Michael Kirchberger

Die Preisspirale dreht sich immer schneller: In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise förmlich explodiert

Wohnmobil. Für viele ist der Traum von den eigenen vier Wänden und am besten einer Scholle drum herum trotz sorgsam zusammengestellter Sparpläne geplatzt. Eine Eigentumswohnung, die 1992 noch 220.000 D-Mark gekostet hat, wird heute – trotz ihres Alters – für etwa 150.000 Euro gehandelt. Ein ähnliches Schicksal ereilt nun angehende Camper, die sich nichts sehnlicher als einen Urlaub auf Rädern wünschen. Reisemobile erleben eine bislang einzigartige Preissteigerung. Der Grund: Gleich mehrere Veränderungen des Marktes treffen aufeinander. Das Jahr 2022 wird kaum ein Schnäppchen bereithalten.

Die wesentliche Ursache für die flinke Drehung der Preisspirale ist die Rohstoffknappheit. Nicht nur die Hersteller der Basisfahrzeuge leiden unter Materialnachschub. Vor allem fehlende Mikrochips für Steuergeräte im Auto verlangsamen die Produktion oder bringen sie vollständig zum Erliegen. Fiat etwa musste das italienische Werk Sevel in Val di Sangro gleich mehrere Wochen dicht machen. Der Ducato, immerhin Europas beliebtestes Basisfahrzeug für Reisemobile, wird bei den Auf- und Ausbauern zur heiß begehrten Ware. Dazu kommt die stark angestiegene Nachfrage der vergangenen Jahre, zweistellige Zuwachsraten haben der Caravaning-Branche volle Kassen beschert, die aber leeren sich nun geschwind, da viele Fahrzeuge nicht fertiggestellt und daher nicht ausgeliefert werden können.

Doch auch die Zulieferindustrie – Fensterhersteller wie Seitz oder Sanitärausstatter wie Dometic – kommt nur noch schwer, vor allem aber nur zu stark erhöhten Einkaufpreisen an die benötigten Rohstoffe wie Kunststoff-Granulat. China habe den Markt leergekauft, heißt es, außerdem sind die Frachtkosten wesentlich höher als noch vor 24 Monaten. Wer Bauteile aus Übersee bezieht, zahlt für deren Transport mittlerweile mehr als das Doppelte. Aber die Kosten sind auch innerhalb Europas gestiegen. Berechnete ein Hersteller Ende 2017 die Vorfracht, TÜV, Gasprüfung und Auslieferungsinspektion noch mit moderaten 1.050 Euro, werden für die gleichen Leistungen aktuell 1.477 Euro fällig.

Die Liste der teurer gewordenen Ausstattungen lässt sich beinahe beliebig verlängern. Ein Kompressor-Kühlschrank ist um 100 Euro teurer geworden und kostet jetzt 415 Euro. Reifen und Leichtmetallräder haben um 15 Prozent zugelegt, zusätzliche Fenster um fast 20 Prozent. Insgesamt liegt die Preissteigerung für einen Kastenwagen im Vergleich zu 2017 bei ebenfalls rund 20 Prozent.

Die weitere Entwicklung lässt sich nur schwer einschätzen. Denn die langen Lieferzeiten für das Wunschfahrzeug machen eine Kalkulation schwierig. „Wer jetzt bestellt, bekommt sein Fahrzeug frühestens Ende 2022. Wenn sich die Preisspirale weiter dreht, legen wir dann fast schon drauf“, sagt der Geschäftsführer einer kleinen Wohnmobil-Manufaktur. Es soll dem Vernehmen nach sogar Händler geben, die abgeschlossene Kaufverträge von ihren Kunden zurückkaufen wollen, um ihren möglichen Verlust zu mindern. Dies alles zusammen ergibt insgesamt keine sehr rosige Perspektive für die Branche. Experten zumindest geben keine Entwarnung in Sachen Materialknappheit.

Das Interesse am Campen ist jedoch ungebrochen. Auch wenn die CMT in Stuttgart, die erste wichtige Verkaufsmesse am Jahresanfang, aus Gründen des Infektionsschutzes abgesagt wurde und den Interessenten den Überblick über das reichhaltige Angebot nicht eben leichter macht, dürften regionale Händlerveranstaltungen zumindest einen Teil der entgangenen Aufträge wettmachen. Das Caravaning bleibt auch in Zeiten der Pandemie die wohl sicherste Art, seinen Urlaub mit Abstand und Anstand, ohne voll besetzte Urlaubsflieger, verspätete ICE mit defekten Toiletten und qualvoll engen Reisebussen zu gestalten. Eine gute Nachricht für die Camper ist zudem, dass die Zahl der Stellplatzangebote steigt und das Preisniveau zumindest hier noch, vorerst, konstant bleibt.

Ihr Michael Kirchberger.

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