Bruno S. Frey

Kultureller Übertourismus ist das neue Schlagwort für von Touristen extrem stark frequentierte und damit überfüllte historische Sehenswürdigkeiten, Museen und Städte

Ein Kulturtourismus also, der negative Auswirkungen sowohl für die kulturellen Orte als auch für die dort lebenden Menschen zeitigt. In Reaktion darauf wird vermehrt protestiert und Kulturträger und Bürgermeister ergreifen zunehmend Maßnahmen, um den Touristenstrom zu begrenzen. Ist dies das Ende einer „Kultur für alle?“

Venedig ist ueberall von Bruno S. Frey Springer Verlag GmbH by ReiseTravel.eu

Venedig ist überall: Übertourismus betrifft auch kleinere Orte. So drängen sich an manchen Tagen mehr als 10.000 Touristen in das nur 750 Einwohner zählende Städtchen Hallstatt in Österreich. Selbst in einer Großstadt wie Rom verändert der Übertourismus das Geschehen merklich. So bildet sich vor den vatikanischen Museen eine oft kilometerlange Warteschlange. Die meisten der bis zu 30.000 Besucher wollen die Cappella Sixtina mit den Fresken von Michelangelo sehen. Entsprechend wird man buchstäblich dorthin gezwängt. Es besteht nicht einmal die Möglichkeit, die wundervollen Gemälde von Raffael in den vier „Stanzen“ des Vatikanischen Palastes zu betrachten. Vielmehr wird man mit dem riesigen Menschenstrom in Richtung der Sixtina geschoben. Einmal dort, wird man vom Aufsichtspersonal gedrängt, möglichst rasch wieder hinauszugehen. Selbst vor dem Petersdom steht in der prallen Sonne eine lange Warteschlange. Es überrascht dabei, dass auch viele Priester und Ordensleute in der Hitze anstehen müssen, obwohl sie ein Teil der katholischen Kirche sind. Dies ist ein Kulturtourismus also, der negative Auswirkungen sowohl für die kulturellen Orte als auch für die dort lebenden Menschen zeitigt.

Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Bruno S. Frey lehrt am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität in Zürich.

ReiseTravel Fact: Vom Übertourismus zum Neuen Original. Gemäß der World Tourist Organization der Vereinten Nationen gab es im Jahr 1950 25 Millionen internationale Touristen. Diese Zahl ist im Jahre 2018 auf 1,4 Milliarden gestiegen, also auf nicht weniger als das 56-Fache. Es besteht weitgehende Einigkeit, dass der internationale Massentourismus in den kommenden Jahrzehnten weiter zunehmen wird. In diesem Buch schlägt Bruno S. Frey - renommierter und viel zitierter Kulturökonom - im Gegenteil eine Erweiterung des Angebotes als „Neue Originale" vor: Die wichtigsten Monumente werden an einem geografisch geeigneten Ort identisch kopiert. Ergänzend werden den Besuchern mithilfe digitaler Informationstechnologien (Augmented und Virtual Reality inklusive Hologramme) Geschichte und Kultur der Orte nahe gebracht. Angrenzende Hotels, Restaurants und Läden bieten die notwendige begleitende Infrastruktur. Auf diese Weise kann der Touristenstrom zwischen den ursprünglichen und den „Neuen Originalen“ verteilt werden. Diese Idee wird mit seinen organisatorischen und ökonomischen Herausforderungen skizziert und von bestehenden Disneyland-Konzepten abgegrenzt. Gerade für Familien mit Kindern oder allgemein kulturell interessierte Personen - also für die größte Zahl der Besucher - können diese „Neuen Originale“ sehr attraktiv sein, meint ReiseTravel.eu zum Problem, und wünscht: Gute Reise!  

Venedig ist überall von Bruno S. Frey Springer Verlag GmbH. Kartoniert. Broschiert, Book. Sprache Deutsch. ISBN-13 9783658302788. www.springer.com - www.springernature.com

Das Buch kostet im Buchhandel 19,99 Euro.

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