Berlin

Inselherr oder Inseldame werden wird jederzeit möglich, nur etwas Geld ist erforderlich

Eine Insel schenken: Unter dem Tannenbaum liegen ja fast alle möglichen Geschenke verpackt. Uhren, Schmuck, Socken, Schlipse, Hemden, Hochprozentiges, Gutscheine, Elektroartikel und Antiquitäten sowie Bücher. Mancher, der sich schon als Glückspilz ob eines so teuren Geschenkes betrachten darf, wurde aufgefordert, mal einen Blick auf die Straße zu werfen. Dort stand dann am Heiligen Abend ein neuer Pkw mit einem Geschenkschleifchen an der Antenne oder am Griff der Fahrertür unter der Straßenlaterne.

ReiseTravel hat einen sehr seltenen und außergewöhnlichen Geschenktipp zur Weihnachtszeit parat: Wie wäre es denn, einmal einem lieben Menschen zur Weihnachtszeit eine Insel zu schenken?

Insel schenken ReiseTravel.euIn Deutschland sind Firmen ansässig, die sich darauf spezialisiert haben. Ein Hamburger Unternehmen betreibt den Inselverkauf bereits seit 1971 und gilt als ältester Inselhändler hierzulande. Natürlich sind bekannte Inseln wie Großbritannien, Mallorca oder Fehmarn bei keinem Unternehmen im Programm. Dafür kann der Kunde aber weltweit zugreifen beim Kauf einer meist völlig unbekannten Insel. Ob in der Südsee, in der Karibik oder schon in unserem Nachbarland Frankreich gelegen und Inseln in europäischen Ländern wie Kroatien, Italien, Griechenland, sie alle sind käuflich zu erwerben. Oft liegen die Preisvorstellungen der Händler im zweistelligen Euro Millionenbereich.

Kleine Inselchen fangen bei um 400.000 Euro an und die teuersten, dann darf schon der Begriff Insel benutzt werden, kosten um 50 Millionen Euro. Nun gilt es aber, die Kirche, den Tempel oder die Moschee, je nachdem, welche Region es sein soll, auf der Insel nicht zu lassen. Das Eiland ist unbewohnt und unbebaut. Die einzige Ausnahme ist: Einer der Vorbesitzer der Insel trennt sich von seiner Trauminsel und verkauft das vom Meer umschlungene Gebiet an den neuen Besitzer mit dem damals errichteten Gebäude. Es gibt für den Inselkäufer sehr vieles zu beachten. So stellt sich zuerst die Frage, wie komme ich dahin?

In die Hauptstadt des betreffenden Staates geht es noch mit dem Flieger, zur nächstgrößeren Insel kann der Inselherr mit einem Kleinflugzeug gelangen. Nur sehr selten darf ein Inselherr von sich behaupten, auf seinem Grundstück befindet sich eine Start- und Landebahn. Ein regelmäßiger Schiffsverkehr ist mit Sicherheit nicht vorhanden. Kein Reeder bedient die Fahrtstrecke zu einer so einsamen Insel. Für den Inselkäufer bedeutet das, jede Kerze, jedes Kilogramm Mehl und dergleichen muss er für teures Geld anliefern lassen. Nur die wenigsten Eilande werden in der Lage sein, die benötigte Energie für elektrische Geräte wie Eisschränke und Computer selber herzustellen. Windkraftwerke oder Sonnenkollektoren sind sehr oft keine Lösung, da durch den Transport zu dieser Insel und eine regelmäßige sachgerechte Wartung so hohe Kosten entstehen, die kaum einer tragen kann oder will. Gerade für Käufer einer Insel mit sehr hohen Temperaturen muss im Vorfeld geklärt werden, wie sie ihre Lebensmittel kühlen wollen. Die spaßige Antwort, sie können ja auf Fischfang täglich gehen, bietet sicherlich keine dauerhafte Lösung. Der Inselbewohner muss sich also im Klaren darüber sein, ist der Akku seines Handys leer, kann er nicht mehr angerufen werden oder selber anrufen. Sollte er sich nach einer Tageszeitung sehnen, so wird er feststellen müssen, kein Zeitungsbote rudert vom Festland zu ihm herüber, ebenso erfolgt keine Postzustellung. Im Krankheitsfalle stellen sich die Fragen, wie kommt man schnell zur nächsten Apotheke, zum Arzt oder Zahnarzt? 

Dem Käufer muss auch bewusst sein, durch den Kauf ergeben sich für ihn keine Ansprüche gegenüber dem Staat. Wer also eine unbewohnte Insel kauft, die im Besitz der USA ist, erwirbt mit dem Kauf keineswegs das Recht, die US Staatsbürgerschaft deshalb zu erhalten. Sich selber Titel zu verleihen und offiziell mit Inselgraf oder Inselkönig angeredet zu werden sind ebenso nicht statthaft. Der neue Besitzer darf auch nicht eine eigene Währung für seine Insel erstellen und ein Staatswappen oder ein Siegel benutzen. Er ist nur Besitzer und vom Kapitalstandpunkt aus der Herr der Insel. Der betreffende Staat besitzt im völkerrechtlichen Sinne weiterhin alle Hoheitsrechte über diese Insel und deren Bewohner. Egal wo sich die Insel befindet, das Recht des Staates ist immer zu beachten.

Darf die gekaufte griechische Kleininsel beispielsweise nach den Baugesetzen des Landes bebaut werden? Wen das der Fall sein sollte, was muss beachtet werden in Fragen der Höhe des Hauses, des Baumaterials, des Umweltschutzes?

Darf ich als Besitzer einer Insel, die zu Chile beispielsweise gehört, meinen menschlichen Müll und leere Konservendosen im offenen Meer entsorgen oder drohen mir für solche Vergehen eventuell mehrjährige Haftstrafen? Kommt regelmäßig ein Müllboot zur Insel? Was berechnet der Entsorger für diese Bootstouren? Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch die politische Stabilität eines Staates.

Ein Beispiel: Robert Mugabe, der Staatschef von Simbabwe, hat alle weißen Farmer enteignet. Das Land erhielten einheimische Bauern. Wer garantiert einem Inselkäufer aus Westeuropa denn, dass er bei einem politischen Putsch oder Machtwechsel, der auf legitime Art zu Stande kam, sein Hab und Gut auf der Insel in diesem afrikanischen Land oder anderswo einschließlich der Insel weiterhin sein Eigentum nennen darf?

Noch eine vorher zu klärende Frage: Muss man an den Staat Steuern zahlen für seine Insel? Wen ja, wie hoch sind diese staatlichen Forderungen?

Es ergeben sich also zahlreiche Fragen vor dem Kauf einer Insel, die alle geklärt werden müssen. Es kann ja durchaus sein, ein Inselbesitzer hat sein Traumland nur gekauft und noch niemals betreten. Ein Inselhändler konnte nämlich berichten, ihm sei folgender Fall bekannt: Ein namhafter deutscher Fabrikant hat sich eine sehr große Insel zugelegt. Das Foto dieser seiner Insel hängt überdimensional in seinem Chefbüro. Immer wenn der Stress sich breitmacht, schaut er das Foto an. Dann sagt er: „Ich verkaufe den Laden und ziehe auf meine Insel.“ Obwohl er die Insel noch zu Zeiten erworben hat, als die Bezahlung in DM erfolgte, hat er diese Idee bisher noch nicht in die Tat umgesetzt und sprach davon, seine Insel sei eine „indirekte Insel.“ Im Falle eines Falles habe er schon sein Refugium gefunden. www.vladi-private-islands.de - www.inselkaufen.com

ReiseTravel Fact: Ein alter Schlager lautet: „Eine Insel aus Träumen geboren“ und bei den Inselkäufern kann jeder zahlungskräftige Kunde den Traum zur Realität werden lassen. In wie weit einem neuen Inselherrn der Besitz einer oft weit gelegenen Insel Glück und Freude bringt, muss sich im Einzelfall zeigen. Es soll auch Eigentümer geben, die sich über mangelnden Besuch von Verwandten und Freunden bitterlich beklagen. Die An- und Abreise hat sehr oft mit dem Charakter des Ausbootens von Helgoland zu tun. Haben Onkel Paul und Tante Frieda einmal die Strapazen der Inselbesichtigung in Südamerika oder sonst wo hinter sich, dann teilen sie ihrem Neffen, dem Eigentümer des Eilands, mit: „Wir waren ja schon einmal da“ und werden auf der Insel nie mehr gesehen und der Inseleigentümer fühlt sich mutterseelenallein wie einst Robinson.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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