Rom

Mit Panda und 500 beginnt bei Fiat ab sofort das Elektro-Zeitalter

Auch als Nachzügler überpünktlich: Mit Panda und 500 beginnt bei Fiat ab sofort das Elektro-Zeitalter. Das mag manchem reichlich spät vorkommen, aus Sicht des Herstellers ist es aber genau der richtige Zeitpunkt. So fahren die beiden Kleinsten der Italiener ab sofort als Mildhybride mit elektrischer Unterstützung.

Seit das Wort Hybrid als eine Art Adelsschlag für die Versöhnung von Automobil und Umwelt angesehen wird, überbieten sich die Kfz-Produzenten in der Bereitstellung von Fahrzeugen mit Elektro- und Verbrennungsmotor. Nicht immer können diese auch rein elektrisch fahren, doch als Mild-Hybrid zehren sie immer noch vom grünen Image des Kombi-Antriebs. So wie die beiden Fiat-Modelle, die nunmehr als erste Erzeugnisse der italienischen Traditionsmarke den Beinamen „Hybrid“ führen dürfen.

Fiat Hybride by ReiseTravel.eu

Fiat Hybride

Wenig überraschend stellt Fiat den späten Auftritt seiner Mildybride als gewolltes strategisches Abwarten dar. Nicht Geld- oder Kompetenzmangel sollen die Gründe sein, sondern das Warten auf den richtigen Zeitpunkt. Jetzt sei der Markt reif für eine druckvolle Elektrifizierung auch im Kleinwagenbereich.

Für die neuen Panda- und 500er-Varianten wurde eigens ein Dreizylinder entwickelt, der in seinen Grundzügen wie die bekannten Firefly-(„Glühwürmchen“)-Aggregate des Konzerns aufgebaut sind. Aus Sicht von Motorentwickler Carlo de Marino ist es eine technisch „einfache Lösung“, die dem Ein-Liter-Triebwerk zu besseren Umweltwerten verhilft. Mit einem Kompressionsverhältnis von 12:1 ist der nur 77 Kilo schwere Motor höher verdichtet als gängige Benzinmotoren, die Kombination mit einem fünf PS (3,6 Kilowatt) starken, riemengetriebenen Generator macht das Antriebssystem zur Hybridanlage. Zusammen mit der Lithiumionen-Batterie garantiert sie nach Carlo de Marino „nachhaltige Mobilität auf einfache Weise“.

Und, so sieht man es bei Fiat, das obendrein auf preisgünstige Weise. Der Aufschlag gegenüber den herkömmlichen Modellen betrage lediglich 500 Euro, sodass der Panda Hybrid in seiner günstigsten Ausführung 13.490 Euro kostet, der 500er 13.990 Euro. Was die ins Visier genommene Kundschaft angeht, könnten beide Kleinwagen gut nebeneinander existieren: Der Fiat 500 wendet sich seit Erscheinen der Neuauflage an ein lifestyle-orientiertes Publikum, dem Design und das mit dem Fahrzeug zum Ausdruck gebrachte Lebensgefühl wichtig ist. Der Panda hingegen spricht Kunden an, für die Funktionalität und Vielseitigkeit des Fünftürers wichtiger sind. Zur Premiere der beiden Hybriden hat Fiat sich noch eine neue Lackierung einfallen lassen, deren sanfter Hauch von Einfärbung als „Taugrün“ bestellt werden kann.

Da dem Dreizylinder ein Turbolader fehlt und er nur die Luft zum Verbrennen bekommt, die der Zylinder durch Kolbenbewegung einsaugt, so fällt das Drehmoment mit 92 Newtonmetern eher bescheiden aus. Subjektiv geht der Panda beim Beschleunigen aber eine Idee herzhafter zu Werke, was allerdings nicht an einem Gewichtsunterschied liegen kann. Für beide Fahrzeuge wird eine Leermasse von 1055 Kilo angegeben. Wegen des kurzen Radstandes von 2,30 Metern sollte man darauf gefasst sein, dass Querfugen auf der Fahrbahn auch mal zu einem spürbaren Rütteleffekt führen können.

Die vom Konstrukteur beschriebene Laufkultur des Dreizylinders konnte der Motor durchaus unter Beweis stellen. Ein Display zum „Energy-Flow“ erlaubt es außerdem, die Rekuperationsphasen live zu verfolgen, doch was bei der Energierückgewinnung durch Schubbetrieb, Bremsen und „Segeln“ tatsächlich an Spriteinsparung erfolgt, müssen längerfristig angelegte Tests ermitteln. Um beim flotten Mitschwimmen im urbanen Verkehr etwas Temperament zu entwickeln, sind erwartungsgemäß höhere Drehzahlen vonnöten, was bekanntlich einen unerwünschten Effekt auf den Verbrauch hat. Während der kurzen Testausflüge rund um Bologna warfen die Bordcomputer der Testfahrzeuge Werte zwischen sieben und acht Liter aus, was einer Verdoppelung des offiziellen Wertes nahekäme.

Der liegt nämlich bei 3,9 Litern auf 100 km und damit bei 88 (Fiat 500) respektive 89 Gramm Kohlendioxid je Kilometer. Damit unterbieten beide das von der EU definierte 90-Gramm-Ziel, das zur Vermeidung von Strafzahlungen jeder Hersteller dringend einhalten möchte. Positiv ist zu vermerken, dass beiden Fahrzeugen ein Sechs-Gang-Getriebe spendiert wurde, was andere Hersteller bei Kleinwagen gern vermeiden. Um den umweltverträglichen Anspruch für Kunden noch etwas anschaulicher zu machen, bietet Fiat außerdem Sitzpolster aus Fasern an, die aus recyceltem Plastikmüll bestehen und so der Verschmutzung der Meere entgegenwirken sollen.
ReiseTravel Fact: Dass der Hersteller einen Nutzen von Autos hat, die auf dem Prüfstand Werte von unter 90 Gramm CO2 je Kilometer erzeugen, leuchtet jedem leicht ein. Ob der niedrige Normverbrauch tatsächlich in Kundenhand erreicht wird, muss die Praxis erweisen. Doch es soll auch ganz ohne Benzinverbrauch gehen: Schon bald will Fiat auch ein rein-elektrisches Fahrzeug der Öffentlichkeit vorstellen: Der Autosalon in Genf Anfang März ist als Forum für die Premiere für den Fiat 500 e auserkoren.

Fiat Panda Hybrid
Länge x Breite x Höhe (m): 3,71 x 1,66 (o. Spiegel) x 1,66
Motor: R3-Benziner, 999 ccm
Leistung: 70 PS (51 kW) bei 6000 U/min
Max. Drehmoment: 92 Nm bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 14,7 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 3,9 Liter
CO2 kombiniert: 89 g/km
Leergewicht / Zuladung: 1055 kg / k.A.
Kofferraumvolumen: 225 - 870 Liter
Max. Anhängelast: 900 kg
Wendekreis: 9,7 m
Basispreis 13.490 Euro

Ein Beitrag für ReiseTravel von Axel F. Busse.

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