Düsseldorf

Impfstoffe gegen das Chikungunya-Virus in Sicht

Das Chikungunya-Virus hat sich in den letzten Jahren bis nach Europa ausgebreitet, und es könnte infolge der Globalisierung und des Klimawandels auch Deutschland erreichen. Antivirale Medikamente gibt es nicht, doch zwei Impfstoffe haben in Studien eine hohe Schutzwirkung erzielt. Auf der Pressekonferenz des CRM Forums Reisen und Gesundheit am 8. März stellt ein Experte die Virus-Erkrankung und die möglichen Schutzmaßnahmen vor.

Weltweite Verbreitung des Virus

Das Chikungunya-Virus wurde 1953 in Tansania entdeckt, ist aber vermutlich weitaus älter. „Infektionen waren lange Zeit auf abgelegene Regionen in Afrika beschränkt, die selten von Touristen besucht werden“, berichtet Professor Dr. med. Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, der das Thema auf der CRM-Pressekonferenz vertritt. Dort kommt es immer wieder zu Ausbrüchen, wenn infizierte Gelbfiebermücken das Virus beim Stich auf Menschen übertragen. Seit einiger Zeit tritt die Erkrankung auch vermehrt in Städten auf. Das Virus kann dort auch von der Asiatischen Tigermücke übertragen werden. „Bestimmte Mutationen des Virus begünstigen die Ausbreitung, weil es die Vermehrung in der Stechmücke erleichtert“, sagt der Experte. „Die Infektionsketten können auch ohne tierische Amplifikationswirte , also nur durch Menschen und Stechmücken, aufrechterhalten werden.“

Durch den urbanen Zyklus hat sich das Chikungunya-Virus stark ausgebreitet. Weltweit sind laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seit 2005 über 2 Millionen Erkrankungen gemeldet worden. Chikungunya ist mittlerweile in über 110 Ländern in Asien, Afrika, Europa und Amerika aufgetreten.

Chikungunya in der Reisemedizin und in Deutschland

Die Ausbreitung im städtischen Umfeld macht Chikungunya auch zu einem wichtigen Thema für die Reisemedizin. Die Zahl der Menschen, die im Urlaub erkranken, ist in den letzten Jahren gering gewesen. Im Jahr vor der Pandemie (2019) wurden in Deutschland 88 Fälle bekannt. Mit der zunehmenden Ausbreitung des Virus könnten die Zahlen in Zukunft wieder ansteigen. Auch Ausbrüche in Deutschland sind möglich. „Die Asiatische Tigermücke hat infolge des Klimawandels und der Globalisierung Deutschland erreicht. Vor allem in Süddeutschland wird sie regelmäßig nachgewiesen“, sagt Schmidt-Chanasit. Die Stechmücken könnten die Viren von einem Reiseheimkehrer auf andere Menschen übertragen. „Solche autochthonen Ausbrüche hat es in Italien in den Jahren 2007 und 2017 gegeben“, berichtet der Experte. „Damals sind Hunderte von Menschen an Chikungunya erkrankt.“

Infektionen mit dem Chikungunya-Virus führen fast immer zu Fieber und starken Gelenk- und Muskelschmerzen. Andere Symptome können Kopfschmerzen, Übelkeit, Fatigue und ein Hautausschlag sein. Todesfälle sind zwar selten. „Bei 5 bis 10 Prozent der Chikungunya-Patienten können die Gelenkbeschwerden jedoch über Monate und Jahre anhalten“, warnt Schmidt-Chanasit.

Aktueller Stand der Impfstoffentwicklung

Antivirale Medikamente gegen das Chikungunya-Virus gibt es derzeit nicht. Zwei Impfstoffe stehen jedoch vor der Zulassung in Europa: Die Vakzine VLA1553 des französischen Herstellers Valneva besteht aus abgeschwächten aber noch vermehrungsfähigen Chikungunya-Viren, das durch die Entfernung von Aminosäuren in einem Nicht-Strukturprotein keine Chikungunya-Erkrankung mehr im Menschen hervorrufen kann. In der Zulassungs-Studie konnten bei 98,9 Prozent der Probanden nach einem Monat schützende Antikörper nachgewiesen werden. Nach sechs Monaten war das bei 96,3 Prozent der Probanden noch der Fall. Auch Senioren wurden geschützt. VLA1553 wurde deshalb im November 2023 in den USA als IXCHIQ zugelassen. „VLA1553 könnte zu einem wichtigen Baustein in der Chikungunya-Prävention werden“, so die Einschätzung von Schmidt-Chanasit. Die dänische Firma Bavarian Nordic hat hingegen einen Totimpfstoff entwickelt. In der Zulassungsstudie hat dieser Impfstoff bei 97,8 Prozent der Probanden eine schützende Antikörper-Antwort hervorgerufen. Nach sechs Monaten waren sie noch bei 85,5 Prozent der Probanden nachweisbar. Schmidt-Chanasit stuft auch diesen Impfstoff als hoch wirksam ein. Beide Impfstoffe werden in den Armmuskel injiziert. Die Verträglichkeit ist laut des Experten gut.

CRM Centrum für Reisemedizin GmbH, Burgunderstr. 31, D-40549 Düsseldorf. www.crm.de - www.thieme.de

Ein Beitrag von Stephanie Priester und Heinke Schöffmann

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