Scheveningen

Museum in den Dünen

Beelden aan Zee: Wer vom Strand in Scheveningen kommt und das Skulpturenmuseum „Beelden aan Zee“ besuchen möchte, der muss ein wenig suchen. Zuerst blickt man nur auf Seegras in den Dünen, durch das der Wind weht. Wie zufällig oder auch wie vergessen, liegt mitten im Gras und Seesand eine riesige Gesichtsmaske von Igor Mitoraj. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man dann das Museum, das in die Dünen eingebaut ist. Es ist das Einzige in Holland, das sich ausschließlich auf Skulpturen onzentriert.

Beelden aan Zee

Nicht nur durch seine ausgefallene Lage, sondern durch die Ausstellungen mit internationalen Bildhauern hat sich das Museum einen Namen gemacht. Die Architektur mit ihren klaren Linien lenkt nicht von den Skulpturen ab. Perfekt ist, das Tageslicht durch die verglasten Dacheinschnitte in die Ausstellungsräume dringt und die Skulpturen ausleuchtet. Und das Beste ist, man hört nichts vom Strandgetümmel und den vielen Cafés und Restaurants an der Strandpromenade. Es herrscht eine geradezu klösterliche Stille und man kann sich ganz auf die Kunst konzentrieren.

Die Idee zu diesem ganz besonderen Museum hatten Lida und Theo Scholten. Ein Geschäftsmann, der sich im Laufe seines Lebens immer mehr auf die Kunst konzentriert hat. Das Ehepaar sammelte mehr als 40 Jahr Kunst und fand kaum noch Platz für Neuerwerbungen in Haus und Garten. Da ihre Sammelleidenschaft nach wie vor ungebrochen war, lag es nahe ein Museum zu bauen, um die gesammelten Werke unterzubringen. Im dafür geplanten Ort Bilthoven scheiterte das Vorhaben an den Schwierigkeiten mit den Behörden. Daraufhin besuchten sie in Amerika ein Museum, das von Interessierten ehrenamtlichen geführt wurde, und waren von dieser ganz Idee begeistert.

Eines Tages hatte das Ehepaar Besuch eines Künstlers in ihrer Wohnung in Scheveningen. „Baut doch ein Museum in den Dünen“, schlug der Besucher vor. Für den Entwurf wurde der holländische Architekt Wim G. Quist, der bereits bei Arbeiten am Rijksmuseum in Amsterdam und am Kröller-Müller-Museum beteiligt war, ausgewählt. Er schaffte es auch die Auflage der Stadt, dass das Museum nicht in den Dünen sichtbar sein darf, zu erfüllen. Aus diesem Grund hat er es vollständig unterirdisch geplant, und zwar in die Dünen und genau unter dem „Pavillon der Wied“, den König Wilhelm I. für seine Frau hat bauen lassen.

1994 war es dann soweit, das Museum wurde festlich von Königin Beatrix eröffnet. Ausgestellt werden moderne und zeitgenössische Werke von internationalen und niederländischen Bildhauern. Es ist auffallend, dass häufig deutsche Bildhauer ausgestellt werden. Denn auf dem Weg in ihr Ferienhaus in Italien besuchte das Ehepaar immer viele Künstler. Trotz Ihres hohen Alters hilft Lida Scholten heute noch jeden Dienstag bei der Arbeit im Museum. Sie kommt zu fast allen Vernissagen und ist selbstverständlich auch Ehrengast bei den Vorstandsversammlungen. Theo, ihr Mann, ist 2005 leider verstorben. Das Museum wird heute von Jan Teeuwisse geleitet, der unter anderem auch Professor für Kunst an der Universität in Leiden ist.

Das Museum bekommt regelmäßig Auszeichnungen für sein abwechslungsreiches Ausstellungskonzept, aber auch für die gut informierten und freundlichen Angestellten, die alle ehrenamtlich arbeiten. Die Bank Giro Loterij hat für das Museum Geld zum Kauf von Skulpturen bereitgestellt. Zusätzlich hat die Bank Geld gespendet um von großen Skulpturen, die bereits öffentlich zu sehen sind, Abdrücke kleiner Gipsentwürfe erstellen zu lassen. Diese „Gipsothek“ ist vor allem für Kunststudierende und Bildhauer sehr hilfreich.

Ab 8. Juni 2012 gibt es eine besondere Ausstellung mit dem Thema „The Rainbow Nation“ im Beelden aan Zee Museum. Ein Teil dieser Ausstellung ist in Den Haag im Freien auf „De Lange Voorhout“ zu sehen. Gezeigt werden mehr als 50 Skulpturen von bekannten Künstlern aus Südafrika. Die Ausstellung umfasst die dunklen Seiten der Apartheid bis zur Freiheit und der ersten Wahl im Jahre 1994, bei der Nelson Mandela zum Präsidenten gewählt wurde. Die figurativen und abstrakten Skulpturen reflektieren die politische und soziale Situation in Südafrika, die auch tief in der afrikanischen Kultur und Tradition verwurzelt ist. Eisen, Bronze, Holz, Papier, Zement und Kuhleder sowie gefundene Objekte sind die verwendeten Materialien.

Eine der ausstellenden Künstlerinnen ist Mary Sibande. Sie stellt Sophie, eine Hausangestellte dar, die aber die Form ihres eigenen Körpers hat. Sophie trägt eine blau-weiße Unform, die traditionelle Hausangestelltentracht, die ihre Mutter, Großmutter und Urgroßmutter getragen haben. Mary ist die Erste in ihrer Familie, die studierten konnte.

In Jackson Hlungwanis Holzskulpturen werden die Ahnenverehrung und der heutige christliche Glaube vereint. Er ist bekannt für seine Fischdarstellungen, die die Taufe symbolisieren. Fische zum Beispiel sind ein christliches Symbol, ein Nahrungsmittel, aber auch eine wichtige Einnahmequelle. Jackson Hlungwani wurde 1923 geboren und hat keine Schule besucht. Das Holzschnitzen lernte er von seinem Vater.

Für den, der mehr über eine Ausstellung wissen möchte, kann an einer Führung teilnehmen, die es auf Anfrage auch auf Deutsch gibt. Nach dem Museumsbesuch kann man in dem kleinen Café auf der Terrasse entspannen, entweder mit einem Snack oder einem Kaffee. Wer will, kann im Museum Geburtstag oder seine Hochzeit feiern. Oft lassen sich Brautpaare zwischen den Skulpturen fotografieren. Wer noch etwas zur Erinnerung mitnehmen möchte, der wird im kleinen Museumsshop bestimmt fündig. Aktuelle Kunstbücher und kleine stilvolle Geschenke werden angeboten.

Vor dem Museum am Strand gibt es noch eine weitere Attraktion. Dort stehen Märchenfiguren aus Bronze, die Tom Otterness, ein New Yorker Künstler, speziell für Kinder entworfen hat. Da liegt Gulliver mit seinen langen Beinen auf dem Boulevard. Ein kleines Königspaar, an seinen Kronen zu erkennen, steht andächtig vor dem fast vier Meter hohen Heringsesser. Und wie gesagt, es ist nicht mehr weit zum Strand für ein erfrischendes Bad in der Nordsee.

Beelden aan Zee, Harteveltstraat 1 / Boulevard, 2586 EL Den Haag/Scheveningen, Niederland, Tel.: 0031-70-3585857, info@beeldenaanzee.nl - www.beeldenaanzee.nl

Es gibt viele Hotels in allen Preisklassen in der Nähe des Museums, www.hotelspecials.nl 

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

Gabi Dräger
 

Unsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Hotels & Restaurants. Ihr Thema sind die Berge. Sie lebt und arbeitet in München.

 

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