Neuruppin

Die Stadt Neuruppin bereitet sich auf das große Jubiläum des 250. Geburtstages von Karl Friedrich Schinkel vor

Das Jahr 2031 soll ein denkwürdiges Jahr werden! Die Stadt Neuruppin wird ein Doppeljubiläum begehen. Neben dem 250. Geburtstag ihres berühmten Sohnes, des Architekten, Stadtplaners, Denkmalpflegers und bildenden Künstlers Karl Friedrich Schinkel, feiert sie auch selbst Geburtstag: Vor 775 Jahren wurde Neuruppin das Stadtrecht verliehen.

„Schinkel250“ – eine Marke

Beide Jubiläen können, so der Amtsleiter für Kultur und Tourismus der Fontanestadt Neuruppin Mario Zetzsche, miteinander verbunden und koordiniert werden. Neuruppin wird sich als Kulturstadt präsentieren. Helfen wird dabei die in diesem Jahr eingerichtete Website ( www.schinkel250.de ), die auch für viele Anregungen, Ideen und finanzielle Unterstützer gedacht ist. Die Stadt hat sich die Markenrechte an „Schinkel250“ gesichert. Der offizielle Startschuss für „Schinkel250“ wurde bereits am 13. März dieses Jahres zum 245. Geburtstag von Schinkel mit der Verleihung des Schinkelpreises der Stadt an Dr. Jan Mende, den Kurator des Berliner Museums Knoblauchhaus gegeben.

Ein erster unübersehbarer Schritt auf dem Weg zum Schinkel-Jubiläum zeigt der Beschluss der Stadtverordneten: Der frühere Kirchplatz in Neuruppin, auf dem das Schinkeldenkmal steht, wurde in Schinkelplatz umbenannt.

Museum mit langer Tradition

Eine wichtige Rolle bei der Vorbereitung des Schinkel-Jubiläums spielt das Museum der Stadt Neuruppin, eines der ältesten Museen im Land Brandenburg.  „Das Museum geht zurück auf eine Sammlung, die vor 200 Jahren der Landrat von Zieten, Sohn des legendären Husarengenerals, dank seiner Reisen und Kontakte in der Region zusammengetragen hat“, so berichtet Museumsleiterin Maja Peers. Diese Sammlung ging zunächst an die Stadt, wurde vom Gymnasium betreut und dort 1865 erstmalig museal aufbereitet und ausgestellt. Das Jahr 1865 gilt auch als Gründungsjahr des Museums.

Neuruppin

Nach einigen Umzügen erhielt das Museum dann 1954 seinen heutigen Standort im Noeldechen-Haus, einem der prächtigsten klassizistischen Bürgerhäuser der Stadt. Im Jahr 2015 wurde es komplett saniert und durch einen Anbau mehr Platz geschaffen. Es präsentiert auch eine Dauerausstellung über die berühmten Söhne der Stadt, den Schriftsteller Theodor Fontane, den Orientmaler Wilhelm Gentz und den Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Schinkels Arbeiten in Europa weit verbreitet

Im gesamten Museum und insbesondere im Schinkel-Raum warten interessante Exponate und Informationen auf die Besucher. Dazu zählt eine Datenbank, auf der ablesbar ist, wo Schinkel als Baumeister und Architekt überall gewirkt hat. Er hat nicht nur seine Spuren im Brandenburgischen oder in Berlin hinterlassen, unter anderem mit seinen klassizistischen Meisterwerken wie dem Alten Museum, der Neue Wache oder dem Schauspielhaus am Gendarmenmarkt. Seine Arbeiten sind überall in Mitteleuropa zu finden, vom heutigen Belgien bis weit nach Osten in die Gebiete des früheren Ostpreußens und heutigem Polen. Die Spannbreite seiner Arbeiten wie auch die Reichweite sind außergewöhnlich. So war Schinkel auch als Maler, Zeichner, Bühnenbildner und - heute würde man sagen - Designer sehr produktiv. Ein kleines Schmuckstück ist eine frühe Zeichnung des jungen Schinkel, der Entwurf eines Mausoleums, aus dem Jahr 1799, die aus dem Besitz von Theodor Fontane stammt.

Neuruppin größte Baustelle Preußens

Spannend wird auch der Werdegang des jungen Schinkel zum hochanerkannten Baumeister nachgezeichnet. Museumsleiterin Maja Peers: „Schinkel erlebte als Kind nicht nur hautnah die Brandkatastrophe im Jahr 1787, sondern auch den Wiederaufbau der Stadt mit den quadratischen Straßenanordnungen und weiten Plätzen.“ Und er lebte dann über Jahre auf einer der größten Baustellen Preußens und besuchte das neu errichtete Gymnasium der Stadt. Später in Berlin lernte er den jungen Architekten Friedrich Gilly kennen, einer seiner frühen Lehrmeister, ehe er ab 1815 im staatlichen Bauwesen Karriere machte und für mehrere Jahrzehnte die Architektur in Preußen prägte.

Die Kunstsammlung der Familie von Quast

Im Neuruppiner Museum wurde am 11. Oktober dieses Jahres eine neue Ausstellung zur Kunstsammlung der Familie von Quast auf Radensleben eröffnet. Auch hier begegnet der Besucher den berühmten Söhnen Neuruppins, Theodor Fontane und Karl Friedrich Schinkel. Fontane beschreibt in seinen Wanderungen durch die Mark die faszinierende Kunstsammlung auf dem Gut der Familie von Quast in Radensleben bei Neuruppin, darunter italienische Gemälde, Skulpturen und Möbel des Spätmittelalters und der Renaissance. Die Sammlung enthält auch einen großen Bestand an originalen Zeichnungen von Schinkel. Ferdinand von Quast wurde nach seinem Besuch der Berliner Bauakademie als Schüler von Schinkel zum ersten „Konservator der Denkmäler in Preußen“ ernannt und ist Begründer der modernen Denkmalpflege.

Das Museum von Neuruppin widmet sich mit der Ausstellung erstmal der Rekonstruktion dieser einst berühmten Kunstsammlung und ihrer wechselvollen Geschichte. Über 100 Exponate konnten zusammengetragen werden, viele davon sind aus Privatbesitz und werden erstmals öffentlich gezeigt. Die Ausstellung zur Kunstsammlung der Familie von Quast ist noch bis zum 5. April 2027 im Neuruppiner Museum zu sehen. 

Preußenkönig Wilhelm II aus Bronze

Ein Stadtrundgang auf Schinkels Spuren führt auch zum Schulplatz im Zentrum Neuruppins. Hier steht ein Denkmal, das die Bürger Ruppins als Dank für König Friedrich Wilhelm II stifteten. „Die Bürger Neuruppins waren besonders dankbar, weil der König 300.000 Taler aus der Staatskasse zur Verfügung stellte, um die Stadt wieder aufzubauen“, erklärt Amtsleiter Zetzsche und stellt den Bezug zur Person von Schinkel her. „Schinkel wurde beauftragt, einen Entwurf vorzulegen, verbunden mit der Kostenfrage: Soll es die preiswerte Variante aus Bronze oder die teurere Variante aus Marmor sein. Die Entscheidung fiel für Bronze.“ Die Statue des Königs wurde von dem berühmten Bildhauer Christian Friedrich Tieck modelliert.

Neuruppin

Der bronzene Wilhelm musste dann im Wechsel von Regierungen auch seinen Standort wechseln und wurde schließlich 1947 in aller Stille entfernt. 1992 begann eine mehrjährige ergebnislose Suche nach der Statue. Im Fontane-Jahr 1998 wurde die Plastik dann rekonstruiert und neu gegossen und nahm hier wieder ihren Platz gegenüber vom Alten Gymnasium ein.

Schinkel gilt heute als Kreativwirtschaftler

Nur ein paar Schritte weiter liegt der neu benannten Schinkelplatz. Hier steht die Kulturkirche, vormals Pfarrkirche Sankt Marien. Nach dem großen Stadtbrand, der auch die an dieser Stelle stehende mittelalterliche Vorgängerkirche in Schutt und Asche legte, wurde sie im klassizistischen Stil neu erbaut. Im Jahr 1970 musste sie wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Ab 1991 wurde sie dann grundlegend rekonstruiert und im Jahr 2001 als Kulturkirche wieder eröffnet. Die Adresse der Kulturkirche lautet nun neu: Am Schinkelplatz 1.

Neben der Kirche stand ursprünglich das Pfarrhaus, in dem Schinkel geboren wurde und das beim Stadtbrand völlig zerstört wurde. Karl Friedrich war zu der Zeit sechs Jahre alt und verlor nicht nur sein Zuhause, sondern auch den Vater, der an den Folgen des Brandes kurz danach verstarb. Es gibt Überlegungen, auf diesen Standort aufmerksam zu machen.

Neuruppin

Auf dem Platz erhebt sich das Denkmal von Karl Friedrich Schinkel, gestaltet von dem Künstler Max Wiese, der auch das bekannte Fontane-Denkmal in Neuruppin geschaffen hat. Übrigens stehen vor dem Schinkel-Denkmal vier Eisenkunstguss-Bänke, die nach Entwürfen von Schinkel gefertigt wurden. Amtsleiter Zetzsche: „Mit seinem facettenreichen Gesamtwerk würde der oberste preußische Baubeamte heute als ein Kreativwirtschaftler bezeichnet werden.“

Friedrich-Schinkel-Gesellschaft am historischen Ort

Nur ein paar Schritte weiter in Richtung See liegt in der Fischbänken-Straße das Predigerwitwenhaus. Das Predigerwitwenhaus wurde vom Großbrand verschont, hier lebte der junge Karl Friedrich Schinkel mit seiner Mutter und den Geschwistern, bevor er nach Berlin ging. Das Haus wurde von der Stadt in den 90er Jahren aufwändig saniert. Heute hat hier die einzige in ganz Deutschland bestehende Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft ihren Sitz. Sie wurde 1992 gegründet und widmet sich der Erforschung, dem Erhalt und der Pflege des Erbes des großen Baumeisters.

Mit Blick auf das Schinkel-Jubiläum will sich die Schinkel-Gesellschaft von hier kulturell mehr für die Neuruppiner und die Touristen öffnen – mit viel ehrenamtlichem Engagement. Ausstellungen, Lesungen und Kulturstammtische sind in Vorbereitung, ein Symposium zur Baugeschichte ist geplant, auch soll ein Platz für Begegnungen und Kommunikation mit einer kleinen Bibliothek geschaffen werden. Die Touristen und Neuruppiner sollten die Schinkel-Gesellschaft beim Wort nehmen.

Ein Beitrag mit Fotos für ReiseTravel von Ronald Keusch

Keusch Ronald Unser Autor ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Tourismus, er lebt und arbeitet in Berlin. www.keusch-reisezeiten.de 

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