Johannes Calvin

Puristischer Perfektionist: Johannes Calvin

Ein freudloser Despot und Jäger Andersgläubiger? Der Genfer Reformator Johannes Calvin hat in Deutschland kein gutes Image. Anlässlich seines 500. Geburtstages lohnt es sich aber, genauer hinzuschauen.

Wuchtige Orgelmusik, Heiligenbilder, die verehrt werden, lange lateinische Liturgien – all das war in den Augen von Johannes Calvin zu pompös. Für den arbeitswütigen Theologen lenkten die sinnenfrohen, römisch-katholischen Messen vom Eigentlichen nur ab: vom Wort Gottes und dem Zusammenhalt der Gemeinde.

Der Genfer Reformator war noch strikter in seiner Lehre als Martin Luther, vor dem er großen Respekt hatte, ihn aber nie traf. Als Luther im Jahr 1517 mit seinen 95 Thesen heftige Kritik am Ablasshandel und ausschweifenden Papsttum übt, ist Calvin erst acht Jahre alt. Noch heißt er Jean Cauvin und lebt in Noyon, rund 100 Kilometer von Paris entfernt. Mit 14 Jahren verlässt er sein Zuhause, um in der Hauptstadt Grammatik, Philosophie und Theologie zu lernen. Von 1528 an studiert er Rechtswissenschaften in Orléans und Bourges, ab 1531 Jura und Literatur in Paris.

Wann Calvin vom treuen Anhänger der römischen Lehre zum reformierten Christen wurde, ist unklar. Manche gehen davon aus, dass der damals 24-Jährige die reformatorische Rede des Pariser Universitätsdirektors zur Semestereröffnung geschrieben hat. Als König Franz I. die „Lutheraner“ in Frankreich verfolgen lässt, flieht Calvin 1535 nach Basel und schreibt sein bedeutendstes Buch, die „Christianae Religionis Institutio“. Im Vorwort an Franz I. verteidigt er nachdrücklich die Position der französischen Protestanten. Die nächste und wichtigste Station seines Schaffens soll ein Jahr später Genf werden. Das dortige Leben prägt Calvin bis zu seinem Tod 1564 entscheidend mit – nur unterbrochen von seinem Aufenthalt in Straßburg, bei dem er als Pfarrer die französische Flüchtlingsgemeinde betreut.

War nun Calvin ein fanatischer Diktator? Ein Eigenbrödler und Asket? Neuere Forschungen zeichnen ein differenzierteres Bild. So soll der strikte Theologe und Perfektionist ein durchaus geselliger Mensch gewesen sein, der in seinem Haus mit Blick auf den Genfer See vielen Freunden Zuflucht gewährte, der auch scherzte und spielte. Von Natur aus schüchtern, lag ihm die Rolle des charismatischen Gurus, der die Massen mitreißt, weniger – er fühlte sich wohler als humanistischer Wissenschaftler, der sich in seine Bücher vertieft. Andersgläubige hat er zwar nicht direkt verfolgt, aber ihre Verurteilung auch nicht verhindert. So hielt Calvin das Todesurteil gegen den Arzt Michael Servet, der als „Ketzer“ angeklagt war, für angemessen und lieferte auch Beweismaterial für dessen Schuld.

Wer mehr über das Leben und Wirken des umstrittenen Reformators wissen möchte, bekommt bei einer einwöchigen Studienreise von Biblische Reisen spannende und facettenreiche Einblicke. Teilnehmer wandeln in zahlreichen Städten auf den Spuren des Genfer Gottesmannes und erleben bei Vorträgen und Begegnungen einen Calvin, den sie vorher so noch nicht kannten. Die Calvin-Reise anlässlich seines 500. Geburtstages und weitere Studienreisen können gebucht werden.

Biblische Reisen GmbH, www.biblische-reisen.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Marion Sippel.

 

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