Franz Hartl

Die zweite Welle ist im Kommen

Derzeit braucht man als Touristiker ziemlich gute Nerven. Die befürchtete zweite Welle der Corona-Pandemie kommt ziemlich ungebremst auf Europa zu und trifft die einzelnen Nationalstaaten in unterschiedlicher Härte.

Während der Ausbruch der Pandemie ziemlich gut gemeistert wurde, hat man dann die Zeit bis zur zweiten Welle kaum genützt, um sich auf Kontaktverfolgung ausreichend vorzubereiten und klare verständliche Regelungen und Verhaltensempfehlungen zu schaffen.

Wer in Österreich unterwegs ist, muss auch zur Kenntnis nehmen, dass die Einhaltung der Maßnahmen in der Sommersaison eher dürftig war und keinerlei Kontrolldruck seitens der Behörden ersichtlich war. Da gab es Unternehmer, die nach wie vor jedem Gast beim Eintritt die Hand schütteln, da standen Trauben von Gästen an der Bar, und es wurde gefeiert wie in alten Zeiten. Im Urlaub wollte man wohl alles abschütteln, was mit Pflicht und Bürde zu tun hat, und die Reisetätigkeit hat dazu geführt, dass die Keime sich weiter in Europa verbreiten konnten.

Eine Bilanz, die keine Freude macht

Die Folgen sind bekannt: In der bisherigen Sommerbilanz klafft eine Lücke von 30 % gegenüber dem Vorjahr, wobei es Wien mit einem Minus von mehr als 80 % besonders getroffen hat. Die Ausländernächtigungen sind in Österreich gar um mehr als 40 % geschrumpft. Dabei zeigen die Nächtigungsrückgänge leider nur einen Teil der Katastrophe. Erst die Vorlage der Jahresbilanzen wird die Betroffenheit der Unternehmer und die tatsächliche wirtschaftliche Auswirkung auf die Betriebe dokumentieren.

Derzeit stehen wir nach einer schockierenden Sommersaison vor den trüben Aussichten einer noch schlechteren Wintersaison, weil Europa der Schock der zweiten Welle in die Glieder gefahren ist. Ohne sehr einschneidende Maßnahme werden wir heuer sehr wenige Skifahrer auf unseren Pisten sehen.

Wie umgehen mit der Wintersaison?

Da wir schon sehr kurz vor Saisonbeginn stehen, scheinen zwei Bündel von Maßnahmen das Gebot der Stunde:

Eine Corona-Infektionslage erreichen, die keineswegs schlechter als die unseres Hauptherkunftslandes Deutschland ist. Sonst kann man keinem Gast erklären, dass es in Österreich ähnlich sicher wäre wie zuhause. Da werden uns kurzfristig weitere einschneidende Maßnahmen wohl kaum erspart bleiben.

Ernsthafte und weitergehende Anstrengungen unternehmen, die einen sicheren Winterurlaub in Aussicht stellen. Das betrifft An- und Abreise, Aufenthalt und die Ausübung der jeweiligen geplanten Tätigkeit (Wintersport, Kulinarik und Wellness). Markus Redl hat sich dazu vor kurzem für die Seilbahnen Gedanken gemacht. Gernot Riedel beschreibt elf Ferienregionen, die sich für eine einheitliche Vorgangsweise zusammengetan haben.

Dabei scheint es sehr empfehlenswert, österreichweite einheitliche Lösungen zu finden und umzusetzen. Die bisherigen Bestrebungen sind oft an Bundesländer- oder Regionsgrenzen stecken geblieben. Darüber ist in der Kommunikation von Bundeskanzleramt, Gesundheits- und Innenministerium zuletzt die Message-Control verloren gegangen und hat nicht immer nach Übereinstimmung geklungen. Solange es allerdings nicht einmal möglich ist, verlässliche einheitliche Zahlen über die Infektionslage oder die Anzahl der noch freien Intensivbetten zu erstellen, ist zu befürchten, dass eine einheitliche Vorgangsweise in der Kürze der noch zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu erzielen sein wird. Markus Söder, der überzeugte bundesdeutsche Förderalist, hat bereits eingeräumt, dass die föderale Struktur Deutschlands nicht dafür geeignet ist, einer akuten Krise entschlossen entgegenzutreten. Derselbe Befund gilt wohl auch für Österreich.

Reisefreudigkeit nach wie vor ungebrochen

Unter all den in jüngster Zeit kolportierten Nachrichten in der touristischen Welt gibt es zumindest eine positive: Trotz einschränkender Rahmenbedingungen reisen die Deutschen bereits wieder so häufig wie in der Vergangenheit – allerdings in sehr viel kürzeren Distanzen und bleiben sogar häufig innerhalb ihres Bundeslandes. Die Reisefreudigkeit ist in diesen ansonsten freudlosen Zeiten also ungebrochen.

Von Franz Hartl.

Mag. Dr. Franz Hartl (geboren 1952) war jahrzehntelang Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank Ges.m.b.H. und verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Tourismusfinanzierung in Österreich. Derzeit ist er Universitätslektor am MCI, Innsbruck und an der IBS Akademie. APA Tourismus-Blog. https://www.tp-blog.at/destinationen/wintersaison-ante-portas

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