La Rochelle

Anti-Kriegsmuseum „Schwarzer Kater“, benannt nach der 3. U-Bootflottille

Am Atlantik entdeckt: Mit dem TGV von Paris aus geht es ab Bahnhof Montparnasse zum Atlantik am schnellsten. Rund 3 Stunden rollt der Intercity von SNCF, anfangs recht zügig – dann langsamer. Jetzt im Sommer säumen üppige Getreidefelder die Strecke. Im Zug selbst kommt bei uns kein TGV-Feeling auf: Zum einzigen Servicepunkt sind es 6 Waggons; Speisenangebot Null. Informationen wie in deutschen ICE gewohnt – Fehlanzeige. Wenigstens die Steckdose neben dem Sitz funktioniert. Auch erreichen wir pünktlich das Ziel.

La Rochelle, Schwarzer Kater, Anti-Kriegsmuseum

Die Stadt La Rochelle an den Ufern des Atlantiks, im Departement Charente-Maritime, atmet Geschichte der besonderen Art. Die über Jahrtausende erhaltenen zahlreichen architektonischen Schätze sorgen für ein einmaliges Flair: Kathedrale, Große Turmuhr, Rathaus, die Straßen mit den Arkaden, der Alte Hafen, die Markthalle vom 19. Jahrhundert, Brasserien und Cafés. www.larochelle-tourisme.com

Inzwischen ist La Rochelle mit seinen 4 Häfen eine Hochburg der Segler aus aller Welt geworden. Für einen Liegeplatz beträgt die Wartezeit 7 Jahre. In diesen Tagen endete die Solitaire du Figaro-Regatta, ein berühmtes jährliches Einhandrennen mit dem Sieg des Franzosen Yoann Richomme. Um direkt als Zuschauer dabei zu sein, steigt man in eines der zahlreichen Fahrgastschiffe, deren Kapitäne dem Gezeitenrhythmus trotzen, da sie eine gesonderte Fahrrinne nutzen. Nebenbei wird auch Fort Boyard umrundet, eine Festung mitten im Ozean. Wer in der malerischen Hafenstadt auf Geschichtstour unterwegs ist, sollte den „Schwarzen Kater“ besuchen.

Le Bunker von La Rochelle war der Stützpunkt des deutschen Admirals und der Kommandanten der U-Boot-Waffe während des 2. Weltkriegs. Unter größter Geheimhaltung unter dem „Hotel Ausländer“ von der Organisation Todt erbaut, hat der Bunker alle Kriegs- und Nachkriegswirren überstanden und kann heute authentisch besichtigt werden.

La Rochelle, Schwarzer Kater, Anti-Kriegsmuseum

Das Anti-Kriegsmuseum nennt sich „Schwarzer Kater“, nach dem Emblem der 3. U-Bootflottille, die im Hafen La Pallice (heute: Grand Port Maritime) stationiert war. Auf 280 m² Fläche gibt es Geschichte und Geschichten von La Rochelle von 1939 bis zum Mai 1945 zu entdecken. Darunter die berühmte Bunkerbar, farbige Fresken, gestaltet von zwei Hamburger Künstlerinnen, den Widerstand des Bürgermeisters von La Rochelle und die Rolle der Resistance.

Museumschef Hervé Sinquin erklärt die Odyssee: „Der Schutzbunker wurde im Juni 1941 an die deutsche Marine übergeben. Er hat zwei große Schlafräume für insgesamt 62 Offiziere und sechs Einzelzimmer. Die Stadt La Rochelle erlebt von 1940 bis 1944 fast 350 Luftangriffe. Das historische Stadtzentrum wurde zum Glück nie bombardiert; die Alliierten richteten ihre Bombenangriffe gegen die U-Boot-Basis von La Pallice und den Flugplatz Laleu. Nach der Befreiung am 8. Mai 1945 ist der Bunker einige Zeit von der französischen Marine verwendet worden. Später wurde der Zugang dann von Herrn Menez, Besitzer des Hotels Ausländer, geschlossen und er geriet in Vergessenheit. Im Jahr 1982 wurde das Hotel abgerissen und durch Wohnbauten ersetzt. Jean-Luc vom Tourismusbüro La Rochelle kannte den Bunker und kaufte ihn mit dem Ziel, ein Museum zu gründen. 10 Jahre war es dann als Provisorium geöffnet, erhielt aber erst im Mai 2013 einen offiziellen Museumsstatus“.

La Rochelle, Schwarzer Kater, Anti-Kriegsmuseum

Im Gästebuch lesen wir: „Ein ungewöhnlicher Ort im Herzen von La Rochelle, unberührt und fast unwirklich tauchst du 1 Stunde direkt in die Vergangenheit ein, bevor du in die Sonne der Gegenwart zurückkehrst“. „Ich bin sehr von diesem Besuch bewegt und diese Zeit hatte so viele tapfere junge Männer, die für unsere Freiheit heute gestorben sind“. www.bunkerlarochelle.com

Historisch einmalig zu bewerten ist die sogenannte „Konvention von La Rochelle“, die zwischen Ernst Schirlitz, Kommandierender Admiral Atlantikküste und zugleich Festungskommandant in La Rochelle und dem französischem Fregattenkapitän Hubert Meyer als Unterhändler vereinbart wurde. Mit ihrem Stillhalteabkommen gegen Führerbefehl bewahrten sie La Rochelle/La Pallice vor der Gefahr von Kampf und Zerstörung in letzter Stunde.

Der Bau des U-Boot-Bunkers La Pallice mit 10 Molen begann im April 1941. Schon ab November 1941 wurden hier die ersten U-Boote der 3. Flottille stationiert. Der Bunker wurde an einem Ende eines geschlossenen Hafenbeckens gebaut. Das Hafenbecken war mit einer Schleuse versehen und somit vor den Gezeiten geschützt. Bekannt wurden die noch heute existierenden Betonklötze durch Dreharbeiten für den Film „Das Boot“ von Wolfgang Petersen.

An der französischen Atlantikküste hatten die Nazis während des 2. Weltkrieges insgesamt 5 U-Boot Bunkeranlagen errichtet. Sie befanden sich in den Städten Brest, Lorient, St. Nazaire, La Pallice und Bordeaux. Teilweise können die noch vielfach genutzten Anlagen im Rahmen touristischer Aktivitäten besichtigt werden.                                                                                                              

Wenden wir uns wieder angenehmeren Themen von La Rochelle zu: Jedes Jahr im Juli werden die Cineasten beglückt mit dem internationalen Filmfestival. Dann kommt niemand vorbei an französischer Lebensart und Gastronomie. Da werden Fisch und Muscheln und Austern und Langusten genossen, alles fangfrisch vom Atlantik. Schließlich gehören auch Wein und Cognac dazu. Das Cognac-Anbaugebiet erstreckt sich über die Departements Charente, Charente-Maritime und Deux-Sévres. Verkostungen und Besichtigungen der Brennereien sind zu empfehlen.

ReiseTravel Service

La Rochelle Turisme, 2,quai Georges Simenon- Le Gabut, 17025 La Rochelle Cedex 01, Tel.: +33(0) 546 41 1468, accueil@Larochelle-tourisme.com

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Günter Knackfuß. Freier Journalist.

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