Bochum

Zweitgrößte Einkaufszentrum in Deutschland steht in Bochum in NRW

Aus Ackerland wurde Einkaufsmeile: Im Bochumer Stadtteil Harpen befand sich bis Anfang 1960 Ackerland. Der Investor Edward Roberts hatte für diesen Stadtteil in der westfälischen Ruhrgebiets Metropole weit führende Ideen. Das Einwohner starke Ruhrgebiet sollte nicht nur ein neues Einkaufszentrum auf der grünen Wiese erhalten, sondern ein riesengroßes in Westfalen. Der Ruhr Park ward geboren. Der Fluss Ruhr, der dem Ruhrgebiet den Namen gab, war auch Namensgeber des damals zweitgrößten Einkaufszentrum in der Bundesrepublik Deutschland.

Nur das Einkaufszentrum im hessischen Main-Taunus-Zentrum in Sulzbach im Regierungsbezirk Darmstadt konnte seinerzeit den Ruhr Park größenmäßig überflügeln. Auf einer Gesamtfläche von 125.000 Quadratmetren, davon 71.500 Quadratmeter Geschäftsfläche, eröffneten Ende 1964 in Bochum fast 150 Geschäfte. Da, wo einst Bauern die Felder und Äcker bestellten, warteten nun Fachgeschäfte, Waren- und Kaufhäuser auf Kundschaft. Zur Attraktivität des Ruhr Park trugen von Anfang an die guten Verbinden bei. Sechs Buslinien des Nahverkehrs und zwei Haltestellen im Ruhr Park sorgten für gute Akzeptanz. Da das Einkaufszentrum direkt an den Schnellstraßen A 40 und A 43 angesiedelt wurde, kamen und kommen auch die Bewohner aus Wuppertal, Essen, Oberhausen und Dortmund per Auto schnell in den Bochumer Stadtteil Harpen. Fast 5.000 kostenlose Parkplätze sind bis heute ein Argument der Ruhr Park Manager, dieses Einkaufszentrum einmal aufzusuchen. Im Laufe der Zeit hat sich der Ruhr Park auch sehr stark ausgeweitet. Heute hat er ein Ausmaß von rund 254.000 Quadratmetern Gesamtfläche. Somit hat er sich seit seiner Einweihung 1964 fast verdoppelt.

Rund 2.500 Verkäufer und Köche, Kellner sowie weiteres Personal kümmern sich werktäglich um die Kundschaft. Mittlerweile befindet sich auch ein Kinokomplex auf dem Gelände des Einkaufszentrums im Ruhrgebiet.

Im Herbst 2001 eröffnete im Ruhr Park die Via Bartolo. Dabei handelt es sich um ein besonderes Gastronomiekonzept. Rund ein Dutzend gastronomische Betriebe mit Speisen aus aller Welt sind ringförmig um einen zentralen Platz angeordnet. Dieser Zentralpunkt besteht aus Esstischen und Sitzplätzen, knapp 300 Plätze stehen zur Verfügung. Der Speisebereich wird zu jeder Jahreszeit mit Pflanzen und Blumen entsprechend dekoriert. So findet der Gast im Frühjahr eine andere Dekoration vor als im Sommer. Kunstausstellungen mit Skulpturen und Gemälden sowie Radierungen von Hobbykünstlern als auch Berufskünstlern runden die wechselnden Dekorierungen ab. Natürlich hat man im Laufe der Geschäftsjahre sich immer wieder anpassen müssen seitens der Betreiber.

Als 1964 sich die Pforten öffneten, gab es in Westdeutschland noch zahlreiche Warenhauskonzerne und Geschäfte von Versandhausanbietern, wie Hertie und Horten, die haben sich längst vom Markt verabschiedet. Warenhäuser waren gute Mieter in Einkaufszentren, in ihnen konnte man von Lebensmitteln über Möbel bis hin zu Autoreifen alles kaufen. Das bedeutete auch, Warenhauskonzerne buchten immer die größten Gebäude in den Einkaufsmeilen. Zwei Nachfrager für große Verkaufshäuser, Hertie und Horten, sind schon lange verschwunden und kommen bestimmt nicht mehr wieder. Es ist ja mitgeteilt worden, dass ein in Essen angesiedelter Warenhauskonzern erst kürzlich an einen Eigentümer aus Österreich verkauft worden ist und der Gesamtkonzern um seinen wirtschaftlichen Fortbestand kämpft. Einst hatten auch die Versandhändler Quelle und Neckermann ihre Läden im Ruhr Park aufgemacht. Wie bekannt, sowohl Neckermann als auch Quelle sind längst Historie. Natürlich nagt auch der moderne Zahn der Zeit immer an Einkaufszentren. Eine Bank, die noch vor einigen Jahren im Ruhr Park eine ihrer deutschlandweiten Filialen hatte, beschloss aus Kostengründen, sich vom gesamten Filialnetz zu trennen. Seitdem ist diese Bank nur noch eine Onlinebank. Im Ruhr Park konnte letztendlich eine andere Bank gewonnen werden, in die Räume des Mitbewerbers zu ziehen. Klagen der Einzelhändler, der Onlinehandel nimmt den Ladenbesitzern einen Großteil des Umsatzes ab, gibt es nicht nur von Ladenbesitzern aus dem Ruhr-Park. Heutzutage bleibt aber festzuhalten, der Ruhr-Park hat sich etabliert und darf viele treue Stammkunden werktäglich begrüßen sowie stets neue Gäste, die sogar aus Belgien und den Niederlanden anreisen. www.ruhrpark.de

ReiseTravel Fact: Der Ruhr Park bietet auf überschaubarem Areal viele Einkaufsmöglichkeiten. Einkaufszentren wie dieses setzten sich später aber kaum mehr durch. Investoren scheuten die sehr hohen Vorleistungen, denn den Bauern ein großes Stück Land abzukaufen und darauf um 150 Geschäfte zu erstellen, benötigen enorme Kosten. Jeder Bauherr, der mal ein Eigenheim erbaut hat, kann sich bestens ausmalen, wie hoch allein die Kosten für Architekten liegen müssen, ehe 5.000 Parkplätze und 150 Läden baurechtlich unter Dach und Fach abgewickelt worden sind. Von Lohnkosten für Maurer und Materialkosten für Steine und Zement ist dabei noch gar nicht die Rede. Daher sind neue Einkaufsmeilen wie der Ruhr Park sehr selten. Nach der Wende gab es in Wildau bei Berlin mit dem A 10 Center noch einmal eine Neuauflage eines Einkaufscenters auf der grünen Wiese. Weitere Anlagen sind in Deutschland nie mehr entstanden und aktuell auch nicht in den Planungen.

ReiseTravel Service: Der Ruhr-Park befindet sich im Bochumer Stadtteil Harpen an den Schnellstraßen A 40 und A 43. Sechs Buslinien im öffentlichen Personennahverkehr fahren zum Ruhr-Park, davon einige auch vom Bochumer Hauptbahnhof aus. Dieser Hauptbahnhof an der Strecke Essen nach Dortmund ist Haltepunkt aller Züge, auch IC und ICE. Der nächstgelegene Flughafen ist Dortmund, weitere Flughäfen in der Nähe sind Münster, Düsseldorf und Köln.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker T. Neef.  

Volker T. Neef ReiseTravel.euUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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