Marburg

Aufgrund von Wetterbedingungen, Schlafstörungen und gesundheitlichen Einschränkungen ereignen sich jährlich zahlreiche Verkehrsunfälle: Diesen Themen widmete sich ein Seminar des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) in Marburg an der Lahn!

Sekundenschlaf und Wetterfühlig: Wie wirken Wetter, Witterung und Klima auf Menschen? Wie beeinflussen die sogenannten trivialen Auswirkungen des Wetters wie etwa Schnee- und Eisglätte, Blendung durch die Sonne oder Seitenwind das Unfallgeschehen? Welche Einflüsse hat das Wetter auf unseren Organismus, auf unsere psychische und physische Leistungsfähigkeit, etwa bei hohen Temperaturen oder speziellen Großwetterlagen? Antworten gaben Experten!

Müdigkeit am Steuer kann verheerende Folgen haben: „Bereits drei Sekunden Schlaf bei Tempo 100 kommen einem Blindflug von 83 Metern gleich – das kann tödlich sein“, erläuterte Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums Pfalzklinikum. „Schlafstörungen sind in unserer modernen Industriegesellschaft auf dem Vormarsch“.

Laut einer DAK-Studie klagen mehr als 80 Prozent der Erwerbstätigen zwischen 35 und 65 Lebensjahren über Schlafprobleme. Wer beispielsweise weniger als vier Stunden schläft, erhöht sein Unfallrisiko auf das 11,5fache, bei einer Stunde weniger Schlaf als üblich sind es noch 20 Prozent. „Rund 20 Prozent der Autofahrer sind laut einer Umfrage des DVR schon einmal am Steuer eingeschlafen. Weitere sechs Prozent sind schon häufiger beim Autofahren eingenickt“.

Die Gefahr, die von Müdigkeit hinterm Lenkrad ausgeht wird oftmals verkannt und die eigenen Fähigkeiten überschätzt. Warnzeichen sind zum Beispiel häufiges Gähnen, zuckende Augenlider und Konzentrationsprobleme. Bei diesen Anzeichen sollte dringend eine Pause eingelegt werden. Moderne Fahrerassistenzsysteme, wie Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent und Auffahrwarnsysteme, können zwar einen wesentlichen Beitrag zur Unfallvermeidung beziehungsweise Minderung von Unfallfolgen leisten: Aber verhindern nicht den Sekundenschlaf und seine eventuellen Folgen.
Vorsicht Sekundenschlaf: Brennende Augenlider, häufiges Gähnen und unwillkürliches Frösteln gehören zu den klassischen Anzeichen für Müdigkeit, die wir alle kennen und schon einmal beim Autofahren erlebt haben. Jeder ist folglich der Gefahr des Sekundenschlafes am Steuer ausgesetzt. Dies kann tödlich enden. Dennoch unterschätzen viele diese Gefahr. „43 Prozent der Autofahrer sind überzeugt, den Zeitpunkt des Einschlafens sicher vorhersehen zu können, 45 Prozent glauben, Beeinträchtigungen durch Müdigkeit durch ihre Fahrerfahrung ausgleichen zu können, 17 Prozent fahren trotz Müdigkeit weiter“, betonte Anna-Sophie Börries, Referentin gegen Müdigkeitsunfälle, Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR)
Der DVR startete daher mit Unterstützung des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) sowie weiterer Partner die Kampagne „Vorsicht Sekundenschlaf! Die Aktion gegen Müdigkeit am Steuer.“

Ziel ist es auf die Gefahr von Müdigkeit am Steuer aufmerksam zu machen und zu zeigen, dass langfristig vor allem das Sicherstellen eines gesunden Wechsels von Schlaf- und Wachzeiten und akut vor allem eine Pause mit einem Kurzschlaf oder etwas Bewegung dagegen hilft. www.risiko-check-wetter.de

„Kopfweh“ für Menschen: Zum Thema Wetter, Witterung, Klima und Klimawandel, referierte Prof. Dr. Andreas Matzarakis, Deutscher Wetterdienst, www.dwd.de und betonte: „Die Auswirkungen des Wetters auf das vegetative Nervensystem werden als Wetterfühligkeit bezeichnet“. Betroffene Menschen werden in drei Gruppen eingeteilt. Wetterreagierende: Alle Menschen die auf das Wetter und seine Veränderungen reagieren. Wetterfühlige: Sind Menschen bei denen bestimmte Beschwerden (Kopfschmerz, Rheuma, Asthma) bei bestimmten Wetterlagen verstärkt werden. Wetterempfindliche: Sind Personen mit langer Krankheitsgeschichte (oder nach einer OP), die teilweise auch im Vorfeld eine Wetterveränderung reagieren. „Hinzukommen Einflüsse und Auswirkungen bei Reisen und Ortswechseln und die Anpassung der Menschen an neue klimatische Umgebungen. Darüber hinaus sollte auch die therapeutische Wirkung des Wetters und des Klimas bei der Rehabilation sowie bei Krankheiten, nicht außer Acht gelassen werden“, sagt Prof. Dr. Andreas Matzarakis.  

Schlaflose Gesellschaft: Die Ursachen für Verkehrsunfälle werden in den Unfallstatistiken nur zum Teil ausgewiesen, da die Unfallaufnahme anhand standardisierter Erhebungsbögen erfolgt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Unfallgeschehen in der Regel durch zahlreiche, sich überlagernde Faktoren beeinflusst wird. Und wer gibt schon nach einem Unfall Müdigkeit oder gesundheitliche Probleme freiwillig zu Protokoll? Es lohnt sich also, den Einfluss von Wetter, Schlaf und Gesundheit auf die Verkehrssicherheit näher unter die Lupe zu nehmen.

Aber nicht nur mangelnder Schlaf hat Einfluss auf die Verkehrssicherheit auch Krankheiten haben Einflüsse auf unsere Sicherheit im Straßenverkehr. „Nach einer EU-Studie erhöhen überwiegend neurologische und psychische Erkrankungen das Unfallrisiko um durchschnittlich 33 Prozent“, so Sabine Herzberg vom TÜV Thüringen. Aufgrund von besonderen Witterungsbedingungen ereignen sich jährlich viele Verkehrsunfälle. Die unfallträchtigsten Zeiten sind nicht wie man eigentlich vermuten würde bei widrigen Bedingungen im Winter, sondern in den Sommermonaten. „Je schöner das Wetter, desto schlechter die Unfallbilanz“, erläuterte Dr. Hartmut Kerwien vom Herforder Institut für angewandte Verkehrspädagogik.  
DVR Umfrage: Laut einer Umfrage gehen 86 Prozent der Befragten davon aus, dass Glatteis die höchste Gefahrenquelle ist. Dahinter wurden Nebel (73 %), dichtes Schneetreiben (51 %) und starker Regen (30 %) angegeben. Diese Risikowahrnehmung stimmt allerdings nicht mit der Realität überein. Die Reihenfolge nach Anzahl der Verunglückten sieht anders aus. Hier steht der Regen mit 8.351 Verunglückten an erster Stelle, dahinter folgen Schnee und Eis mit 6.670 Verunglückten. Auf Rang drei folgen 4.186 Unfälle wegen blendender Sonne und am unteren Ende der Skala folgen Nebelunfälle (705). Insgesamt gab es 2015 2,5 Millionen Unfälle mit mehr als 396.000 Verunglückten und knapp 3.500 Toten. „Das Risiko eines tödlichen Unfalls bei Dunkelheit ist 1,8 mal höher als bei Tageslicht“, so Dr. Hartmut Kerwien.

ReiseTravel Fact: Die selbst gestellte Aufgabe des DRV ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Schwerpunkte sind Fragen des menschlichen Verhaltens, der Fahrzeugtechnik, der Infrastruktur, des Verkehrsrechts, der Verkehrsüberwachung und der Verkehrsmedizin. Das Seminar: Fit genug für den Straßenverkehr – erfüllte alle Anforderungen unserer heutigen Zeit. Wetter gibt es immer, der Mensch sollte sich noch besser einordnen.

Deutscher Verkehrssicherheitsrat DVR, Auguststraße 29, D-53229 Bonn, www.dvr.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher.

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