Brixen

Des Erzherzogs Elefant

Das Hotel „Elefant“ in Brixen ist an der Fassade mit einem Fresko, dem Elefant Soliman, verziert. Familiärer Charme und das gewisse Ambiente sind Markenzeichen im Inhaber geführten Haus. Alle die auf sich halten, steigen hier ab. Ein internationales „Who is Who“.

An Europas Fürstenhäusern galt der Elefant als Inbegriff fürstlicher Prachtentfaltung. Kaum ein Elefant hat allerdings so viele Spuren hinterlassen wie Soliman. Das Tier erhielt Erzherzog Maximilian, der spätere Kaiser, anno 1551 in Madrid als Geschenk überreicht. Damit wollte Maximilian den Hof in Wien beglücken – damals eine Sensation.
Nach stürmischer Überfahrt von Spanien landete der Tross in Genua, setzte auf dem Landweg die Reise in Richtung Bozen fort, und am 20. Dezember 1551 kam der höfische Stab in Brixen an. Da das Tier ziemlich erschöpft war, wurde in der Herberge „Zum Hohen Feld“ Quartier genommen. Der Aufenthalt dauerte 14 Tage und Soliman fand in der Hotelscheune Unterkunft. Der clevere Herbergswirt nutzte sofort das allgemeine Interesse an seinem exotischen Gast zu Werbezwecken. An der Außenwand ließ er das Fresko vom Maler Lenhard Mair anbringen. Fortan nannte er seine Herberge „Zum Elefanten“.
In diesem traditionsreichen Gasthaus wird seitdem die Erinnerung an das über 450 Jahre zurückliegende Ereignis wach gehalten – auch von den heutigen Besitzern.

Im Frühjahr 1552 traf der pompöse Hoftross dann in Wien ein. Soliman starb dreizehnjährig am 18.12.1553. Ein Denkmal wurde gestaltet und dem Tier die Haut abgezogen. Der ausgestopfte Soliman stand dann rund 400 Jahre im Museum in München. Durch Kriegseinwirkungen stark beeinträchtigt, strich man ihn am 28. November 1950 aus den Museumsanalen. Doch Soliman ist in die Weltgeschichte eingegangen. Nicht nur wegen der Belagerung Wiens 1529 durch die Truppen des Sultans, sondern auch als Elefant der zum Kriegseinsatz kam.

Das Gasthaus wechselte nach 1554 mehrfach die Besitzer. Am 12. Januar 1773 wurde es zum bisher letzten Mal veräußert: Der Käufer, Anton Sperzger, zahlte 5.500 Gulden. Seit dem war und ist das Anwesen in Familienbesitz. 1846 wurde es Posthalterei. Ein beständig anwachsender Gästestrom war die Folge. Ein späteres Familienoberhaupt wusste später den Vorzug der Eröffnung der Brennerbahn 1867 sehr gut zu nutzen.
Die Wirren aller zurück liegenden Kriege wurden überstanden und im Jahr 1989 übernahm Tochter Elisabeth, geborene Kritzinger, mit ihrem Mann Karl-Heinz Falk die Zügel des „Elefanten“.

Das Haus hat 70 Betten. Zum Anwesen gehört eine große Parkanlage mit Schwimmbad und Liegewiese. Alle Zimmer sind modern ausgestattet, dennoch in einem gewissen morbiden Ambiente gehalten. Gäste spüren noch heute den Charme des Gestrigen, fühlen sich in vergangene Zeiten versetzt.
Im Foyer kann die illustre internationale Gästeschar exakt nachvollzogen werden. Alle kehrten sie hier ein, Kaiser, Könige, Fürsten – die VIPs der damaligen Zeit. Fein säuberlich sind deren Namen in goldenen Lettern auf Holztafeln verewigt. Es war einmal! Gerade oder vielleicht deshalb kommen sie. Heute buchen Feriengäste und Manager, vor allem aus Deutschland. Das Hotel ist ständig voller Leben.

Köstliche Offerten bietet das Restaurant aus einer vorzüglichen Küche. Denn Butter, Eier, Milch, Obst und Gemüse kommen täglich frisch aus der hoteleigenen Landwirtschaft.
Familie Falk freut sich „auf unsere Stammgäste aus Deutschland“. Namen aus Berlin und von Bergen auf der Insel Rügen stehen im Gästebuch. „Die geschichtlichen Episoden, unsere Hoteltradition und der berühmte Elefant Soliman sind noch heute eine Attraktion“. In solcher Atmosphäre lässt es sich gut einkehren und nächtigen.

Brixen, um 910 gegründet, ist alter Bischofssitz. Eine moderne und dennoch etwas verträumte Kleinstadt; ein schöner Ort für Erholung und Incentives. Erstaunlich sind die „Elefanten-Preise. Ohne Reservierung kann das Zimmer ab rund 80 Euro bezogen werden. Eine Reservierung ist preislich interessanter – für eine Room night im morbiden Ambiente.

Hotel „Elefant“ - Weißlahnstraße 4, I-39042 Brixen, Tel. 00390472 32750, Fax 00390472 36 579.

Von Gerald H. Ueberscher

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