Volker Tschapke

November Reise durch Deutschland

Sehr geehrte ReiseTravel User, verehrte Freunde der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg: Der November hat es mit geschichtsträchtigen Daten in sich. Dabei denke ich – natürlich – zunächst an das epochale Ereignis des Sturms auf die Mauer am 9. November vor 23 Jahren, der ein knappes Jahr später zur zweiten deutschen Einheit führte. Nie werde ich diese jubelnde Freude auf beiden Seiten vergessen. Dass damit aber neben viel Erfreulichem, was teilweise zu blühenden Landschaften geführt hat, auch viel Missliches als unangenehme Begleiterscheinung der Einheit verbunden sein sollte, hätte ich nicht für möglich gehalten. Die Delegitimierung der DDR, wie sie der damalige Innenminister Klaus Kinkel aus den Reihen der FDP gefordert hatte, trifft auch und gerade die Landsleute mit der Ungnade der Geburt auf der falschen Seite ins Mark; denn die DDR war kein Abstraktum, sondern war von Deutschen für Deutsche gemacht. Eine so totale Abrechnung mit den Deutschen, die in der nationalsozialistischen Zeit lebten und sie überlebten, hat es nicht gegeben. Warum geschieht sie jetzt? Nach Hunderten Prozessen, in denen Schuldfragen geklärt und geahndet worden waren? Das Fernsehen und die Printmedien sind voll von Schauergeschichten gegen Landsleute aus dem Osten. Haltet endlich ein, rufe ich den dafür Verantwortlichen zu. Bismarcks Deutschland möge als Beispiel dienen. Damals geiferten preußische Medien und Politiker nicht um die Wette, die Hinzugekommenen runterzumachen. Der Große Kurfürst schützte sie sogar mit Gesetz vor Anfeindungen. Ein Wort in diesem Zusammenhang zur überschäumenden Eloge der gegenwärtigen Bundeskanzlerin für Helmut Kohl im ehemaligen preußischen Zeughaus, die auch seinen Beitrag zur Einheit betraf. Sie hob sein 10-Punkte-Programm vom 28. November 1989 hervor, ohne daraus - wohlweislich – zu zitieren. Darum erinnere ich daran: Helmut Kohl strebte eine Konföderation mit der DDR an! Das bedeutet, er ging vom weiteren Bestand des ungeliebten zweiten deutschen Staates aus. Vor die Einheit stellte er u. a. weltweite Abrüstung und Rüstungskontrolle, Reduzierung der USA- und UdSSR Nuklearpotenziale sowie Abbau der konventionellen Streitkräfte in Europa. Dann erst könne das deutsche Volk in seine Einheit wiedererlangen. Wir hätten sie folglich heute noch nicht. Dies zur Legendenbildung um den Kanzler der Einheit. Zu den dunklen Historien-Kapiteln, die mit dem 9. November verbunden sind, gehört die Pogromnacht zum 10. November 1938, mit der ein neuer Abschnitt der Verfolgung von Deutschen jüdischen Glaubens im NS-Deutschland begann. 15 Jahre zuvor waren Hitler, Ludendorff und andere am 9. November zur Münchener Feldherrenhalle marschiert. Am 9. November 1925 entstand Hitlers SS. Im vor der Einheit von 1990 gab es Überlegungen, den 9. November zum Ehrentag dieses Ereignisses zu küren. Ich glaube, dass die Entscheidung für den 3. Oktober auch nicht glücklich, aber besser war.

Sehr geehrte ReiseTravel User, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Den Geburtstagskindern preußisches Fortune und alles Gute im neuen Lebensjahr, den Erkrankten baldige Genesung

Pro Gloria et Patria

Gott befohlen

Volker Tschapke

 

Präsident Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg

Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. c/o Hilton Berlin

Mohrenstrasse 30, D-10117 Berlin, Telefon: 030 – 2023 2941, www.preussen.org

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