Albert Groß

Ein Hotel, das Geschichte atmet, in Bad Hindelang

30 Goldmark für einen Namen: „Früher hätte ich gesagt, die Leute kommen wegen der Schwefelquelle, weil die ja auch den Anstoß zum Bau des Hauses gab“, erzählt Albert Groß. „Heute würde ich sagen, was den Gast noch mehr anzieht, ist die Prinzregentenzeit, die hier erlebt wird.“ Der Hotelier lehnt sich im gemütlichen Ohrensessel zurück. Fast träumt er.

Albert Groß wurde in einem Hotelzimmer geboren. Das prägte ihn zeitlebens. Er führte das Hotel „Prinz Luitpold Bad“ in Bad Hindelang in der dritten Generation, könnte längst in Rente sein. Will er aber nicht. Die Hotelleitung hat er an Sohn Armin abgegeben. Doch der Senior mischt noch immer mit. Das Hotel im wunderschönen Allgäu ist und bleibt seine große Leidenschaft.

Albert Groß lächelt, wenn er über die Geschichte seines „Prinz Luitpold Bades“ spricht. „Das Mobiliar ist aus der Prinzregentenzeit, die Einbauten, die Bleiglasdecke, das Schlosszimmer. In dieser Kombination gibt’s das nicht viel auf dieser Welt.“ Bei diversen Veranstaltungen im Haus wird Bezug darauf genommen.

Hofball bei Prinz Luitpold

Prinz Luitpold Bad ReiseTravel.eu

Zweimal im Jahr erstrahlt das Untergeschoss im Glanz des späten 19. Jahrhunderts, wenn zum „Hofball bei Prinz Luitpold“ geladen wird. Dann lebt hier das alte Hofzeremoniell auf. Die Männer in stattlichen, zeitgenössischen Gardeuniformen, die vom Hotel gestellt werden. Die Damen in schicker Abendgarderobe. Wer von den Gästen das Glück hat, am Kopf der Tafel zu sitzen, der darf auch das Zepter schwingen. „Wenn der das Besteck zur Hand nimmt, essen sie alle. Wenn er es hinlegt, müssen sie alle aufhören.“

Bei solchen Terminen werden die Stammgäste bevorzugt und vom Zeremonienmeister, wie es am Hofe üblich war, natürlich namentlich angekündigt. Albert Groß: „Der Prinzregent konnte sich ja nicht alle merken. Und deshalb wurde auch immer laut gesagt, wer es denn ist, der gerade reinkommt.“

Apropos Name: Warum eigentlich „Prinz Luitpold“?

Albert Groß: „Er war der nicht vorgesehene Regent. König von Bayern wurde sein Bruder Max. Aber auch Luitpold erfuhr eine Ausbildung, die ihn zum Regieren befähigen sollte.“ 1850 wurde der begeisterte Jäger im Hintersteiner Tal Jagdpächter. „Die 1848er Revolution hat die alten Adelsprivilegien aufgehoben, darunter die hohe Jagd. Mit der Folge, dass die Reviere Leergeschossen waren.“ Die heute 3.500 Stück Rotwild in den Allgäuer Bergen stammen von den 17 Stück ab, die der Prinzregent aus dem Forstenrieder Park hierher gebracht hatte.

„Seine Leutseligkeit hat ihn hier sehr beliebt gemacht.“ Für die Hindelanger sei es ein Riesengrund zum Jubeln gewesen, als Luitpold nach dem tragischen Tod von Ludwig II., 1886 zum Prinzregenten gekürt worden sei. „Weil man ihn kannte und sehr schätzte.“ Im Gegensatz zu anderen Landesteilen, wo man ihn für den Tod Ludwig II. verantwortlich machte.

Bis zwei Jahre vor seinem eigenen Tod stieg Luitpold noch auf die Berge. Und zweimal im Jahr kam er in diese Gegend. Dass er auch im Hotel war, sei verbürgt.

Zur Namensgebung: „Man hat ihn gefragt und er hat eingewilligt. So durften wir das Hotel ‚Prinz Luitpold Bad‘ nennen.“ Albert Groß schmunzelt: „Das kostete allerdings 30 Goldmark in die Staatskasse.“

Zweifel an der Todesursache von König Ludwig II.

War Luitpold wirklich am Tod seines Neffen im Starnberger See beteiligt? „Wir haben uns eingehend damit befasst. So viel kann ich sagen: Er hatte keinesfalls etwas damit zu tun.“ Allerdings erinnert sich Albert Groß an ein Ehepaar, das einmal Gast bei ihm war. „Das Paar praktizierte Glasrücken, trat also mit dem Prinzregenten in Kontakt.“ Und als der Mann ihn fragte, wie denn Ludwig ums Leben gekommen sei, habe das Glas geantwortet, dass er sich erschossen habe.

Mit der Waffe, die ihm der Prinzregent persönlich gegeben habe. Schließlich müsse ein König wie ein König sterben. So viel zum Übersinnlichen. Albert Groß teilt diese Theorie. Denn: „Wenn der Prinzregent seinen Neffen besucht hat, hat man ihn bestimmt nicht nach Waffen untersucht.“ Und über Stelle, wo König Ludwig ertrunken sein soll: Viel zu seicht. „Ich kann da stehen.“ Allerdings: „Ich habe schon leichte Schwierigkeiten an Botschaften aus Gläsern zu glauben.“

Erholung und Wellness

Die profanen Gäste suchen im Allgäu natürlich nicht nach dem Übersinnlichen, sondern nach Erholung. Und dafür bietet das Hotel allerlei. Lassen wir Juniorchef Armin Groß erzählen. „Das Schwefelwasser wird seit 1864 genutzt, heute noch im Hallenbad.“ Schon sein Urgroßvater habe mit Mooranwendungen begonnen.

„Heute gibt es bei uns moderne Anwendungen, wie europäische Massagen. Aber auch Alpenkräutermilch und Aroma-Öle aus der Region kommen zum Einsatz.“ Wer entspannen, saunen oder aktiv sein will, hat im Wellnessbereich alle nur denkbaren Möglichkeiten dazu. Vom Aladin-Wärmezelt übers Kneipp-Bad bis zur Dampfgrotte mit Königsthron. Und die Küchen liefert ein abwechslungsreiches Programm an kulinarischen Schmankerln.

Die Ausflugsmöglichkeiten in die Natur sind vielfältig. „Die jungen Wochenendgäste gehen nicht aus dem Haus. Die frühstücken und ziehen sich dann in die Badeanlage zurück“, beobachtet Albert Groß. „Gäste, die unter der Woche da sind, haben ein anderes Verhalten. Die fahren ein Stück mit dem Auto in die Berge hoch und wandern dann.“

Inneneinrichtung aus Schottland

Und abends finden sich dann alle wieder im Wohlbehagen des 19. Jahrhunderts ein. Die Gemütlichkeit ist übrigens schottischen Ursprungs. Denn auch das Interieur hat im „Prinz Luitpold“ seine eigene Geschichte. Die Holzvertäfelung stammt aus dem schottischen Schloss Lanrick Castle, das 1830 in den Besitz von William Jardin kam, der ein Mitgründer der Jardine Matheson Holdings war.

Der multinationale Konzern betrieb von Hong Kong aus den Teehandel mit England. Seit 1930 war das Schloss dem Verfall preisgegeben. Die neugotischen Wandvertäfelungen, ein Erker und Möbelstücke wurden nach Deutschland verkauft. Albert Groß hat sie zufälligerweise beim Schwammerlsuchen in einem Dorf bei München entdeckt, erworben und – „fünf Lastwagen voll“ – in sein Hotel einbauen lassen. Das ist übrigens Mitglied im „Alpenwellness Allgäu“.

Hotel Prinz-Luitpold-Bad, Andreas-Gross-Straße 7, D-87541 Bad Hindelang, www.luitpoldbad.de

Ein Beitrag mit Foto für ReiseTravel von Helmut Kunz.

Helmut Kunz ReiseTravel.euUnser Autor wohnt in Weiden.

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