Köln

Die Astronautennahrung

Die Anfänge der Astronautennahrung liegen in den 1960er Jahren. Bereits zu dieser Zeit wurde intensiv an einer ausgewogenen Ernährung geforscht, die den besonderen Bedingungen im All Rechnung trägt. Das erste speziell entwickelte Space Food waren die so genannten Energiewürfel: eine Mischung aus Proteinen, Fetten, Zucker, Früchten und Nüssen – mundgerecht zerkleinert, gefriergetrocknet und in Plastikfolie vakuumverpackt. Schon etwas komplexer war der Ansatz mit getrockneten Speisen, die vor dem Verzehr in ihren Plastikbehältnissen mit Wasser vermengt werden mussten. Als Getränk gab es unter anderem sterilisiertes Apfelmus, das dickflüssig in Aluminiumtuben abgefüllt war.

Die gute Verdaulichkeit und die Funktionalität standen bei diesen frühen Formen der Astronautennahrung im Vordergrund. So enthielten die Speisen beispielsweise einen hohen Anteil an Calcium, um den besonderen Bedingungen, denen die Astronauten im All ausgesetzt sind, entgegen zu wirken.

Bei den Astronauten selbst erfreute sich das Space Food zu jener Zeit keiner großen Beliebtheit. Es dauerte daher nicht lange, bis die Nahrung und die Darreichungsform Schritt für Schritt verbessert wurden. Als erstes wurden die Tuben durch spezielle Behältnisse ersetzt. Die Nahrung konnte nun mit Messer und Gabel verzehrt werden. Die Weiterentwicklung der Verpackung sorgte gleichzeitig für eine Verbesserung der Vielfalt und Qualität der Speisen. In den 1980er Jahren hatten die Astronauten dann bereits die Möglichkeit, aus 200 verarbeiteten Lebensmitteln zu wählen und konnten nun auch auf warme Speisen zurückgreifen.    

Anforderungen an Astronautennahrung: Astronautennahrung unterliegt strengen Richtlinien und wird von Ernährungsexperten auf ausreichende Nährstoffe überprüft, da der Mensch in der Schwerelosigkeit weniger Hunger und Durst verspürt. Die Nahrung muss fast salzlos sein, um dem Knochenschwund im All entgegenzuwirken, und trotzdem stärker gewürzt sein, da der Geschmack von Lebensmitteln schwächer wird, je höher sich ein Raumshuttle über Meeresniveau befindet. Da es keine Kühlschränke an Bord gibt, muss die Nahrung auf der Erde so vorbereitet werden, dass sie vor dem Verderben geschützt ist und möglichst lange hält. Die durchschnittliche Tagesration beträgt etwa 1,6 kg pro Person. Pro Tag und Person sind drei Mahlzeiten vorgesehen.   

Die Situation heute: NASA-Astronauten können sich heute aus 94 verschiedenen Weltraumgerichten (74 Speisen und 20 Getränken) ein Menü zusammenstellen. Momentan dominieren Menüs aus Amerika, Russland und Japan den Speiseplan der Astronauten. Um die Ernährung der Astronauten im All bei Weltraummissionen vielseitiger und abwechslungsreicher zu gestalten, ist die europäische Weltraumbehörde (ESA) immer wieder auf der Suche nach alternativer Weltraumkost. Für die Entwicklung von ESA-Mahlzeiten ist entscheidend, dass alle Astronauten dieselbe Nahrung erhalten. Das bedeutet, dass bei der Entwicklung neuer Menüs auf kulturelle Unterschiede Rücksicht genommen und den Bedürfnissen und Geschmacksvorlieben ganz unterschiedlicher Menschen Rechnung getragen werden muss.

ESA und NASA verfügen über eine so genannte „Preference-Liste“ für Space Food. Die Astronauten spielen dabei eine wichtige Rolle, da sie bei Testessen („Panel-Tastings“) per Fragebogen ankreuzen können, welche Nahrung sie bei All-Missionen mitnehmen wollen. Die NASA entscheidet dann in letzter Instanz, welche Nahrungsmittel auf die „Preference-Liste“ kommen und auf eine Raumfahrtmission geschickt werden.  

Entstehungsgeschichte des Projekts Space Food

Heiner Finkbeiner: Im Zuge dieser Neuausrichtung in Sachen Space Food hat sich die ESA im Sommer 2007 an die Traube Tonbach gewandt. Die Aufgabenstellung: Bodenständige, rustikale und schmackhafte Astronautennahrung höchster Qualität zu entwickeln. Als Botschafter qualitativ hochwertiger Küche hat sich Heiner Finkbeiner dieses wissenschaftlichen Projekts gern angenommen Die Entwicklung der für die Astronauten bestimmten Gerichte erfolgte unter kulinarischer Leitung von Harald Wohlfahrt. In enger Zusammenarbeit und Abstimmung mit der ESA entwickelte der Chefkoch der Traube ein Menü, das bezüglich Verpackung, Transportfähigkeit, Haltbarkeit und natürlich auch Geschmack allen Ansprüchen gerecht wird. Harald Wohlfahrt entschied sich bei der Entwicklung des Menüs bewusst gegen gefriergetrocknetes Food. Das Ergebnis: Ein 3-Gänge-Menü aus regionalen Spezialitäten, das an Bord der ISS nicht nur für kulinarische Abwechslung sorgen, sondern auch den interkulturellen Dialog und die Teambildung der Astronauten fördern soll.   

Starke Partner: Um das Forschungsprojekt Space Food zu realisieren und die strengen Richtlinien der ESA/NASA meistern zu können, holte sich die Traube Tonbach starke Partner ins Boot. Auf der Suche nach der optimalen Verpackung für die Getränke wurde man in Eppelheim bei Heidelberg fündig. Dort produziert die Firma INDAG seit mittlerweile mehr als 40 Jahren die Trinkbeutel für das weltbekannte Kindergetränk Capri-Sonne. In Detailarbeit konstruierten die Ingenieure von INDAG und Capri-Sonne einen Trinkbeutel mit 250 Milliliter Fassungsvermögen. In Zusammenarbeit mit der Firma ARBURG aus Loßburg wurde der Trinkbeutel mit einem speziellen Adapter versehen, so dass er im All problemlos genutzt werden kann.   

Start ins All: Das Space Food der Traube Tonbach hat die strengen Anforderungen der NASA/ESA mit Bravour erfüllt. Als Pilotprojekt nahm der belgische Astronaut Frank de Winne im vergangenen Jahr das Traube Tonbach Space Menü und die Trinkpacks mit auf die internationale Raumstation ISS.   

Die Zukunft des Projekts: Zusammen mit der ESA will die Traube Tonbach weiter daran arbeiten, die Ernährung der Astronauten im All besser und abwechslungsreicher zu gestalten. Hierfür hat Traube-Chef Heiner Finkbeiner ein Team von sechs europäischen Spitzenköchen gewinnen können. Ziel ist es, Nahrungsmittel auf höchstem Niveau zu entwickeln, die als Völker verbindende Maßnahme eingesetzt werden können. Damit stellen sich alle Partner in den Dienst der Wissenschaft.

Space-Food aus der Traube Tonbach: Pilotprojekt beendet: Belgischer ESA-Astronaut Frank De Winne genießt im Weltraum das Menü aus der Schwarzwaldküche von Harald Wohlfahrt Astronauten schweben jetzt auch kulinarisch in einer anderen Welt. Die europäischen Wissenschaftler der Weltraumstation ISS können das Feinschmecker-Menü aus dem Hotel Traube Tonbach im Schwarzwald genießen. Frank De Winne ließ sich in einem Pilotprojekt von Mai bis Dezember vergangenen Jahres auf seiner All-Mission mit dem von Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt kreierten regionalen Drei-Gänge-Menü verköstigen – statt Gefriergetrocknetem, Energiewürfeln oder Space-Food aus der Tube verwöhnte das Fünf-SterneSuperior-Hotel aus Baiersbronn-Tonbach den belgischen Raumstation-Kommandanten mit Kartoffelsüppchen mit Majoran, Kalbsbäckchen mit Gemüse in Balsamicoessigsauce sowie Zwetschgenkompott in Sternanis-Gewürzsud.

Dass die seit Jahrzehnten zu den besten Gourmetrestaurants Europas zählende Küchen-Crew der Traube Tonbach den Astronauten fernab der Erde solche Köstlichkeiten servieren kann, ist einem zufälligen Kontakt zwischen dem deutschen Astronauten Professor Dr. Ernst Messerschmidt und Heiner Finkbeiner, dem Patron des Spitzenhotels, im Mai 2007 zu verdanken. Daraus ergaben sich Gespräche mit der europäischen Weltraumbehörde (ESA) über die Verpflegung im All mittels hochwertiger und schmackhafter Nahrung für die Astronauten. Auf Wunsch der ESA entwickelte die Traube Tonbach dann im Sommer 2007 ein regionales Menü mit Getränken für die Raumfahrer, die zuvor auf ihren Missionen überwiegend amerikanische und russische Nahrung zu sich genommen hatten.

Unter kulinarischer Leitung von Harald Wohlfahrt und in enger Kooperation mit der ESA wurde ein Menü komponiert, das in Verpackung, Haltbarkeit und Transportfähigkeit sowie bei Zusammensetzung, Verzehr und Geschmack den erschwerten Bedingungen im All, den strengen Vorgaben der ESA und NASA sowie den hohen Ansprüchen guter Küche gerecht wird.

Bei ihrem Space Food-Projekt hat die Traube Tonbach alle notwendigen Schritte der Herstellung von „alltauglicher“ Nahrung zur Produktionsreife entwickelt: Von der Ausarbeitung der Rezepturen, die allen Anforderungen an Inhalt und Nährwerte entsprechen, der Analyse der Kalorien, den mikrobiologischen Analysen und die produktspezifische Entwicklung der Autoklavierung zur Haltbarmachung ohne Konservierungsstoffe bis hin zu Behältnissen und Labels. Das Menü sollte nicht nur für kulinarische Abwechslung sorgen, sondern auch den interkulturellen Dialog und die Teambildung der Astronauten an Bord fördern.

Um das Forschungsprojekt Space Food zu realisieren und die strengen Richtlinien der Weltraumbehörden zu erfüllen, holte sich die Traube Tonbach starke und fachlich renommierte Partner ins Boot. Nachdem das Schwarzwälder Spitzenhotel für einen Event zur Luft- und Raumfahrttechnikmesse in Paris auf dem Eiffelturm einen „Spacecocktail“ kreierte und dieser aus Sicherheitsgründen nicht in Gläsern, sondern in einem Standbodenbeutel serviert wurde, lag die Partnerschaft mit der Firma INDAG in

Heidelberg/Eppelheim auch für die Astronauten-Nahrung nahe.

Die Ingenieure von INDAG entwickelten ihren vom Erfrischungsgetränk Capri-Sonne weltbekannten Trinkpack weiter. Sie vergrößerten den Beutel von 200 auf 250 Milliliter Fassungsvermögen und versahen ihn mit einem von der Firma ARBURG in Loßburg entwickelten Anschlussadapter. So können die Astronauten jetzt zwei Instant-Eistees in den Geschmacksrichtungen Orange und Lemon an Bord konsumieren.

Ein erster Schritt ist also getan und die Entwicklung schreitet weiter fort. Die Traube Tonbach hat fünf weitere europäische Köche für das Projekt gewinnen können, und zwar den Elsässer Marc Haeberlin von der „L’Auberge de l’Ill“ in Illhaeusern, Nadia und Antonio Santini vom Restaurant „Dal Pescatore“ in Canneto (Italien), Lionel Rigolet und Pierre Wynants vom Restaurant „Comme chez soi“ in Brüssel (Belgien), Philippe Rochat vom „Restaurant de l’hôtel de ville“ in Crissier (Schweiz) und Santi Santamaria vom „Can Fabes“ in Sant Celoni/Barcelona (Spanien). Für die kommenden Weltraum-Missionen wird das Sextett der europäischen Spitzenköche ein europäisches Space Food-Menü entwickeln.

 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Oliver Nord.  

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