Bonn

Gefahren im Straßenverkehr sind Autos, die schneller fahren als der Mensch denken kann

Chance oder Risiko: Das autonome Fahren ist derzeit das Lieblingsthema der Automobilbranche. Das Auto gibt selbstständig Gas, lenkt, bremst und überholt. Der Fahrer lehnt sich entspannt zurück und überlässt dem Auto alle Aufgaben des Fahrens. Eine ferne Zukunftsvision?

Der DVR - Deutscher Verkehrssicherheitsrat griff das Thema auf und gestaltete ein Semirar und dies mit Erfolg. Bereits die Einladung zierte ein Titelbild einer Zeitschrift aus den 1950er Jahren: „Ein Highway mit amerikanischen Straßenkreuzern“. Im Fahrzeug ist eine Familie mit einem Brettspiel beschäftigt; doch das Auto fuhr „allein“ und der Fahrer saß im Wagen mit dem Rücken zum Lenkrad.

Autonomes FahrenSelbststeuernde Laster: Die Vision „Automatisiertes Fahren“ ist nicht unbedingt Zukunftsmusik, sondern bereits in der praktischen Erprobung. Markus Kirschbaum, Daimler AG, referierte über die Initiative „Shaping Future Transportation“ und der Vorstellung der Fahrfunktion „Highway-Pilot“ in Magdeburg. Daimler schreibt somit die Geschichte des automatisierten Fahrens, diesmal im LKW. Die Motivation für die Entwicklung dieses Fahrzeugs leitet sich aus mehreren Überlegungen ab. Der „Bewältigung des steten Zuwachses des Güterverkehrs, der für die nächsten Jahre erwartet wird, dem steigenden Kostendruck im Transportgewerbe, dem wachsenden Fahrermangel und nicht zuletzt aus der Unterstützung des Fahrers in der Bewältigung seiner Aufgaben“. Das hochautomatisierte Fahren zeigt Entwicklungsmöglichkeiten auf, wie durch die optimale Nutzung der vorhandenen Infrastruktur, dem vermehrten Einsatz von Assistenz- und Telematik Systemen zur Erhöhung von Fahrsicherheit und Transporteffizienz, sowie der Attraktivierung des Fahrerberufes, weitere Optimierungspotenziale im Straßenverkehr erschlossen werden können.

Der Future Truck kann auch ohne Verbindung mit der Umwelt (mobile connection) hochautomatisiert fahren. Er bleibt dabei in seiner Fahrspur. Überholmanöver, Fahrspurwechsel und das Verlassen der Autobahn werden vom Fahrer übernommen. Durch eine zusätzliche Internetverbindung oder einer V2x Verbindung wird die Performance der implementierten Fahrfunktionen weiter erhöht. Die Konnektivität steigert dadurch generell die Performance des Fahrzeugs und schafft für den Fahrer neue attraktive Möglichkeiten. Die Information des umgebenden Verkehrs über den aktuellen Fahrmodus des Future Truck 2025 erfolgt durch ein neuartiges Umgebungslichtkonzept, welches den Modus sowohl über verschiedene Farben als auch über ein Pulsieren anzeigt.

Autos fahren bereits vollautomatisch durch menschenleere Gebiete ebenso sicher wie durch dichten – allerdings vorher abgesicherten – Stadtverkehr. www.daimler.com

Dr. Arne Bartels, VW AG Wolfsburg, berichte über „Weniger Unfälle, besserer Verkehrsfluss“ und die Perspektiven der Automobilindustrie. www.volkswagen.de 

Mobilität von morgen oder die „Auswirkungen des voll automatisierten und autonomen Fahrens auf die Gesellschaft“ und ist das möglich. Die Chancen sind da. „Das voll automatisierte Fahren könnte dazu beitragen, dass die Mobilität von morgen ganz anders aussehen wird als wir sie heute kennen. Und dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob künftig jemand hinter dem Steuer sitzt oder nicht. Zusammen mit der Ablösung des Verbrennungsmotors durch Elektroantriebe kann ein Aufbruch in eine postfossile Mobilität gelingen. Das elektrische „Bestellauto“, das automatisch dorthin fährt, wo es gebraucht wird, kann ein attraktives Element einer neuen integrierten Mobilitätsdienstleistung sein, das das klassische Privatauto zu einem Auslaufmodell macht. Es wäre zugleich auch ein „Speicher auf Rädern“ für fluktuierende erneuerbare Energien“, betonte Dr. Weert Canzler, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, www.wzb.eu 

Eine Utopie, könnte man meinen. Aber gibt es überhaupt Hinweise darauf, dass die Mobilität von morgen so radikal anders organisiert werden wird als heute? Wer verzichtet denn auf das eigene Auto und verlässt sich auf Nutzungsrechte? Was soll der Verkehr mit der Energiewende zu tun haben? Wie ist mit kombinierten Mobilitäts- und Energiedienstleistungen Geld zu verdienen? Welche Hürden sind zu überwinden? Wer treibt einen solchen Paradigmenwechsel voran? Diese und weitere Fragen sind zu beantworten, um die Chancen des automatisierten Fahrens für eine postfossile Mobilität auch zu nutzen. Die Risiken sind ebenfalls da.

ReiseTravel Fact: Zu allen diesen Themen, aus ihrer Sicht zu sprechen, hatte der DVR Experten geladen. Die „Vision Zero“ als die vollständige Vermeidung von Verkehrsunfällen mit Todesopfern sowie „Zero Emission“, die Vermeidung von CO2-Emissionen. „Erste teilautomatische Systeme sind Stau- und Park-Assistenz gefolgt von hochautomatischen Systemen der ersten Generation wie zum Beispiel dem Stau-Chauffeur“, so die Experten. Komplett fahrerlose Systeme erscheinen erst in ferner Zukunft realisierbar. Grundvoraussetzung für die Akzeptanz des automatisierten Fahrens ist natürlich das Vertrauen in die Technik.

Psychologe Tobias Ruttke, Friedrich-Schiller-Universität Jena“ betonte: „Die größte Gefahr im Straßenverkehr sind Autos, die schneller fahren als der Mensch denken kann. Wir brauchen eine fehlertolerante Technik, die die Stärken aber auch die Schwächen der Menschen berücksichtigt“.

„Wer übernimmt die Verantwortung, und wie ist es um die Haftung bei Unfällen bestellt?" Sven Hötitzsch Uni Würzburg, fürchtet: "Automobilhersteller werden sich vermehrt Regressprozessen ausgesetzt sehen. Daneben wird die Beweisbarkeit von Verschulden oder Fehlern angesichts der Komplexität der Systeme und des Zusammenwirkens der unterschiedlichen Akteure wie Mensch und Maschine immer schwieriger“.

„Das Auto gibt selbstständig Gas, lenkt, bremst und überholt. Automobilhersteller und Zulieferer tüfteln längst am voll automatisierten Pkw. Doch noch gibt es viele offene Fragen“, so die Einladung zum Seminar. Der DVR Deutscher Verkehrssicherheitsrat hatte ein interessantes Thema im Focus des Seminars gestellt und das wurde ein Erfolg. www.dvr.de

Von Gerald H. Ueberscher.

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