Bern

Auf dem Tretroller durch die Altstadt von Bern und dem folgt eine Panoramatour mit dem Glacier-Express!

Schokoladenseite: In Bern sich ein verlängertes Wochenende versüßen, muss nicht zwangsläufig eine schokoladige Zeit bedeuten. Obwohl - die ist in der Schweizer Heimat der dreieckigen Riegelschokolade auch zu genießen. Unliebsamen Kalorien kann dann aber bei einer Tretroller-Tour wieder der Garaus gemacht werden. Wer dann noch in einem Panoramawagen mit dem Glacier-Express durch die Bergwelt fährt, stellt seine Urlaubswelt für ein paar Tage komplett auf die Räder.

Roll over Bern: Auf Gummi bereiften „Trottinettes“ geht es auf Kopfsteinpflaster zu den Schokoladenseiten der Berner Altstadt. Wie ein Hufeisen windet sich die Are um die Gründungsstadt. Eine rasante Abfahrt mit dem Zeigefinger an der Bremse bringt die rollenden Stadt-Scouts durch gewundene Gassen an das Flussufer zur Marzilibahn, mit der die Entdecker samt Vehikel in die obere Altstadt fahren. Hier beginnt der Spaß erst richtig. 

Tretroller: Mit dem Tretroller können Besucher in der Berner Altstadt eine Stadtführung zu historischen Plätzen und Personen unternehmen:

Roll over Bern by Manfred Laedtke ReiseTravel.eu

Vor einer „Laube“, wie die Arkaden in der Altstadt genannt werden, gibt Christoph das Zeichen zum ersten Halt. Historiker vermuten, dass die Berner Lauben schon seit der Stadtgründung im Jahr 1191 bestehen. Würde man sie hinter einander anordnen, kämen sie auf stolze sechs Kilometer Länge. Wo sonst lässt sich in einer solch historischen Kulisse flanieren und je nach Wetterlaunen der heißen Sonne oder dem strömenden Regen aus dem Weg gehen?

Weiter geht das rollende Vergnügen zu barocken Stadtbefestigungen, Türmen und Toren. Vom großen Brand  im Jahr 1405, von der Besetzung durch französische Soldaten Ende des 18. Jahrhunderts und deren Orientierungslosigkeit nach durchzechten Nächten berichtet der Stadtführer. Weil durch die harmonische Baustruktur eine Gasse der anderen glich, teilten die Franzosen die Altstadt in verschiedene Quartiere, gaben jedem Viertel ein anderes farbiges Schild und ließen darauf die Straßennamen zweisprachig schreiben. Der französische Schriftzug ist zwar verschwunden, nicht ortskundigen Nachtschwärmern dienen die bunten Schildchen aber immer noch als hilfreiche Wegweiser.

Apropos bunt: Irgendein Brunnen mit einer farbenfrohen Figur ist immer in Sichtweite. Mehr als ein halbes Hundert solcher Wasserspender gibt es in Bern. Im späten Mittelalter floss das wertvolle Nass reichlich und in Strömen. Der Stadtbach lieferte das Brauchwasser, während die zunächst hölzernen, später aus Stein gebauten Brunnen Trinkwasser spendeten. Um bei einer Belagerung und bei Bränden die Wasserversorgung zu sichern, ließen die Stadtväter die Schächte auf den Hügeln der Stadt bis in die Talsohle hinab graben.

„An den Brunnen herrschte reges Leben, Neuigkeiten machten die Runde, Gerüchte schossen ins Kraut und manch einer ging im Brunnen für seine Missetat Kopf unter, berichtet Christoph. Mitte des 16. Jahrhunderts wurden viele der Brunnen zu Denkmälern umgestaltet. Auf den ehemaligen Wasserstellen symbolisieren Figuren Geschichten und Anekdoten. „Das hier ist der Kindlifresserbrunnen“, erklärt der Stadtexperte auf dem Kornhausplatz: Der Kinder verzehrende Riese stellt eine alte Fasnachtsfigur dar, die heute noch ungezogenen Kindern „bissig“ ihre Strafe ankündigt.

Ein paar Straßen weiter wartet in der Kramgasse 49 eine Dame mit Koffer vor dem Einstein-Haus. Sie heiße Mileva und sei die geschiedene Frau des Gelehrten, erzählt die Schauspielerin. In dem Museum könne das Leben ihres Mannes Albert und ihre unglückliche Ehe mit dem „Chauvi“ Einstein nachempfunden werden. Gelehrter, ja. Aber fantasievoller Ehemann, nö! Sie habe die Nase voll, sei soeben ausgezogen und auf den Weg zum Bahnhof.

Ist die letzte Station mit dem Roller erreicht, heißt es umsteigen auf vier Räder in den Bus Nummer 12 zum Zentrum Paul Klee. Die Museumsarchitektur des italienischen Architekten Renzo Piano erhebt sich in drei Wellen aus Glas und Stahl am grünen Ostrand von Bern, sieht aus wie eine Markthalle, hat es aber in sich. Rund 40 Prozent des 10.000 Werke umfassenden Gesamtoeuvres von Klee, sind in der „Landschaftsskulptur“ ausgestellt.

Großzügige Panoramafenster eröffnen Reisenden neue Perspektiven zwischen dem Wallis und dem Engadin:

Glacier Express by Manfred Laedtke ReiseTravel.eu

Die schönen Seiten der Schweiz sind aber nicht gerahmt, sondern durch die Zugfenster der Panoramawagen im Glacier Express zu entdecken. Von Bern aus fährt in 45 Minuten ein Zug ins Wallis nach Brig. Dort kommt der Express aus Zermatt auf dem Bahnhofsvorplatz an und setzt seine Fahrt dem blauen Himmel entgegen über Davos nach St. Moritz fort. Kaum ein Moment vergeht, wo sich der Express nicht in eine Kurve legt. Express? Na, ja. Rund siebeneinhalb Stunden braucht der „langsamste Schnellzug der Welt“ für die Strecke.

Kurz hinter Andermatt steigt der Star der eidgenössischen Schiene über Serpentinen höher und höher und erklimmt auf dem Oberalp-Pass den mit 2.033 Metern höchsten Punkt der Reise. In Chur erreicht die Achterbahnfahrt den mit knapp 600 Metern tiefsten Punkt der Reise. Zeit für einen Wein in einem extra schrägen Glas, das auch auf den steilsten Strecken und Abfahrten alles im Lot hält. Oder lieber einen Grappa? Den schenkt der Kellner aus einem Meter Höhe mit schweizer Präzision treffsicher ins Glas ein.     

ReiseTravel Service

Allgemeine Auskünfte: www.bern.com / Telefon: 0041 31-3 281212.

Trottinett-Touren dauern zwei Stunden und kosten pro Person 40 Euro. Treffpunkt für die Entdeckung des UNESCO-Weltkulturerbes auf die sportliche Art  beim Klösterlistutz am Bärenpark. www.berger-events.ch

Fahrplan und Ticketpreise: www.glacierexpress.ch  

Der SBB Swiss-Pass macht das Reisen in der Schweiz preiswerter. Für drei Tage kostet der Ausweis 200 Euro und gestattet unbegrenztes Reisen mit Bus, Schiff, Bahn sowie Eintritt in Museen.

Das Paul Klee Museum mit wechselnden Ausstellungen www.zpk.org

Tipps für ein verlängertes Wochenende: Das „Marzilibad“ gilt den Bernern als das schönste Flussbad Europas und bietet in der Aare Abkühlung an heißen Sommertagen. www.aaremarzili.ch

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Manfred Lädtke.

Manfred Laedtke ReiseTravel.euUnser Autor lebt und arbeitet in Karlsruhe.

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