Kassel

Zu geringer Abstand und nicht angepasste Geschwindigkeit zählen zu den häufigsten Ursachen von Verkehrsunfällen und verursachen zudem enorme volkswirtschaftliche Kosten: Tempo runter!

Deutschland und Europa: In der EU starben im Jahr 2015 in Folge von Straßenverkehrsunfällen 26.313 Menschen. Laut EU Schätzungen wurden bei Straßenverkehrsunfällen 135.000 Personen schwer verletzt. Der Europäische Verkehrssicherheitsrat ETSC schätzt, dass rund ein Drittel aller Getöteten in der EU auf nicht angepasste oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen sind. Vor allem auf Landstraßen und innerorts werden die Geschwindigkeitsbegrenzungen missachtet.   

Jacqueline Lacroix referierte zu dieser Problematik im Rahmen eines Presseseminars des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in Kassel.

In Deutschland stirbt alle sieben Stunden ein Unfallopfer durch einen Geschwindigkeitsunfall. Als Unfallursache sind die "nicht angepasste" und "überhöhte" Geschwindigkeit zwar an vierte Stelle gerückt, dennoch "produziert" dieses Fehlverhalten an erster Stelle Getötete.

Prof. Dr. Ralf Risser, FACTUM, Wien sprach zur Frage: "Die Schwierigkeit mit der angemessenen Geschwindigkeit. Warum wir Hilfe durch das Verkehrssystem brauchen". Bewusstseinsfördernde Maßnahmen solle Gelassenheit, Geduld, Bereitschaft zur Bedächtigkeit, Bereitschaft auf andere Rücksicht zu nehmen, anregen.
Prof. Dr. Dieter Muller, Institut für Verkehrsrecht und Verkehrsverhalten, Bautzen, behandelte das Thema: Wie wirken Gesetze und Strafen?
"Gesetze werden vom jeweils nach der Verfassung zuständigen Gesetztgeber erlassen, Strafen werden je nach gesetztlicher Grundlage, als Verwaltungsstrafen von einer Behörde festgesetzt oder im Streitfall optimal von einem Richter ausgesprochen". Gute Gesetze zeichnen sich dadurch aus, dass sie dem von der Verfassung vorgegebenen Wertekanon entsprechen, in ihren Inhalten vom Gesetzgeber wohl durchdacht sind und von denjenigen gut verstanden werden, für die sie letztendlich als Richtschnur geschaffen worden sind.

Runter vom Gas: Dennoch haben Geschwindigkeitsüberschreitungen im Straßenverkehr eine relativ hohe gesellschaftliche Akzeptanz und unterliegen einer nur schwachen sozialen Kontrolle. Woran liegt das? Anscheinend fahren Menschen gerne schnell und zu dicht auf. Warum? Wie bedeutend sind die Dimensionen des Unfallgeschehens in Deutschland und Europa? Welche Möglichkeiten hat die Polizei, Geschwindigkeits- und Abstandsunfälle zu bekämpfen?

Stefan Pfeiffer, Deutsche Polizeigewerkschaft, betonte: "Vom bundesdeutschen Ziel, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010, um 40 Prozent zu reduzieren, sind wir meilenweit entfernt".

Im europäischen Vergleich ist Deutschland bei der Verfolgung von Geschwindigkeitsverstößen ein "Billigland". Eine europäische Harmonisierung der Ahndungssätze für Verkehrsverstöße ist überfällig. Es gibt zwar Regelungen, um in Deutschland begangene Verkehrsverstöße von Fahrzeugführern, die ihren Wohnsitz im europäischen Ausland haben und von der deutschen Polizei nicht sofort angehalten werden können, zu Verfolgen. Dies wird leider derzeit von Bundesland zu Bundesland mit völlig unterschiedlicher Intensität praktiziert. Das Vollstrecken von Bußgeldern in anderen europäischen Ländern funktioniert nur unbefriedigend. 

ReiseTravel Fact: Der serienmäßige Einbau von Unfalldatenschreiber in Kraftfahrzeugen würde eine erhebliche Steigerung der Verkehrssicherheit mit sich bringen und die Unfallzahlen deutlich senken. In jedem Flugzeug oder bei der Bahn ist das "völlig normal", nur eben nicht in den modernen Autos unserer Zeit. Das Gerät kostet etwa 600 bis 1.000 Euro. "Wir können nicht alles schaffen. Aber wir müssen tun, was möglich ist", so könnte das Grundthema des Seminars im Schlosshotel Bad Wilhelmshöhe betitelt werden. Nicht nur dieser Grundfrage widmete sich das Presseseminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und es war ein Erfolg. Denn die DVR Schwerpunkte lauten: "Die Aufgabe des Vereins ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer". Aufgabe gelöst, Ziel erreicht!

DVR Deutscher Verkehrssicherheitsrat, D-53222 Bonn, www.dvr.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher.

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