Rostock

Lüneburg, Bad Segeberg, Malente, Rostock und Rügen: Diese Wohnmobiltour verbindet bekannte Drehorte, große Freilichtbühnen und beeindruckende Ostseelandschaften

Reise mit Wohnmobil: Unterwegs warten überraschende Stellplätze, nostalgische Erinnerungen und so mancher Geheimtipp.

Ein Halteverbotsschild am Rand der historischen Altstadt. Darunter ein weiteres Schild: „Filmarbeiten – Freitag 08.00 h - 16.00 h“. Wir befinden uns in der Stadt der ARD-Dauerschleife „Rote Rosen“.

Unser Wohnmobil haben wir rund 400 Meter entfernt auf dem offiziellen städtischen Stellplatz abgestellt. 18 Euro kostet die Nacht, Strom und Entsorgung inklusive. Leider befindet sich der Platz aktuell im Verschönerungs- und Ausbaumodus. Wir kommen erst am späten Nachmittag an und parken zwischen Baggern und Schotterhaufen. Heimelig ist das nicht. Schon die Anfahrt durch die Stadt unterstreicht den Bau- und Sanierungseifer in Lüneburg: Straßen gesperrt, das Navi muss immer wieder neu berechnen.

Bastian Semm und Alexander Klaws als Old Shatterhand und Winnetou bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg

Bad Segeberg

Der Sanierungswahn setzt sich auch in der Altstadt fort. Bauzäune und eingerüstete Häuser verhindern selbst auf dem berühmten Marktplatz schöne Fotos. Wir waren zuletzt im April 2019 in Lüneburg, als Jürgen Drews eine Gastrolle in der Soap hatte. Damals hatten wir das Privileg, gemeinsam mit dem Sänger die Studios in der Lilienthalstraße zu besuchen. Eine Studiotour kann übrigens für 15 Euro pro Person online gebucht werden. Wir besuchen das Bergström-Hotel und einige bekannte Schauplätze der Serie, trinken gegenüber dem Alten Kran am Stintmarkt ein Bier und lassen den Abend später gemütlich im Wohnmobil ausklingen.

Denn unser eigentliches Etappenziel ist Bad Segeberg. Wir wollen die Karl-May-Festspiele am Kalkberg besuchen. Für die rund 110 Kilometer über die Landstraße benötigen wir knapp eineinhalb Stunden. Der Stellplatz ist bereits belegt. Den Campingplatz suchen wir deshalb gar nicht erst auf. Während der Festspielzeit gibt es aber eine Alternative - und die kostet nicht einmal etwas. Allerdings bietet sie keinerlei Komfort. Es gibt weder Strom noch eine Entsorgungsmöglichkeit. Trotzdem eignet sich Parkplatz Nummer 4 hervorragend für eine Nacht. Bis zum Festspielgelände sind es rund 15 Minuten zu Fuß.

„Im Tal des Todes“ gibt es wilde Schießereien. Bastian Semm, der von 2013 bis 2017 bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen einen kompletten Zyklus lang die Titelrolle spielte, ist noch bis zum 6. September ein überzeugender Old Shatterhand. Sein Blutsbruder Winnetou ist kein Geringerer als Musicaldarsteller und Sänger Alexander Klaws, Sieger der ersten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“. Florian Fitz, ehemals bei den „Rosenheim Cops“, spielt den Schurken und Ex-„Comedian Harmonists“-Mitglied Heinrich Schafmeister ist die Idealbesetzung für den Karl-May'schen Humoristen im Ensemble. Kurzum: Ein Besuch lohnt sich.

Ein Blick auf die Landkarte zeigt: Malente ist gar nicht so weit entfernt. Gerade läuft die Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland ist wieder einmal vorzeitig ausgeschieden. Vielleicht lohnt sich deshalb ein Blick auf die legendäre Helden-Schmiede von 1974, als Beckenbauer & Co. auf Luxus und viele Annehmlichkeiten verzichteten und sich in der Sportschule im Niemandsland auf den WM-Titel vorbereiteten. Die Mannschaft hatte damals ein klares Ziel: Sie wollte Weltmeister werden - und sie hat es geschafft.

„Hotel Immenhof“ steht auf einem Schild, keinen Kilometer vor Malente. Immenhof - das war doch dieser Film über einen Ponyhof aus den 1950er Jahren, der bis heute regelmäßig im Fernsehen läuft und Schleswig-Holstein-Idylle verspricht. Ein sauberer Parkplatz, ein kurzer geschotterter Fußweg - und plötzlich steht man mitten in der Kulisse. Das Herrenhaus, das Tor, die Stallungen. Es fehlt eigentlich nur, dass Dick und Dalli um die Ecke geritten kommen. Und natürlich, dass Oma Jantzen die Mädels zum Abendessen ruft. Lang, lang ist's her. Die dreiteilige Filmreihe war das Sprungbrett für Heidi Brühl und ihre internationale Karriere.

Das Gut Immenhof. Hier wurden die berühmten Pony-Filme in den 1950er Jahren gedreht

Immenhof

Das komplette Gestüt ist restauriert und präsentiert sich heute wie aus einer Hochglanzbroschüre. Inzwischen befindet sich hier eine Hotelanlage, in der Appartements gebucht werden können. Gleich dahinter liegt der See, der an heißen Tagen zum Baden einlädt. Ein kleines Museum erinnert an die große Immenhof-Zeit. Es zeigt Kinoplakate, Fotos, einen Reitanzug und Heidi Brühls Reitsattel. Ponys zum Reiten für Kinder stehen noch immer in den Stallungen. Hier wird die Magie der Filme bis heute bewahrt.

Wir reißen uns los. Schließlich wollen wir weiter nach Rügen. Als Zwischenstopp ist Heiligendamm anvisiert – allein schon, weil hier 2007 der G8-Gipfel stattfand. Der Stellplatz liegt an einem dunklen Waldweg und kostet zwar nur sechs Euro. So richtig wohl fühlen wir uns hier allerdings nicht. Außer dem Grand Hotel Kempinski und dem langen Badestrand gibt es nur wenig zu entdecken. Wir fahren weiter.

Warnemünde lockt. Doch an diesem Wochenende findet dort eine Großveranstaltung statt. Der Stellplatz ist komplett belegt. Also fahren wir weiter nach Rostock. Nach knapp zehn Kilometern entdecken wir den idealen Stellplatz direkt am Stadthafen. Die Kritiken sind nicht die besten. Es sei zu laut, heißt es. Nachts würden Jugendliche und Motorradfahrer für Unruhe sorgen. Tatsächlich ist etwas dran. Dafür ist die Lage ausgezeichnet. 18 Euro kostet der Platz pro Tag. Wer später anreist, zahlt entsprechend weniger. Zwischen 20 Uhr und 8 Uhr morgens ist der Aufenthalt sogar kostenlos. Also stellen wir die Klappstühle direkt am Kai auf, genießen bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang und bummeln anschließend noch durch die gegenüberliegende Innenstadt – ein reizvoller Mix aus historischer Backsteingotik und monumentaler DDR-Nachkriegsarchitektur.

Das Navi würde uns nun südlich auf die A20 leiten. Wir bleiben lieber in Küstennähe und fahren auf der B105 bis Damgarten. Dort suchen wir uns einen idyllischen Parkplatz an einem Bootskanal und frühstücken erst einmal in aller Ruhe. Über Stralsund erreichen wir schließlich die Insel Rügen. Schon von Weitem grüßen die ersten Plakate der Störtebeker-Festspiele. Der legendäre Ostsee-Seeräuber kämpft noch bis zum 5. September gegen die Hanse und Margarete von Dänemark.

Wir kennen die Naturbühne in Ralswiek von früheren Besuchen. Dass es überhaupt noch Karten gibt, glauben wir zunächst nicht. Doch wir haben Glück. Die vorderen Plätze sind zwar ausverkauft, im mittleren Bereich und weiter hinten sind jedoch noch Tickets erhältlich. 32 Euro kostet eine Karte in dieser Kategorie, die günstigsten Plätze gibt es bereits für 22 Euro. Wir sparen uns die Vorverkaufsgebühr und schlagen sofort zu.

Die Dame am Ticketschalter gibt uns sogar noch einen wertvollen Tipp: Gleich oberhalb des Festspielgeländes befindet sich eine große Wiese für Pkws und Wohnmobile. Der Platz ist kostenlos. Lediglich die Bitte, das Gelände am nächsten Morgen gegen 9 Uhr zu verlassen, sollte man beachten. Für den Besuch der Festspiele ist dieser Stellplatz ideal. Ein fünfminütiger Waldweg führt direkt zum Eingang.

Wir staunen: Gut ein Drittel der Karten ist nicht verkauft. Und das an einem Samstagabend bei idealem Wetter. Es gibt nach wie vor spektakuläre Kampfszenen, doch der Klamauk nimmt inzwischen einen größeren Raum ein als noch vor zehn Jahren. Dennoch lohnt sich ein Besuch allemal. Vor allem das große Abschlussfeuerwerk ist beeindruckend.

Die Störtebeker Festspiele in Ralswiek auf Rügen

Rügen ist in diesen Tagen gut besucht. Wir bummeln durch die Ostseebäder Binz und Sellin, wandern mit den Besuchermassen zum Kap Arkona und übernachten schließlich für 18 Euro auf dem Stellplatz in Hagen am Rand des Nationalparks Jasmund. Von hier aus sind die berühmten Kreidefelsen durch einen herrlichen Buchenwald bequem zu Fuß zu erreichen. Mit dem Fahrrad geht es natürlich deutlich schneller. Alternativ besteht die Möglichkeit, für ein paar Euro mehr auf dem Campingplatz am Dorfladen in Lohme zu übernachten. Vor der Rückreise decken wir uns noch mit Störtebeker-Schwarzbier ein und besuchen die Hansestadt Stralsund, deren historische Altstadt seit 2002 völlig zu Recht zum UNESCO-Welterbe gehört.

Ein Beitrag mit Foto für ReiseTravel von Helmut Kunz

Kunz HelmutUnser Autor wohnt in Weiden.

Sehr geehrte ReiseTravel User. Bitte schreiben Sie uns Ihre Meinung, senden uns Ihre Fragen oder Wünsche. Vielen Dank. Ihr ReiseTravel Team: feedback@reisetravel.eu -  Bitte Beachten Sie YouTube.ReiseTravel.eu - Stöbert bei Instagram reisetravel.eu -von #ReiseTravel und #kaef_and_piru mit #ReisebyReiseTravel.eu von Facebook https://www.facebook.com/groups/reisetravel.eu -mit #ReiseTravel - Warum ist die Banane krumm oder ein Leben wie Gott in Frankreich und auf den Lippen ein LiedIm Osten geboren

ReiseTravel aktuell:

Rostock

Reise mit Wohnmobil: Unterwegs warten überraschende Stellplätze, nostalgische Erinnerungen und so mancher Geheimtipp. Ein...

Catanzaro

Köstliches Kalabrien: Für die Schönheitskonkurrenz habe Kalabrien zu wenig Sexappeal, finden Zweifler. Kritiker behaupten, die kurvige...

Islamabad

Islamabad: Reisen nach Pakistan bieten eine faszinierende Mischung aus majestätischen Gebirgen, jahrtausendealter Kultur und viel Natur....

Prof.Dr.Klaus Kocks

Prof. Dr. Klaus Kocks - Logbuch Unser Autor Prof. Dr. Klaus Kocks ist Kommunikationsberater (Cato der Ältere) von Beruf & Autor aus...

Istanbul

Istanbul bietet eine Vielzahl von Aktivitäten und kulinarischen Genüssen. Touristen kommen voll auf ihre...

Islamabad

Reisen & Speisen Islamabad: Die Küche in Pakistan bietet eine vielfältige Mischung aus herzhaften Fleischgerichten, gegrillten Kebabs...

Koblenz

Was stimmt wirklich: Ist die Haushaltssteckdose genauso gut? Bricht das Stromnetz zusammen? Und dürfen Mieter überhaupt eine Wallbox...

Michigan

Eine Modellvariante des Ford Mustangs entwickeln, die es mit den besten europäischen Sportwagen aufnehmen kann? Vor dieser Aufgabe standen 2021...

Nicolas Kitzki

Die Sehnsucht nach echten Erlebnissen wächst: Zwischen gigantischen Eisbergen, magischen Nordlichtern und emotionalen Begegnungen mit Walen:...

Berlin

Frische braucht Fortschritt: „Die Branche entwickelt sich rasant – und genau das machen wir mit den New Product Showcases...

ReiseTravel Suche

nach oben