Rathenow

Bundesgartenschau erstmals in zwei Bundesländern und eigenem Pfarrer

Von Dom zu Dom mit Pfarrer Thomas Zastrow: Die Bundesgartenschau (BUGA) wird von Mitte April bis Mitte Oktober 2015 stattfinden. Ein absolutes Novum: Sie erstreckt sich über 5 Orte in der Havelregion, in zwei Bundesländern. Die Orte Brandenburg an der Havel, Premnitz, Rathenow sowie Stölln und Havelberg liegt in Sachsen Anhalt. In den 5 Orten werden sich zur BUGA 8 Parks und zwei Hallenscheunen befinden. Insgesamt hat das BUGA Gelände eine Gesamtfläche von fast 55 ha, wobei Rathenow mit seinem Optik und Weinpark mit 27,4 ha den größten Anteil einnimmt. Es folgt Brandenburg an der Havel mit 18 ha, zu dieser Ausstellungsfläche zählen Marienberg, Packhof, Johanniskirche und Umfeld; danach folgt Premnitz mit einer Fläche von 3,6 ha. Hierzu gehören der Grünzug und die Uferpromenade; Stölln und sein Fliegerpark weisen eine Größe von 3,4 ha auf und zum 2,3 ha großen BUGA Gelände in Havelberg zählen Dombezirk sowie die Stadtkirche.

Buga Pfarrer Thomas Zastrow

Buga Pfarrer Manfred Zastrow Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz stellte Medienvertretern das Konzept „Kirche und BUGA 2015“ vor Ort in der Havelregion vor. Ein eigens ernannter Geistlicher betreut in der BUGA Zeit die Gäste aus aller Welt seelsorgerisch. Der BUGA Pfarrer stammt aus Rathenow und es ist Thomas Zastrow, der während der gesamten BUGA von seinem Dienst in einer Rathenower Gemeinde freigestellt ist und sich somit voll und ganz als Pfarrer der BUGA widmen kann. In den 5 BUGA Orten gibt es 85 Kirchen. Diese sollen während der BUGA sich den internationalen Gästen darstellen. Daher tragen Mitarbeiter, freiwillige Kirchenhelfer und Mitglieder von Fördervereinen dafür Sorge, dass man die Gotteshäuser betreten kann. Sollte ein Gebäude tagsüber einmal verschlossen sein, ist dem Aushang zu entnehmen, wen man anrufen kann oder an welcher Türe, nur wenige Meter von der Kirche entfernt, man klopfen kann, und schon öffnet sich in minutenschnelle die Pforte der Kirche. Zahlreiche Mitstreiter von Fördervereinen zur Aufrechterhaltung ihrer Kirche im Dorf sind aktiv dabei, obgleich sie selber keiner Religion angehören. Es steht im Vordergrund, im wahrsten Sinne des Wortes „die Kirche im Dorf zu lassen“, um sie vor dem Verfall zu schützen.

Heilgard Asmus, Generalsuperintendentin für den Sprengel Potsdam, teilte mit, dass in manchen „Fördervereinen die Mehrzahl der Mitglieder weder der Evangelischen Kirche noch einer anderen angehören. Man hat aber, gerade in Dörfern und kleinen Ortschaften, erkannt, die Kirche als Gebäude vermittelt ein Stück Heimat und Tradition“.

Daher sind die Verantwortlichen auch gerne bereit, das Gebäude Kirche zeitweise städtischen Musikvereinen zur Probe und für Aufführungszwecke zur Verfügung zu stellen, ebenso sind Lesungen von Autoren oder Lichtbilderbildervorträge über eine Weltreise, beispielsweise, gern gesehene Aktivitäten im Gebäude Kirche. Eine der zahlreichen Kirchen befindet sich in Plaue/Havel. Im Jahre 2016 kann diese ihren 800. Geburtstag feiern. Der Backsteinbau ist ein für die Mark typisches Gebäude, dass einen separaten Glockenturm aufweist. Dieser Turm stammt aus dem Jahre 1844, ein Vorgängerturm fiel einem Brand zum Opfer, ein weiterer Vorgänger ist abgerissen worden. Die Glocken waren im 1. Weltkrieg so kriegswichtig, dass sie eingeschmolzen wurden und als Kanonen ein neues Leben, das aber für Tod sorgen sollte, entdeckten. 1922 war die Zeit des „Glockenturms ohne Glocken“ dann endlich vorbei. Diese 1922 angefertigten und in den Turm befestigten Glocken leisten noch heute treue Dienste. 1976 erhielt der Glockenturm ein neues Kupferdach und 1995 wieder die einst vom Sturm zerstörte Wetterfahne. Diese Kirche ist eng mit der Historie der benachbarten Schlossherren verbunden, so befinden sich am Nordeingang der Kirche Grabplatten der Schlossherren und im Inneren des Gotteshauses sieht man ein Denkmal von Friedrich Wilhelm Hans Graf von Königsmark. Die Orgel in dieser Kirche verdankt die Gemeinde keinem Geringerem als Napoleon! Die von dem Orgelbaumeister Wilhelm Grüneberg erschaffene Orgel war für die St. Johanniskirche in Brandenburg vorgesehen. Dort stand sie auch von 1793 bis 1814. Da Soldaten unter dem Kommando von Napoleon aber St. Johannis als Magazin nutzten, lagerte man die Orgel nach Plaue aus. Das „Auslagern“ dauert bis heute an, worüber sich die Bewohner und der „Unabhängige Bürgerverein Plaue e.V.“ sehr freuen. Im Jahre 2002 restaurierten Fachleute die Orgel, die auf zwei Manualen mit 19 Registern gespielt wird. www.plaue-havel.de

Rathenow ist eine Gemeinde an der Havelniederung, dieses Gebiet gilt als Rückzugsgebiet für seltene Tiere und Pflanzenarten, deren Lebensräume vom Aussterben bedroht sind. Hier kam 1776 der Pfarrer und Forscher Heinrich August Duncker zur Welt, hier verstarb er auch 1843. Direkt neben der Kirche St. Marien Andreas steht das Haus, in dem er 1801 die optische Industrie in dieser Gegend ins Leben rief. Mit einer Vielschleifmaschine, die er entwickelt hatte, konnte der Pfarrer zahlreiche Brillengläser schnell, gemeinsam sowie kostengünstig schleifen. Auch hier spielt Napoleon eine große Rolle. Durch den Krieg waren zahlreiche Kinder zu Voll oder Halbwaisen geworden, der Rathenower Duncker nahm sich ihrer an und versorgte sie in einem von ihm gegründeten und geleiteten Heim. Die Kirche ist wenige Tage vor Ende des Zweiten Weltkrieges zerstört worden, bis heute ist unklar, ob Wehrmachtsangehörige das Gebäude in Schutt und Asche gelegt hatten oder die Rote Armee, die nur wenige Meter entfernt auf die Stadt angerückt war. Die Nazis hatten in ihrem Wahn Rathenow zum Bollwerk und zur Festung gegen den Bolschewismus erhoben. Es war genau am 28. April 1945, als fast 80 Prozent des Gebäudes durch Sprengungen und Feuer verschwanden. Ein ganz junger Kriegsteilnehmer in Rathenow sollte später weltberühmt werden, als Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, es war Hans-Dietrich Genscher.

Rathenow Buga 2015

Wer nun sich stärken möchte, kann das im Hotelrestaurant „Zum Alten Hafen“ tun, einem erlesenen gastronomischen Betrieb mit Festsaal und Weinlounge. Die dort tätigen Damen Britta, Petra und Maria überzeugten uns sowohl von der Küche des Hauses als auch von den Getränken. www.zum-alten-hafen.de

In Ferchesar wird 1735 die Dorfkirche zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Der Fachwerkturm wurde aus dem Jahre 1838 wurde 1906 durch einen eindrucksvollen quadratischen Turm ersetzt. Die Kirche ist aus roten Ziegeln erbaut worden, die Ziegelei aus dem Umland hat auch die Stadtväter Berlins einst mit diesen Ziegeln beliefert, damit errichteten die Berliner das Rote Rathaus. In Ferchesar gibt es eine ganz besondere Kostbarkeit zu bewundern: Es ist eine Wand rechts vom Altar, wo sich der Schnitzaltar aus dem 15. Jahrhundert befindet. Der „Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche in Ferchesar e.V.“ hat es sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten Jahren den alten Glanz der Kirche wieder erstrahlen zu lassen.

Rathenow Buga 2015Das hat sich auch der „Förderverein Wallfahrtskirche zu Buckow e. V.“ für das Gotteshaus im märkischen Buckow vorgenommen. Bereits 1161 wurde Buckow dem Brandenburger Domstift überschrieben und der Urheber des Vertrages war der Magdeburger Erzbischof. Ein Pilgerrundweg führt über die Insel und die Trappenstation in der Vogelschutzwarte, dies kann man als ergänzende Attraktion bei seinem Kirchenbesuch in Buckow mit einplanen. Der Rundweg nimmt ca. 1 Stunde in Anspruch. www.wallfahrtskirche-buckow.de Liane Zemlin vermietet Ferienhäuser, Ferienwohnungen und Fahhräder. www.l-zemlin.de

Der Dom zu Brandenburg an der Havel kann im BUGA Jahr 2015 seinen 850. Geburtstag der Grundsteinlegung feiern. Der bekannte Baumeister Karl Friedrich Schinkel hat 1833 an diesem Dom Sanierungsmaßnahmen durchgeführt. Sogar die Preußenkönige griffen dabei persönlich ein. Der Kronprinz gestaltete damals den Innenraum, 1848 verlegte der König die Preußische Nationalversammlung in den Dom zu Brandenburg. www.dom-brandenburg.de

Rathenow Buga 2015In Brandenburg empfiehlt es sich, bei Stärkungen auf die Dienste von Cynthia, Jastin und ihren Kollegen zurückzugreifen. Im „Domkonvikt“ und „Domcafé“ warten erlesene Köstlichkeiten auf den Gast – Köstlichkeiten aus der Region, die frisch zubereitet werden, dazu zählen u. a. die Brandenburger Kartoffelsuppe. Inhaber ist die Familie Waese, die auch für einen sehr guten Cateringservice bekannt ist. www.domkonvikt.de

ReiseTravel Fact: Die BUGA 2015 verspricht sehr spannend zu werden, 2 Bundesländer, 5 Orte und 85 Kirchen bieten Kultur, Historie und Natur in einem.

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Volker-T. Neef.  

Volker T. NeefUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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