Goslar

Der digitale Schritt in der individuellen Risikobewertung der Kfz-Versicherung: Wer sicher fährt, spart!

Pay as you drive: Jeder Autofahrer kann die Prämie seiner Kfz-Versicherung durch sein persönliches Fahrverhalten selbst beeinflussen. Wer besonnen unterwegs ist, bekommt von seinem Kfz-Versicherer Beitragsnachlässe eingeräumt. Eine gute Sache. Oder?!

Goslar Institut: Am Rande des 58. Verkehrsgerichtstags in Goslar diskutierten Experten zahlreiche Aspekte rund um die neuen Tarife.

Dr. Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der HUK-Coburg, betonte: „Telematiktarife sollen den Nerv der Mehrheit aller Autofahrer treffen, da sie unterm Strich für jeden einzelnen Versicherungsnehmer gerechter sind“.

Doch so richtig überzeugt scheinen die Autofahrer von dem relativ neuen Versicherungsangebot nicht zu sein. Denn bislang sollen sich – offiziellen Angaben zufolge – erst rund 300.000 der insgesamt 47 Millionen Pkw-Halter durchgerungen haben, sich einen sicheren Fahrstil von ihrer Kfz-Versicherung rabattieren zu lassen. Dennoch erwartet die Branche, dass sich die Autofahrer mit der Zeit den Vorteilen von Telematiktarifen nicht verschließen werden. So geht Dr. Jörg Rheinländer davon aus, dass bei Telematik in den nächsten sieben bis acht Jahren „eine Marktdurchdringung von 25 Prozent möglich“ ist.
Prof. Dr. Fred Wagner, Institut für Versicherungslehre (IVL) Uni Leipzig, sieht in den „Telematik-Tarifen eine individuellere und damit fairere Kfz-Versicherung, weil sich damit Versicherungsrisiken besser einschätzen lassen“.

Guido Reinking, Publizist und Experte für Automobilwirtschaft: „Die Voraussetzung für die Telematik-Tarife, die der Versicherungskunde durch seinen persönlichen Fahrstil beeinflussen kann, schaffen die modernen Autos“.

Von der in ihnen verbauten Elektronik werden vielfältige Daten zum Betrieb des Fahrzeugs registriert, die dazu herangezogen werden können, die Fahrweise der Personen am Lenker zu beurteilen. Dafür sorgen die vielen Sensoren, die sich in jedem modernen Auto befinden, um dessen Betriebszustand zu checken, um die Assistenzsysteme mit den notwendigen Informationen zu füttern – und nicht zuletzt, um den von der EU für Neuwagen unterdessen vorgeschriebenen Unfallnotruf E-Call zu ermöglichen. Diese Daten stehen heute bereits den Automobilherstellern zur Verfügung und können kostenpflichtig von den Kfz-Versicherern für mehr Tarifgerechtigkeit durch Telematik genutzt werden.

Wir alle geben täglich unsere Daten preis. Das macht vielen Angst und doch geben wir sehr viel von uns freiwillig her.

Hermann-Josef Tenhagen, Geschäftsführer & Chefredakteur von Finanztipp, Carola Ferstl n-tv Moderatorin (Fotos Goslar Institut)

Hermann-Josef Tenhagen by ReiseTravel.eu

„Prüfen und immer wieder ganz genau prüfen: Wem vertraue ich meine Daten an“.

Um Bedenken in Bezug auf Datensicherheit auszuräumen, haben sich die Versicherer inzwischen auf einen Schutz der persönlichen Daten der Autofahrer verständigt. Demnach sollen Fahrdaten bei Telematik ausschließlich anonymisiert weitergeleitet und ausgewertet werden. Damit hoffen die Unternehmen, die Akzeptanz von Telematik-Tarifen beim Verbraucher zu erhöhen.

Von einem Durchbruch der Telematik auf breiter Front kann bislang zwar noch nicht die Rede sein.

Telematiktarife im Goslar Diskurs

Telematiktarife Goslar Diskurs by ReiseTravel.eu

Auch Datenschützer haben mit Telematik-Tarifen in der Kfz-Versicherung keine Probleme, wenn sie transparent sind und eine klare Zweckbindung haben. „Es darf bei solchen Tarifen aber nicht zu einer Diskriminierung kommen“, warnte Sven Hermerschmidt, Referatsleiter beim Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit. Als negatives Beispiel nannte er Krankenversicherungstarife, die per App die Fitness kontrollieren würden und bei Feststellung von Diabetes den Kunden ausschließen. Auf die Kfz-Versicherung übertragen dürften dann dort keine extremen Raser gekündigt werden.

„Unseren Telematik-Tarif in der Autoversicherung nutzen nun bereits 200.000 Kunden“, informierte Jörg Rheinländer, Vorstandsmitglied der Huk-Coburg. Die Tarifierung nach persönlichem Fahrstil könnte künftig das herkömmliche System in der Autoversicherung ablösen.

„Bisher nutzen die Versicherer Ersatzmerkmale, wie Fahrzeugtyp, Wohnort oder Kilometerleistung für die Tarifierung. Nun gibt es Echtdaten. Ob die tatsächlich treffsicherer sind, das ist hier die Frage“, sagte Prof. Fred Wagner vom Institut für Versicherungslehre der Universität Leipzig. Auch bei dieser Art der Tarifierung gibt es laut Wagner einen Ausgleich im Kollektiv. Vorsichtige Fahrer müssten weniger und andere mehr zahlen.

Tarif muss zweckgebunden sein. Laut Rheinländer sind persönliche Daten immerhin mindestens ein Jahr gespeichert. Ein Versuch der HUK-Coburg, bei dem zwei Kontrollgruppen 400.000 Kilometer zurückgelegt haben, zeigte, dass die Schadenhäufigkeit bei Telematik-Nutzung um 20 Prozent sinkt. Nach derzeitiger Auswertung erreicht aber nicht jeder Autofahrer den Höchstrabatt von 30 Prozent. Die Verteilung würde einer Gaußglocke entsprechen. Die meisten Autofahrer erreichen somit gerade einmal die Hälfte des Höchstnachlasses.

Alle Experten verweisen darauf, dass Telematik-Tarife vor allem von Vertrauen in das saubere Handling der Daten leben würden. „Die Kunden müssen wissen was passiert. Nur so kann Vertrauen aufgebaut werden“, glaubt Hermerschmidt.

Laut Rheinländer kann man alle Details zum Tarifaufbau in den Versicherungsbedingungen nachlesen. Trotzdem kann das Vertrauen in einen solchen Tarif schnell erschüttert werden. So waren sich die Diskutanten einig, dass staatliche Stellen ein großes Interesse an Bewegungsdaten hätten. Offen blieb die Frage, wie die Versicherer reagieren, wenn der Staatsanwalt Telematik-Daten beschlagnahmen will, um eine Straftat zu verfolgen.

Spannend: Der Versicherer – hier die HUK-COBURG - bietet seinen Kunden ein Gerät an, das seine Fahrdaten erhebt. Fährt der Fahrer so, dass das Unfallrisiko niedrig ist, sinken auch seine Versicherungsbeiträge - um bis zu 30 Prozent. Darüber hinaus erhält der so "überwachte" Fahrer noch per APP eine Auswertung zu seiner Fahrweise. Der Versicherer will so den Autofahrer dazu bringen, sicherer unterwegs zu sein. So sollen Unfälle und damit auch Schadensfälle für die Versicherung gesenkt werden.

ReiseTravel Fact: Wer sicher fährt, spart: Das ist kurz zusammengefasst die Systematik der sogenannten Telematiktarife. Telematiktarife müssten eigentlich den Nerv der Mehrheit aller Autofahrer treffen, da sie unterm Strich für jeden einzelnen Versicherungsnehmer gerechter sind. Doch so richtig überzeugt scheinen die Autofahrer gerade in Deutschland von dem relativ neuen Versicherungsangebot nicht zu sein.

Die Branche geht von deutlichen Zuwächsen aus: Wie die HUK-COBURG betont, profitieren von dem neuen Angebot insbesondere Kunden, die ansonsten hohe Prämien zu zahlen haben: wie etwa junge Autofahrer und Fahranfänger, aber auch Senioren, die ab einem bestimmten Alter ebenfalls einen Risikozuschlag erhalten. Sie alle sollen sich mit der Telematik bei vernünftiger und vorsichtiger Fahrweise Einsparungen bei der Prämie sichern können.

Versicherungskunden müssen ihrem Anbieter bei einem Telematik-Tarif die Zustimmung zur Verwendung der benötigten Daten geben. Doch damit kann der Versicherer noch nicht auf die benötigten Informationen zugreifen. Denn die Autohersteller haben derzeit noch die Hoheit über die von ihren Fahrzeugen gesammelten Daten, obwohl diese eigentlich dem Fahrzeugbesitzer zustehen müsste, wie Verbraucherschützer und Versicherer unisono fordern. Doch die Autobranche mauert bislang und so bleibt den Telematik-Anbietern nichts anderes übrig, als die erforderlichen Daten von den Kfz-Produzenten zu kaufen.

Goslar Institut. Studiengesellschaft für verbrauchergerechtes Versichern e. V. - Eine Initiative der HUK-COBURG. Breite Straße 13, D-38640 Goslar, www.goslar-institut.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher

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