München

Ein Mittelaltermarkt erinnert an die schöne Seite des dunklen Zeitalters

Auch das dunkle Zeitalter hatte ein paar positive Seiten: Das scheinen uns die Mittelaltermärkte sagen zu wollen. Dort wird gefeiert, geplaudert, Wissen untereinander ausgetauscht, gegessen und teilweise auch genächtigt. Ganze Zeltlager sind es, die dort entstehen, es wird gegrillt und der Musik gelauscht. Eine angenehme Atmosphäre innerhalb einer kleinen Gemeinde und ein Lifestyle, der so gar nichts mit dem Klischee „dunkles Mittelalter“ zu tun hat.

In den Marktbuden bieten Händler wie einst ihre Waren feil

Dass dieser Ära in unserer Geschichte ein derart negatives Image anhaftet, hat wohl mit sehr vielen Dingen zu tun. Unser heutiges Bild vom Mittelalter ist geprägt vom Gedanken an Feudalismus, Inquisition und auch dem Schreckgespenst Pest, welche bis zu 30 Prozent der Bevölkerung dahin raffte. Für christliches Fehlverhalten wurde man als Ketzer und später dann als Hexe bestraft. Bei Letzterem waren die Alternativen nicht allzu groß. Ein Beispiel für die Aussichtslosigkeit in mancher Lage ist die Wasserprobe für Hexen: Wenn die Beschuldigte beim Ertränken unterging, konnte sie nicht zaubern. Ergo – sie war unschuldig. Schwamm sie oben, war sie schuldig und wurde verbrannt – wegen Hexerei.

Nach dem Aufruf von Papst Urban II. im Jahre 1095 begannen die Kreuzzüge, bei denen Andersgläubige notfalls mit Gewalt bekehrt werden sollen. Dahinter steckten natürlich auch politische und wirtschaftliche Gründe. Den Menschen, die unter Hungersnöten, Armut und häufig religiös motivierten Kriegen litten, wurde dafür eine Belohnung im Jenseits versprochen.

Insgesamt war das Leben geprägt von kirchlichen Vorstellungen. Bildung bestand hauptsächlich darin Gebete auswendig zu lernen und die Gottesdienstordnung zu beherrschen. Die Schulen wurden im 6 bis 10 Jahrhundert von Kirchengemeinden betrieben. Die modernen Ansichten von Philosophen und Naturwissenschaftlern wurden der jeweils gültigen Lehre der Kirche angepasst. Zur Not wurden Textpassagen in mühsamer Kleinarbeit gestrichen und überschrieben.

Das Mittelalter war aber auch eine Zeit des Frohsinns mit Minnesängern und Heldendichtung. Zu den antiken „Sieben freien Künsten“ zählten Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik. In die letzte Sparte gehören die deutschen Minnesänger, welche seit 1170 an den Adelshöfen auftraten, um vornehmen Burgdamen zu huldigen. Als Dichter und Komponist in einem trugen sie ihre Verse zur Fidel, Laute oder Harfe vor. Zu den bekanntesten zählen wohl Walther von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach oder auch Hartram von Aue. Daneben glänzten Helden, Märtyrer und Ritter mit ihren tapferen Taten. In Friedenszeiten widmeten sich die Ritter den Turnieren zur Belustigung oder als sportlicher Wettkampf.

Während die Kirche die Märkte gering schätzte - „als Kaufmann kann der Mensch kaum oder niemals Gott wohlgefällig sein“ - hatte König Pippin der Jüngere bereits 744 die Errichtung von Märkten angewiesen. Um einen Platz zu schaffen, an dem die Händler ihre Waren feilbieten konnten.

Diese waren bestimmt die Highlights im Leben des Durchschnitts-Mittelalter-Menschen. Eine Zeit, auf die sich die Menschen freuten, in der Ausgelassenheit und Frohsinn überhand hatten. Fahrende Künstler übermittelten mangels Internet damals die aktuellen News aus dem Land, erzählten Gegebenheiten, die sie auf ihrer Reise erlebten und berichteten über neue Trends und Mode. Vor allem die Bürgerlichen erwarteten mit Spannung die Markttage, genauso wie heute viele Fans auf den Beginn der Saison hoffen. .

Auch Robin von Reutlingen freut sich schon auf die diesjährigen Mittelalterfeste mit den Märkten und den musikalischen und kulinarischen Darbietungen "Auch wenn es im letzten Jahr geregnet hat, hatte ich viel Spaß auf dem Markt. Gute Musik, nette Händler und jede Menge Leute. Ich bin mir sicher, daran kann dieses Jahr angeknüpft werden und drücke die Daumen, dass das Wetter besser wird."

Besonders beim Mittelalterfest in Thiepval im April sollte die Sonne über der traumhaften Kulisse lachen. Dort ist wieder einiges geboten - nicht nur für die Eingefleischten - sondern auch für alle, die sich einfach einmal darauf einlassen und die zauberhafte Atmosphäre genießen wollen.

Einst brachten die Kreuzfahrer die Stimmung aus 1001 Nacht zu uns, deshalb dürfen auf so einem Event auch Orientfrüchte- und Gewürze inklusive Stimmung nicht fehlen, fürs leibliche Wohl sorgt die Mittelalterküche unter anderem mit der Wildschweinbraterey, mit Stockbrot, Steckerlfisch und allem, was dazugehört. Auch mittelalterliche Handwerkskunst ist vertreten, gezeigt wird zum Beispiel die Herstellung von Schmiedeeisernem, Laternen, Bürsten, Düften aber auch Stoffen und Lederarbeiten. Präsentiert in originalgetreu und überwiegend sehr phantasievollen Buden.

Lagernde Gruppen mit vielen Gewandeten vervollständigen den Gesamteindruck und verschaffen dem ganzen Treiben ein ureigenes Flair. Und auch wenn sich der Tag dem Ende neigt, ist noch lange nicht Schluss mit Lustig. Feuerkünstler erhellen die Nacht mit Ihrer Darbietung, welche anschließend noch musikalisch umrahmt wird.  

Der Veranstalter hat viel Überraschendes angepriesen, eine etwas andere Mittelalterliche Veranstaltung soll es werden, ein Fest, bei dem der Besucher mitmachen kann aber nicht muss. Und bei der er für drei Tage, wenn er denn will, einmal ein ganz Andrer sein darf und soll. Ein Fest für alle Sinne also mit allem Drum und Dran, auf das man gespannt sein darf. www.mittelalterliches.info

Buchtipp: Der Mittelaltermann von Klaus Ficher im Amicus Verlag kostet im Buchhandel 22,77 Euro.

Sabine ErlEin Beitrag für ReiseTravel von Sabine Erl.

Redakteurin Sabine Erl zeichnet bei ReiseTravel für die Redaktion Lifestyle verantwortlich.

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