Horst Wunner

Auslernen tut man nie: Vom Kindesalter bis zu den Senioren, eingebunden die Neuerungen für den Erwerb des Führerscheins und Präventionsstrategien für berufliche Vielfahrer, bis zum Einfluss des Gehirns auf die Fahrweise!

Sehr geehrte ReiseTravel User, der Autor dieses Kommentars gehört zu den vom Lebensalter her erfahrenen Verkehrsteilnehmern, als Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer. Eines ist ihm jedoch bewusst: Auslernen tut man nie. Unter diesem Motto „Ein Leben lang für den Straßenverkehr lernen“ hat nun der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Essen während eines Presseseminars mit kompetenten Referenten einen tiefen Blick in die Materie eröffnet: Angefangen vom Kindesalter bis zu den Senioren, eingebunden die Neuerungen für den Erwerb des Führerscheins und Präventionsstrategien für berufliche Vielfahrer, bis zum Einfluss des Gehirns auf die Fahrweise.

Und Sven Rademacher, Moderator und Redaktionsleiter für Verkehrssicherheit im DVR brachte es vorab auf den Punkt: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans immer noch sehr gut“. Das zog sich wie ein roter Faden durch die zweitägige Zusammenkunft von Journalisten aus ganz Deutschland mit dem Fazit, man sollte sich auf neue Herausforderungen einstellen, nicht im Gewohnheitsmäßigen stehenbleiben, sondern stets dazu lernen, egal in welchem Alter.

Besonders für die jüngsten Verkehrsteilnehmer, die Kinder und Jugendlichen, hatte Dr. Bernhard Schlag wertvolle Tipps parat. Der Professor an der Technischen Hochschule Dresden: „Beim Nachwuchs gilt, vor allem die Sinnesorgane wie Augen und Ohren zu schärfen, damit Geräusche identifiziert und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge richtig eingeschätzt werden können“. Und vor allem nicht zugelassen wird, die nötige Aufmerksamkeit durch zu viel Ablenkung zu minimieren.                                                                                                                                          Die motorische Entwicklung von Grundschülern sei beispielsweise langsamer als bei einem Erwachsenen, konstatierte er. Der junge Mensch denke anders, wie Unfallanalysen zeigen würden. So überquere ein Kind eine Fahrbahn abseits von Fußgängerüberwegen oft nicht in direkter Linie, sondern schräg oder einfach unkoordiniert. Kinder, die vermehrt Verkehrsunfälle erleiden, zähle man zu der Kategorie „sehr lebhaft und risikobereit“. Für die Omas und Opas, die mit ihren kleinen Enkeln unterwegs sind, hat er noch einen persönlichen Rat: „Führ mich – Ich begleite dich Kind. Du führst“. Damit könne man gut erkennen, wie sich das Kind in den verschiedensten Situationen verhält und „wo Handlungsbedarf besteht“.

Zeitsprung: Bei älteren Menschen über 70 diagnostizierte Dr. Schlag viele Komponenten, die die Fahrtüchtigkeit reduzieren, wie nachlassendes Sehvermögen, verringerte körperliche Beweglichkeit und Belastbarkeit. Während die Senioren auf der Autobahn, bis auf den sicheren Spurwechsel, und auf den Landstraßen wenig Probleme haben, bereitet das sichere Bewegen des Fahrzeugs im Stadtverkehr oft erhebliche Schwierigkeiten. Genau so wie Stop-Schilder, die bei Rot passiert werden, „die Diskrepanz zu jüngeren Fahrern ist da alarmierend“, so der Professor. Daher: Sich einstellen auf die dem Alter geschuldete Veränderung des eigenen Ich und lernen, das zu akzeptieren und gegenzusteuern. Schlag gibt aber auch zu, dass Ältere oft vorausschauender fahren und nicht zu allen Tageszeiten, „dadurch werden altersbedingte Nachteile kompensiert“.

Nochmals zurück zu den Jugendlichen: Da machte sich Heinz Albert Stumpen, Polizeidirektor an der Hochschule der Polizei in Münster, seine Gedanken und formulierte es als Frage: „Raser schon mit 14? - die Mobilitätserziehung als Sozialerziehung“.

Er kam zu dem Ergebnis, dass eine risikoreiche verkehrsbezogene Einstellung oft sozial im Genre vermittelt wird. Es gebe ein stabil höheres Risikopotenzial bei Jungen, sie liege aber prozentual im unteren Bereich und weit unter dem von Mädchen. Nach einer Analyse von Jugendlichen zum Fahren und zur Automobilität kristallisiere sich ein hohes, ein mittlereres und ein geringes Potenzial heraus. „Handeln ist daher notwendig“, meint Stumpen. Er rät zu Präventionsmaßnahmen bereits vor Erwerb des Führerscheins.

Und Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat zeigte wirksame Methoden für berufliche Vielfahrer auf. Mit emotionalen Bildern, die eindrücklich haften blieben und offenbarten, dass Menschen Fehler machen und die durch fundiertes Wissen verhindert werden könnten. „Wissen schafft Sicherheit“ und „Gefahr erkennen und bannen“ waren Schlagworte und der Appell, „dass Leben nicht verhandelbar ist“.

Wie Gehirnströmungen das Fahren beeinflussen, beleuchtete Universitätsprofessor Dr. André Bresges. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Mensch in der Bewegung durch den Raum komplexe Probleme lösen kann. Was ihm aber von der Evolution her viel schwerer fällt, wenn es um die schnelle Bewegung in modernen Fahrzeugen geht. Denn Routine hat da auf das Handeln des Einzelnen großen Einfluss, und ist eine Erklärung für weniger und rücksichtsvolleres Handeln von Menschen, wenn sie im Fahrzeug sitzen. „Je stärker und sportlicher das Auto, desto größer ist die Aggressivität beispielsweise eines Testfahrers. Es müsse daher bei jedem Autofahrer ein komplexer Denkvorgang stattfinden vom Beobachten der Situation bis zum Verstehen, meinte der Verkehrsexperte, „also immer erst das Gehirn einschalten vor der rasanten Beschleunigung“.

ReiseTravel Fact: Angesprochen wurden in der achtstündigen „Befeuerung“, verteilt auf zwei Tage, auch die künftigen Standards zur Erlangung des Führerscheins, die Anforderungen des Berufs Fahrlehrer und die Möglichkeiten und Grenzen der Qualifikation von Berufskraftfahrern. Der Verfasser dieses Artikels ging hinaus aus dem Seminar und setzte sich ins Auto, um auf dem fast 600 Kilometer langen Heimweg weiter im Straßenverkehr zu lernen.

Ein Kommentar für ReiseTravel von Horst Wunner.

Horst Wunner ReiseTravel.euUnser Autor arbeitet als Journalist und lebt in Altenplos in Bayern.

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