Berlin

Internationaler Holocaust Gedenktag und Tag der Opfer des Nationalsozialismus

Politiker gedachten der millionenfachen Naziopfer: Seit 1996 ist in Deutschland der 27. Januar ein Gesetzlicher Gedenktag, an dem man bundesweit der Opfer des Nationalsozialismus gedenkt. Zugleich ist dieser Tag auch der Internationale Holocaust-Gedenktag. Im Berliner Bezirk Reinickendorf war unsere Redaktion bei dieser Veranstaltung anwesend, an der u. a. Vertreter aus dem Bezirksamt und dem Berliner Abgeordnetenhaus teilnahmen und Kränze für die Opfer niederlegten.

Reinickendorfs Bezirksbürgermeister Frank Balzer (CDU) erinnerte daran, dass der damalige Bundespräsident Prof. Roman Herzog es war, der diesen Gedenktag ins Leben rief.

Frank Balzer erinnerte ferner daran, dass am 27. Januar die Inhaftierten des KZ Auschwitz von der Roten Armee befreit wurden. „Allein in Auschwitz kamen 1,1 Millionen Menschen um. Insgesamt wurden in den Vernichtungslagern 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen umgebracht. Viele von ihnen starben auch an Folter, Kälte, den Strapazen der Zwangsarbeit und Hunger.“ Der Bezirksbürgermeister machte auch deutlich, wie groß die „Fabrik des Todes“ in Auschwitz war: „Die drei Lager hatten ein Ausmaß von fast 40 Quadratkilometern.“ Man muss sich vergegenwärtigen, wie nah Auschwitz an Berlin liegt, es sind nur 550 Km Entfernung zu verzeichnen. Er selber habe die israelische Gedenkstätte Yad Vaschem besucht und dieser Besuch „hat mich betroffen gemacht.“

Es habe sich in Yad Vaschem auch gezeigt, dass die dortigen Gastgeber, darunter KZ-Überlebende und deren Nachkommen, offenherzig mit den Besuchern ins Gespräch kommen. „Läge der Fall umgekehrt, ich weiß nicht, ob wir zu so viel Großzügigkeit bereit wären.“ Besonders beeindruckt habe ihn, dass man nicht nur „die oberen Täter dort benennt, es werden auch Täter benannt, die am Ende der Befehlskette im Dritten Reich gestanden haben.“ Ohne diese ekelhaften, sich anbiedernden und auf Karriere bedachten Mitläufer und Helfershelfern wäre der millionenfache Massenmord an Juden, Kommunisten. Sozialdemokraten, christlichen Politikern, Gewerkschaftern, Behinderten (Euthanasie - Gesetze der Nazis!) und Homosexuellen sowie Zeugen Jehovas gar nicht möglich gewesen.

Der Bezirk Reinickendorf unternimmt seit Jahren alles in seiner Macht stehende, um aufkeimenden Faschismus sofort zu verhindern. Damit die Jugendlichen sich ein Bild machen können, wie grausam die Nazis regierten, „besuchen alle Auszubildenden des Bezirksamtes das KZ Sachsenhausen.“

Frank Balzer teilte im Gespräch mit ReiseTravel mit: „Für Menschen, die die Zeit der nationalsozialistischen Schreckensherrschaften heute glorifizieren, ja sich sogar wieder herbeisehnen, habe ich keinerlei Verständnis und bin zu keiner Toleranz bereit. Da gehe ich dazwischen. Das fängt schon damit an, wenn Unbedarfte sich Judenwitze erzählen. Der durch die Nazis verursachte Völkermord ist Mahnung und Verpflichtung zugleich.“ www.berlin.de/ba-reinickendorf/bezirksamt 

An der Kranzniederlegung in Reinickendorf nahm auch der LINKEN-Politiker Hakan Tas teil. Bei der Bundestagswahl 2013 kandidierte er in diesem Wahlkreis.

Hakan Tas ist Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und im Gespräch mit uns sagte er: „Wir müssen die menschenverachtende Zeit des Nationalsozialismus wachhalten, allein schon deshalb, damit sich so etwas nicht wiederholt. Die Mordserie der NSU hat doch auf grausame Weise dargelegt, dass in so manchen Köpfen das braune Gedankengut noch vorhanden ist und man sogar zum vielfachen Mord bereit ist.“

Für den Parlamentarier ist auch klar, dass „die genaue Zahl der durch braune Hand in der NSU-Mordserie getöteten Menschen mit Migrationshintergrund und der Antifaschisten weit über die bisher bekannte Zahl hinausgeht. Das werden die weiteren Ermittlungen zutage fördern. Ich fordere auf Ebene des Bundes und der Länder einen gemeinsamen Willen, das NSU-Geschehen lückenlos aufzuklären, denn ich kann diesen gemeinsamen Willen im Moment noch nicht erkennen.“ www.hakan-tas.de

ReiseTravel Fact: Ein unvorstellbarer Massenmord hat stattgefunden, nicht in der Steinzeit oder im Mittelalter, sondern zu einer Zeit, als es schon Autos, Telefone und Kameras gab. Menschen wurden von anderen Menschen zu „unwerten Lebewesen“ erklärt, weil den Herrschenden die Religion, die Hautfarbe oder die politische Ansicht nicht passte. Diese Schreckenszeit in der deutschen Geschichte muss immer wieder wachgehalten werden, damit Nachfolger wie die Mörder aus der NSU-Szene und Vertreter von rechtsradikalen Parteien und Organisationen keine Wirkungsmöglichkeiten mehr haben.

Ein Beitrag für ReiseTravel von Volker-T. Neef.  

Volker T. NeefUnser Autor berichtet aus der Bundeshauptstadt und ist in Berlin wohnhaft.

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