Volker Tschapke

Der 9. November in der Geschichte

Sehr geehrte ReiseTravel User, verehrte Freunde der Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg: Mehr Emotionen geschürt und gegensätzliche Diskussionen ausgelöst als der 9. November hat sicher kein anderes Datum in der deutschen Geschichte: Ermordung von Robert Blum 1848, Novemberrevolution 1918, Hitlerputsch in München 1923, Gründung der SS 1925, Reichspogromnacht 1938 und Mauerfall 1989.

Ein „Schicksalsdatum“ , das zur Besinnung und Reflektion anregt, dass aber keinesfalls die gesamte historische Dimension Deutschlands umfasst. Streitgespräche darüber, ob der 9. November als Nationalfeiertag nicht geeigneter wäre als der 3. Oktober, wollen nicht verstummen. Im Gegensatz zu dem “künstlich-bürokratischen, aufoktroyierten” Tag der deutschen Einheit habe der 9. November eine besondere emotionale Ausstrahlung, wird argumentiert. Die spezielle ethische Kraft des Tages bestünde in der Verquickung des Freudentages Mauerfall mit Hitlerputsch und Reichspogromnacht. Frohes Erinnern lasse sich mit stillem Mahnen und Gedenken verbinden.
Andere halten die Verquickung von Gutem mit Bösen als ignorant den einzelnen und so unterschiedlichen Ereignissen am 9. November gegenüber. Zu denen gehöre auch ich. Der Nationalfeiertag am neutralen 3. Oktober ist dazu angetan, sich Deutschland nicht auf einige Phasen seiner Geschichte reduziert, sondern in Gänze zu widmen. Zu der auch in wesentlichen Teilen die Historie Preußens gehört, der wir uns in besonderer Weise verpflichtet wissen. So erinnern wir uns im November daran, dass Friedrich der Große im November vor 260 Jahren den Katholiken in Preußen die Religionsausübung bedeutend erleichterte.

Volker Tschapke Präsident Preußische Gesellschaft Berlin-BrandenburgVolker Tschapke Präsident Preußische Gesellschaft Berlin-BrandenburgRund 200 Jahre lang hatten Katholiken nach Festlegungen des Westfälischen Friedens von 1648 in protestantisch regierten Territorien (cuius regio, eius religio - wessen Herrschaft, dessen Religion) im Grunde kein Recht auf öffentliche, ja kaum auf private Religionsausübung. Ja, Kurfürst Johann Georg (1571 bis 1598) untersagte die Feier des katholischen Gottesdienstes. Friedrich der Große gab am 22. November 1746 ein Edikt zum Bau einer Kirche für die „Römisch Katholische Gemeinde zu Berlin“ heraus. Darin erklärte er: …und erlauben hiemit, dass die Eingangs erwehnten Römisch-Catholischen zu ihrem freyen und ungehinderten Gottes-Dienst Eine Kirche so gross als sie solche immer haben wollen oder können… ohne einigen Vorbehalt, oder Widerreden bauen dürfen. Der Herrscher schenkte „zum Zeichen unserer königl. Gnade und Wohlwollen“ der Gemeinde das ehemalige Wittgensteinsche Bollwerk (Bastion 2) als Bauplatz. Wie die „Berlinischen Nachrichten von Staats- und Gelehrten Sachen“ berichteten, stellte Friedrich II. zudem Baumaterial unentgeltlich zur Verfügung, besuchte das Baugelände noch vor Grundsteinlegung und fertigte sogar einige Skizzen an, die leider verloren gingen. Einen ersten Entwurf hatte er zurückgewiesen. Wie eine Anekdote berichtet, stülpte er seine Kaffeetasse um und sagte: „So soll sie werden.“ Hintergrund des Kirchenbaus: Nach dem Zweiten Schlesischen Krieg war die Berliner katholische Gemeinde auf zirka 10 000 Glieder angewachsen – bei 110 000 Einwohnern. Gottesdienste fanden in einer Kapelle in der Krausenstraße oder in evangelischen Kirchen (gegen eine Gebühr) statt. Politisch verfolgte Friedrich das Ziel, den katholischen Adel Schlesiens festen an Preußen zu binden. Dem diente auch die Wahl der Schutzpatronin Schlesiens, der heiligen Hedwig, als Titelheilige für das Berliner Gotteshaus. Für den außerordentlichen Kirchenbau in Berlin erließ Papst Benedikt XIV. (!) einen Spendenaufruf, dem zahlreiche Bischöfe der katholischen Christenheit folgten. Am 1. November 1773, am Allerheiligentag fand in St. Hedwig der erste Gottesdienst statt. Auf Verlangen von Friedrich dem Großen nahm Fürstbischof Graf Ignacy Krasicki die Konsekration vor. Als bedeutender Dichter Polens gehörte er dem Kreis des Philosophen von Sanssouci an. Nicht zuletzt entsprach der König mit dem Patent für St. Hedwig seinem eigenen Grundsatz: Die Religionen müssen alle tolleriret werden und mus der fiscal nuhr das auge darauf haben das Keine der andern abruch tuhe, den hier mus ein jeder nach seiner Fasson Selich werden. Sprung nach vorn, ins Heute. Sicher haben Sie gelesen, dass die Mozart-Oper „Ideomeneo“ nach unsäglichen Querelen wieder auf dem Spielplan der Deutschen Oper in Berlin steht. Kläglich die Absetzbegründung: Man befürchte islamischen Protest. Der ausblieb. Was mich unendlich erschreckt: Kein Christ in Deutschland, kein Bischof und kein Gemeindeglied, scheint etwas daran zu finden, dass der abgehackte Kopf von Jesus auf der Bühne präsentiert wird. Diese abstruse Idee stammt selbstredend nicht von Mozart - zu seiner Zeit wäre solches ein Sakrileg ohnegleichen gewesen und hätte zumindest sein berufliches Ende bedeutet. Nein, Regisseur Heinz Neuenfels dachte sich diese Perfidie aus. Ja, jenes Genie, das die nubische Prinzessin Aida als Putzfrau agieren ließ und die „Fledermaus“ in ein faschistoides Gebräu von Sex und Gewalt mit Strizzis, Huren und anderen Deklassierten umfunktionierte, die jedem vermeintlichen Führer begeistert zujubeln. – Kultur heute in Deutschland. Dazu noch einmal Friedrich zwo: Nichts ist wahrer und handgreiflicher, als dass die Gesellschaft nicht bestehen kann, wenn ihre Mitglieder keine Tugend, keine guten Sitten besitzen. Zu dieser Abteilung gehören die maßlos überzogenen Reaktionen auf Spätpubertierende junge Männer in Uniform, die sich in Helden- und obszönen Posen mit Skelettknochen fotografieren ließen. Was sie taten, ist eine geschmacklos dumme Prahlerei. Ich frage mich, wie die Medien und Politiker reagieren werden, wenn die Soldaten das tun, was Soldaten gemeinhin zu tun pflegen: Menschen töten. Ähnlicher Widersinn in Irak: Menschen peinigen, nötigen und erniedrigen – Medienaufschrei, Entlassung aus der Armee, Haft. Menschen töten – Orden. Ein weiteres Thema: Obwohl wir in Satzung und Programmatik eindeutig Auskunft über unseren gesellschaftlichen und politischen Standort geben und dies seit zehn Jahren im täglichen Wirken für Preußen und Vaterland real bestätigen, erreicht mich immer mal wieder eine Gretchenfrage: Wie haltet ihr es mit der Demokratie? Gemeint ist, ob wir uns in einem „rechten“ Spektrum befänden.Zunächst: Wir stehen fest auf dem Boden des Grundgesetzes. Wo denn sonst! Deutschland als Vaterland liegt uns im Sinn und am Herzen. Was denn sonst! Dem Vaterland Impulse zu geben, die schon Preußen vorangebracht haben, sind unsere Leitlinien. Welche denn sonst? Dann sei gegengefragt: Was ist „rechts“ in Gesellschaft und Politik? Für manchen bereits die Verwendung des Wortes Vaterland. Einäugige Politstiere sehen beim Wort „Preußen“ rot oder besser schwarz. Ehemalige Bundesminister singen die Nationalhymne nicht – steht rechts, wer sie – etwa bei Fußball-Weltmeisterschaften – singt? In Deutschland werden schwarz-rot-goldene Fahnen verbrannt – gehört zum rechten Spektrum, wer sie achtet und schwingt? Ist jeder, der uns kopfhaarlos entgegentritt, ein Nazi? Jeder Schläger ein Hitlerist? Könnte sich eine Partei bei uns behaupten, wenn sie sich auf „Mein Kampf“ vereidigte? Haben nicht viel mehr bestimmte Gruppen im Lande ein Interesse daran, den schwarzen Teufel an die Wand zu malen? Zur eigenen Profilierung? Von dieser Seite sehe ich mich schon dem Vorwurf ausgesetzt, die gegenwärtige braune Gefahr zu bagatellisieren. Tue ich das wirklich? Nein. Vielmehr verharmlosen diejenigen die verbrecherische Nazizeit, die unser Hier und Heute mit dem Damals gleichstellen. Ich las dieser Tage, Deutschland heute gleiche dem Nazi-Reich nach 1933. Bitte beachten: NACH 1933. Zur Erinnerung: Hitler kam Ende Januar 1933 an die Macht. Nur einen knappen Monat später brannte der Reichstag und wurden Zehntausende Oppositionelle verhaftet und in improvisierte Konzentrationslager gesteckt. Unser Vaterland heute in einer solchen Barbarei? Nie und nimmer.

Sehr geehrte ReiseTravel User, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Den Geburtstagskindern preußisches Fortune und alles Gute im neuen Lebensjahr, den Erkrankten baldige Genesung

Pro Gloria et Patria

Gott befohlen

Volker Tschapke

Präsident Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg

Preußische Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V. c/o Hilton Berlin

Mohrenstrasse 30, D-10117 Berlin, Telefon: 030 – 2023 2015, www.preussen.org

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