Jakhongir Mustafaev

Erfolgreicher Business Manager stärkt den Mittelstand Usbekistans durch Exportpolitik

Mittelstand im Fokus: Der Wirtschaftsfachmann Jakhongir Mustafaev (32) setzt sich ganz speziell für kleinere und mittlere Betriebe seines Landes ein. Als stellvertretender Direktor ist er in einer 2013 gegründeten Agentur tätig und diese ist vergleichbar mit einer IHK - Industrie- und Handelskammer in Deutschland. Das Aufgabengebiet des usbekischen Fachmannes für Wirtschaftsfragen lautet, dem Mittelstand beratend unter die Arme zu greifen, wenn es um den Export geht. Gründer war übrigens Islom Karimov, Staatspräsident von Usbekistan.

„Sich regen bringt Segen. Das treibt mich an. Segen kann man nie genug bekommen“

Jakhongir Mustafaev Taschkent ReiseTravel.eu

Jakhongir Mustafaev im ReiseTravel Gespräch im Hotel Lotte Taschkent. Dolmetscher Keldiyor Davlatovich Davlatov. Der Ökonom und Wirtschaftsexperte sprach über die exakt fest gelegten Aufgaben seines Unternehmens.

Was ist ein kleiner oder mittlerer Betrieb überhaupt? „Das sind Unternehmungen bis einschließlich 100 Mitarbeitern. Es gibt jedoch Ausnahmeregelungen für die Branchen im Lebensmittelbereich und der Bauindustrie. Das sind Personal intensive Branchen, daher dürfen es hier auch bis zu 200 Beschäftigte sein“. Dabei ist es völlig unerheblich, ob der Betrieb in usbekischen, ausländischen oder sogenannten gemischten Händen liege. Eine bestimmte Fabrik, eine Unternehmung kann also beispielsweise einem Usbeken, einem Deutschen und drei Franzosen gemeinsam gehören, um diese Beratung zu erfahren. Einzig und allein von Wichtigkeit ist, es handelt sich um einen Betrieb auf usbekischem Staatsgebiet.

Jakhongir Mustafaev Taschkent ReiseTravel.euJakhongir Mustafaev informierte auch über den geschichtlichen Hintergrund der Gründung seines Hauses: „Zu den Zeiten, als wir eine Teilrepublik der Sowjetunion waren, hatten wir nur ein wirtschaftliches Recht und eine Aufgabe: Wir Usbeken mussten Baumwolle für die gesamte UdSSR produzieren. Die Veredelung und der Verkauf lagen nicht in unseren Händen. Aus diesen damals so leidvollen Erfahrungen haben wir unsere Lehren gezogen und uns breit wirtschaftlich aufgestellt“.

Zur wirtschaftlichen Stabilität und zum Wirtschaftswachstum eines Landes gehört, neben dem Verzicht auf eine einseitige Ausrichtung der Wirtschaft, auch eine ausgeglichene Handelsbilanz. Das bedeutet, die Geldwerte der Im - sowie Exporte liegen mindestens im Gleichgewicht. Nun ist es aber illusorisch, dass ein kleiner Betrieb sich um den Export seiner Produkte intensiv kümmern kann. Dazu fehlen einfach die Ressourcen Mitarbeiter, Kapital und Zeit. Jetzt treten Jakhongir Mustafaev und seine Mitarbeiter auf den Plan.

Ein Beispiel: Ein kleiner Familienbetrieb besteht aus Vater und erwachsenem Sohn. Beide sind Geigenbauer von Beruf. Ihre Produkte Geigen, Bratschen, Cellos und Violinen sind sehr begehrt in aller Welt, vor allem in Westeuropa und den USA. Verkaufsverhandlungen mit ausländischen Betrieben, womöglich noch in einem einwandfreien Business Englisch, kann der „kleine“ Handwerker nicht stemmen. Der Wirtschaftsfachmann kann beispielsweise auf internationalen Messen die Musikinstrumente repräsentieren und Kontakte herstellen. Der usbekische Geigenbauer gibt den Preis vor, der natürlich realistisch sein sollte. Kostet eine in mühsamer Handarbeit und aus edlem Holz gefertigte usbekische Geige in den USA dann 1.800 Dollar pro Stück, verdient auch der usbekische Vermittler daran. Die staatliche Einrichtung erhält grundsätzlich eine Vermittlungsgebühr und die beträgt 3 Prozent vom Erlös. Ob also ein usbekischer Imker Honig nach Europa verkauft oder eine Chemiefirma Flüssigseife ins Nachbarland Kasachstan exportiert, immer sind es drei Prozent, die Jakhongir Mustafaev und seinem Team zustehen. Es gibt praktisch nichts, was nicht exportiert wird. Das können auch Dienstleistungen sein, betont der Ökonom. So konnte er kürzlich eine Musikband für Auftritte nach Argentinien vermitteln. Die usbekische Band fand großen Zuspruch in Südamerika. Vom Kartenerlös bekam die Einrichtung des Wirtschaftsfachmannes natürlich die besagten drei Prozent. Man arbeitet auch sehr eng mit der usbekischen Nationalbank zusammen. Der Experte erklärt: „Durch die Förderung des Exportes haben zahlreiche Betriebe erfreulicherweise Mehreinnahmen zu verzeichnen. Diese Erlöse werden von Unternehmern meistens wieder investiert. Durch diese Investitionen sind häufig Neueinstellungen zu sehen und dann stellt man fest, die Hallen oder die Räume sind plötzlich zu klein. Für einen großen Betriebsausbau oder neue und zusätzliche Maschinen reichen aber die Mehreinnahmen noch nicht aus. Dann kann die Nationalbank auch mit zinsgünstigen Krediten eingreifen.

Wie erfolgreich er und seine Kollegen bereits 2013 gewesen sind, belegen Zahlen. Im Jahre 2014 nahmen knapp 14.000 usbekische Betriebe das Angebot der Exporthilfe in Anspruch. Am Ende des Monats Februar 2015 konnte Jakhongir Mustafaev bereits 19.000 Firmeninhaber begrüßen. Der Wert der Exporte durch die Vermittlung der usbekischen Agentur betrug 2014 fast 1,25 Milliarden US-Dollar. Allein bis Ende Februar 2015 waren es aber bereits 1,6 Milliarden. Die Exporte erfolgten in über 80 Staaten und besonders erfolgreich war kürzlich eine Messe in China. Dort präsentierten 67 usbekische Unternehmen, auf Vermittlung von Jakhongir Mustafaev ihre Produkte, eine Messe in Italien ist demnächst eingeplant. Neben der Hauptagentur in Taschkent sind im ganzen Land 13 weitere Exportagenturen regional verteilt tätig. Die usbekischen Ökonomen arbeiten rastlos. So werden bereits im Vorfeld Messen, wie die „Grüne Woche Berlin“, besucht um auszuloten, ob man, demnächst, dort erfolgreich ausstellen kann. „Das alles sieht sehr erfolgversprechend aus“, betonte der Ökonom. Er wisse ja auch, so könne er seinem Land besonders dienen. Durch seinen Einsatz und den seiner Kollegen „erfahren die Menschen in aller Welt von unseren wirtschaftlichen Leistungen. Das macht mich und meine Kollegen sehr stolz. In Deutschland haben Sie ja ein Sprichwort, das mir bekannt ist: Sich regen, bringt Segen. Das treibt uns an. Segen kann man nie genug bekommen“.

ReiseTravel Fact: Der Export stärkt die Wirtschaft eines Landes. Für Usbekistan trifft das besonders zu, da man einst zu Zeiten der Sowjetunion nur Baumwolle anbauen durfte und dann entschied Moskau, was mit dieser geschieht und wohin die verarbeiteten Produkte geliefert wurden. Damals mussten die Usbeken erfahren, es kam kaum etwas von ihrem eigenen Produkt Baumwolle zurück und wenn es doch der Fall war, kosteten die außerhalb der teilautonomen Sowjetrepublik Usbekistan hergestellten Hosen und Kleider ein vielfaches von dem, was man monatlich verdient hatte. Daher legt man schon aus geschichtlichen Gründen in der jungen Republik viel Wert auf einen sehr gut funktionierenden Export. Ebenfalls sei daran erinnert, Exporte verschaffen Kontakte, die später auch für andere Bereiche wie Kunst und Sport gegenseitig von Vorteil sind.

Jakhongir Mustafaev – Executive Director, Small Business and private Entrepreneurships Export Promotion Fund, www.nbu-export.uz

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

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