La Mancha unterwegs war, wurde von seinem Knappen Sancho Panzo begleitet. Windmühlen sieht er als gefährliche Riesen mit vielen kräftigen Armen, die er angreift und jämmerlich scheitert, als der Wind die Flügel in Bewegung setzt. Alle seine Abenteuer unternimmt er für die edle Dame Dulcinea, die aber von der ganzen Sache gar nichts weiß. In der Calle Mayor gibt es altmodische Tante Emma-Läden, moderne Boutiquen und viele kleine Cafés. Einen Burger King gibt es auch, aber wer will schon dorthin, wo es doch so leckere Tapas gibt. Sehenswert ist die 1499 gegründete Universität, sie gehört zu den ältesten in Europa. Die Fassade sieht aus wie ein Schloss, sie ist eines der wichtigsten Werke der Renaissance und wurde mit der Altstadt zum Weltkulturerbe erklärt.

Eine tragische Geschichte der Christenverfolgung spielte sich in Alcalá ab. Justus und Pastor, zwei Schulkinder, um 295 nach Christus geboren, wurden, obwohl sie Kinder waren, bei der Christenverfolgung hingerichtet, da sie sich zu ihrem Glauben bekannten. Und genau an der Stelle der Hinrichtung der Kinder wurde vermutlich die „Kathedrale der Märtyrerkinder Justus und Pastor“ errichtet. Von hier laufen alle Straßen sternförmig aus der Stadt.

Alte Städte mit einer Stadtmauer umgeben

Zum Sonnenuntergang sollte man unbedingt auf den Torre Santa Maria am Plaza Cervantes steigen. So steht man oben Auge in Auge mit den Störchen auf den umliegenden Giebeln. Es gibt mehr als hundert Paare, die teilweise das ganze Jahr in Alcalá bleiben. Das Abendrot taucht die Altstadt, Kirchtürme und Klöster in ein rotgoldenes Licht. Unten auf dem Platz mit seinen glatten Steinen üben Kick-Boarder Sprünge.

Schon der Eintritt in die supermoderne Lobby des Paradores ist überwältigend. Früher schliefen hier Mönche, heute ist das ehemalige Dominikanerkloster Santo Tomás in eine vier Sterne Luxusunterkunft verwandelt worden. Die Sauna im ersten Stock der Kirche ist ganz luxuriös und futuristisch gestaltet. Wenn jemand aus Krieg der Sterne um die Ecke käme, würde es einen nicht wundern. Zum Frühstück gib es alles, was man sich vorstellen kann von Weißbrot mit Tomaten und Olivenöl, Tortilla, dem köstlichen spanischen Schinken, den scharfen Würsten bis zum „Cava“, dem spanische Sekt. Im Restaurant des Parador kann man im Innenhof abends wunderbar kastilisch speisen und das milde Klima genießen.

Lifestyle - Essen und Trinken gehören zur Lebensart

Salamanca –Kastilien Leon lebendige Universitätsstadt: Der Plaza Mayor ist der schönste Platz der Welt, so sagen die Einheimischen. Das Rathaus dominiert den Platz mit seinen Arkaden, vielen Cafés und Restaurants. Im Cafe Novelty, dem traditionellen Literaten-Cafétreffen sich seit seiner Gründung 1905 bis heute Künstler, Schriftsteller, Politiker und Geschäftsleute. Früher fanden auf dem Platz Stierkämpfe statt und Markt wurde abgehalten. Heute gibt es einen Steinwurf weiter eine große Markthalle. Salamanca hat die älteste Universität seit 1215. Heute pulsiert das Leben durch die Studenten. Zum Mittagessen gibt es eine Butifara, die Spezialität der Gegend. Es ist ein deftiges Gericht aus Kartoffeln mit Paprika und Speck. So ist man gut gestärkt für die Stadterkundung. Auffallend ist ein Haus, an dessen Fassade etwa 300 Muscheln zu sehen sind. Es gehörte dem Santiago-Ritter Talavera Maldonado, deshalb hat er das Symbol des Pilgerweges, die Jakobsmuscheln anbringen lassen. Bemerkenswert ist auch die platereske Hauptfassade der Universität. Wo ist der Frosch? Jeder sucht den Frosch, der im reichen Ornamentschmuck auf einem Totenkopf versteckt ist. Es bedeutet Glück, wenn man ihn findet, so sagt man. In der Universität gibt es auch die erste öffentliche Bücherei Europas von 1264. Die wertvollen alten Handschriften werden dort bei konstanten elf Grad gelagert.

Auf dem Weg zum Rio Tormes mit seiner langen Brücke aus der Römerzeit kommt man an einer beeindruckenden Jugendstil-Fassade vorbei. In dem Museum von 1905 wird Glaskunst von Gallé und Lalique ausgestellt. Pilger kommen einem entgegen, die Ruta de La Plata, der Silberweg, führt durch Salamanca nach Santiago de Compostela.

Zurück im Zentrum in der Einkaufsmeile ist die Modekette Zara in einer Barockkirche untergebracht. Statt Shopping sind doch besser Tapas angesagt. Im Casa Paca gibt es an der langen Theke an der Bar etwa 40 verschiedene Sorten und an der ganzen Decke hängen Schinken dicht an dicht. Man nimmt an einfachen Holztischen Platz oder bleibt an der Bar stehen. Wenn man öfter kommt, wird man schon mit einem Kopfnicken der Einheimischen begrüßt. Gleich gegenüber in dem Feinschmeckerladen Ibericos Artesano kann man eingeschweißten Pata Negra für zu Hause kaufen. Der Schinken der schwarzen Schweine, die nur mit Eicheln ernährt werden, ist eine Spezialität und schmeckt köstlich.

Mode – Lebensart in Spanien

Ein Erlebnis der besonderen Art ist die Besichtigung des Daches der Catedral Nueva. Auf dem gut gesicherten Weg, man muss nicht mal schwindelfrei sein, kann man eindrucksvolle Eindrücke aus der Höhe auf Salamanca genießen. Eine Gruppe Spanier macht auf einer Aussichtsplattform ein Erinnerungsfoto. Im Chor rufen sie laut „Patata“, Kartoffel, um ein Lachen auf ihr Foto zu bannen. Der Blick auf den hohen Turm der Kathedrale lässt einem den Atem stocken, wenn man sich vorstellt, dass der „Mariquelo“, seit 27 Jahren jedes Jahr am 31. Oktober ungesichert auf die Kuppel klettert und dabei von Hunderten von Zuschauern beobachtet wird. Erspielt ganz oben auf der Spitze die Trommel und bittet, dass sich das schreckliche Ereignis nicht wiederholt, dass 1755 bei dem schweren Erdbeben von Lissabon zwar die Kathedrale von Salamanca beschädigt hat, die aber nicht eingestürzt ist und keine Menschenleben gefordert hat. Der Mariquelo heißt mit bürgerlichen Namen Angel Rufino de Aro, ist 50 Jahre alt und hat keinen Sohn, der seine Nachfolge antreten kann. Nur einmal in seinem Leben ist er runtergefallen, aber nur von einem Apfelbaum.

Wieder unten im Kirchenschiff gelangt man in die Catedral Vieja, die alte Kathedrale, deren Bau schon um 1100 begonnen wurde. In der Capilla Mayor steht eine mit Edelsteinen besetzte Statue der „Virgen de la Vega“ um die 53 Darstellungen das Leben Christi in leuchtenden Farben wieder geben. Die Farben der Bildtafeln sind so ungewohnt leuchtend, da sie gerade restauriert worden sind. Früher konnten die Leute zumeist nicht lesen und wurden so per Bildsprache informiert. In der kleinen Seitenkapelle der Santa Bárbara mussten Doktoranden die Lucero-Skulptur in der Nacht vor der Prüfung berühren und die Nacht dort verbringen, das sollte ihnen Glück bringen. Wenn sie durchfielen, gab es für die Studenten eine Esels Tür aus der sie entweichen konnten, allerdings nicht unbemerkt, sie wurden dort mit Tomaten und Eiern beworfen.

Cáceres – Störche als Wahrzeichen: Die mittelalterliche Kulisse ist so perfekt, dass in Cáceres oft Filme gedreht werden. Trotzdem kommt man sich in der Altstadt, die vollständig von einer Stadtmauer mit zwölf Türmen und fünf Toren umgeben ist, nicht wie in einem Museum vor, denn Cáceres ist Universitätsstadt. Den Reichtum der Stadt brachte die Wolle. Schafzüchter haben hier reich verzierte Paläste gebaut. An den Palästen der reichen Adligen gibt es große Pechnasen, die mit heißem Pech gefüllt wurden, um Eindringlinge abzuwehren.

Wer die Füße der Bronzefigur des heiligen Pedros de Alcántara, eines Franziskanermönches, vor der Kathedrale Santa Maria berührt, kann auf ein bisschen Glück hoffen. Die Zehen der Bronzefigur sind von den vielen Glück suchenden schon ganz blank poliert. Wer heiraten möchte, sollte seine Füße küssen. Im Museum kann man die unheimlichen Büßergewänder besichtigen, die bei Prozessionen in der Osterwoche getragen werden. Wer mag, kann mit ein paar bereitliegenden Utensilien sich auch verkleiden und ein paar Fotos machen.

Auch im Untergrund ist es spannend: Eine riesige Zisterne, die noch mit Wasser gefüllt ist, zu der man vom Muse de Cáceres hinabsteigen kann führt in eine andere Welt. Säulen, die das Deckengewölbe tragen, vermitteln den Eindruck eines verzauberten Palastes einer Nymphe. Cáceres gehört zu den besterhaltenen mittelalterlichen Städten Spaniens und zählt zum Unesco-Kulturerbe. Spät abends beginnt die Stadt erst so richtig zu leben. Vor den vielen Bars, bei einem Drink und ein paar Tapas kann man dann dem regen Treiben in den Gassen zusehen.

ReiseTravel Fact: Was gibt es Schöneres als abends in einem Straßenlokal ein paar Scheiben Pata Negra und ein Glas Rotwein zu genießen? 

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Reiseführer: Spanien, Baedeker Allianz Reiseführer

Spanien, von Anthony Ham, Stuart Butler und John Noble, Lonely Planet Reiseführer

Spanien, von Andras Drouve, Marco Polo Reiseführer

Plus Spanien, ADAC Reiseführer

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

Gabi Dräger ReiseTravel
 

Unsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Hotels & Restaurants. Ihr Thema sind die Berge. Sie lebt und arbeitet in München.

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