Graz

Steirische Schmankerln

Mit „Liebe“ im Seewigtal: „Jetzt habe ich die „Liebe“ in der sauren Rahmsuppe vergessen, sagt Andrea Etschbacher, die junge Bäuerin im Lacknerhof und lacht schallend über die verdutzten Gesichter der Gäste. „Schnittlauch heißt „Liebe“ bei uns“, klärt sie auf. Das große saftige Schnitzel vom Hof schmeckt köstlich und wird mit herbem Schilcherwein, dem vorzüglichen steirischen Roséwein, perfekt abgerundet.

Auf dem Schrank in der Stube stehen Pokale so dicht, dass kaum noch Platz ist. Sie zeugen von der sportlichen Aktivität der Familie, vor allem der drei Söhne,die die glänzenden Ehrungen beim Skifahren, Eisstockschießen und Klettern gewonnen haben.

Mit einem „Griaß eich“ setzt sich Franz, der Altbauer, der im Austragshäusl wohnt, später zu der Runde in der gemütlichen Stube. Er hilft bei der Arbeit im Stall und wo Not am Mann ist. Bei Schnaps aus Birnen oder Vogelbeer von Anna, der Altbäuerin, für den Hausgebrauch selbst gebrannt, erzählt Franz von dem harten und arbeitsreichen Leben auf dem einsam gelegenen Bauernhof. Besonders in den strengen Wintern, als es noch keine Autos gab und die Gehöfte oft wochenlang von der Welt abgeschnitten waren, da war das Leben im Seewigtal mühsam und entbehrungsreich.

Der 200 Jahre alte Lacknerhof ist vor den bewaldeten Gipfeln der Niederntauern in blühende Bergwiesen eingebettet. Und genau hier in der Dachstein-Tauern-Region findet man die ideale Voraussetzung für einen Genusswanderurlaub mit steirischen Schmankerln, Bademöglichkeiten und dem Bauernhof als „Basislager“ zum Wandern. Die Zimmer sind schlicht und sauber und mit einem eigenen Badezimmer mit Dusche ausgestattet. Kühe, Schweine, Hühner, einen Hasen und eine Katze gibt es bei den Etschbachern. Die drei Söhne helfen schon mal im Stall, aber am liebsten fahren sie Traktor oder den Heukran.

Der erste Sonnenstrahl und das Vogelgezwitscher locken zu einer Miniwanderung von nur einer halben Stunde zum versteckten Steirischen Bodensee, einem beliebten Ausflugsziel. Der See schmiegt sich perfekt in die romantische Bergkulisse. Beim Bootsverleih wird ein. Ruderboot gechartert und los geht es. Leichtmatrosen und solche, die es werden wollen kommen voll auf ihre Kosten. Die Armmuskeln geben das Tempo vor. Nur der Paddelschlag stört das Glitzern der Sonne in den Wellen und das Widerspiegeln der umliegenden Berge im Wasser. In den eiskalten Bodensee, der von einem Wasserfall gespeist wird, wagen sich nur hart Gesottene und total Abgehärtete zu einer Schwimmeinlage. Die Sonnenterrasse des Forellenhofs am Bodensee ist ein Logenplatz für ein Naturschauspiel von schroffen Gipfeln und dem ruhigen See und ein absolutes Muss zum Abschluss dieses Genusstages.

Ein Schlaraffenland ist der Lacknerhof mit seinen hauseigenen Produkten. Die lassen einem beim schon Frühstück das Wasser im Munde zusammenlaufen. Keine Supermarktartikel, sondern selbst gemachte Marmelade und Speck, nach dem Geheimnis der Vorfahren geräuchert, stehen auf dem Tisch. Die Eier aus dem Stall schmecken so richtig nach Ei und frische Milch gibt es natürlich auch. Der Honig kommt frisch geschleudert aus den Bienenkörben des Nachbarbauerns. Das Verwöhnprogramm der Jungbäuein Andrea überzeugt.

So gestärkt ist man gut gerüstet für den Wandertipp von Sepp, dem Jungbauern. „Und wer hilft mir heute beim Heu?“ fragt er. Keiner meldet sich, die Entscheidung für eine Wanderung ist gefallen. Startplatz ist der Lacknerhof. Heute wird die Kondition gefordert, drei Stunden dauert die geplante Tour zum Pleschnitzzinken. Der Pfad führt bergan und an mit Glockenblumen und Margeriten gespickten Sommerwiesen vorbei. Weiter geht es auf dem Weg Nummer 30 aufwärts. Fichten, Lärchen und Tannen spenden wohl tuenden Schatten. Latschen säumen den Weg je höher man steigt. Oberhalb der Baumgrenze geht es noch ein Stück bis zum Endspurt über einen Gipfelrücken in der prallen Sonne hinauf bis zum Gipfel des Pleschnitzzinkens in 2112 Metern Höhe. Das Gipfelkreuz ist schlicht. Das größte Geschenk ist die Stille und der grandiose Ausblick auf die umliegenden Gipfel: Kufstein, Stoderzinken, Höchstein, Hohe Wildstelle, das mächtige Dachsteinmassiv, Scheichenspitz und Grimming. Der lässt die Strapazen des Aufstiegs schnell vergessen und die Beine kribbeln schon wieder vor Bewegungslust. Der Weg zurück führt über die Ochsenkarhöhe abwärts. Kräftig rosa blitzt der Almrausch auf dem steinigen Boden hin und wieder auf. An der urigen Pleschnitzalm, die jeden Wanderer magisch anzieht, kann keiner vorbei gehen. Die einfache Almjause mit Steyrer Käs und Speck mundet vorzüglich.

Am nächsten Tag werden die Beine geschont und der Badesee in Aich ausgiebig getestet. Im Eilschritt geht es am späten Nachmittag zurück zu den steirischen Schmankerln des Lacknerhofs. „Heute gibt es Krapfen und Stelzen, begrüßt Andrea die hungrigen Sonnenanbeter und Schwimmer und erntet wieder verduzte Gesichter. Wieder ist Nachhilfe nötig. Krapfen sind Teigtaschen aus Roggenmehl, die mit dem würzigen Steirer Käse oder mit Hackfleisch gefüllt sind und hinter Stelzen verbergen sich gebratene Schweinshaxen. Jetzt fehlt nur noch Sepps Wandertipp für den nächsten Tag. Hier kann man es aushalten.

Steirische Tourismus GmbH, St. Peter-Hauptstrasse 243, A-8042 Graz, Telefon: 0043-316-4003-0, tourismus@steiermark.com - www.steiermark.com

Tourismusverband, Haus im Ennstal, Aich-Gössenberg, A-8967 Haus im Ennstal, Telefon: 0043-3686-2234-0, haus-ennstal@aon.at - www.haus.at

Lacknerhof, Andrea und Josef Etschbacher, Seewigtal 29, A-8966 Aich – Assach, Tel.: 0043-36864630, Preise im Sommer: Übernachtung mit Frühstück, ab 26,00 pro Person, im Preis inbegriffen ist die Sommercard. Preise im Winter: Übernachtung mit Halbpension ab 30,00 pro Person.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gabi Dräger.

Gabi Dräger ReiseTravelUnsere Autorin Gabi Dräger zeichnet bei ReiseTravel verantwortlich für die Redaktion Hotels & Restaurants. Ihr Thema sind die Berge. Sie lebt und arbeitet in München.

 

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