Oybek Ostanov

Meine Deutschland Reise - ein usbekisches Tagebuch

Neugier: Was treibt mich, Oybek Ostanov aus Samarkand, dazu sechs Wochen durch Deutschland zu reisen? "Wer sein Haus verlässt, und nach Wissen sucht, der wandert auf Gottes Pfaden, und wer reist, um Wissen zu finden, dem wird Gott das Paradies zeigen". Mit diesem Hadith ist schon eine erste Antwort gegeben, aber nicht die einzige.

Ich bin seit über acht Jahren in der Reisebranche tätig und seit 2011 arbeite ich auch als freischaffender Literaturübersetzer. Das ist eine interessante Kombination, die mir die Gelegenheit bietet, meine Heimat Usbekistan und den deutschsprachigen Raum einander näherzubringen.  Wenn ich ein deutsches Werk in meine Muttersprache, ins Usbekische, oder  usbekische Literatur in die deutsche Sprache übersetzen möchte, suche ich kein Buch gezielt aus. Ich komme einfach während des Lesens auf den Gedanken, das Werk zu übersetzen, wenn ich das Gefühl habe, dass dadurch die beiden Kulturen einander begegnen könnten.

Über die Übersetzungen aus der usbekische Literatur  kann ich Alltag, Kultur, Tradition, Sitten und Bräuche  der Usbeken in deutschsprachigen Ländern bekannt machen. Denn kulturelle Beziehungen bringen Völker einander näher, als politische und wirtschaftliche Anstrengungen es je könnten. Literatur ist dabei eine sichere Brücke, auf der wir, wo immer wir herkommen, einander finden.

Im Westen ist Usbekistan allenfalls als ein Land der ehemaligen Sowjetunion bekannt. Schon die Endung «Stan» («Land») irritiert manchen. Dabei ist Usbekistan schon seit 25 Jahren ein unabhängiges Land, von dem allerdings in den westlichen Medien kaum berichtet wird. Deshalb meine Begeisterung für Literatur. Sie ist nicht nur ein Hobby, denn die Übersetzung eines Buches nimmt mindestens eineinhalb Jahre in Anspruch. Da kann man schon eher von Leidenschaft sprechen.

Reisen ist meine zweite Leidenschaft, die sich mit der ersten gut verknüpfen lässt. Bei dem ersten Besuch in Deutschland (2005) mit meinem absolut schäbigen Sprachkenntnissen habe ich mich schon damals in die deutsche Sprache verliebt. 2014 unternahm ich meine erste Lesereise durch Deutschland. Damals hielt ich in 14 Städten Vorträge mit Bildern über Usbekistan, dessen Sitten, Bräuche und Kultur, und las Passagen aus meinen Büchern vor. 2016 führte ich nun wieder eine solche Vortragstournee in zwanzig Städten Deutschlands durch.

Ich muss zugeben, die Reise war sehr anstrengend: 31 Orte in sechs Wochen, zumal ich neben meinen Vorträgen immer noch Ausflüge unternommen habe.

Diese Kreuz-und-quer-Reise durch Deutschland war für mich eine große Bereicherung. Viele Ideen zu den nächsten Projekten sind in meinem Kopf entstanden, auch die Idee, auf Reisen immer ein Tagebuch zu führen und es so informativ wie möglich zu gestalten. Deshalb habe ich mir auch bei jeder Stadtbesichtigung die bekanntesten Wahrzeichen und jeweils einen für die Stadt typischen Spruch notiert. Außerdem hielt ich bei jedem meiner Vorträge eine mir wichtige Frage aus der Zuhörerschaft zusammen mit meiner Antwort fest.

Übrigens eine, wenn auch nicht neue, Erfahrung: auf Deutschlands Straßen Stau, in Deutschlands Städten stundenlange, oft erfolglose Parkplatzsuche.

Meine Deutschland-Tournee endete mit vielen Eindrücken, Erlebnissen und viel an Aufregung, Wissen, Erfahrung und Bereicherung für mich.

Oybek Ostanov, Schriftsteller in Samarkand:

Ergebnis einer Reise: Auf der 42-tägigen Reise habe ich 31 Städte und Orte in Deutschland besucht. Das sind (nach der Reihenfolge) Lage (Lippe), Düsseldorf, Köln, Bonn, Au an der Sieg, Kaarst (Düsseldorf), Münster, Warendorf, Hannover, Hildersheim, Leipzig, Dresden, Coswig, Meißen, Hamburg, Goslar, Berlin, Erfurt, Stuttgart, Vöhringen, Ulm, Neu-Ulm, Landau in der Pfalz, Augsburg, Senden, Ottobeuren, Oberstadion, Memmingen, Böbbingen an der Rems, München, Frankfurt. Und an vielen Orten kamen noch Ausflüge dazu.

Innerhalb von Deutschland bin ich insgesamt 6700 km gefahren, etwa 700 km mit dem Auto und 6.000 km mit der deutschen Bahn. Ich glaube, ich kenne mich mit den deutschen Bahnautomaten mittlerweile besser aus als die meisten Deutschen. Insgesamt habe ich mit Flugzeug, Zug, Auto und zu Fuß über 17250 km hinter mir gebracht, um mein Ziele zu erreichen.

Mehr als 830 Menschen in Deutschland haben nun von Usbekistan und von meiner Über­setzertätigkeit eine gute Vorstellung. Über 25 Freunde und Bekannten habe ich auf dieser Reise wieder getroffen. Für das nächste Jahr plane ich bereits jetzt wieder 15 Veranstaltungen in Deutsch­land.

Ich möchte vielen lieben Menschen, meinen Ansprechpartnern, Freunden, Bekannten und ehemaligen Usbekistan-Reisenden, sehr herzlich dafür danken, dass sie meine Kultur- und Literaturabende durch Deutschland unterstützt haben. Sie haben mir nicht nur geholfen, sondern ich durfte auch ihre Gastfreundschaft genießen. Ich bin sehr glücklich, dass ich bei so vielen lieben Menschen Kontakte knüpfen und auffrischen durfte.

Herzlichen Dank für Ihre Hilfe, für die Zeit, die Sie für mich geopfert haben, und für die Freundlichkeit, mit der ich aufgenommen wurde! Ihr wart immer «neben mir», liebe Freunde!

Euer

Oybek Ostanov aus Samarkand. www.oybekostanov.com

Ansprechpartner: Stefan Kurzmann, Robert-Koch-Straße 46, D-53115 Bonn, Email: s.kurzmann@posteo.de

Ein Beitrag für ReiseTravel von Oybek Ostanov.

Oybek Ostanov by ReiseTravel.eu Oybek Ostanov, Autor und Übersetzer wurde 1982 in Samarkand geboren. Nach dem Studium Betriebswirtschaftslehre an Samarkander Universität arbeitete er bei verschiedenen Zeitungen. Heute ist er als Reiseleiter für die deutschsprachigen Gäste in seiner Heimat tätig und schreibt auch Artikel für Zeitungen. Seine Bücher werden im Verlag "Akademnashr" in Taschkent verlegt. Er ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Samarkand. Oybek Ostanov schreibt für ReiseTravel. www.oybekostanov.com

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