Neu Ulm

Ulmer Schachtel

Bereits im frühen Mittelalter sind Flöße mit Aufbauten auf der Donau gefahren: Ein führender Holzumschlagplatz war die freie Reichsstadt Ulm an der Donau. Neben dem Holz waren vom 13. und 14. Jahrhundert an Leinen und Barchent, ein Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle, die hauptsächlichen Ulmer Exportgüter, ebenso Spielkarten und Hostien.

Ulmer Schachtel

Ulm

Im Jahre 1570 holten die Ulmer bayerische Schiffbauer nach Ulm: Unter deren Anleitung wurden Ruderschiffe gebaut, für die weniger Holz benötigt wurde und die schneller fuhren als Flöße. Die Schiffe wurden nach Bedarf gebaut und waren etwa 5 bis 8 Meter breit und 15 bis 30 Meter lang. Sie hatten wegen der Untiefen im Fluss keinen Kiel, sondern einen flachen Boden, wurden daher auch „Plätten“ oder – nach ihrem regelmäßigen Fahrtziel – „Wiener Zillen“ genannt. Die Fugen zwischen den Bootsplanken wurden mit Moos gedichtet oder „geschoppt“, wie der Fachausdruck lautet; die Bootsbauplätze hießen daher „Schopperplätze“ und befanden sich dort an der Stelle des heutigen Edwin-Scharff-Hauses am Neu-Ulmer Donauufer.

Können und Perfektion ist gefragt

Ulm

Neben dem Warentransport bewirkten die neuen Schiffe auch, dass die Personenbeförderung großen Zulauf fand. Diese Art zu reisen war sehr viel angenehmer als mit unbequemen Postkutschen. Auswanderer, Patrizier, Diplomaten und Geistesgrößen wie Johannes Kepler haben sich den Ulmer Schiffsmeistern zur Fahrt auf der Donau anvertraut. Im Jahre 1745 fuhr der in Frankfurt neu gewählte Deutsche Kaiser Franz I. mit seiner Gemahlin Maria Theresia und großem Gefolge auf 32 prächtigen Schiffen von Ulm zurück nach Wien. Im Jahre 1683 brachten Ulmer Schiffe 5.000 Landsknechte des schwäbischen Kreises in die von den Türken belagerte Stadt Wien. Vom 18. Jahrhundert an ging wöchentlich mindestens ein Schiff flussabwärts; wegen des regelmäßigen Kurses hießen die Schiffe „Ordinari-Schiffe“.

Die meisten dieser sehr einfach gebauten Schiffe wurden am Ende der Fahrt, häufig zu recht ungünstigen Preisen, verkauft. Nur ganz wenige Schiffe kamen mit

Pferdezug wieder stromauf. Im 19. Jahrhundert erhielten die Ulmer Schiffe den Beinamen „Ulmer Schachteln“. Diesen Ausdruck soll ein Abgeordneter vom Neckar in herabsetzender Absicht geprägt haben. Die Ulmer Schiffmeister haben sich stets gegen diese Bezeichnung gewehrt. Doch aus dem zunächst belächelten Wort „Ulmer Schachtel“ ist inzwischen ein Begriff geworden, der die Stadt Ulm an der ganzen Donau bis zum Delta bekannt gemacht hat.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts erlag die kommerzielle Schifffahrt der Konkurrenz der Eisenbahn. Am 27. April 1897 legte die letzte Transportzille von der Ulmer Schiffslände ab. In Ulm wurden fortan nur noch Schiffe für den lokalen Bedarf zum Fischen oder für den Wasserbau hergestellt. www.donaufreunde-ulm.de

Später folgten noch einige größere Schiffe, mit denen zur Erinnerung an die Tradition der ulmischen Schifffahrt schon früh nach dem Ende der kommerziellen Schifffahrt jährliche Donaufahrten bis Wien, Budapest oder gar zum Schwarzen Meer durchgeführt wurden. Diese Traditionspflege wird bis heute von fünf Gesellschaften mit ihren Ulmer Schachteln weitergeführt. Außerdem versehen im Stadtgebiet nach wie vor zwei im Eigentum der Stadt Ulm stehende Ulmer Schachteln bei offiziellen Anlässen ihren Dienst.

Die letzte Ulmer Schachtel, die 1972 in Ulm vom letzten Ulmer Schiffbaumeister Eugen Hailbronner gebaut wurde, war die „Ulma“, die (nach 35 Jahren im Einsatz auf der Donau) inzwischen vor dem Donauschwäbischen Zentralmuseum am Rand der Ulmer Altstadt steht.

Der Weg ist das Ziel: Die „Elchingen“: Die „Elchingen“ ist ein originalgetreuer Nachbau der „Ulma“. Besitzerin ist die Schiffergemeinschaft „Donaufahrer Elchingen“, zu der 20 Mitglieder gehören. Der Rumpf der Schachtel wurde 1995 von Rudi Königsdorfer, einem der letzten Zillenbauer an der deutschsprachigen Donau, in Niederranna (Oberröstereich, ca. 30 km östlich von Passau) angefertigt. Der Auf- und Ausbau erfolgte1996 in Eigenarbeit durch die Schiffseigner. Unter Deck gibt es 16 Sitzplätze. Insgesamt haben 40 Personen auf der „Elchingen“ Platz.

Traditionspflege wird bei den „Donaufahrern Elchingen“ groß geschrieben. Ihre Teilnahme am Ulmer Schwörwochenende, angefangen von der Lichterenade am Samstag bis hin zum „Nabada“ am Schwörmontag, ist Ehrensache. Außerdem steht einmal im Jahr eine offizielle Schachtelfahrt auf der Donau bis nach Krems an. Auch Budapest haben die Schachtelfahrer aus Elchingen schon angesteuert.

Kann man die Ulmer Schachtel für eine Donaufahrt buchen? Die Gesellschaft der Donaufreunde Ulm e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der die Pflege der traditionellen Donauschifffahrt zum Ziel hat. Hierzu haben wir eine „Ulmer Schachtel“ nach den traditionellen Bauprinzipien nachgebaut. Mit diesem Schiff fahren wir jährlich einmal die Donau bis Wien, Budapest, Belgrad oder manchmal sogar bis ans Schwarze Meer, um so an jene Schifffahrt erinnern, wie sie vor mehr als hundert Jahren zum letzten Mal offiziell ausgeübt wurde.

Als Alternative bietet sich evtl. ein offiziell zugelassenes Ausflugschiff an, wenden Sie sich bitte hierfür an den einzigen Donaukapitän in Ulm. Reinhold Kräß, ist für Sie unter Tel. 0731-62751 oder über www.schifffahrt-ulm.de zu erreichen. Er veranstaltet auch gerne Sonderfahrten für geschlossene Gesellschaften; zudem besteht die Möglichkeit, auf seinem Schiff Essen und Trinken zu sich zu nehmen. Auch die evtl. notwendigen sanitären Einrichtungen sind vorhanden. Ansonsten findet auf der Donau zwischen Ulm und Weltenburg keine gewerbliche Schifffahrt oder Personenschifffahrt statt. Zwischen Weltenburg und Kelheim gibt es eine Ausflugsschifffahrt in der Weltenburger Enge, einem wild-romantischen Durchbruch der Donau durch ein Felsental zwischen dem Kloster Weltenburg und Kelheim. Erst ab Kelheim - dort wo der Main-Donau-Kanal von der Donau abzweigt - ist der Fluss Wasserstraße. Und ab hier findet eine entsprechende Berufs-Schifffahrt statt. In Regensburg gibt es die nächsten Ausflugschiffe sowie ein Schifffahrtsmuseum, das mit seinem Museumsschiff regelmäßig Donaufahrten durchführt.

Ulm

Gesellschaft der Donaufreunde Ulm e.V - Postfach 1342, D-89203 Neu-Ulm, www.donaufreunde-ulm.de

Landkreis Neu-Ulm – Tourismusförderung, Kantstraße 8, D-89231 Neu-Ulm, Tel.:+49 (0) 7 31/7040-119, touristik@lra.neu-ulm.de - www.landkreis.neu-ulm-tourismus.de

Von Andrea Engel-Benz, Fotos Gerald H. Ueberscher  

Arbeitsgemeinschaft Deutsche Donau, Neue Straße 45, D-89073 Ulm, www.deutsche-donau.de - www.die-junge-donau.de

Die Donau: Von der Quelle in Donaueschingen bis zur Drei-Flüsse-Stadt Passau fließt die Donau durch Deutschland. Ein Besuch der Straußenfarm Donaumoos lohnt ebenso wie der in der Albert Magnus Stadt Lauingen. Ulm oder Neu Ulm auf alle Fälle schippert hier die Ulmer Schachtel. Ein Juwel an der jungen Donau ist bereits in Fridingen zu Finden und beim Leben am Fluss finden sich Hotels aller Couleur: Die Gastronomie bietet „gute Hausmannskost“. Donau so Blau.

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