Breslau

Die niederschlesischen Metropole Breslau ist europäische Kulturhauptstadt

Hin und Zurück: Eine Reise mit dem Zug durch Wald und Heide vorbei an Feldern und weite Wiesen, fast wie in eine andere Welt. Viereinhalb Stunden dauert die romantische Fahrt mit dem Sonderzug von Berlin nach Breslau. Seit dem 30. April bis in den September hinein pendelt er jeweils an den Wochenenden zwischen Berlin - Breslau und zurück.

Die niederschlesischen Metropole Breslau ist in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt und so wundert es nicht, dass schon die Fahrt kulturell umrahmt ist, begleitet von einer mobilen Bibliothek, die während der Fahrt Literatur zur Geschichte der europäischen Nachbarn oder Stadtführer ausleiht. An den Wänden zahlreiche Porträts berühmter polnischer Persönlichkeiten, die neugierig machen auf die Ausstellung „Gesichter einer Stadt“, die ab Sommer in Berlin und anschließend in Breslau zu sehen sein wird.

Polen war schon immer bekannt für eine offene und avantgardistische, experimentierfreudige Kunstszene. Breslau als Kulturhauptstadt macht ihrem Titel alle Ehre. Das neue Musikforum, Konzerte, Galerien, Ausstellungen. Straßenkunst, Graffitis, Skulpturen, Straßentheater, Kunstaktionen, internationale Chöre unter freiem Himmel.

Breslau, die Stadt an der Oder, wird auch als „Venedig des Nordens“ genannt angesichts der Dampfer, Gondeln und der alten Schubkähne, die unter den Brücken entlang tuckern. Auch als „Blume Europas“ bezeichnete der amerikanische Historiker Norman Davies die Stadt. Das heutige Wrocław hat die meisten Grünflächen in Polen. Die Stadt liegt auf 12 Inseln, die durch 112 Brücken verbunden sind. Die nahe gelegene Dominsel ist das religiöse Zentrum mit dem gotischen Dom. Vor 1000 Jahren begann hier die Besiedlung der Stadt.

Die niederschlesischen Metropole Breslau ist europäische Kulturhauptstadt:

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Wechselvolle Geschichte

Auf tausend wechselvolle Jahre blickt Breslau an der Oder zurück. Als Stadt unter der polnischen, tschechischen und deutschen Krone, als Stadt in Preußen, in der Weimarer Republik, im Deutschen Reich und im heutigen Polen hat sie eine bewegte Geschichte hinter sich. Fünf Jahrhunderte lang, vom 13. bis ins 18. Jahrhundert, gehörte das ehemals slawische Fürstentum zu Böhmen und zum österreichischen Kaiserreich, bis Friedrich der Große 1741 Schlesien und Breslau von den Habsburgern eroberte. Danach entwickelte sich die Stadt bis ins 20. Jahrhundert zu einem wirtschaftlichen und kulturellen Zentrum Preußens und des deutschen Reichs. Bereits 1938 war die gesamte polnische Bevölkerung aus der Stadt vertrieben worden, ebenso zwei Drittel der Juden. Nach dem Ende des II. Weltkriegs, mussten an die 90 Prozent der deutschen Einwohner die Stadt verlassen. Dafür bestärkte man die aus dem damaligen Lemberg vertriebene polnische Bevölkerung, sich im stark entvölkerten Breslau niederzulassen. Die Bevölkerung wurde fast komplett ausgetauscht. Kaum eine Stadt spiegele die bis heute schwer belastete deutsch-polnische Geschichte und die Tragödie des Zweiten Weltkriegs wieder wie diese niederschlesische Metropole.

Mittelpunkt der Stadt ist der Marktplatz „Rynek“, der zweitgrößte Marktplatz in Polen und einer der schönsten dazu. Den alten Markt rund ums mittelalterliche Rathaus und den benachbarten Salzmarkt, Plac Solny, umgeben schöne Bürgerhäuser, die im gotischen und barocken Stil wieder aufgebaut wurden. Die Altstadt hat heute noch das Gepräge alter deutscher Zeit. Hier stehen Häuser mit den klangvollen Namen wie Haus zu den sieben Kurfürsten, Haus zur goldenen Sonne, Haus zum schwarzen Adler, Haus zum alten Galgen. Die traditionsreiche Altstadt verbreitet eine anziehende, lebendige Atmosphäre durch die sanierten altehrwürdigen, historischen Bauwerke und den modernen Cafés, Bars, Clubs und Restaurants. Ein herausragendes Beispiel deutscher Architektur aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, ist die Jahrhunderthalle von Max Berg, die heute Weltkulturerbe ist.

Charmanter Kiezcharakter

Wroclaw atmet, urban, farbenfroh mit einem natürlichen Flair. Morbider Charme und eine spannende Unvollständigkeit. Manches scheint zu bröckeln und sich zu verwandeln, aufzuerstehen. Wie der einst verrufene Stadtteil „Nadorze“, auf deutsch „Über die Oder“, der einen deutlichen Aufschwung bekam durch seinen heute charmanten Kiezcharakter. Der Wandel zeigt sich auch im bunten Straßenbild. So hat hier der italienische Graffitikünstler Blu seine Spuren hinterlassen, der sich auch in Berlin Kreuzberg mit seinem Motiv zum Wandel der ehemals geteilten Stadt, einen Namen gemacht hat. Heute gilt das Bild als Symbol für Berlins Status als Hauptstadt der Street Art. In Nadorze lädt das Vinyl Café insbesondere Jazz Fans mit einer riesigen Auswahl von alten Schallplatten aus der Szene ein. Das Ambiente stilsicher, gemütliche alte Sessel und Sofas aus den 50-iger Jahren. Kaffee, Tee, köstliche Torten und der angesagte New York Cheese Cake werden serviert, auf Teller und in Tassen aus der berühmten Keramikstadt Boleslavice.

Oberbürgermeister Rafal Dutkiewicz betont: „Breslau wird sich 2016 als moderne, weltoffene und gastfreundliche Stadt in der Mitte Europas präsentieren. Ich bin überzeugt, dass sich gerade unsere deutschen Gäste bei uns besonders wohlfühlen werden. 2016 wird Breslau Europäische Kulturhauptstadt und ist damit die erste polnische Stadt, die diesen prestigeträchtigen Titel erhält".

Rafal Dutkiewicz Prezydent Wroclawia - Oberbürgermeister von Breslau:

Die westpolnische Metropole ist gemeinsam mit dem spanischen San Sebastián Europäische Kulturhauptstadt 2016. www.wroclaw2016.pl

Dass sich Kultur auch mit sozialem Engagement verbinden lässt, beweist die Idee der MISERART. Eine gemeinnützige Kneipe ein paar Straßen weiter, die Theateraufführungen und Kunstveranstaltungen organisiert und die Eintrittsgelder für das Obdachlosenasyl im Haus sammelt.

Und auf Schritt und Tritt in den Straßen begegnet man den Zwergen in der Stadt. Mal schieben sie eine ruhige Kugel oder spielen Karten, mal lümmeln sie auf einem Bordstein oder greifen nach einer Taube. Die über 100 Zwerge in verschiedenen Posen über das Altstadtgebiet verteilt, wurden zum Wahrzeichen der Stadt. Sie erinnern an die politische Oppositionsbewegung „Orange Alternative“, die in den 1980er Jahren im Zwergenkostüm Kritik an der polnischen Regierung geübt haben.

ReiseTravel Service

Infopunkt Barbara, ul. Swidnicka BC - Touristeninformation am Marktplatz Rynek 14, Tel. 344 31 11,  Fax 344 29 62.      

Kulturzug ab Berlin Lichtenberg nach Breslau. Der Fahrpreis für eine einfache Fahrt beträgt 19 Euro (Hin und Rückfahrt 38 Euro) - Fahrpläne online www.VBB.de  und www.Bahn.de

Samstag abend und Sonntag Nachmittag zurück ab Breslau nach Berlin.

Ein Beitrag mit Foto für ReiseTravel von Christel Sperlich.

Christel Sperlich ReiseTravel.euFernsehjournalistin Christel Sperlich entdeckt gern die ungewöhnlichen Geschichten hinter dem Abenteuer Reisen.

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Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt zur Einstimmung einer Breslau Wroclaw Reise das Buch: Berlin und Breslau.

Kulturhauptstadt von Europa mit Geschichte und Vergangenheit: Berlin und Breslau heute Wroclaw waren bis zum Zweiten Weltkrieg zwei eng verbundene Schwestern. Doch auch nach dem Krieg riss der Dialog zwischen beiden Städten nicht ab.

Berlin und Breslau - Eine Beziehungsgeschichte von Uwe Rada und Mateusz Hartwich, be.bra verlag

Bevölkerungsaustausch: In diesem Buch beschreiben deutsche und polnische Autorinnen und Autoren die verflochtene Geschichte beider Metropolen aus verschiedenen Perspektiven. Das Ergebnis ist ein Panorama, in dem auch die lebendige Gegenwart an Spree und Oder, die Kulturszene, die hippen Stadtviertel und das Europa der Vielfalt ihren Platz finden. Mit Beiträgen von: Artur Becker, Andrzej Dębski, Krzysztof Czyżewski, Agata Gabiś, Mateusz Hartwich, Volker Hassemer, Lisa Höhenleitner, Jerzy Kichler, Vasco Kretschmann, Irina Modrow, Magdalena Parys, Uwe Rada, Katarzyna Roj, Krzysztof Ruchniewicz, Roswitha Schieb, Jacek Skolimowski, Beate Störtkuhl, Wolfgang Templin, Wolfgang Thierse, Bogdan Twardochleb, Katarzyna Wielga-Skolimowska und Robert Żurek.

Uwe Rada, geboren 1963 in Göppingen, ist Redakteur bei der tageszeitung und Schriftsteller. Er lebt seit 1983 in Berlin und veröffentlichte zahlreiche Bücher, unter anderem 2009 "Die Oder. Lebenslauf eines Flusses".

Mateusz Hartwich, geboren 1979 in Breslau, lebt seit 2003 in Berlin. Während seines Studiums der Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) initiierte er zahlreiche grenzüberschreitende Projekte. Er ist Autor der Breslauer Kulturzeitschrift Odra.

ReiseTravel Fact: Ab 1945 wurden alle Breslauer Einwohner vertrieben. Die Polen nennen das harmloser "Bevölkerungsaustausch" und sehen das auch noch heute so. Aktuell radikalisieren sich die politischen Verhältnisse in Polen, auch in Wroclaw. Berlin ist Gegenwart uur und mit fast 200.000 polnischen Muttersprachlern die "größte polnische Stadt westlich der Oder". Das informative Buch "Berlin und Breslau" regt an, einfach einmal nach Breslau zu Reisen. Polen ist unser Nachbar, nicht nur der von Berlin. Reisen bildet und es könnte eine gute Beziehungsgeschichte werden.

Berlin und Breslau - Eine Beziehungsgeschichte von Uwe Rada und Mateusz Hartwich, be.bra verlag, 184 Seiten, 56 Abb., 12,5 x 19,0 cm, Broschiert, ISBN 978-3-8148-0222-0, www.bebraverlag.de

Das Buch kostet im Buchhandel 16.00 Euro.

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