Hall in Tirol

Eine kulinarische Reise in drei Gängen rund um Hall in Tirol

Reisen & Speisen: Einer der schönsten Orte in Tirol ist die Kleinstadt Hall, die nur zehn Kilometer vor den Toren der Landeshauptstadt Innsbruck im beschaulichen Inntal liegt. Hall ist das Kunststück gelungen, in einer der besterhaltenen Altstädte in Österreich das mittelalterliche Flair mit der Neuzeit elegant zu kombinieren. An vielen Plätzen der Stadt sind Spuren seiner bedeutungsvollen Vergangenheit zu finden. Salzquellen und Salzwerke, mittelhochdeutsch "hal", darauf geht auch der Ortsname zurück, machten im 14. Jahrhundert die Stadt reich und mächtig.

Wie kann man sich Hall und seiner Region nähern, mehr erfahren? Ein Weg führt über die kulinarische Entdeckungsreise. Denn nicht nur die Landschaft der Berge hat den Charakter Tirols und seiner Bewohner geprägt, sondern auch die Küche.

Gang 1: Die Altstadt von Hall und der Goldene Löwe

Hallo in Tirol by Ronald Keusch ReiseTravel.eu

Ein Bummel durch die Altstadt von Hall, die insgesamt unter Denkmalschutz steht, macht neugierig. Es erwarten den Besucher unzählige Durchgänge, verwinkelte kleine und große Innenhöfe und enge Gassen. Ganz typisch an den um die 500 Jahre alten Häuser sind eine Vielzahl von bunt gefärbten Fassaden sowie die zahlreichen Erker-Fenster. Hinter Häuserwänden in einer Ecke des Platzes versteckt, residiert hinter einem schmalen Toreingang der traditionsreiche „Goldene Löwe“. Das erste Speise-Restaurant am Platze lässt es sich nicht nehmen, neben den edlen Österreich-Spezialitäten wie Tafelspitz oder Wiener Kalbsschnitzel auch ganz Uriges aus Tirol anzubieten. Dazu gehört: Oma`s Kartoffelblattl`n mit Sauerkraut

Diese Traditions-Gerichte signalisieren den in der Vergangenheit vorherrschenden einfachen Speiseplan, der das harte und ärmliche Leben in bäuerlichen Almwirtschaften mit begrenzten Anbauflächen und langen Wintern charakterisierte.

Doch der „Goldene Löwe“ ist mit seinen üppig traditionell eingerichteten gemütlichen Räumlichkeiten auch die Heimat eines bekannten Künstlers, des Metallbildhauers Rudolf Reinhart. Eine große Zahl seiner eleganten und grazilen Kupfer- und Messingblech-Arbeiten sind hier ausgestellt und schmücken die Gasträume. www.goldenerloewe-hall.at

Gang 2: Der Gasthof Badl am Ufer des Inn

Sonja Steiner by Ronald Keusch ReiseTravel.eu

„Unsere Knödel in Tirol sind die österreichische Pasta“, erklärt Sonja Steiner, die Chefin im Gasthof Badl. Sie ist die fünfte Generation, die das kleine Familienhotel mit heute 25 Zimmern führt. Es liegt an der Stadtgrenze von Hall direkt an der rechten Seite des Inn. Sonja Steiner führt auch die Regie in der Küche und bekocht persönlich ihre Gäste, die das hoch schätzen.

Das Haus wurde 1640 von einem Bader gebaut, im Mittelalter der Arzt der kleinen Leute und wurde später zu einem großen gut florierender Gasthof mit ein paar Fremdenzimmern umgewandelt. Erst in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts begann hier das Zeitalter des Tourismus mit den ersten Urlaubern aus Frankreich und dem schrittweisen Ausbau der Zimmer. Keines der teilweise großzügig angelegten Zimmer hat den gleichen Schnitt, alle sind individuell eingerichtet. Das kann wohl kaum ein Hotelneubau schaffen.

Das Credo von Sonja Steiner: „Ich koche nur das, was ich kann und gelernt habe. Bei uns ist jede Soße und jede Suppe selbst zubereitet, jeder Knödel und jeder Kasspatz selbst gemacht.“ Der Deutsche hat für die Knödel als Basis zumeist die Kartoffel, in Tirol ist es das Knödelbrot. Und Sonja betont: „Jedes Essen, das ich herstelle, sollte ich selbst mit Vergnügen essen.“ Im Gasthof Badl gibt es nur eine kleine Speisekarte, die allerdings von Tag zu Tag etwas verändert wird. Wenn Köchin Sonja frische Steinpilze bekommt oder jemand ein Reh geschossen hat, dann steht das auf der Speisekarte. Und wenn Lammfleisch geliefert wird, von Tieren, die das ganze Jahr auf den Almen leben, dann stehen nicht nur Lammfilets, sondern Lamm-Variationen mit Lamm-Krone, Lammbraten und Lamm-Ragout auf der Speisekarte. Und im Sommer wird Sonjas Küche vor allem mit Salaten, Kürbis und Zucchini sowie etwas Obst von ihrer Mutter beliefert, die als Pensionärin noch einen sehr großen Garten bewirtschaftet. Sonja serviert: Hirsch-Ragout mit a bisserl Rotkraut und Johannisbeeren, einem Pfifferling-Knödel, ein paar Spazerln und Polenta. Die Polenta aus Maisgries ist in Tirol auch ein traditionelles Nahrungsmittel. Die Polenta wird von Sonja mit Milch statt Wasser angemacht und zusätzlich im Ofen leicht überbacken.

Wenn die Touristen in den Gasthof kommen, dann erwartet sie hier ein sehr klein strukturiertes Quartier, so etwas wie eine vertraute und behagliche Atmosphäre, manche nennen es ein “heimeliges“ Gefühl. Die Zahl der Gäste wächst, die diese bodenständige und authentische Umgebung suchen. Natürlich muss sich alles am Ende auch wirtschaftlich rechnen. Aber hier hat der Gast das Gefühl, seine Gastgeberin und ihr kleines Team können das ausblenden. www.hotel-badl-tirol.com

Gang 3: Wanderung zur Thauer Alm

Hall in Tirol by Ronald Keusch ReiseTravel.eu

Auf dem Programm vom Hall-Wattens Tourismusverband steht eine Panorama-Wanderung im Naturpark Karwendel. Startpunkt ist die kleine Gemeinde Thaur und Ziel die gleichnamige Alm auf einer Seehöhe von 1.464 Metern. Da der Ort 633 Meter hoch liegt, haben die Wanderer mehr als zwei Stunden eine stetig bergauf führende Wegstrecke zu absolvieren. Das Wandern ist zwar zu keiner Zeit ganz aus der Mode gekommen. Allerdings freuen sich vor allem die Tiroler Touristenverbände, so Wanderführerin Susanne Vianello, dass Wandern schon seit Jahren zu einem Trendsport avancierte. „Wandern ist wieder richtig schick geworden“, freut sich die Tirolerin.

Auf der Thaurer Alm stehen auf je einer Hausseite zwei große Terrassen mit langen Tischen und Bänken für die Wanderer zur Verfügung. Die Almwirtin Carmen Bichler brutzelt am Herd ihrer Almküche eine der absoluten Spezialitäten in den Tiroler Bergen: Kaspress-Knödel mit einer reichhaltigen Auswahl von Salaten.

Obwohl an diesem schönen Sonnentag viel zu tun ist, findet die Almwirtin noch die Zeit, kurz dem Gast aus Berlin das wohlschmeckende Geheimnis des Kaspress-Knödelfaktor zu lüften. Im flach gedrückte Käseknödel, eine Art Nationalspeise Tirols, sind einheimische, lang gereifte etwas leicht stinkende Käsesorten vom Bauern im nächsten Dorf, Eier von den drei Dutzend Hühnern von ihrem Hühnerhof hinter der Alm, etwas Knödelbrot, Milch von den Kühen der Alm, Gewürze und dann alles in die Pfanne. So schmeckt Urlaub in Tirol, wie man ihn sich vorstellt. Wer den Knödel auf der Alm nicht probiert hat, ist nicht in Tirol gewesen. www.thaureralm.at

Ein Beitrag für ReiseTravel mit Fotos von Ronald Keusch.

Ronald Keusch ReiseTravel.euUnser Autor ist freier Journalist mit dem Schwerpunkt Tourismus, er lebt und arbeitet in Berlin. 
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