Kaunas

Kaunas Europas Kulturhauptstadt präsentiert modernistische Architektur aus der Zeit zwischen den Weltkriegen

Für dieses Jahr hat die Europäische Union Luxemburgs Esch-sur Alzetten, Serbiens Novi Sad und Litauens Kaunas zu Kulturhauptstädten gewählt. Das Ziel dieser jährlichen Projekte ist es, Wechselwirkungen und Austausch mit den Einwohnern zu stärken, kulturelle Vielfalt und  Wohlstand zu fördern und gleichzeitig die jeweiligen Städte zu modernisieren.
Als Initiatoren der europäischen Kulturhauptstadtprojekte gelten Griechenlands frühere Kulturministerin Melina Mercouri, die auch als Schauspielerin und Sängerin bekannt ist, und Frankreichs damaliger Kulturminister Jack Lang. Als erste Kulturhauptstadt wurde 1985 Griechenlands Hauptstadt Athen geehrt.

Kulturhauptstadt Kaunas

Kulturhauptstadt Kaunas
Das heute ca. 300.000 Einwohner zählende Kaunas hat eine wechselvolle und auch tragische Vergangenheit. Russland griff im Jahr 1665 zum Beispiel mehrmals Kaunas an. Schwedens Kriegstruppen besetzten die Stadt 1701. Die Eröffnung der Eisenbahnstrecke von Russland nach Deutschland im Jahre 1862, die über Kaunas führte, wurde als positive Entwicklung und bessere Anbindung nach Europa angesehen.
Noch vor dem Zweiten Weltkrieg waren fast 30 Prozent der Einwohner Kaunas Juden. Während der Besetzung durch Nazi-Deutschland wurden nahezu alle von ihnen ermordet. An dieser Vernichtung der jüdischen Bevölkerung beteiligten sich auch Litauer, nicht nur als Helfer, sondern als aktive Täter.
In der Zeit der sowjetischen Okkupation wurde die Meinungsfreiheit und die eigenständige kulturelle Entwicklung der Litauer brutal unterdrückt. Tausende Einwohner wurden nach Sibirien vertrieben. Gleichzeitig kam die zwischen den Weltkriegen begonnene, vielversprechende Entwicklung moderner Architektur in Kaunas zum Erliegen.

Durch den Anschluss der Hauptstadt Vilnius im Jahr 1919 an Polen wurde Kaunas die neue Hauptstadt Litauens. Zwischen 1919 und 1940 folgte eine rege Bauzeit in Kaunas. Das multikulturelle Kaunas benötigte Wohnungsbauten, eine neue Infrastruktur, Regierungsgebäude, Universitäten, Museen und Industrieanlagen. In der Phase des Baubooms entstanden über 10.000 Gebäude in der Stadt.

Bei den von 1919 bis 1940 in Kaunas gebauten modernistischen Gebäuden kann man nicht nur einen oder den gleichen Stil feststellen, sondern es gibt Einflüsse von verschiedenen Richtungen. In der Stadt geschaffene Architektur unterlag Einflüssen von unterschiedlichen modernen internationalen Stilrichtungen. In vielen Inneneinrichtungen der modernistischen Gebäude lassen sich jedoch auch nationale, folkloristische Dekorationen entdecken.

Etwa 15 Minuten zu Fuß vom Hauptbahnhof Kaunas entfernt liegt die berühmteste Straße der Stadt Laisvés aléja (Freiheitsboulevard), die im Laufe der Geschichte fünf verschiedene Namen hatte, unter anderem Stalin-Prospekt. Am Freiheitsboulevard und seinen Nebenstraßen kann man zahlreiche modernistische Gebäude finden. 

Kulturhauptstadt Kaunas

Kulturhauptstadt Kaunas

Ebenfalls am Freiheitsboulevard liegt das vom Architekten Feliksasn Vizbaras entworfene und 1932 fertiggestellte ehemalige Postgebäude, das als Zentrum des gesamten Kulturhauptstadtprojekts fungiert. Das fünfgeschossige Gebäude hat eine Granitfassade mit gerundeten Ecken und einer elektrischen Uhr. Das Gebäude hat geräumige und helle Räume; es verfügt über einen Aufzug. Im Inneren hat man als Dekoration volkstümliche litauische Motive verwendet.

Auf dem Freiheitsboulevard gibt es zahlreiche andere modernistische Gebäude. Das von den Architekten Arnas Funkas, Adolfas Lukosaitis und Bronius Elsbergas entworfene und im Jahr 1940 fertiggestellte heutige Stadthaus, das ursprünglich als Zentralbank des Landes errichtet wurde, hat zur Straßenseite eine klare und rationale Fassadenstruktur.

Nach einem kurzen Spaziergang vom Friedensboulevard ist das von Vladimiras Dubeneckis entworfene von Art déco und Funktionalismus beeinflusste helle Gebäude zu erreichen, das zwei wichtige Museen für Litauen beherbergt: das Vytautas-Kriegsmuseum und die Cuirlionis-Kunstgalerie. Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine haben die Sammlungen des Kriegsmuseums und die Kriegsgeschichte des Landes selber verstärkt das Interesse der Litauer geweckt.

Kulturhauptstadt Kaunas

Kulturhauptstadt Kaunas


Das wichtigste architektonische Wahrzeichen der Stadt Kaunas ist die vom Architekten Karolis Reisonas geplante und aus Stahlbeton gebaute katholische Christi-Auferstehungskirche, die in der Nähe der Innenstadt auf einem Hügel liegt. Die Kirche weist Einflüsse von Art déco und Funktionalismus auf. Sie hat zwei Türme, von denen einer 70 Meter hoch ist. Zwischen den zwei Türmen befindet sich eine Aussichtsterrasse, von der man eine beeindruckende Aussicht über die Stadt hat.

Die modernistischen Gebäude aus der Zeit zwischen den Weltkriegen kann man auch nach Ablauf des Kulturhauptstadtjahrs besichtigen bzw. besuchen. Es wird angestrebt,  dass die UNESCO die modernistische Architektur von Kaunas auf die Weltkulturerbeliste setzt: Dafür hat Kaunas ausgezeichnete Voraussetzungen. 

Ein Beitrag für ReiseTravel mit Fotos von Markku Rainer Peltonen

Markku Rainer Peltonen    Unser Autor stammt aus Finnland. Er studierte in Berlin: Dipl.-Ing. (Architektur), TU Berlin; M.A. (Altamerikanistik), FU Berlin. Er arbeitet als freier Journalist und Fotojournalist.

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