Berlin

Erfolgreiche Buchautorin und Verlegerin schreibt über ihr Leben und die Geschichte

Autorin und Verlegerin: Die Autorin und Verlegerin Regina J. Schwenke ist ein waschechtes Berliner Mädchen, die mittlerweile eine Dame ist. Stolz kann die am 1. Januar 1938 in Berlin Neukölln zur Welt gekommene Schriftstellerin auf drei Kinder und sieben Enkel blicken und die wiederum sind sehr stolz auf die Mutter und Oma. Vollkommen zu Recht, denn das Leben hatte einige Tiefen parat, bevor es für Regina J. Schwenke aufwärtsging. Im schrecklichen Zweiten Weltkrieg erlebte sie den Bombenhagel auf Berlin. Schon als Kind weiß sie, dass die von ihren Eltern so ungeliebten Nazis mit Terror regieren, wer nicht systemtreu genug ist, verschwindet unauffindbar. Es ist der tiefe religiöse Glauben der Eltern, der ihnen die Kraft gegeben hat, zur damaligen Zeit unterdrückten und bedrohten Mitmenschen zu helfen.

Ihre Eltern hatten nie mit „Heil Hitler“ gegrüßt und gehörten der Bernhard Lichtenberg Gruppe an. Der katholische Domprobst Lichtenberg verstarb 1943 beim Transport in ein KZ, er wurde 1996 seliggesprochen. Diese religiöse Verwurzelung hat das damals kleine Kind Regina von ihren Eltern übernommen und diese Überzeugung vertritt sie heute als Erwachsene immer noch. Der Vater war ausgebildeter Schmied, hatte sich als Handwerker jedoch der Reparatur von Fahrzeugen zugewandt. Das rettete ihm wohl auch das Leben in der Kriegszeit. Er nahm nie aktiv an Kriegshandlungen teil, da er im Rückraum der Front an der Reparatur von Fahrzeugen eingesetzt worden war. In Russland erlitt er schwere Erfrierungen an den Händen und Beinen. Nach Kriegsende waren es die Russen, die der Familie Schwenke in Neukölln hilfreich zur Seite gestanden hatten. „Egal, was auch immer heute berichtet wird über die russischen Soldaten in der Nachkriegszeit in Berlin, uns gegenüber verhielten sich diese Soldaten immer sehr, sehr anständig.“ Der Vater sprach fließend russisch und wurde täglich von zu Hause aus nach Karlshorst mit einem Militärfahrzeug gefahren. Dort reparierte er Fahrzeuge der Roten Armee und trat die Heimfahrt nach Neukölln nie mit leeren Händen an. Kohlköpfe und Kartoffeln oder anderes Obst und Gemüse brachte er in der Nachkriegszeit der hungrigen Familie immer mit. Die Mutter achtete penibel darauf, dass auch die hungernden Nachbarn an diesen damals so wertvollen Essensrationen beteiligt wurden. Reginas Schwester erkrankte im September 1945 an der Ruhr. Jeden Tag kam ein Militärarzt der Roten Armee vorbei und brachte Medikamente mit. Trotz aller Fürsorge verstarb das Kind im September 1945. Die russischen Soldaten stifteten einen kleinen weißen Kindersarg, der auf einer Armeestafette zum Friedhof gefahren worden ist.

Regina J. Schwenke zum ReiseTravel Gespräch

Regina J. Schwenke ReiseTravel.eu

Mit dem Zweiten Weltkrieg kam die Autorin und Verlegerin ungeplant in Norwegen in Berührung. Sie hatte für ihren Gatten eine Kreuzfahrt gebucht, die ihn Richtung Norwegen führen sollte. Leider erkrankte der Mann an Krebs und die Reise wurde mehrmals verschoben. Da ein weiteres Verschieben nicht mehr möglich gewesen war und die bereits bezahlte Kreuzfahrt zu verfallen drohte, trat Regina J. Schwenke mit ihren damals 18 und 16 Jahren alten Enkelkindern die Passage an. Im skandinavischen Land konnte die Schriftstellerin vor Ort sich im Kriegsmuseum und auf dem Kriegsgräberfriedhof ein Bild darüber machen, wie die Deutsche Wehrmacht auch in Norwegen ihre schlimmen Spuren hinterließ. Das regte die Berlinerin an, darüber ein Buch zu verfassen unter dem Titel: „Kreuzfahrt ins Land der Mitternachtssonne“ In ihrem 2006 gegründeten Berliner Butterfly Verlag ist das Werk erschienen. Belegexemplare hat sie auch an das norwegische Königshaus gesendet. Von dort kam ein handgeschriebener Brief zurück und das Königshaus hat sich persönlich bei der Autorin für dieses beeindruckende Werk bedankt.

Nicht nur die Kriegszeit im Norden Europas hat die Berlinerin zu Papier gebracht. Ihre Kindheit im Zweiten Weltkrieg findet sich im Buch: „Und es wird immer wieder Tag“ und die Zeit von 1950 bis 1955 kommt in ihrem Werk „Doppelt gewinnt, wer vergisst, was verloren“ zur Geltung. Ihre Verwurzelung zum Glauben kommt hier zum Ausdruck. Ein Großteil des Buches befasst sich mit dem Wallfahrtsort Fatima in Portugal.

Bevor sie sich dem Bücherschreiben zugewandt hatte, war das Schreiben auch ihr berufliches Handwerk. Nach dem erfolgreichen Besuch einer Handelsschule erfolgte ein Volontariat beim „Der Telegraph.“ Als junge Frau zog sie nach Berlin Tempelhof und war 16 Jahre beim Radiosender RIAS als Redaktionsassistentin tätig. Da sie in der Sportredaktion tätig war, durfte sie im geteilten Berlin in den Ostteil der Stadt reisen. Der RIAS – Rundfunk im amerikanischen Sektor, hatte sich ja darauf konzentriert, die Bürger der DDR mit Nachrichten nach „seiner Einschätzung“ zu versorgen. Das fand bei den DDR Oberen keine Gegenliebe. Regina J. Schwenke sah sich in der geteilten Stadt Berlin damals oft im Osten um. „Es zeigte sich als Glücksfall, das ich in der Sportredaktion tätig war. Endete ein Fußballspiel beispielsweise 2:3 konnte nicht am Ergebnis herumgeredet werden.“ Bei politischen Forderungen oder diplomatischen Erklärungen, die über den Sender gingen, sah das schon ganz anders aus. Über die Zeit von 1955 bis zur Wende in der DDR verfasste sie ein Buch, unter dem Titel:

Alle haben den gleichen Himmel, aber nicht den gleichen Horizont von Regina J. Schwenke, Butterfly Verlag BerlinAlle haben den gleichen Himmel, aber nicht den gleichen Horizont von Regina J. Schwenke, Butterfly Verlag Berlin, 500 Seiten, ISBN 978-3-939849-02-5, www.butterfly-verlag.de

Das Buch kostet im Buchhandel 19 Euro.

 

Nach der Zeit beim RIAS wechselte sie zum Sender Freies Berlin – SFB und arbeitete im Bereich des Werbefunks. Später war sie zwölf Jahre als Chefredakteurin bei der „Berliner Senioren Post“ tätig. Seit fast einem halben Jahrhundert ist sie verheiratet und hat als Mutter zwei ganz große Schicksalsschläge erlitten. Ihr 1961 geborener Sohn Patrick sowie der 1962 geborene Sohn Stephan starben kurz nach der Geburt. Sie waren geschädigt von Contergan und Toxoplasmose. Ihre von 1963 bis 1969 geborenen drei Kinder sind alle gesund und munter.

Ihr Beruf als Verlegerin und Autorin brachte die Berlinerin nicht nur mit zahlreichen Menschen zusammen, dazu zählen sehr viele Prominente, darunter der Bundeskanzler und Friedensnobelpreisträger Willy Brandt, diesen kannte sie schon, als Regierender Bürgermeister von Berlin, war und oft im RIAS zum Interview kam. Im Jahre 1980 traf sie auf einem Kirchentag eine Friedensnobelpreisträgerin. Es war die in Indien wirkende Nonne Mutter Teresa. Mittlerweile füllen mehrere Aktenordner den Schriftverkehr mit bekannten Persönlichkeiten. Dazu zählen auch Queen Mum aus Großbritannien, die im Jahre 2002 im Alter von fast 102 Jahren verstorben ist und ihrem Schwiegersohn Prinz Philipp. Ebenso Frau Camilla, die Gattin des britischen Thronfolgers Prinz Charles.

Regina J. Schwenke im ReiseTravel Gespräch:

Frauenquote: Was die Rechte von Frauen angeht, ist Regina J. Schwenke der Meinung, eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote verfehlt das Ziel. „Meiner Meinung nach muss ein Posten mit der am besten dafür qualifizierten Person erfolgen“. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt. Das Leistungsprinzip müsse gelten, dies sowohl im Öffentlichen Dienst als auch in der Freien Wirtschaft.

Einen besonderen Dienst bietet Regina J. Schwenke allen Menschen an, die ein Buch auf den Markt bringen möchten. Dabei ist nicht nur daran gedacht, beispielsweise einen Kriminalroman oder ein Sachbuch zu schreiben, es geht um das eigene Leben. Die Berlinerin erklärt es so: „Wer seiner Nachwelt etwas über sich, sein Leben, sein Schaffen und sein Tun hinterlassen möchte, bringt dies zu Papier.“ Die Autorin und Verlegerin ist solchen Mitmenschen dabei behilflich. „Oft meint ein Durchschnittsbürger, der viele Jahrzehnte lang treu und brav zur Arbeit ging und seine Familie Recht schaffend ernährt hat, über ihn gebe es nichts Wichtiges zu berichten.“ Schon nach wenigen Vorgesprächen und Sitzungen mit der erfahrenen Schriftstellerin kommen „Dinge zum Vorschein, an die hat der Einzelne gar nicht mehr gedacht und gerade sie sind es, die ein Buch über ihn so spannend machen. Ich als Autorin sehe, entdecke und erforsche Punkte im Leben des Gegenübers, die dieser gar nicht mehr so in seiner Erinnerung hatte. Im Gespräch kommt all das zum Vorschein.“ www.butterfly-verlag.de

ReiseTravel Fact: Die Berliner Autorin und Verlegerin Regina J. Schwenke beeindruckt schon allein durch ihre Vita. Sie hat den Zweiten Weltkrieg miterleben müssen und später sind zwei ihrer Kinder verstorben. Niemals hat sie der Lebensmut verlassen. Drei später geborene Kinder und eine seit fast einem halben Jahrhundert bestehende glückliche Ehe sind der Beweis dafür. Sie hat ihren Verlag auch für andere Autoren geöffnet und dazu zählen nicht nur bekannte Größen. Jeder kann bei ihr zum Schriftsteller werden, selbst wenn er nur ein einziges Buch plant. Dann ist es immer sein Werk über sein Leben. Veröffentlicht wird es mithilfe der Autorin und Verlegerin Regina J. Schwenke.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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