Berlin

Gourmetrestaurant: Speisen aus der Büchse – und das auch noch in einem Restaurant? Und dann vorwiegend Sardinen aus der Dose serviert?

Einzigartig: Man glaubt es kaum. Aber doch ist es so: In Berlin hat ein Feinkost-Bistro eröffnet, das einmalig ist in ganz Deutschland. Ja – man speist aus der Dose!

Die Idee zu einem solch außergewöhnlichen Speiselokal hatte Thomas Vetter (42), gelernter Koch und Küchenmeister. Er ist zwar gebürtiger Berliner, wuchs aber in Flensburg auf und wurde dort Fisch-Fan. Sein Beruf führte ihn letztlich für acht Jahre in die weite Welt, darunter auch Portugal. Das wiederum ist ja nun weltweit bekannt für seine vielseitigen und sehr unterschiedlichen Sardinen und deren (Dosen) Gehäuse. Da auch erlebte der junge Entrepreneur ein solches auf Ölsardinendosen spezialisiertes Feinschmeckerrestaurant – und eröffnete dann sein eigenes: Sardinen Bar. Im Berliner Stadtteil Schöneberg, und da in der Grunewaldstraße, die zuvor schon für entsprechend einmalige Gaststätten einen Namen hatte.

Die Speisekarte bietet über 100 verschiedene Sorten Dosenfisch an, außer der Mehrheit – eben Sardinen – auch Thunfisch, Makrele, Meeresfrüchte a las Oktopus mit Zwiebeln oder in Marinade oder Miesmuscheln sowie geräucherte Austern. Und alles, aber wirklich alles in den unterschiedlichsten Olivenölen. Die Konserven kommen von renommierten Produzenten aus Frankreich, Spanien und Portugal.

Was natürlich (!) vor allem die Sardinen betrifft. Da sind etwa zwei Dutzend KLASSIKER, wie: Mit grünem Pfeffer, im Muscadet-Wein, mit Knoblauch. Die La Belle Iloise im geradezu dichterischem Speisekartenwortlaut: „Die Beeren des grünen Pfeffers werden unreif gepflückt und anschließend in Essig oder Salzlake konserviert. Grüner Pfeffer ist sehr aromatisch und verleiht dieser Konserve eine angenehm frisch-grüne Schärfe“. Die Klassiker gibt es zwischen neun und 16 Euro.

JAHRGANGSSARDINEN. Sie werden nur fangfrisch von Hand verarbeitet, nur die besten und fettesten eines Fanges kommen dafür in Frage. Sie stammen stets aus bestimmten Fanggebieten. Die Speisekarte dazu: „Wie guter Wein reifen auch Sardinen mit der Zeit und verändern sich, je länger sie lagern“. Auf vielen Dosen ist der Jahrgang des Fangs vermerkt. Zur Verfügung stehen die Jahre 2011 bis 2016 – bis zu 18,50 Euro.

DIE EXTRAVAGANTEN entsprechen im Preis etwa den „Jahrgängern“ und bieten u. a.: Sardinen mit pikanter Zitrone und Chili, mit Bayonner Schinken, schwarzer Olivenpaste oder mit Senf und Cornichons sowie schwarzen Trüffeln.

Serviert werden die Dosen auf einem Holzbrett, in dem sich links und rechts Öffnungen mit genau den Maßen einer der Dosen befinden. Knackig geröstetes Baguette gehört ebenso dazu wie saisonal wechselnde und jeweils frisch gemachte Salate sowie eine Flasche Leitungswasser. Die Getränkeliste ist umfangreich an Weinen, Bieren und Nichtalkoholika. Der Service ist flott und freundlich, der Chef erläutert das „Sardinenwesen“ wie einen Stadtatlas. Es werden keine bedrohten Fischarten verwendet. Ambiente: Einfach bis nüchtern, nur wenige Tische, Erdgeschoss eines typisch Berliner Altbaus. Eine Wandfläche dekoriert mit bunten, exotischen, leeren Fischdosen. Wer Fisch ablehnt, hat eine große Käse- und Wurstauswahl zur Verfügung – wie auch die Weine aus dem bekannten Berliner Genusshaus Maitre Philippe & Filles.

Gourmetgenuss aus der Dose: Das gab es bisher nur in Lissabon, Marseille, London und Bordeaux – nunmehr auch in der deutschen Hauptstadt.

Sardinen Bar, Grunewaldstraße 79, D-10823 Berlin-Schöneberg, info@sardinenbar, geöffnet täglich außer sonntags von 12 bis 22 Uhr 30. Tel.: 030 588 441 70.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Wolfgang Will.

Unser Autor arbeitet als Journalist für Wissenschaft und Technik, war viele Jahre als Luft- und Raumfahrtkorrespondent in den USA tätig und ist Mitglied im Luftfahrt Presse Club.

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