Volker Tschapke

Lotse Bismarck geht von Bord

Sehr geehrte ReiseTravel User, verehrte Freunde der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg: Vor 120 Jahren lautete es: „Ich halte die Entlassung des Fürsten Bismarck und die Zerwürfnisse, zu denen es dabei kam, für das größte Unglück, das Preußen seit der Schlacht von Jena betroffen hat“, so urteilte noch im Jahre 1904 einer der höchsten Reichsbeamten gegenüber Hermann Hofmann, dem leitenden politischen Redakteur der „Hamburger Nachrichten“.

Dabei hatte Bismarck in edler Haltung seinem Kaiser den Weg gewiesen, wie er seine Verabschiedung ohne Gesichtsverlust beider hätte vollziehen können. „Wenn Eure Majestät allein reiten wollen, so muss das ja natürlich geschehen. Aber ich rate zur Vorsicht dabei. Majestät können mich ja vorläufig „aus Gesundheitsrücksichten“ auf ein halbes Jahr beurlauben und die Politik selbst führen oder durch einen Vertrauensmann führen lassen. Geht die Sache gut, so reiche ich später wegen andauernder Behinderung durch mein gesundheitliches Befinden den Abschied ein; wenn sie aber schief gehen sollte, so komme ich wieder. Auf diese Weise geht alles glatt ab, und die Interessen Eurer Majestät wie die des Landes sind gleichermaßen gewahrt.“

Der Kaiser ignorierte eitel diesen Vorschlag und entließ Bismarck am 20. März 1890 unter unwürdigen Umständen. Bismarck hatte seine Dienstzimmer Hals über Kopf zu räumen und zu verlassen. Dabei ging sogar persönliches Eigentum verloren. Die Charakterlosigkeit des Kaisers gegenüber dem Reichsgründer wird auch darin sichtbar: Bereits ein halbes Jahr vor dem einschneidenden Akt hatte Wilhelm II. gegenüber einem katholischen Kirchenfürsten angedeutet, dass Bismarcks Tage als Reichskanzler gezählt seien. Das hielt den Monarchen nicht davon ab, Bismarck im Neujahrsglückwunsch vom 30. Dezember 1889 zu schreiben: „Ich bitte Gott, er möge mir in meinem schweren und verantwortungsvollen Herrscherberufe Ihren treuen und erprobten Rat noch viele Jahre erhalten größte Unglück, das Preußen seit der Schlacht von Jena betroffen hat“, so urteilte noch im Jahre 1904.

Der Lotse geht, das Schiff schlingert in den Krieg und reißt den Käpt’n in den Abgrund.  

Im Januar 1890 schrieb er an Bismarck: „Ich bin weit entfernt davon, meine geringe Erfahrung gegen die reiche Erfahrung von Euer Durchlaucht in die Waagschale zu werfen.“ Bismarck äußerte später zu einem Vertrauten: „Die Launen eines Monarchen sind wie gut und schlecht Wetter, man kann sich diesem nicht entziehen. Man nimmt einen Regenschirm und wird doch nass.“

Damals schon warfen das Herrscherhaus und die ihm nahe stehenden Medien (heute: Mainstream) Nebelbomben vor die tatsächlichen Gründe des demütigenden Rauswurfs. Es sei um Versöhnung mit der Sozialdemokratie, den Polen und Welfen gegangen, verlautete man. Außerdem habe die – wie es heute heißt - Chemie zwischen dem jungen Kaiser und dem alten Kanzler nicht gestimmt. Tatsächlich aber wurde Bismarcks konsequente Friedenspolitik zum Hindernis für das Expansionsstreben deutscher Großunternehmen. Dem konnte in der aufgeteilten Welt nur durch Krieg genügt werden, den Bismarck durch eine ausgewogene Bündnispolitik mit den europäischen Großmächten zu verhindern versucht hatte. Bismarck musste gehen, und der erste der großen beiden Kriege kam. In dessen Folge musste auch der Kaiser gehen. So rächte sich sein kränkendes und Deutschland abträgliches Vorgehen an ihm selbst und der vielhundertjährigen Hohenzollernherrschaft.  

Das nennt man bittere Ironie des Schicksals.

Sehr geehrte ReiseTravel User, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Den Geburtstagskindern preußisches Fortune und alles Gute im neuen Lebensjahr, den Erkrankten baldige Genesung

Pro Gloria et Patria

Gott befohlen

Volker Tschapke

Präsident Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg

Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. c/o Hilton Berlin

Mohrenstrasse 30, D-10117 Berlin, Telefon: 030 – 2023 2015, www.preussen.org

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