Andermatt

Wanderweg im Gotthard Massiv neu eröffnet - Reise zur Rheinquelle

Zurück zu den Quellen: Der kleine Ort Andermatt in der Gotthard Region im Schweizer Kanton Uri hat schon einige Karrieren durchlaufen. Die Weltgeschichte schaute vorbei, als der russische General Suworow mit Tausenden seiner Soldaten im Jahr 1799 in der nahen sehenswerten Schöllenen-Schlucht französische Truppen unter Napoleon besiegte, woran heute ein Denkmal mit russischer Fahne und ein Museum erinnern. Als anfangs des 19. Jahrhundert der Gotthard Pass fahrbar gemacht wurde, blühte der Handels- und Ferienort im Urserntal auf. Die wirtschaftlichen Rückschläge begannen mit der Eröffnung des Gotthard-Eisenbahntunnels vor 130 Jahren und später mit weiteren Tunneln. Direkt an der Wetterscheide des Gotthard Massivs gelegen, gilt das auf einer Höhe von 1.447 Metern gelegene Andermatt in der Schweiz und anderswo nicht nur als Landschaft für Sonnenanbeter, wenn der Wind oft den Nebel und Regenwolken ins Tal bläst. Im diesjährigen Sommer ging Andermatt wieder an den Start. Dieses Mal als günstig gelegener Ort, um bequem zu dem eröffneten 4-Quellen-Wanderweg zu gelangen.   

Roter Leuchtturm auf der Passhöhe

Rhein Quelle

Einer der Ausgangspunkte der Wanderung ist der Bahnhof in Andermatt, von dem aus die traditionsreiche Matterhorn-Gotthardbahn gemächlich bis auf 2.044 Meter zur Oberalppasshöhe fährt. Hier auf dem Pass, sozusagen im Herzen der Schweiz, empfängt den Wanderer ein zehn Meter hoher roter Leuchtturm. Das vier Meter höhere Original stand 70 Jahre lang 1.230 Kilometer entfernt als Leuchtturm in Hoek van Holland an der Einmündung des Rheins und jetzt im Hafenmuseum von Rotterdam. Die Nachbildung des Leuchtturms fungiert sozusagen jetzt als Starter der ersten Etappe des 4-Quellenweges zur Quelle des Rheins.

Der Wanderweg ist nagelneu ausgeschildert und schlängelt sich ganz allmählich über viele Kehren noch insgesamt 300 Meter hoch. Nach der Hälfte der Strecke lässt man die Geräusche der modernen PS-Zivilisation hinter sich. Immer wieder sind kleine namenlose Bäche in verschiedene Richtungen zu entdecken. Die schweißtreibenden Mühen des Anstiegs werden durch das Bergpanorama belohnt.

Wanderweg zu vier Quellen

Mit dabei in unserer Wandergruppe ist der 67jährige Paul Dubacher, zu Hause am Vierwaldstätter See. Neben seinem Architektenbüro hat der Schweizer das Hobby, Wanderwege in seinem Land ins Leben zu rufen. Auch der 4-Quellenweg ist sein Baby. Er wollte eine hochalpine und zugleich familienfreundliche Wegstrecke kreieren, die er nach langem Suchen und testen schließlich in der Gotthard Region gefunden hat. Denn nur hier konnte eine Wander-Route konzipiert werden, die die Quellen der vier Flüsse Rhein, Reuss, Ticino und Rhone erreicht, die dann wiederum in vier verschiedene Himmelsrichtungen fließen. Außerdem sind insgesamt die vier Kantone Graubünden, Tessin, Wallis und Uri einbezogen, in denen vier verschiedene Sprachen gesprochen werden.

Zehn Kilometer Wanderweg neu angelegt: Es dauerte mehr als elf Jahre, bis aus der Idee des Wanderfreaks Dubacher Wirklichkeit wurde. Von dem insgesamt 85 Kilometer langen Wanderweg mussten zehn Kilometer Weg völlig neu erstellt und bis zu 50 Kilometer verbessert werden. Da gab es viele bürokratische Hürden zu nehmen, beispielsweise, wenn für die Hauptwege die Kantone und für die Nebenwege die Gemeinden zuständig sind oder wenn bei der Wegstrecke privates Eigentum berücksichtigt werden musste. Paul Debacher fand auch viele private Sponsoren und Unterstützer aus der Wirtschaft und der Politik, deren Engagement auch weiter gefragt ist. Schließlich hat Dubacher im Kopf, dass der jährliche Unterhalt des Weges mindestens 100.000 Franken kostet. Außerdem besteht nach wie vor das Ziel, die Route zu den vier Quellen in einem Rundwanderweg zu vollenden. Dazu fehlen immerhin noch zwei Kilometer.

Die Rheinquelle hat etwas Besinnliches

Am Ende des Aufstiegs zur Rheinquelle erwartet den Wanderer ein besonderer Anblick - die Schönheit des Tomasees mit seinem klaren sauberen Wasser. Die Nennung des Tomasees als Quelle des Rheins geht auf einen Benediktinerpater zurück, obwohl vom Standpunkt der Mündungsferne, wie Fachleute feststellten, ein Quellfluss noch ein paar Kilometer länger ist. Auf jeden Fall steht der Gedenkstein für die Rheinquelle am Ufer des Tomasees.

„Es gibt schon sehr viele Anfragen aus Deutschland. An die Quelle des Rheins zu wandern, das hat gerade für viele Deutsche schon etwas Besinnliches“, erzählt Paul Dubacher beim Abstieg. „Sehr reizvoll ist diese Tour auch deshalb, weil sie komplett auf Naturwegen ohne Asphalt verläuft.“

Natürlich ist für ihn die gesamte Wegstrecke attraktiv, aber er räumt ein, dass der 4-Quellenweg beim Wanderpublikum einen Favoriten haben wird. Das ist der Abfluss vom Tomasee, die Rheinquelle.

Im Eistunnel in den Gletscher spazieren

Auf dem letzten Abschnitt des 4-Quellenweges sind 17 Kilometer zurückzulegen. Veranschlagt sind mehr als sieben Stunden Wandern, da bis zum Rhonegletscher 1.600 Höhenmeter absolviert werden müssen. Am Fuße des Rhonegletschers fließt die Rhone dann aus dem See des Schmelzwassers durch die Region des Wallis, an Lyon vorbei ins Mittelmeer.

Der Star am Furkapass ist die sich auf 2.300 Meter Höhe befindende Eisgrotte. Dazu wird seit 170 Jahren jedes Jahr neu künstlich ein 100 Meter langer blauer Eistunnel ins Eis des Gletschers gebohrt und Eiskammern angelegt. Im Laufe des Sommers werden dann 30 Meter des Tunnels aus Eis abschmelzen. Doch einmalig ist der Gletscher nicht allein durch die Grotte, sondern auch durch seine nähe zur Straße. Nirgendwo in Europa können Autos und Busse so nahe an einen Gletscher fahren wie an den Rhonegletscher.

Für gut Trainierte ist der Weg freundlich: Auf der Wanderskala des Schweizer Alpenvereins wird der 4-Quellenweg auf der Schwierigkeitsskala von 1 bis 6 bei 2 bis 3 eingestuft. Lakonisch wird ergänzt, der Wanderer sollte trittsicher sein, sich gut orientieren können und mit steilem Gelände klarkommen. Für den Vater des 4-Quellen-Weges, Paul Dubacher, ist es schon wichtig, dass sein Wanderweg auch ein familienfreundliches Angebot in den Hochalpen darstellt. Für Familien mit Kindern besonders aus dem Flachland ist der Weg allerdings nur freundlich, wenn alle gut trainiert sind und über Erfahrungen mit anstrengenden Wanderungen verfügen.

www.andermatt.ch - www.swisstrails.ch - www.vier-quellen-weg.ch

Ein Beitrag für ReiseTravel mit Fotos von Ronald Keusch.

Ronald Keusch

Unser Autor ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Tourismus, er lebt und arbeitet in Berlin. 

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