Berlin

3.170 Aussteller aus 59 Ländern, 42 Hallen und 180 Weltpremieren: Die größte InnoTrans ihrer Geschichte feierte 30-jähriges Bestehen

InnoTrans Berlin: Das Gleisgelände gehört zu den Publikumsmagneten der InnoTrans: 113 Fahrzeuge aus 17 Ländern, darunter Südkorea und China. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger und EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas sprachen zur Eröffnung.

InnoTrans

Fokus lag auf alternativen Antriebstechnologien: Vom modernen Hochgeschwindigkeitszug über Lokomotiven mit alternativen Antrieben bis hin zu innovativen Nachtzugkonzepten: Auf der InnoTrans 2026 präsentieren Hersteller aus aller Welt ihre neuesten Fahrzeuge der internationalen Bahnindustrie.

Moments in Motion – Die Evolution der Modula Plattform

InnoTrans

All die Fahrzeuge ausstellen zu können, erforderte eine komplexe Logistik. Besonders weit ist der Weg für Exponate aus Asien: Die Fahrzeuge aus China und Südkorea wurden zunächst per Schiff nach Europa transportiert. Anschließend ging es teilweise per Binnenschiff weiter in Richtung Berlin. Andere Fahrzeuge reisten auf der Schiene oder über die Straße an.

Trend der InnoTrans 2026: Die Renaissance der Nachtzüge. Gleich mehrere Unternehmen zeigten in Berlin, wie komfortables Reisen über Nacht künftig aussehen kann. Dabei stehen Privatsphäre, eine effizientere Nutzung des verfügbaren Raums und neue Komfortkonzepte im Mittelpunkt.

Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Nach Jahren als Nischenprodukt soll der Nachtzug in Europa neuen Aufwind bekommen. Klimaschutz, die Nachfrage nach nachhaltigem Reisen und der Wunsch nach komfortablen grenzüberschreitenden Verbindungen treiben die Entwicklung. Auf der InnoTrans 2026 zeigen mehrere Unternehmen, wie komfortables Reisen über Nacht künftig aussehen könnte. Im Fokus stehen Privatsphäre, effiziente Raumnutzung und Fahrkomfort. Das Berliner Start-up Nox Mobility will ab 2027 Nachtzüge mit ausschließlich privaten Abteilen auf Europas Schienen bringen.

Luna Rail zeigt seinen Hotel Pod und Seat Pod erstmals eingebaut in einen echten Reisezugwagen. Im „Luna Rail Lab“ konnten die Kabinen selbst betreten und ausprobiert werden. Gemeinsam mit den Unternehmen Tricon, Gata, satek und k+v hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen neuartigen Nachtzug entwickelt. „Die Bahn ist traditionell eine tragende Säule des öffentlichen Verkehrs und etabliertes Transportmittel im Logistikbereich. Gleichzeitig steht sie vor immensen Herausforderungen – bei den Schienenfahrzeugen, beim Betrieb und bei der Infrastruktur. Die Technologien und Lösungen des DLR greifen diese Herausforderungen aus einer umfassenden Perspektive auf: im Bereich automatisierter und energieeffizienter Fahrzeuge, der kollaborativen Planung von ÖPNV-Angeboten oder der strategischen Mobilitätsplanung“, sagt Prof. Meike Jipp, DLR-Bereichsvorständin Energie und Verkehr.
Ferngesteuerter und automatisierter Bahnbetrieb
Ein interaktives Exponat erläutert die Forschung des DLR, um Züge zeitnah und für eine Vielzahl von Anwendungen ferngesteuert (remote train operation, RTO) oder automatisiert (automated train operation, ATO) zu betreiben. Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle. Sie erfassen elementare Informationen: Wo befindet sich ein Zug? Mit welcher Geschwindigkeit und Richtung ist er unterwegs? Und welchen Abstand hat er zu anderen Zügen?

Kann die Automatisierung zum Beispiel eine Situation nicht selbstständig lösen, übergibt sie an einen menschlichen Operator. Dieser greift dann mittels Fernsteuerung ein.
Als „Fahrwerk“ eines Schienenfahrzeugs ist das Drehgestell eine zentrale Komponente. Es befindet sich unter dem Wagenkasten, beinhaltet die Radsätze und ist drehbar. Es trägt und verteilt das Gewicht des Zugs, dämpft Erschütterungen und ermöglicht es, Kurven besser zu durchfahren. Das DLR entwickelt zukunftsweisende Fahrwerkstechnologie und betreibt hochmoderne Prüfstände, um diese unter realistischen Bedingungen zu testen. Auf der InnoTrans zeigt das DLR in mehreren Live-Schalten, wie sein angetriebenes mechatronisches Einzelrad-Bahnfahrwerk auf einem speziellen Prüfstand fährt. Dabei werden die einzelnen Räder so gesteuert, dass sie optimal auf der Schiene aufliegen. So entsteht weniger Abrieb, was zu weniger Verschleiß und geringerem Wartungsaufwand führt. Außerdem verursacht es weniger Vibrationen und damit weniger Lärm.
Forschen für das richtige Klima in der Bahn
Die Temperatur im Zugabteil ist ein wichtiger Wohlfühlfaktor und beeinflusst die Attraktivität einer Bahnreise. Die Coronazeit hat zudem gezeigt, wie wichtig Klimatisierungstechnologien sind hinsichtlich der Ausbreitung von Aerosolen und der mikrobiellen Belastung durch den Kontakt mit Oberflächen. Das DLR arbeitet deshalb an Konzepten, wie alle Mitfahrenden ihre Klimatisierung individuell einstellen und gleichzeitig sicher und hygienisch unterwegs sein können. Am Stand auf der InnoTrans ist der Innenraum eines Zugwagens mit sechs Sitzen nachgebaut. Darin demonstrieren und erklären die DLR-Forschenden, an welchen Lösungen für Belüftung, individuelle Klimatisierung und antimikrobielle Oberflächen sie arbeiten.

Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e. V. (DLR) https://www.dlr.de
InnoTrans

Ein komplett eingerichteter Zugteil des Frecciarossa 1000 bot konkrete Einblicke in die Innengestaltung. Mit dem “Roten Pfeil” wachsen Deutschland, Österreich und Italien über die Schiene noch enger zusammen: Ab Sommer 2027 bringen modernste Frecciarossa-Hochgeschwindigkeitszüge der Trenitalia Europa-Reisende von München entspannt, klimafreundlich und ohne Umstieg nach Mailand und Rom. Ermöglicht werden die Verbindungen durch die neue Kooperation von Deutscher Bahn (DB), der italienischen Trenitalia und den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB).
DB-Vorstand Personenfernverkehr, Dr. Michael Peterson, Trenitalia-CEO Simone Gorini und Dr. Sabine Stock, Vorständin ÖBB Personenverkehr haben vor Ort den Zug und generell die gemeinsame Kooperation feierlich gewürdigt.

InnoTrans 2026

Unter dem Namen „Euro DuFour“ hat Stadler für die SBB Cargo eine völlig neue Lokomotive entwickelt. Die interoperable und multisystemfähige Bo’Bo’-Maschine kann unter den vier in Europa üblichen Fahrleitungsspannungen verkehren. Die Dienstmasse beträgt nur 80 Tonnen; mit einem Last-Mile-Batterie-Modul steigt die Masse auf 84 Tonnen. Die Drehgestelle verfügen über ein „Integriertes Lenkungssystem“, um den Verschleiß an den Schienen gegenüber herkömmlichen vierachsigen Lokomotiven, um 20 Prozent zu reduzieren.
Die sardische Azienda Trasporti Regionali della Sardegna (ARST) bekommt von Stadler zehn Schmalspur-Züge mit einem Wasserstoff-Antrieb. Im Power-Pack zwischen den beiden Wagenteilen für die Fahrgäste befinden sich die Brennstoffzelle sowie die Wasserstofftanks. Der Zug kann laut Stadler in unter 30 Minuten aufgetankt werden und schafft mit einer Tankfüllung etwa 460 Kilometer. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 130 Kilometer pro Stunde. Mit einer Gesamtlänge von 50 Meter bietet der Zug 89 Sitzplätze. Neben der ARST bekommen noch die Ferrovie della Calabria (FdC) 15 Einheiten und die sizilianische Ferrovia Circumetnea (FCE) zwei Einheiten.

InnoTrans
Aus China hat CRRC zwei eindrucksvolle Fahrzeuge mitgebracht: eine sechsachsige Lokomotive mit einem Antrieb über eine Brennstoffzelle (Velforce) und eine vollautomatische Metro mit einem futuristischen Design. Die Velforce basiert auf der Plattform „Xuan“, über die Lokomotiven und Metros mit neuen Antrieben ausgestattet werden können. Die Velforce verfügt über eine Brennstoffzelle mit 2.000 Kilowatt Leistung, ergänzt um ein Batteriepack in LTO-Technik mit einer Kapazität von 600 Ampèrestunden bei 1.260 Kilowattstunden. Die 138 Tonnen schwere Lokomotive erreicht maximal 100 Kilometer pro Stunde. Die Maschine gibt es auch mit klassischem Dieselmotor oder einem Hybridantrieb aus Diesel plus Batterie.
Bei Vellink handelt es sich um eine Designstudie für eine fahrerlose Metro. Hier wurde auf Leichtbau großen Wert gelegt. So sind das Dach des Aluminium-Wagenkastens, der Luftkanal und die Schall- und Wärmedämmstoffe konstruktiv so integriert, dass sie gleichzeitig auch als tragende Elemente dienen. Dank integrierter Carbonfasern ließen sich die Frontverkleidung und die Rahmenstruktur neu gestalten, was zu einer Gewichtsreduzierung führte. Die Radsatzlast beträgt nur 15 Tonnen bei einer Wagenkastenlänge von 24,4 Meter.

InnoTrans

Siemens hatte seinen Messeauftritt ganz in das Zeichen des „X“ gestellt. Die Schlagwörter dazu sind: Signaling X, Mobility Software Suite X, Railigent X mit Railigent X Copilot und Vectron X. Signaling X ist die offene Weiterentwicklung der zentralisierten und cloudbasierten Signaltechnik mit offenen Schnittstellen, die auf standardisierten Servern läuft. Dies reduziert nicht nur die Kosten um 20 Prozent, so Siemens, parallel wird die Kapazität der Strecke um 30 Prozent erhöht und der Energieverbrauch um 30 Prozent reduziert. Die Mobility Software Suite X versteht sich als One-Stop-Shop für digitale Mobilitätslösungen und ist ein Teil von Siemens Xcelerator. Mobility Software Suite X bietet Vorteile sowohl für Fahrgäste wie auch Betreiber. Railigent X Copilot ist ein KI-gestützter sprachbasierter Assistent von Siemens Mobility, der als Teil der Railigent X-Applikationssuite die Instandhaltung und den Betrieb von Schienenfahrzeugen optimiert. Auf den Vorschlägen von Railigent X Copilot werden auch die Instandhaltungsprozesse aufgebaut. Der Vectron X ist eine Erweiterung der digitalen Plattformlösung Xcelerator, die erstmals auf der InnoTrans 2022 präsentiert worden ist. Diese offene Marktplatzlösung ist auch Drittanbietern zugänglich. Der Vectron X ist nicht nur nahezu in Echtzeit vernetzt, über einen App-Store können vom Betreiber freigegebene Apps auf der Lok geladen werden. Dafür verfügt die Lok über einen zentralen Smart Screen im Führerstand anstelle des bisherigen Ebula-Gerätes, der auch das Tablet einer Lokführerin oder eines Lokführers spiegeln bzw. verschiedene Anwendungen im Split Screen ausführen kann. Das Smart Release ist nachrüstbar und bedarf keiner Neuzulassung, so Andre Rodenbeck, CEO Rolling Stock.

Die InnoTrans ist die internationale Leitmesse für Verkehrstechnik, die alle zwei Jahre in Berlin stattfindet, mit fünf Messesegmenten: Railway Technology, Railway Infrastructure, Public Transport, Interiors und Tunnel Construction. Veranstalter ist die Messe Berlin. www.innotrans.de - Messe Berlin

ReiseTravel Fact: InnoTrans 2026 war bis auf den letzten Zentimeter belegt. Wer schnell einen Überblick über die insgesamt rund 200.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gewinnen wollte, konnte sich den Rundgängen anschließen, die mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten täglich angeboten wurden. Die InnoTrans feierte ihr 30-jähriges Bestehen mit Rekordzahlen. Alles hat einmal ganz klein angefangen: Zur ersten InnoTrans 1996 kamen 172 Aussteller und etwa 6.400 Fachbesucher. Für nächstes Jahr ist erstmals die InnoTrans Asia geplant, und zwar in Singapur.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Gerald H. Ueberscher

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