Wanne Eickel

Königliche Schwäne in Castrop-Rauxel, eine Stadt erhielt den Theodor-Heuss-Preis

Wanne-Eickel ist nicht Castrop-Rauxel: Es soll ja Scherzbolde geben, die über Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel einen Witz parat haben. Wanne-Eickel sei der deutsche Name und Castrop-Rauxel der lateinische für ein und dieselbe Gemeinde im westfälischen Teil des Ruhrgebiets. Dabei kann sich die 74.000 Einwohnergemeinde Castrop-Rauxel deutlich von Wanne-Eickel abheben, sogar von vielen anderen Gemeinden. Die heute zum Kreis Recklinghausen gehörende Stadt wurde, was kein Aprilscherz ist, an einem 1. April gegründet. Am 1. April 1926 wurde Castrop-Rauxel aus Teilen der Stadt Castrop und des Amtes Rauxel gebildet. Da war die Gemeinde noch ein Teil des Landkreises Dortmund, bevor wieder ein 1. April ein wichtiges geschichtliches Datum bilden sollte. Am 1. April 1928 erlangte die Gemeinde ihre Kreisfreiheit, die bis 1975 andauern sollte. Mit Recklinghausen als neuen Kreis wechselte Castrop-Rauxel sogar den Regierungspräsidenten. War man zu Dortmunder Zeiten noch im sauerländischen Arnsberg angesiedelt, wurde Münster der neue Sitz des Regierungspräsidenten.

Wanne-Eickel ist nicht Castrop-Rauxel Einst prägten Zechen und Hochöfen das Bild der Stadt. Schon früh erwiesen sich die Kommunalpolitiker als auch die Bürgerinnen und Bürger als anpassungsfähig und als sehr begeisterte Europäer.

Das deutsche Städte auf städtischen Gewässern Schwäne zu Besuch haben, stellt keine Besonderheit dar. Allerdings bekam Castrop-Rauxel 1952 einzigartige Schwäne aus königlichen Händen geschenkt. Deren Nachkommen bevölkern immer noch die städtischen Gewässer. Für den sehr gut gelungenen Aufbau der deutsch-britischen Beziehungen erhielt die Ruhrgebietsstadt ein königliches Schwanenpaar sieben Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von Königin Elisabeth II. geschenkt.

Es sollten aber nicht die letzten Ehrungen sein für eine gute Politik auf Gemeindeebene in Sachen erfolgreiche Europapolitik. Der Europarat verlieh der Stadt 1962 den Titel Gemeinde Europas. Im Jahre 1979 wurde die gesamte Stadt mit dem nach dem ehemaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss genannten Theodor-Heuss-Preis geehrt. Die Laudatio hielt seinerzeit Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher.

Heutzutage sind der Hammerkopfturm und das Vollwand-Strebengerüst der ehemaligen Schachtanlage Erin bedeutende Bauwerke Castrop-Rauxels.

Zu diesen Sehenswürdigkeiten zählen auch das Wasserschloss Bladenhorst und das Taubenvatta-Denkmal, eine Bronzetafel, die seit 1986 auf dem Kuopio-Platz steht. Die finnische Stadt Kuopio ist seit 1965 eine der zahlreichen Städtepartnergemeinden der Europastadt Castrop-Rauxel.

Das im Ruhrgebiet den Brieftauben ein Denkmal gewidmet wurde, kommt nicht von ungefähr. Hier spricht der Volksmund von dem „Rennpferd des Bergmannes“, wenn von Renntauben die Rede ist. Sehenswert ist auch der gut erhaltene jüdische Friedhof. Er ist zugleich der älteste Friedhof der Stadt, bereits 1743 erfolgten hier Bestattungen.

Keine Badehose brauchen die Gäste, die im Stadtpark das 1926 eröffnete Parkbad Süd aufsuchen. Es ist seit 1992 ein Kultur- und Freizeitzentrum, das unter Denkmalschutz steht. Wer Sport treiben möchte, hat dazu ausgiebig Gelegenheit auf der 27-Loch-Golfanlage Frohlinde. Das Ausmaß dieser beeindrucken Landschaftskulisse beträgt über 130 Hektar. Gleich zweifach kommen Theaterliebhaber in Castrop-Rauxel auf ihre Kosten. Das Westfälische Landestheater (WLT), hat hier seinen Sitz. Schauspieler-Größen wie Angela Winkler, Ursula Herking und Hanns Ernst Jäger zeigten schon hier ihr Können vor den knapp 600 Zuschauern pro Vorstellung. Problemlos kann das WLT jährlich auf Zuschauerzahlen von rund 20.000 Gästen verweisen. Ebenfalls in Castrop-Rauxel zu Hause ist das Callo-Theater. Es spricht besonders Jugendliche und junge Erwachsene an.

www.castrop-rauxel.de - www.westfaelisches-landestheater.de - www.callo-theater.de

ReiseTravel Fact: Die Stadt Castrop-Rauxel im Ruhrgebiet stellt eindrucksvoll unter Beweis, die Zeiten des Bergmannes und seiner Grubenlampe sind schon lange Vergangenheit. Sehenswürdigkeiten und Kulturstätten befinden sich hier, die der Außenstehende im klassischen Kohlenpott gar nicht erwartet hat.

ReiseTravel Service: Die Stadt verfügt über drei Bahnhöfe. Neben dem Hauptbahnhof, an der Strecke Köln nach Dortmund gelegen, stehen die Haltepunkte Castrop-Rauxel Süd sowie Castrop-Rauxel-Merklinde zur Verfügung. Die Autofahrer kommen per Bundesautobahn 2, die von Oberhausen nach Berlin führt, direkt in die Stadt hinein. Am Autobahnkreuz Castrop-Rauxel-Ost kreuzen sich die A 42 mit der A 45. Wer mit seiner Segelyacht anreisen möchte, kann dies problemlos tun. Der Rhein-Herne-Kanal fließt durch die Ruhrgebietsstadt hindurch. Ein Yachthafen bietet Liegeplätze auch für Tagesgäste. Der nächstgelegene Flughafen ist Dortmund, in unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Flughäfen Münster, Düsseldorf und Köln.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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Buchtipp: ReiseTravel empfiehlt - Mit dem Pferd im Ruhrgebiet wandern

Freizeit im Sattel: Fällt der Name Ruhrgebiet, denken viele Zeitgenossen an Bergbau, Stahlindustrie und Schalke 04 sowie den WDR-Tatort-Kommissar Schimanski. Der Schauspieler Götz George verkörperte einst den Ermittler der Duisburger Mordkommission. Nur die Menschen im Revier selber finden nicht außergewöhnlich, was die 1966 geborene Autorin Margit Koch-Entrop unternommen hat und dann zu Papier brachte: Wanderreiten mit dem Pferd an der Ruhr und im Ruhrgebiet. Diese Region hat sehr viele touristischen Reize, die Einheimischen wissen das längst. Margit Koch-Entrop, die ausgebildete Reitlehrerin, beschreibt das Mitten im Ruhrgebiet gelegene Herne genauso wie das westfälische Waldgebiet Haard und Duisburg, die Stadt mit dem größten Binnenhafen Europas. Hier erfolgt „ein schöner Ritt durch eine sehr schöne Parklandschaft mit prachtvollen Villen, dann auf einen Golfplatz. Es lohnt sich auf jeden Fall..." Was die Wanderreiterin mit ihrem treuen Pferd Tom, einem irischen Tinker, so sieht und wem sie alles begegnet ist auf den Touren teilt sie dem Leser mit. Ihr treuer Begleiter Tom beziehungsweise seine Vorfahren wurden in Großbritannien und Irland als Arbeitspferde eingesetzt. Die Tiere mit einem Stockmaß von 135 bis 160 Zentimeter waren seinerzeit besonders begehrt bei Menschen, die mit Pferd und Wagen reisen mussten. Das waren in erster Linie Fuhrunternehmer und Schausteller. Erst um 1990 erkannten Pferdeliebhaber den hohen Stellenwert des Tinkers, den diese Rasse als Reitpferd darstellt.

Wanderreisen im Ruhrgebiet Wiesenburg Verlag ReiseTravel.euNachbarregionen auch bereist: Die Autorin hat auch die Nachbarn des Ruhrgebiets mit Tom erkundet. Die gesammelten Erfahrungen im Emsland, in der Eifel und in den Niederlanden gibt sie ebenfalls wieder. Obwohl ihr vierbeiniger Gefährte mittlerweile 19 Lenze auf dem Buckel hat, ist er genauso gerne unterwegs wie seine Reiterin. Höflichkeit und Rücksichtnahme sind für Tier und Besitzerin eine Selbstverständlichkeit. Das sollten Freunde, die erst jetzt erstmalig zum Wanderreiten gefunden haben, ebenfalls beherzigen. „Die Reitwege im Ruhrgebiet sind wie in ganz NRW mit einem blauen Schild, auf dem ein weißes Pferd mit Reiter dargestellt ist, gekennzeichnet. Selbstverständlich ist für mich, dass ich Rücksicht nehme auf die anderen Natursuchenden. Das erwarte ich natürlich auch von der anderen Seite. Generell habe ich fast immer gute Erfahrungen gemacht, und oft wird mein Tom auch bestaunt, Wir leben hier in einem Ballungsgebiet und kennen es nicht anders, ohne Rücksicht geht hier eben nichts."

ReiseTravel Fact: Reitlehrerin und Autorin Margit Koch-Entrop berichtet amüsant und facettenreich auf knapp 140 Seiten von ihrem Wanderreiten durch das Revier und Nachbargebiete mit ihrem Tom. Wildromantische Touren sind ebenso von den beiden Naturfreunden erkundet worden wie Badeseen. Das Beeindruckende ist schon die in die Tat umgesetzte Idee: Das ehemals als Kohlenpott bekannte Gebiet stellt sich nun für viele erstaunte Leser als ein Urlaubsziel von Rang und Namen dar. Dieser Dank gebührt Tom und der Schriftstellerin. Von Volker T. Neef.

Wanderreiten im Ruhrgebiet und andere Geschichten über Erlebnisse mit einem irischen Tinkerpferd namens Tom. 139 Seiten, Wiesenburg Verlag D-97412 Schweinfurt, ISBN 978-3-95632-263-1. www.wiesenburgverlag.de

Das Buch kostet im Buchandel 19,90 Euro.

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