Wien

Sisi, immer wieder Sissi – Lifestyle Besuch in Schloss Schönbrunn Wien

Wien bleibt Wien: Wer vom Kult der Sissi-Filme, die Ernst Marischka in den 1950er Jahren mit Romy Schneider gedreht hat, angesteckt wurde, für den ist es ein absolutes Muss, in Wien auf den Spuren von Sissi zu wandeln.

Sisi und Sissi sind zwei Frauen, eine ist die unglückliche Kaiserin, die Gemahlin von Kaiser Franz Joseph I., die nach ihrem Tod zum Mythos wurde und Sissi ist die Kaiserin, die nicht immer realistisch aber dafür umso romantischer in drei Filmen gezeigt wird. Der Besuch des Sisi Museums und der Kaiserappartements in der Hofburg sind der beste Einstieg um Einblicke in das ganz private Leben der Kaiserin Elisabeth zu bekommen. Die glückliche Kindheit von Sisi wird mit einem Kinderkleid, Fotos, Gemälden und einer Schaukel dokumentiert. Sie wurde am 24. Dezember 1837 in München geboren und hatte sieben Geschwister. Der Vater nannte sie liebevoll „Rasselbande“. Elisabeths Jugend in München und Possenhofen war frei und weit weg vom höfischen Leben und Zeremoniell. Ein Aquarell zeigt sie mit ihrem Lieblingsbruder Karl-Theodor, mit dem sie ihr ganzes Leben sehr verbunden war, der in der Familie „Gackel“ genannt wurde.

Schloß Schönbrunn - Ausgestellte Zeitungsausschnitte dokumentieren, dass Kaiserin Elisabeth die Öffentlichkeit scheute und das das Volk daher kein besonders großes Interesse für die zurückgezogene und eher „seltsame“ Kaiserin zeigte.

Erst nach ihrem Tod begann der Mythos, von Sisi - Beeindruckend ist das Turn- und Toilettenzimmer von Sisi, das viel aus ihren Leben erzählt. Zwei bis drei Stunden konnte morgens das Frisieren ihrer bodenlangen Haare dauern. Sie hat dabei gerne Heinrich Heine gelesen oder mit einem Lehrer Sprachen wie Griechisch, Englisch, Ungarisch, Italienisch und Französisch gelernt. Da ihr Haar nie geschnitten wurde, wog es schätzungsweise bis zu fünf Kilogramm und bereitete ihr oft Nackenschmerzen. Sie selber war 172 Zentimeter groß und wog weniger als 50 Kilogramm. Um ihre mädchenhafte Figur zu erhalten, ließ sie Ringe und eine Sprossenwand in ihrem Zimmer anbringen und machte regelmäßig Gymnastik. Ein Bittsteller, der im Warteraum auf eine Audienz beim Kaiser Franz Joseph I. wartete, sah vor Langweile aus dem Fenster und sah die Kaiserin in ihrem Zimmer an den Ringen hin und her fliegen. Die sportlichen Aktivitäten der Kaiserin waren damals vollkommen unüblich und waren daher Tagesgespräch in Wien. Der absolute Luxus den Sisi hatte, war eine große Wanne im angrenzenden Badezimmer. Einmal in der Woche badete sie mit Milch- und Honigzusätzen. Ihr Haar wusch sie mit Ei und Cognac und das Trocknen der Haare dauerte einen ganzen Tag. Da Sisi so schlank war und wenig aß, fror sie im Winter bitterlich. Sie bewohnte in der Hofburg den wärmsten Raum mit 20 Grad, während die anderen Räume nur 15 Grad warm waren. Harte Zeiten auch für „Kaisers“.

Diättage mit Milch und Obst hat sie regelmäßig jede Woche eingelegt. Natürlich hat sie nach dem Genuss von Veilcheneis von der k.u.k. Hofzuckerbäckerei Demel, das sie besonders schätzte, wieder strenge Diät gehalten. Während ihrer Hungerkuren nahm sie auch nicht an den Familienessen teil. Eine Schwäche musste sie allerdings geheim halten, sie hat heimlich im Zimmer ihrer Kammerzofe geraucht.

Das private Leben der Kaiserin erschließt sich auch aus den melancholischen Gedichten, die sie schrieb und die im Museum auszugsweise gezeigt werden. Sisi war introvertiert und sehr scheu und nicht uneitel, deshalb wurden ab dem 30. Lebensjahr keine Fotos mehr von ihr veröffentlicht. Ab dem 40. Geburtstag durften auch keine Porträts mehr von ihr gemalt werden. Sie wollte, dass die Menschen sie so in Erinnerung behalten wie sie als junges Mädchen aussah. Was natürlich auch zu Ihrem Mythos beitrug.

Im Museum sind das Polterabendkleid – das Kleid, das sie beim Abschlussball in München getragen hat – und das Ungarische Krönungskleid ausgestellt. Beide langen Kleider haben eine schmale Taille, die durch die langen weiten Röcke besonders betont wird. Sisis Taillenumfang betrug nur 51 Zentimeter, auf den war sie ganz besonders stolz. Ihre Handschuhe, Fächer, Regenschirme, Schuhe, geben ebenso Einblicke in die Mode der damaligen Zeit.

Wer kennt sie nicht, die berühmten Brillantsterne, die Sisi im Haar trägt. Franz Xaver Winterhalter hat sie auf dem berühmten Sisi-Portrait gemalt. In einer Vitrine sind die Kopien der Diamanten in Sternform zu sehen. Nur ein Originalstern mit Perle ist noch erhalten geblieben und ebenfalls im Sisi Museum ausgestellt.

Den Höhepunkt der Ausstellung bildet das Kleid, das Elisabeth bei der Krönungsfeier in Ungarn getragen hat. Ja, so stellt man sich eine Kaiserin vor – in einem prunkvollen weißen Brokatkleid, das mit echten Perlschnüren besetzt ist. Sie war sich bewusst, dass sie eine der schönsten Frauen ihrer Zeit war. Ihre Art sich zu kleiden wurde von vielen Frauen weltweit kopiert, sie war die Stil-Ikone ihrer Zeit. Da Kaiser Franz Josef zwei Zentimeter kleiner als Sisi war, hat er bei offiziellen Anlässen gerne Reitstiefel mit höheren Absätzen und einen Militärhut getragen.

Sisi war eine unglückliche Kaiserin, so ihre eigenen Worte: „Quasi, mit 15 als Kind verkauft und man weiß nicht, was auf einen zukommt. Man tut einen Schwur, den man nicht versteht und dreißig Jahre oder länger muss man durchhalten. Selbst wenn man bereut, kann man diesen Schritt nicht rückgängig machen.“

Die Feile, mit der Elisabeth 1898 vom Anarchisten Luigi Lucheni in Genf erstochen wurde ist auch ausgestellt. Der Anarchist hat nur einmal zugestochen und die Kaiserin mitten ins Herz getroffen. Sie dachte, er wollte ihre Uhr stehlen, bemerkte nichts und bestieg das Schiff. Erst als sie mit einem vermeintlichen Schwächeanfall zusammenbrach, entdeckte man das Blut auf der Bluse. Sie ist im Hotelzimmer in Genf gestorben mit noch nicht mal 61 Jahren. Der denkwürdige Ausspruch von Kaiser Franz Josef, als er von Elisabeth Tod erfuhr, der ihr immer innerlich sehr verbunden war: „Mir bleibt auch nichts erspart.“ Er hat ihr immer den Rücken frei gehalten.

Im Arbeitszimmer von Kaiser Franz Joseph I. hängen zwei Bilder von Sisi. Ein Bild zeigt Sisi mit offenem Haar und entblößter Schulter, das sehr intim war und es wäre damals ein Skandal gewesen, das Bild der Öffentlichkeit zu zeigen.

In der Ausstellung ist der Salonwagen zu sehen, in dem Sisi gereist ist. Sie war eine Suchende. Nach dem Selbstmord ihres Sohnes Rudolf hatte sie große Schuldgefühle, da sie dachte, als Mutter versagt zu haben. Von da an trug sie in den Ländern der Monarchie nur noch schwarz und ist noch mehr gereist. Sie ist nirgends lange an einem Ort geblieben, maximal eine Woche oder zehn Tage. Sie trug stets einen Schleier oder versteckte sich hinter ihrem Regenschirm, weil sie nicht mehr „begafft“ werden wollte, wie sie sich ausdrückte. Am Anfang ist sie mit 50 bis 100 Bediensteten und mit aufwendig viel Gepäck gereist. Später hatte sich das Zeremoniell vereinfacht und sie war mit weniger Personen unterwegs.

Schloß Schönbrunn

Die ehemalige Sommerresidenz von Kaiserin Maria Theresia ist weitgehend noch im historischen Originalzustand. Im Schloss können 40 Prunkräume besichtigt werden. Der Höhepunkt ist der 43 Meter lange Festsaal mit üppigen Stuckverzierungen, Fresken, Kristallspiegeln und vergoldeten Leuchtern. Sie waren der prunkvolle Rahmen für höfische Feste. Man hört förmlich das Rascheln der Seidenkleider und die Musik, die Walzer spielt. Der Blick vom ersten Stock auf den prachtvollen Schlosspark mit Skulpturen und Brunnen, Irrgarten und die romantische Römische Ruine ist perfekt. 1996 wurden Schloss und Park als Ensemble in die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien

Für alle Sis(s)i-Fans gehört der Besuch des Hofmobiliendepots unbedingt dazu. Das von Kaiserin Maria Theresia gegründete Depot war lange die „Rumpelkammer der Monarchie“. Hier staubten Möbel und Gebrauchsgegenstände vor sich hin, die bei Hofe nicht mehr gebraucht wurden, bis sie im Museum ausgestellt oder in Büros von Spitzenpolitikern Verwendung fanden. Die Möbel zeigen wie „Kaisers“ damals gelebt haben.

Plötzlich steht im „Habsburgersaal“ Sisi, das vermittelt eine von Madame Tussaud angefertigte Wachspuppe der Kaiserin. Sie trägt ein rosafarbenes Festkleid aus Chiffon mit Perlengeflecht mit einem Überkleid aus Brokat und dazu lange weiße Lederhandschuhe.

In die Dauerausstellung wurden Bereiche zum Thema „Sissi im Film“ integriert. Dort sieht man an Bildschirmen Szenen aus der legendären „Sissi"-Trilogie“ von Ernst Marischka mit Romy Schneider. Die Filmausschnitte werden wiederholt und nochmals in Schwarz-weiß gezeigt, nur die Möbel, die aus dem Hofmobiliendepot verwendet wurden, sind noch in Farbe zu sehen und stehen im Original in der Ausstellung. Der Film trug die herzzerreißende Geschichte der jungen Kaiserin hinaus in die Welt, das zeigen die Filmausschnitte in verschiedenen europäischen Sprachen und sogar in Chinesisch. Noch heute ist Karl Heinz Böhm, der damals den Kaiser Franz Josef spielte in Japan eine Kultfigur.

Musical Elisabeth

"Ich gehör nur mir", dieser Ohrwurm von Sissi gesungen geht um die Welt. 2012 feierte das Musical Elisabeth sein 20-jähriges Bühnenjubiläum im Raimund Theater in Wien. Die Handlung beginnt nach der Ermordung Sissi mit einem Tanz der Toten und Träumen mit temperamentvoller Musik. Ihr Mörder wird zum Erzähler und führt durch das Musical. Der Mörder Luigi Lucheni verteidigt seine Tat, denn der Tod habe ihn dazu angestiftet. Als Elisabeth als Kind bei einem Zirkuskunststück fast stirbt, begegnet sie zum ersten Mal dem Tod und beide spüren eine gegenseitige Faszination. Beim Tod ihrer ältesten Tochter und beim Selbstmord ihres Sohnes sieht sie den Tod wieder. Für Elisabeth beginnt mit der Hochzeit ein völlig anderes neues Leben, als das was sie bisher gewohnt war. Sie leidet unter dem strengen Hofprotokoll und der Autorität der Schwiegermutter, der Erzherzogin Sophie. Es hieß, diese Frau war der einzige Mann am Hof. Elisabeth bemüht sich um Ungarn und wird im Musical von Lucheni mit dem Lied „Kitch“ kritisiert.

Nach einer Geschlechtskrankheit, die sie von ihrem Mann bekommen hat, beginnt sie zu reisen. Nach dem Tod ihres Sohnes bekommt sie Schuldgefühle und schließt mit dem Leben ab. Der Tod übergibt Lucheni die Feile, mit der er Elisabeth töten soll. Nach dem Attentat umarmt der Tod Elisabeth und gibt ihr den Todeskuss und führt sie in sein Reich. So hat er erreicht, was er wollte.

Hofzuckerbäcker Demel

Um auf den Spuren von Sisi zu wandeln, gehört auch noch unbedingt der Besuch beim k. u. k. Hofzuckerbäcker Demel dazu. Sisi hatte eine Schwäche für das Veilcheneis und die kandierten Veilchen, die sie sich ins Schloss liefern ließ. Die Köstlichkeiten kann man heute noch bei Demel kaufen und genießen und dabei ein bisschen an Sisi denken.

Wiener Tourismusverband - Obere Augartenstraße 40, A-1020 Wien, Tel.: 0043-1-21114-0, wtv@wien.info, www.wien.info  

ReiseTravel Service

Anreise im Railjet: Die bequeme Art nach Wien zu reisen, www.railjet.oebb.at

Kaiserappartements, Sisi Museum, Silberkammer; Hofburg – Michaelerkuppel, A.1010 Wien, Tel.: 0043-1-5337570, info@hofburg-wien.at - www.hofburg-wien.at

Schloss Schönbrunn, A-1130 Wien, Tel.: 0043-1-81113-0, info@schoenbrunn.at -  www.schoenbrunn.at

Hofmobiliendepot – Möbel Museum Wien, Andreasgasse 7, A-1070 Wien, Tel.: 0043-1-5243357, www.hofmobiliendepot.at

Mit der U3, Zieglergasse oder dem Bus 2a zur Kirchengasse.

„Elisabeth“ Musical, Raimund Theater, Wallgasse 18-20, A-1060 Wien, Tel.: 0043-1-58830200, www.vbw.at

Demel: k.u.k. Hofzuckerbäcker Ch. Demel’s Söhne GmbH, Kohlmarkt 14, A-1010 Wien, Tel.: 0043-1-5351717-0, www.demel.at

Surfen: Welt der Habsburger www.habsburger.net - www.imperial-austria.at

Literatur

Elisabeth. Kaiserin wider Willen von Brigitte Hamann, Piper Taschenbuch.

Gabi DrägerEin Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

Unsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Hotels & Restaurants. Ihr Thema sind die Berge. Sie lebt und arbeitet in München. gabi@reisetravel.eu

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