Volker Tschapke

Vom preußisch geprägten Menschenbild in der Welt

Sehr geehrte ReiseTravel User, verehrte Freunde der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg: Preußen wirkte nicht nur in deutschen Landen, seine Achtung vor dem Wert jedes Menschen hinterließ auch deutliche Spuren in der Welt und beginnt nicht erst mit dem Zeitalter der Aufklärung.

Bereits im Jahr 1602 wurde der preußische Adel auf dem Stettiner Landtag der brandenburgischen und pommerschen Ritterschaft feierlich auf ethisches Verhalten gegenüber Kirche, Vaterland sowie Jedermann eingeschworen. Auf dem Spiel stand nichts Geringeres als die ritterliche Ehre. Wie nirgends sonst in Europa wurde der Adel in der Folge in die Strukturen des Staates eingebunden und in die Pflicht genommen. Unter dem verheerenden Eindruck des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) formte der Große Kurfürst den Adel zur staatstragenden, einigenden Kraft. Friedrich Wilhelm I. fand dazu die bezeichnenden Worte: „Ich ruiniere den Adels seine Souveränität.“

Als Brandenburg nach 1648 in Armut, Hoffnungslosigkeit und Unmenschlichkeit zu versinken drohte, predigten Lutheraner und Calvinisten vor allem den nach innen gerichteten Weg des Gebetes und der persönlichen Erneuerung. In Preußen setzte sich dagegen der aus dem Calvinismus hervorgegangene Pietismus durch, der die göttliche Erlösung nicht alleine im Glauben selber sah. Ein geregeltes Leben, Arbeitsdisziplin, Bescheidenheit, Gewissenhaftigkeit, Wahrhaftigkeit und Ehre sollten dem hinzugefügt werden. Thomas Mann nannte es „die asketische Idee der Berufspflicht“. Der Pietismus lehrte die Arbeit im Dienst der Allgemeinheit und die soziale Verantwortung. Die Wurzeln der Sozialen Marktwirtschaft, so wie wir sie heute kennen, liegen dort.

„Im Übrigen bin ich der Meinung, dass wir einen Freistaat Preußen errichten müssen.“

 Volker Tschapke Präsident Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V.

Volker Tschapke  

 

Mit der Aufklärung schließlich hielten endgültig religiöse Toleranz und die Auffassung einer naturgemäßen, das heißt freiwilligen Befolgung sittlich ethischer Gebote im göttlichen Sinn in Preußen Einzug. Nächstenliebe und die Verpflichtung gegenüber der Gemeinschaft waren obligatorisch. Das Vorurteil vom preußischen Kadavergehorsam kann somit ruhigen Gewissens in das Reich der Mythen und Legenden verbannt werden.

Deutsche Auswanderer in den USA Mitte des 19. Jahrhunderts hatten mit ihrem preußisch geprägten Menschenbild maßgeblichen Einfluss auf die US-amerikanische Geschichte. So verdankte Abraham Lincoln seinen Wahlsieg von 1860 vor allem dem Wahlverhalten der Deutschamerikaner und insbesondere der diesbezüglichen Einflussnahme von Carl Schurz (*1829 in der Preußischen Rheinprovinz, †1906 in New York City) als einem der seinerzeit führenden Politiker der Republikanischen Partei. Dem überwiegenden Teil der deutschstämmigen Bevölkerung war die Sklavenhaltung im konföderierten Süden zuwider. Eine Unterstützung Lincolns gegen die Sezessionisten war daher nahe liegend. Als es schließlich zum Amerikanischen Bürgerkrieg kam (1861 bis 1865), stellten die Deutschamerikaner einen Großteil der Unionsarmee.

Carl Schurz blieb seinen deutsch-preußischen Wurzeln zeitlebens treu. So traf er als Zeitungsinhaber und Redakteur im Jahr 1868 in Berlin auch den Ministerpräsidenten von Preußen und Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes Graf Otto von Bismarck. In New York wirkte er ab 1888 zudem als Repräsentant der deutschen Reederei „Hamburg-Amerikanische Paketfahrt AG“ (HAPAG). Deren Motto traf auch auf Schurz zu: „Mein Feld ist die Welt“. Er lebte die Prinzipien des Pietismus und die Werte der Aufklärung gleich wo er lebte und wirkte.

Als Südwestafrika im Jahr 1884 zum ersten deutschen Schutzgebiet auf afrikanischem Boden erklärt wurde, war Deutschland bereits 13 Jahre lang eine geeinte Nation und die Welt weitestgehend unter den anderen europäischen Großmächten aufgeteilt. Nur widerstrebend gab Reichskanzler Bismarck dem herrschenden Zeitgeist nach. Doch ihm war bewusst, dass Respekt und Einflussnahme auf internationalem Parkett nur über eigene Kolonialgebiete erlangt werden konnten.

Wenn der Nachruf auf die deutschen Kolonialherren in ehemaligen Kolonien wie Kamerun oder Togo bis zum heutigen Tag bemerkenswert positiv ausfällt, so liegt das an verschiedenen Faktoren, die jedoch grundsätzlich auf der Wertschätzung jedes Menschen beruhen.

Nachdem die Kolonialmacht Frankreich im Zuge der 2. Marokkokrise einen Teil Französisch-Äquatorialguineas an das Deutsche Kaiserreich abtreten musste, wurde das Gebiet des heutigen nördlichen Gabun in Neukamerun umbenannt und im Herbst 1912 von der 10. Kompanie der Schutztruppe aus Jaunde (Kamerun) in Besitz genommen.

Genau wie die Franzosen zuvor, konnte man zu keiner Zeit die vollständige militärische Kontrolle erlangen. Die Stämme leisteten zunächst passiven, bisweilen aber auch erheblichen offenen Widerstand. Sie waren nach wie vor nicht gewillt, sich fremden Gesetzen und Gebräuchen zu unterwerfen. Dank der nachhaltigen Schaffung von Infrastruktur, landwirtschaftlicher Neuerungen auch zum Wohl der angestammten Bevölkerung, der Einführung eines engagierten Schul- und Ausbildungssystems sowie einer beispiellosen medizinischen Versorgung konnten die Deutschen das Verhältnis nach und nach deutlich verbessern und Vertrauen gewinnen. Man hatte erreicht, wozu die französische Kolonialmacht zuvor nicht imstande oder nicht Willens gewesen war.

Wer sich die Mühe macht im Bundesarchiv zu Berlin Dokumente des Reichskolonialamtes einzusehen wird womöglich überrascht sein, mit welchem Respekt seinerzeit auf die Gebräuche der Urbevölkerung eingegangen und über die Würdenträger gesprochen wurde.

 

Was hätte der „Alte Fritz“ wohl dazu gesagt  

Als sich der junge Henri de Catt im Jahr 1755 mit einem ihm unbekannten Mann eine Barke nach Utrecht teilte, hätte er diesen im Leben nicht für Friedrich II. von Preußen halten können. Dafür gab es verschiedene Gründe. Der Herr teilte freigiebig die einzige Kajüte mit ihm, er reiste lediglich mit zwei Begleitpersonen und suchte höflich das angeregte Gespräch. Sehr offen sprach er über Religion, Philosophie und Literatur. Besonders kritisch betrachtete der Unbekannte Regierungen und die Monarchie. Dabei schien er die gelegentlichen Widerworte de Catts dankbar anzunehmen. Schließlich gab sich der belesene Reisende noch als Kapellmeister des Königs von Polen aus.

Wochen später wurde de Catt in einem offiziellen Schreiben überraschend gebeten, als Vorleser und Privatsekretär in den Dienst des Königs von Preußen zu treten. Ab dem Jahr 1758 bekleidete er diese Position für die nächsten 22 Jahre.

Friedrich der Große widmete einen beträchtlichen Teil seiner eng bemessenen Zeit offiziellen Inspektionsreisen durch das preußische Staatsgebiet, wobei er den Truppenbesichtigungen, den Unterredungen mit Provinzverwaltungen Brandenburg-Preußens sowie den unermüdlichen Gesprächen mit Bauern und Kleinbürgern gleiche Aufmerksamkeit schenkte.

Doch während er dem einfachen Volk geduldig zuhörte, Anteil nahm und durch gezielte Fragen von diesem lernte, kannten Oberbefehlshaber und Würdenträger ihren König dagegen fordernder, stets bereit Lob und Tadel auszusprechen.

Der Monarch folgte damit konsequent dem Vorbild seines Vaters Friedrich Wilhelm I., der in seinem Testament weise vorwegnahm: „Mein lieber Succeßor mus seine lender und Prowincen jerlich bereißen, wie ich gethan habe, da wierdt er seine Regimenter und Armeé officiers, lender und leutte Kennen lernen und wierdt selber sehen, dass in alle seine Prowincen schöne verbeßerungen in Domenen aller Prowincen ...“

Welcher staatstragende Politiker in Deutschland könnte heute zu Recht von sich behaupten, dem Volk auch nur annähernd auf die gleiche selbstlose Weise zu dienen, ihm nahe zu sein und von ihm zu lernen.

Sehr geehrte ReiseTravel User, den Geburtstagskindern des Monats preußisches Fortune und alles Gute im neuen Lebensjahr, den Erkrankten baldige Genesung, 

Pro Gloria et Patria

Gott befohlen

 

Volker Tschapke

 

Präsident - Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg  

Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. c/o Hilton Berlin

Mohrenstrasse 30, D-10117 Berlin, Telefon 030–2023 2015, kontakt@preussen.org - www.preussen.org

 

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