Podgorica

Über enge Kurven führen die Straßen, mit kühn geschwungenen Brücken, die an Schweizer Bergstraßen erinnern, durch Weinbaugebiete zum Scutari-See

Blaue Adria: Wenn man von Budva kommend an der Adria entlang in Richtung Süden fährt, folgt die Straße der Küste und führt vorbei am herrlich gelegenen Hotel Milocer, dem ehemaligen Witwensitz der Königin Maria, der Gattin von König Alexander I. von Jugoslawien. Besonders auffallend sind an dieser Stelle der Küste die smaragdgrünen Felsen, die in bizarren Formen aus dem Meer herausragen. Die Fama will wissen, dass dies die versteinerten Tränen der Königin Maria sind, die sie weinte, wenn sie voll Sehnsucht auf das Meer hinausblickte.

Sehr geehrte ReiseTravel User, ich war an der Adria und ich hoffe, mein Bericht findet Anklang. Ihre Edelgard Richter.

Nach Durchquerung des zauberhaft angelegten ehemaligen Schlossparks von Milocer kommt man nach Sveti Stefano. Dieses einstige Fischerdorf liegt auf einer Felseninsel; die alten Fischerhäuser sind vor einigen Jahren in mittelalterlichem Stil wieder aufgebaut worden und bieten heute ausländischen Touristen allen modernen Komfort. Inzwischen wurde dort auch ein beheizbarer Swimmingpool angelegt, damit die Badesaison noch um einige Wochen verlängert werden kann. Auch Sofia Loren mit Ehemann Carlo Ponti und Söhnen war hier vor vielen Jahren zu Gast.

Die Insel kann man allerdings heutzutage nicht mehr als solche bezeichnen, denn im Laufe der Jahrhunderte schwemmte das Meer Kies und Sand an, sodass jetzt ein natürlicher Damm die Insel mit dem Festland verbindet.

Weiter geht die Fahrt an der Adriaküste entlang und gewährt einen weiten Blick auf das in südlicher Bläue liegende Meer. Mit scharfem Knick biegt die Straße an Petrovac vorbei vom Meer ab und führt in eng ansteigenden Kurven in die hier bis zu 1.600 Meter hoch aufragenden Gipfel des Rumija-Gebirges. Das Landschaftsbild verändert schnell seinen Charakter: Palmen, Zypressen und Olivenbäume bleiben tief unten zurück, während sich dem Blick die eigenartige Öde des montenegrinischen Hochkarsts bietet.

Über enge Kurven führt die Straße dann wieder abwärts, über kühn geschwungene Brücken und starke Verbaue gegen Steinlawinen, die an Schweizer Bergstraßen denken lassen. Die Fahrt geht weiter durch ein herrlich im Talkessel gelegenes Weinbaugebiet, worüber am Scutari-See, der über einen aufgeschütteten Damm an seiner Nordseite überquert wird. Vor einigen Jahren gab es an dieser Stelle noch eine Autofähre, was während der Urlaubssaison zu erheblichen Staus auf der viel befahrenen Strecke nach Podgorica, der Landeshauptstadt der Republik Montenegro, führte. 

Der sehr fischreiche Scutari-See (Karpfen und Forellen) wird an seinen Ufern von riesigen Beständen an Wasserlilien gesäumt, zudem haben hier zahlreiche Vogelarten wie Pelikane, Reiher, Bekassine und Kraniche ihr zu Hause. Der See dient auch als Rastplatz für die Zugvögel aus dem Norden Europas.  In früheren Zeiten verbrachte die königliche Familie am Scutari-See ihre Sommer.

Ein Drittel der Fläche des Scutari-Sees gehört zu Albanien. Ursprünglich planten Montenegro und Albanien, einen Teil des Sees trocken zu legen. Inzwischen ist das Gebiet jedoch seit 1983 zu einem geschützten Nationalpark erklärt worden.

Über eine gut ausgebaute Straße langt man dann nach kurzer Fahrt in Podgorica an. Podgorica hieß von 1946 bis 1992 Titograd nach dem früheren Regierungschef von Jugoslawien, Marschall Josip Broz Tito. Tito war von 1945 bis zu seinem Tod 1980 Ministerpräsident und Staatspräsident von Jugoslawien. Nach dem nahegelegenen Berg Gorica benannt, erhielt Podgorica ihren ursprünglichen Namen 1992 zurück. Die Stadt blickt auf eine lange geschichtliche Entwicklung unter hauptsächlich türkischem Einfluss zurück. Ursprünglich nur von mohammedanischen Volksgruppen Montenegros bewohnt, ist sie seit ihrem Wiederaufbau aus den Trümmern des Zweiten Weltkrieges Landeshauptstadt und Universitätsstadt zugleich, in der sich alle Regierungsstellen befinden. Lediglich der Staatspräsident residiert in Cetinje.

Podgorica zeigt heute ein modernes Gesicht, viergeschossige Wohnbauten, ja sogar einige Hochhäuser sind zu sehen. Dazwischen findet man hingeduckt noch das alte Podgorica. An die alte Festungsmauer an Fluss Ribnica schmiegen sich kleine Häuschen arm und malerisch an. Flache, lang gezogene Häuser aus dem grauen Gestein Montenegros, deren zerbröckelnde Mauern sich zu einem jede Einsicht versperrenden Innenhof erweitern, stehen neben den neuen Bauten des sozialen Wohnungsbaus. Vor ihrer fast völligen Zerstörung während es Zweiten Weltkriegs durch Luftangriffe (über 90 Prozent der Stadt mussten wieder aufgebaut werden), bestand Podgorica nur aus diesen für sie typischen Bauten. Auffallend sind die vielen dunkel gekleideten Männer jedem Alters, die die Kafanas, Imbissstuben und Restaurants füllen und die dort ihr Tässchen türkischen Mokka schlürfen, während die Frauen ihren häuslichen Pflichten nachgehen.

Verlässt man den weiten Talkessel von Podgorica und fährt vorbei an dem Vorort Bioce in den Moraca-Canon ein, so wird man von dem in hellem smaragdgrün aus den Felsschluchten heraufschimmernden Moraca-Fluß begleitet.

Unterdessen geht die Fahrt weiter durch den Moraca-Canon, der in seiner bizarren Schönheit an den Grand Canyon in Colorado erinnert. Das Ziel des Ausfluges ist der in 2.000 Meter Höhe gelegene Biograd See, der nach Durchfahrung von 37 Tunneln erreicht wird. Vorher jedoch wird eine kurze Rast eingelegt um das Kloster Moraca, in dem heute noch Mönche leben, zu besichtigen. Von diesem Kloster nahmen in früheren Zeiten viele Aufstände gegen die Türken ihren Ausgang.  Es wurde 1352 gegründet und hat herrliche alte Wandmalereien, die Bilder aus der biblischen Geschichte darstellen. Kopien dieser wunderbaren Fresken sind im Louvre von Paris zu besichtigen.

Sehr schön sind auch die ganz mit Intarsien eingelegten Kirchentüren sowie einige kleine Schränke in gleicher Arbeit. Der Zutritt zum Hochaltar wird den Damen allerdings von dem bärtigen Pater verwehrt. Sie wenden unterdessen ihr Interesse auf einige Ausstellungsstücke: Altes Kirchengerät, einige Ikonen und mehrere Bibeln in kyrillischer Schrift. Auch heute noch nimmt das Kloster arme alte Leute auf, die dort gegen geringe Mithilfe in Haus und Garten ihren Lebensabend ohne Sorge um das tägliche Brot verbringen können.

Weiter geht die Fahrt durch die herrliche Berglandschaft nach Kolasin, ein Wintersportort, wo das Mittagsessen eingenommen wird.  Hier weht ein empfindlich kalter Wind von den Bergen; auf den Gipfeln der Nordseiten liegt auch Ende August noch (oder schon wieder) Schnee. Die Vegetation mutet vertraut an: Winteräpfel, Birnen, Pflaumen, die hier im Gegensatz zu Orangen, Zitronen, Feigen und Oliven unten an der Küste gedeihen.

Über enge, rasch ansteigende Serpentinen geht es weiter, vorbei an einsam gelegenen Gehöften in der typischen Bauweise des montenegrinischen Berglandes. Da hier im Winter riesige Mengen Schnee die Landschaft bedecken, haben die meist aus Holz gebauten Häuser tief herabgezogene Dächer, die dem Walmdach ähnlich sind, jedoch in ihrer Form mehr an einen Kapotthut aus der guten alten Zeit denken lassen.

Der Bus verlässt nun die ausgebaute Straße und biegt ein auf einen zauberhaften Waldweg, der am Biograd See endet. Der Steilweg führt in engen Kurven nach oben – es sind fast 1.000 Meter Höhenunterschied zu überwinden – und der Bus muß mehrmals zurücksetzen um die Kurven zu durchfahren.

Durch herrlichen, uralten Laubwald geht es immer höher hinauf. Die Sonne lässt grüngoldene Reflexe zwischen den Bäumen schimmern, meterdicke Birken, schlanke Fichten und hoch aufragende Buchen lassen die wilde öde Karstlandschaft tief unten am adriatischen Meer vergessen.

Der Biograd See liegt ruhig und einsam inmitten des „Urwaldes“, er wird von Gletscherwasser gespeist. In seinem Wasser spiegeln sich mächtige Baumriesen. Kleine Boote laden zu einer Fahrt auf dem See ein, den man nur auf diese Weise in seiner ganzen Ausdehnung kennenlernen kann, denn der Zufluss entzieht sich dem Blick des Betrachters.

Dieses Landschaftsgebiet wurde bereits vor einigen Jahren zum Nationalpark erklärt und soll einer der Hauptanziehungspunkte für ausländische Touristen in Montenegro werden.

Inzwischen ist es später Nachmittag geworden und der Tagesausflug soll dort enden, wo er begonnen hat: In Budva. So geht es auf engen Straßen die Berghänge hinunter, bis eine der Hauptstraßen erreicht ist, die Richtung Adria führt.

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Ein Beitrag für ReiseTravel von Edelgard Richter / Dela Press

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