Külsheim

Külsheim liegt in einem geschützten, mit wasserreichen Quellen ausgestatteten, Talkessel, der bereits um 2000 v. Chr. von Menschen bewohnt wurde. Grabhügel und vorgeschichtliche Funde bestätigen dies: Ein Stadtporträt!

Brunnentour: Während der Zeit der Römerbesetzung Germaniens lag Külsheim zwar nicht hinter dem Limes, wohl aber in dessen Einzugsgebiet und es wird vermutet, dass ein römischer Vorposten (Stadio) bei Wolferstetten stand. Diese Vermutung wird durch die Tatsache bestätigt, dass die Hohe Straße, die nördlich von Wolferstetten verläuft, noch heute Römerstraße genannt wird. Zur Zeit der Völkerwanderung nahmen zuerst um 260 die Alemannen das Land zwischen Main, Rhein und Iller in Besitz, mussten dann aber nach der Schlacht gegen König Chlodwig im Jahre 496 ihr nördliches Gebiet, also auch das Gebiet um Külsheim, an die Franken abtreten. Diese besiedelten nach und nach das Gebiet und gaben ihm den Namen ihres Sippenältesten, das sie oft mit der Endsilbe - heim versahen, so Külsheim - Ort des Kulo.

Brunnenstadt Külsheim

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Während des Mittelalters wechselt Külsheim sehr häufig den Herrn infolge von Verpfändung oder Verkauf durch seinen jeweiligen Besitzer. Erstmals wird Külsheim im Jahre 1144 mit einem Oddo de Cullesheim erwähnt, kommt dann an das Erzbistum Mainz (1255) und wechselt in rascher Folge seine Herren. Im Jahre 1292 stellt Adolf von Nassau auf Betreiben Gerhard II., Bischof von Mainz, zu Kolmar, den Freiheitsbrief aus, der Külsheim zur Stadt erhebt. Damit hört für die Einwohner dieses Ortes die Leibeigenschaft auf. Die großen innerdeutschen Wirren des ausgehenden Mittelalters, der Bauernkrieg und der Dreißigjährige Krieg, sind auch für Külsheim von Bedeutung. So wird es 1525 während des Bauernkrieges durch das Bauernheer unter Führung Götz von Berlichingen besetzt und sein Schloss nur durch persönliches Eingreifen des Ritters, eines Lehensmannes des Grafen von Wertheim, vor der Zerstörung gerettet.

Tradition: Die Geschichte der Stadt Külsheim ist sehr eng mit dem Bau der Burg, immer jedoch Schloss genannt, verbunden. Der Dreißigjährige Krieg zeigt uns Tilly, den Führer der kaiserlichen Truppen, nach der für ihn verlorenen Schlacht bei Breitenfeld bis zum 02. November 1631 in den Stadtmauern von Külsheim, wo er mit seinen stark dezimierten Truppen rastete.

Erstmals wurde Külsheim im Jahr 1144 mit „Oddo de Cullesheim“ urkundlich erwähnt, einem Lehensherr eines Würzburger Bischofs. Nach den Überlieferungen wurden erste Bauteile des Schlosses, speziell der Bergfried um das Jahr 1000 errichtet. In der Mitte des 13. Jahrhunderts kamen die Herren von Düren in den Besitz von Külsheim und bauten um das Jahr 1288 das Schloss um. Im Laufe der Jahrhunderte änderten sich die Besitzverhältnisse mehrfach, bis 1842 das Schloss in den Besitz der Stadt kam. Der Stadtrat beschloss seinerzeit, den Turm abzubrechen und die Steine zum Bau von Häusern zu verwenden. Der Abbruch gestaltete sich jedoch äußerst schwierig. Das Gemäuer war so fest gefügt, dass es nur durch Sprengung hätte gelöst werden können. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass der Turm als Wahrzeichen der Stadt weithin sichtbar ist. 1874 wurde mit dem Ausbau für Schulräume und Lehrerwohnungen begonnen. Eine weitere tief greifende Veränderung folgte in den 20iger Jahren im Innern des Schlosses. Bis 1972 diente das Schloss als Schulhaus für die Volksschule, später Grund- und Hauptschule der Stadt. Seit 1975 ist die Stadtverwaltung im Schloss untergebracht. Zusammen mit der Stadtkirche St. Martin und der Festhalle bildet das Külsheimer Schloss eine nach allen Seiten sichtbare Stadtkrone.

Brunnenstadt Külsheim

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Das Alte Rathaus, ein Fachwerkbau aus dem Jahre 1522: Eine lange Geschichte prägt dieses Haus. Nach der Steininschrift über der vorderen Fenstergruppe im massiven Unterbau stammt das Haus aus dem Jahre 1522. Der spätgotische Baustil spiegelt sich besonders in den Gewänden der Fenster wieder. Die Gewände der Fenster sind auch im Innern auffallend schön profiliert und erinnern an die Fenstergewände des Michelstädter Rathauses. Das besonders reizvolle äußere Fachwerk wurde über die Jahrhunderte erhalten, wenn auch im Inneren des Hauses mehrmals einschneidende Veränderungen vorgenommen wurden. Eine erste große Renovation fand im Jahre 1889 statt, eine weitere dann im Jahre 1933.

Besonders eindrucksvoll ist das Giebeldreieck wegen der Anhäufung kleinteiliger Verstrebungsfiguren. Auch wegen der freitragenden Dachkonstruktion war das Alte Rathaus in seiner Bauzeit überaus modern und symbolisiert den ersten Schritt in die Neuzeit. Die Innenraumaufteilung wurde bei den Renovationen in den Jahren 1889 und 1933 entscheidend verändert. Vermutlich hat nur der Saal im Obergeschoss seine ursprüngliche Lage und Größe beibehalten. Die Stuckdecke in diesem Raum stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Der massive Unterstock war ursprünglich eine einzige offene Halle mit einem Mittel-Längsunterzug. Diese Halle wurde bei der Sanierung wiederhergestellt. Trotz der vielen äußeren und noch mehr inneren Umänderungen ist das Gebäude ein überaus wichtiges Beispiel nicht nur unter den Rathäusern, auch unter den Bürgerhäusern für das Ende der Übergangszeit in die Neuzeit. Mit einem Volumen von ca. 2,4 Mio. DM wurde das Haus im Jahre 1999 von Grund auf saniert. Besonders auffallend ist der Anbau des Treppenhauses in einer Stahl-Glaskonstruktion. Trotz der Moderne fügt sich dieser Anbau gut in das Gesamtbild ein und ergibt eine harmonische Einheit zwischen historischer und neuer Bausubstanz. Die Halle im Erdgeschoss des Hauses steht für vielseitige Verwendungen, sei es Vorträge, Kunstausstellungen, Kabarettveranstaltungen, Kammerkonzerte usw. zur Verfügung. Im Obergeschoss ist das Trauzimmer der Stadt und im Dachgeschoss das Museum Külsheimer Höhe untergebracht. Die vielfältige Nutzung macht dieses Haus zum kulturellen Mittelpunkt unserer Stadt.

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Külsheim ist als Brunnenstadt bekannt. Brunnen dienten früher ausschließlich der Wasserversorgung. Trotz dieses rein praktischen Zweckes entwickelte man besondere Typen der Brunnenfassung, die ästhetisch, künstlerisch und ikonografisch ausgedeutet wurden. Häufig wurden Brunnengemeinschaften gebildet und der Brunnenmeister musste für den Brunnen sorgen. So durften z. B. in Franken Wöchnerinnen wegen vermeintlicher Unreinheit nicht an den Brunnen. Brunnen dienten neben kulturellen Bedürfnissen auch religiösen Bräuchen. Anders als auf dem Lande, wo der reine Nutzen die Gestaltung prägte, wurden städtische Brunnen ganz besonders gestaltet. Das klare Wasser wurde zum Trinken und Kochen verwendet, das abfließende Wasser, meist in einem separaten Trog gesammelt, diente dem Vieh zum Tränken. Besonders Brunnen mit Quellwasser sind von Sagen umrankt. Aus dem Brunnen holt die Ammfrau mit ihrem "Köfferle" die kleinen Kinder. Gelegentlich sollen auch Fabelwesen im Brunnen wohnen. Mancher Quelle wird Heilkraft zugewiesen. Die traditionelle Verehrung der Quelle und des Brunnens als Spenderin der unentbehrlichen Lebensnotdurft klingt hier an.

Der Kapellenbrunnen - Dreischalenbrunnen

Der schönste Brunnen ist der Kapellenbrunnen bei der Katharinenkapelle. Wann derselbe errichtet wurde, ist nicht genau nachzuweisen; er dürfte jedoch aus dem XIV. Jahrhundert stammen. Früher stand der Brunnen direkt neben der Kapelle. Im Jahre 1865 wurden durch einen Brand viele Häuser in der Umgebung der Kapelle zerstört. Dann wurde der Brunnen im Jahre 1868 an den durch die Brandkatastrophe frei gewordenen Platz verlegt. Im Zuge der Stadtsanierung in Külsheim wurde der Brunnen 1989 an den ursprünglichen Platz zurückversetzt. Der Kapellenbrunnen wird von der etwa 50 m entfernt liegenden Brunnenstube des Löchleinsbrunnen mit Wasser gespeist. Der Kapellenbrunnen ist ein Dreischalenbrunnen. Sein klares Wasser springt ca. 1 m hoch, fällt in ein zinnernes rundes Säulenbecken, von hier verteilt sich das Wasser durch sechs Röhrenöffnungen in das 2. Abstufungsbecken aus Stein, acht Röhren lassen das Wasser von hier in das untere große Becken, Schüssel genannt, sprudeln. Dieser Behälter hat einen Durchmesser von 2,32 m und ist aus einem Stein gefertigt. Der Brunnen steht erhöht, und es führen drei herumlaufende Stufen empor. Das Bild des Brunnens wurde unter Bürgermeister Dr. Väth im Jahre 1836 in das Stadtsiegel aufgenommen. Auch im heutigen Stadtsiegel ist dieser Brunnen enthalten.

Der Rathausbrunnen

Der Rathausbrunnen ist der größte Brunnen in der Stadt Külsheim. Das Brunnenbassin fasst 163 hl Wasser. In der Mitte des Bassins ist der steinerne Brunnenstock, aus welchem vier Röhren entspringen: und zwar aus dem Munde vier ausgehauener Köpfe. Der Brunnen wurde im Jahre 1573 unter Amtmann Erstenberger errichtet. Diese Jahreszahl ist in den Brunnenstock eingehauen, sowie das alte Külsheimer Stadtwappen, das Mainzer Rad, und jenes des damaligen hiesigen Amtmanns Johann Erstenberger, unter dessen Leitung der Brunnen entstanden ist. Dabei steht die Inschrift: ALEIN GOT DI ER (d. h. Allein Gott die Ehre). Oben auf dem Brunnenstock sitzt ein Löwe und hält das ausgehauene Wappenschild des damals regierenden Kurfürsten von Mainz, Daniel von Brendel. Der viereckige kleine Trog wurde im Jahre 1604 gefertigt. Der Rathausbrunnen wird von der Brunnenstube des Löchleinsbrunnen, die etwa 125 m entfernt ist, mit Wasser versorgt.

Der Weedbrunnen

Der Weedbrunnen wurde unter der Regierung des Kurfürsten Adolf von Nassau in den Jahren 1462-1475 errichtet. Vier Röhren entspringen aus einer runden Säule und ergießen ihr Wasser in ein rundes Becken. Auf der runden Säule dieses Brunnens steht auf dem Wappen-Postament Adolf von Nassau, - der hl. Johannes der Täufer mit einer Fahne in der Hand auf welcher die Worte: Ecce agnus dei (Seht das Lamm Gottes) stehen.

Hinter dem Brunnen befand sich früher ein kleiner Teich, der vom Abwasser des Brunnens gefüllt wurde. Darin wurden die Schafe vor der Schur gebadet. Der Brunnen wurde vor etwa zehn Jahren um einige Meter zurückversetzt, um den Verkehr nicht zu behindern. Im Zuge der Stadtsanierung wurde der frühere Bachlauf wieder freigelegt.

Der Badbrunnen

Der Badbrunnen entspringt am Fuße des Kalvarienberges und hat ein Bassin von 5,40 m im Quadrat. Schon bei mancher Feuersbrunst wurde das darin gespeicherte Wasser als Löschwasser verwendet. Das nebenstehende Haus wurde früher von Land- und Centchirurgen als Badehaus benutzt, wozu das Wasser vom Badbrunnen eingeleitet wurde. Der Badbrunnen dürfte einer der ältesten Brunnen von Külsheim sein.

Der Obertorbrunnen

Dieser Brunnen liegt direkt vor dem östlichen Tor der früheren Stadtmauer. Die Quelle liegt ca. 50 m entfernt in einem Garten. Diese Brunnenstube war früher überbaut und als Bad eingerichtet. Diese Brunnenstube wird Römerbadbrunnen genannt, weil die Art der früher bestehenden Badekabine auf römischen Ursprung schließen lässt. Ob diese Annahme richtig ist, konnte noch nicht erforscht werden.

Der Römerbadbrunnen oder das Antoniusbrünnlein

Das Antoniusbrünnlein wurde in der Nachkriegszeit errichtet und trägt die Statue des hl. Antonius. Dieser Brunnen wird von der Römerbadquelle aus gespeist. Im Zuge des Ausbaus der Altstadtumfahrung 1998/1999 wurde der Brunnen versetzt und in einer neuen Anlage integriert.

Der untere Torbrunnen

Dieser Brunnen liegt direkt am westlichen Ausgangstor der früheren Stadtmauer. Bis zum Jahre 1842 wurde dieser Brunnen aus der Seewiesenquelle gespeist, dann aus der Brunnenstube des Edelsbrunnen. Im Jahre 1949 wurde dieser Brunnen neu erstellt. Auf dem Brunnenstock ist die Figur eines Wächters mit Hellebarde und Laterne und Hündchen, als Erinnerung an den früheren Torwächter. Im Zuge des Ausbaus der Hauptstraße und der Altstadtumfahrung im Rahmen der Stadtsanierung wurde der Brunnen an einem neuen Platz aufgestellt. Rechts und links des Brunnens bzw. der Hauptstraße ist der Verlauf der Stadtmauer angedeutet.

Der Edelsbrunnen

Dieser Brunnen wird im Volksmund auch "Eselsbrunnen" genannt; er ist sehr niedrig, da die Quelle ganz in der Nähe liegt. Von dieser Brunnenstube wird auch der Weedbrunnen und untere Torbrunnen mit Wasser gespeist.

Der Löchleinsbrunnen

Dieser Brunnen liegt ganz in der Nähe des Dreischalenbrunnens. Die Quelle, welche aus dem Fuße des Gänsberges entspringt, ist die wasserreichste von allen Quellen. Eine Messung im Jahre 1887 ergab 5,2 Liter in der Sekunde. Von dieser Quelle werden auch der Dreischalenbrunnen und der Rathausbrunnen mit Wasser versorgt. Die Brunnenanlage war früher bedeutend größer. In den Nachkriegsjahren erhielt er seine heutige Form.

Der Boxhagelbrunnen

Im Jahre 1888 wurde dieser Brunnen zur Wasserversorgung des unteren Ortsteils errichtet. Er hat eine eigene Quellfassung in der Nähe des Badbrunnens. Leider wurde die gefasste Wasserader bei den Grabarbeiten zur Ortskanalisation beschädigt und ist in Felsspalten abgesickert, wo sie wegen der Gebäude nicht mehr gefasst werden konnte.

Der Gießbachbrunnen

Dieser Brunnen liegt am unteren Teil der Bergstraße und wurde im Jahre 1881 errichtet. Er wird vom Obertorbrunnen mit Wasser gespeist. Im Volksmund wird er auch „Güßgrabenbrunnen“ genannt.

Der Brunnen gegenüber dem Gasthof "Zur Linde"

(Lindenwirtsbrunnen) Dieser Brunnen wurde im Zuge der Altstadtumfahrung 1995/1996 neu gestaltet.

Der „Narrenbrunnen“ am Kirchbergweg

Dieser Brunnen sowie die komplette Anlage wurden im Rahmen der Stadtsanierung im Jahre 2005 neu gestaltet. Das Kernstück zeigt den Besen, den Eimer und die Narrenkappe der „Külsheimer Brunnenputzer“

Der Brunnen an der Bronnbacher Straße

Er liegt am Stadteingang (nördlich) von Bronnbach her an der Bronnbacher Straße. Wann dieser errichtet wurde ist nicht bekannt. Der Brunnen erhält sein Wasser aus der Reutenbüschelquelle.

Moretbrunnen am Ende der verkehrsberuhigten Hauptstraße

Dieser Brunnen, der ein Mühlwerk darstellt, wurde anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Partnerschaft mit der französischen Stadt Moret-sur-Loing neu geschaffen und im Rahmen der Feierlichkeiten "700 Jahre Stadtrecht" im Jahre 1992 eingeweiht. Der weiße Stein (Kalkstein), der das Mühlrad symbolisiert, stammt aus der Partnerstadt Moret-sur-Loing.

Brunnen an der Kreuzung Rathausstraße / Boxtalstraße

Dieser Brunnen wurde von den Anliegern im Rahmen der Stadtsanierung 1995 gestiftet.

Spitalbrunnen am Ende des Gießbaches

Dieser Brunnen wurde im Rahmen des Ausbaus des Gießbaches 1997 an diesen Platz gesetzt. Es ist eine runde Brunnenschale, die ursprünglich auf der Höhe des „Gänsberges“ (jetzt Bergstraße) stand.

Wilhelm-Grimm-Brunnen am Sportgelände

Dieser Brunnen wird zum Gedenken an den Gründervorsitzenden des FC Külsheim 1932 e. V. im Jahre 1982 am Sportgelände des FC Külsheim errichtet.

Sakrale Zeugnisse aus mehreren Jahrhunderten in und um Külsheim

Die Ortswahl, ihre Entstehungsgeschichten und die Motivation der Erbauung mögen zwar sehr unterschiedlich gewesen sein, ihre Nutzung nicht. Sie waren und sie sind teilweise immer noch Orte des christlichen Brauchtums – der persönlichen Begegnung mit Gott, oft weit ab gelegen vom Getriebe der heutigen schnelllebigen Zeit – also im wahrsten Sinne des Wortes „Orte der stillen Einkehr“. Von 15 Kapellen in der engsten Umgebung Külsheims kann berichtet werden, von denen 11 immer noch bestehen und die zumindest hin und wieder aufgesucht werden, darunter einige, die sogar häufig und regelmäßig „genutzt“ werden.

Das Templerhaus in Külsheim

Das am Ortsrand des Altstadtbereiches, an der Hauptstraße nach Tauberbischofsheim stehende, sogenannte Templerhaus zeichnet sich durch starke, aus Bruchsteinen erstellte Umfassungsmauern aus, die aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stammen. Seine verputzten Fassaden gliedern hochrechteckige, vorwiegend aus rotem Sandstein gearbeitete Fenstergewände. Die gefassten Gewände im Obergeschoss und in den Giebeln stammen im wesentlich aus der Entstehungszeit.

Beim Templerhaus handelt es sich wahrscheinlich um ein ehemaliges Torwächterhaus. Konsolsteine und eine zugemauerte Türöffnung an der Hofseite deuten auf die Existenz eines hölzernen Laufgangs als Verbindung zur ehemals angrenzenden Stadtmauer und zum Stadttor, das um 1890 abgebrochen wurde. Die Hausbewohner hatten also die Bewachung und Verteidigung der Stadt zur Aufgabe. Bis 1594, wie eine jüngst im Inneren entdeckte Inschrift verrät, war auch die Innenausmalung, veranlasst durch den Eigentümer, das Erzbistum Mainz, vollendet. Aus dieser Zeit konnte mittlerweile auch rotockerfarbener Fassadenputz mit Rot gefassten Gewänden nachgewiesen werden. Zwischen 1590 und 1594 fand ein größerer Umbau statt. Ein Gewölbekeller wurde unterbaut und der Torbogen in Verlängerung der Straßenfassade geschaffen. Damals entstanden auch die beiden dekorativ profilierten Fenstergewände im Erdgeschoss, die die Jahreszahl „1590“ tragen und die 1593 datierte, vorwiegend aus Eichenholz gezimmerte Dachkonstruktion.

Der Kellertorbogen von 1760 sowie die barocken Stuckdecken und Lambrien im Erdgeschoss stammen schließlich vom letzten anspruchsvollen Teilausbau des Hauses. Nach längerem Leerstand kaufte die Stadt Külsheim im Jahr 2002 das Anwesen, das – seit 1930 eingetragen in das badische Verzeichnis der Baudenkmale – als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung gilt. Zwischenzeitlich ist die Stadtbücherei Külsheim in diesem Haus untergebracht.

Weinbau in Külsheim und Uissigheim

Die Stadt Külsheim und der Ortsteil Uissigheim sind zwei vom Weinbau geprägte Gemeinden. Weinbauernhäuser in den beiden Orten künden von einer langen Weinbautradition. Seit wann in dieser Gegend Wein angebaut wird, ist allerdings nicht nachweisbar. Es ist nicht nachgewiesen, ob das Zisterzienserkloster Bronnbach im Taubertal (gegr. 1157) Einfluss auf die Begründung des Weinbaus in Külsheim und Umgebung hatte. Alte Flurnamen wie Weinbergsflur, Weingarten und Häckersgraben deuten ebenfalls auf eine lange Weinbautradition hin. 1528 heißt es in der Külsheimer Stadtordnung, dass "ein jeder Bürger von einem Eimer Wein, zwei Maß zu geben schuldig und pflichtig ist". Ca. 36 ha umfasst heute die Külsheimer Weinberglage "Hoher Herrgott", die seit 1951 wieder angebaut wird. Die Külsheimer Winzer sind fast alle im Nebenerwerb tätig und Mitglied in der Tauberfränkischen Bocksbeutelkellerei Wertheim-Reicholzheim. Der Name wird in Zusammenhang gebracht mit dem im Weinberg stehenden Caravacakreuz - ein Kreuz mit doppeltem Querbalken. Diese, nach einer spanischen Stadt, wo ein echter Kreuzpartikel in Form eines Jerusalemer Kreuzes verehrt wird, benannten Kreuze sollen vor Blitz, Hagel und Unwetter bewahren. Ca. 10 ha werden in der Lage "Stahlberg" bei der Ortschaft Uissigheim bewirtschaftet, über die 1711 berichtet wird, dass ein Großteil der Gemarkung mit Reben bestanden war. Auf den Muschelkalk- und Buntsandsteinverwitterungsböden werden die Rebsorten "Müller-Thurgau" und "Kerner" angebaut. Die Külsheimer Lagen gehören damit zum Taubertäler Weißweingebiet. Külsheimer „Hoher Herrgott“ und „Uissigheimer Stahlberg“ werden in den für Franken einzigartigen Boxbeuteln abgefüllt.

Bildstöcke sind kulturelle Kleinode

Die Stadt Külsheim mit ihrer Umgebung wird geprägt von den für Franken so charakteristischen Bildstöcken. Überall begegnen wir diesen Beispielen volkstümlicher Handwerkskunst, ob in der Ortsmitte, am Ortseingang oder in der Flur. Sie sind in Stein gehauene Bitt- und Dankgebete und künden von einer besonderen Andacht und Volksfrömmigkeit. Errichtet wurden sie nach überstandenem Leid und sollen vor Not und Gefahr schützen. Auf einem Schaft finden wir als Freifigur, in einem Häuschen oder in einem Relief häufig die Pietà, die Immaculata oder die Himmelskönigin. Es kommen auch die Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit, die Aufnahme Mariens in den Himmel, der Heilige Josef (als Schutzpatron der Handwerker) oder die Heilige Familie (als Schutzpatron für die Familie) vor. In Külsheim finden wir zudem die in dieser Gegend so charakteristische "barocke" Form des "Träubelesstocks", bei dem die meist gewundene Säule von Rebenlaub und Trauben umrankt wird.

Bildstöcke als Ausdruck gläubigen Sinnes erscheinen seit dem späten Mittelalter und werden bis auf den heutigen Tag aufgestellt. Für unsere Gegend kann man eine gewisse Blüte im späten 17. und 18. Jahrhundert feststellen. Mit seinen mehr als 180 Bildstöcken und Flurdenkmälern gehört Külsheim mit zu den bildstockreichsten Gemeinden. Wir finden Vesperbilder, die Heilige Familie, die Dreifaltigkeit, den Heiligen Georg und die Krönung Mariens. An der Straßenabzweigung Tauberbischofsheim- Uissigheim steht der älteste Külsheimer Bildstock - 1483 von Philipp von Northeim gestiftet - mit Kruzifixdarstellung.

Eine Zierde der Stadt ist die Mariensäule von 1739 gegenüber der Katharinenkapelle. Auf hohem Sockel stehend, umranken Reben die gewundene Säule. Dieser "Träubelesstock" gilt als der größte in Franken und wird der Bildhauerfamilie van der Auvera aus Würzburg zugeschrieben. Diese Zeugnisse der volkstümlichen Bildhauerkunst sind dennoch kaum je einem Meister zuzuschreiben. Häufig hat der Steinmetz nach einer bestimmten Vorlage, verbreitet durch eine Grafik, gearbeitet. In Külsheim ist jedoch zumindest durch Steinmetzzeichen und durch seine charakteristische Handschrift ein Meister in der Zeit, um 1630 nachzuweisen.

Külsheimer Osterbrunnen

Külsheim bietet zur Osterzeit seit vielen Jahren ein besonderes Aussehen, die Brunnenstadt hat ihre Wahrzeichen festlich geschmückt. Phantasiereiche und farbenfrohe Gebilde aus Fichtenreisig und ungezählten, bunt bemalten Eiern zieren die immerfort laufenden Quellen des Leben spendenden Wassers. Die Kränze von Fichtenreisig stehen für die Sehnsucht nach dem neuen Grün des Frühlings, die Eier symbolisieren den Wunsch nach Fruchtbarkeit der Natur. Die Osterbrunnen sind 2 Wochen vor und 2 Wochen nach Ostern geschmückt.

Bürgermeisteramt Külsheim. Kirchbergweg 7, D-97900 Külsheim, Tel. 09345/6730, Fax 09345/67340, rathaus@kuelsheim.de - www.kuelsheim.de

Ein Beitrag von Roswitha Bausback.

ReiseTravel Service

Die Reise in das Liebliche Taubertal kann mit den ICE Zügen der DB erfolgen, via Würzburg und dann in die einzelnen Orte. Natürlich auch im Auto, aus allen Richtungen. Mehrere Reiseveranstalter bieten Pauschalreisen an. Direktbuchungen in den Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen sind möglich, in allen Preisklassen. Restaurants locken mit köstlichen Offerten. Ein paar Tage sollten zur Reise eingeplant werden. Gute Reise!

Tourismusverband Liebliches Taubertal e.V. Gartenstraße 1, D-97941 Tauberbischofsheim, Fon 09341-825806, touristik@liebliches-taubertal.de – www.liebliches-taubertal.de

Reisen & Speisen: Das Liebliche Taubertal lockt nicht nur mit kulinarischen Genüssen. Auf den Spuren Jüdische Kultur wandeln und den Kurpark Bad Mergentheim besuchen, ebenso den Pfeifer in Nicklashausen oder der Brunnenstadt Külsheim einen Besuch abstatten. Super Gastronomie in der Orangerie im Kloster Bronnbach erleben. Gute Reise!   

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher.

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